/oJvvaAaj^CX DI^ E LEUKÄMIE ALS PROTOZOENINFEKTION/luHt^ NTERSÜCHÜNGEN ZUR ÄTIOLOGIE UND PATHOLOGIE. ru CT zr nj a a a VON Dr. M. LÖWIT, "^ 0. Ö. PROFESSOR DER ALLGEMEINEN UND EXPERIMENTELLEN PATHOLOGIE *"" AN DER K. K. UNIVERSITÄT INNSBRUCK. MIT IX TAFELN IN STEINDRUCK UND I TAFEL IN LICHTDRUCK. WIESBADEN. VERLAG VON J. F. BERGMANN. 1900. Verlag von J. F. Bergmann in Wiesbaden. Mikroskopie 4es A US würfe s. . Von Dr. Albert Daiber, Chemisch-physiologisches und bakteriologisches Laboratorium. Basel. Mit 24 Abbildungen auf 12 Tafeln. — geb. M, 3.60. D. trennt organisirte und nicht organisirte Elemente. Die ersteren, zu denen die Blutkörperchen, die Epithelien, die Fibringerionsel, die elastischen I'asern, die Parasiten und noch manche andere Dinge gehören, sind die weitaus wichtigeren und nehmen einen wesentlich grösseren Kaum in D.'s Buche ein, als die nicht organisirten Elemeute, die Cholesterinkrystalle, die Charcot- Leyden'schen Krystalle, die Niederschläge von Leucin, Tyrosin, Hämatoidin, oxalsaurem Kalk und Tripelphosphat. D.'s Anleitungen zur Herstellung der verschiedenen Präparate sind klar und anschaulich, gegen die Abbildungen wüssten wir nichts einzuwenden. Besonderen Werth legt U. auf die ungefärbten Piäparate aus dem Auswurfe Tuberkulöser. Manche von den jüngeren Aerzten werden solche Präparate noch niemals gesehen habeu, uns älteren sind sie aus der Vor-Bacillenzeit gut bekannt. D. meint, sie gäben ein besseres Bild von dem Zustande der kranken Lunge als die jetzt üblichen Präparate, in denen nur die gefärbten Bacillen auffallen. Dippe i. SchmidVs Jahrbücher. Mikroskopie der Harnsedimente. Von Dr. Albert Daiber, Chemisch-physiologisches und bakteriologisches Laboratorium Basel. Mit 106 Abbildungen auf 53 Tafeln. — Preis 31. 12.60. Die Uroskopie ist eine Wissenschaft, welche eigentlich nur der Medicin angehört, bei der heutzutage aber übliihen Arbeitstheilung sehr oft auch in chemischen Laboratorien, wo Harnanalysen augefertigt werden, mit berücksichtigt werden muss. Dies ist nur möglich, wenn dem die Untersuchung Ausführenden ein mit vielen zuverlässigen Abbildungen ausgestattetes Werk zur Verfügung steht. Auch dem angehenden Mediciner und dem unerfahrenen jungen Arzte ist ein derartiges Hülfsbuch unentbehrlich, denn er kann die Fülle dessen, was im Harnsedimente Kranker mit dem Mikroskope wahrgenommen werden kann, un- möglich vom einmaligen Sehen in der Klinik im Kopfe behalten. Für beide Zwecke ist es wünschenswerth, dass die nicht sehr grosse Zahl der vorhandenen Bilderwerke von Zeit zu Zeit durch neu hinzukommende vermehrt und der Preis derselben durch die entstehende Concurrenz etwas herabgesetzt wird. Von diesem Gesichtspunkte aus begrüssen wir das vorliegende neue Werk mit Freuden, Es liefert eine grosse Anzahl von Origiualbildern und einen kurzen beschreiben- den Text dazu. Das Dargestellte und Beschriebene sind Epithelien, Blutgebilde, die verschiedensteu Formen von Cylindern und Krystallen, Spermatozoiden, Urethralfäden, Mikroben, Pilze, Würmer etc. Auch diejenige Form der Centri- luge, welche zur raschen Gewinnung von Harnsedimenten heutzutage mit viel Erfolg verwendet wird, ist abgebildet. Es unterliegt keinem Zweifel, dass dieses Buch seinen Leserkreis finden wird. Bilder und Text sind fast ausnahmslos tadellos. j^rof. E. Bobert {Dorpat). DIE LEUKÄMIE ALS PROTOZOENINFEKTION. DIE LEUKÄMIE ALS PROTOZOENINFEKTION. UNTERSUCHUNGEN ZUR ÄTIOLOGIE UND PATHOLOGIE. VON Dr. M. LÖWIT, O. Ö. PROFESSOR DER ALLGEMEINEN UND EXPERIMENTELLEN PATHOLOGIE AN DER K. K. UNIVERSITÄT INNSBRUCK. MIT IX TAFELN IN STEINDRUCK UND I TAFEL IN LICHTDRUCK. WIESBADEN. VERLAG VON J. F. BERGMANN. 1900. Alle Rechte vorbehalten. Druck der Kgl. Universitätsdruckerei von H. Stürtz in Würzbnrg. Vorwort. Die vorliegenden Studien bilden das Resultat einer mehr als zweijährigen mühevollen und intensiven Untersuchung, die um so schwieriger war als Vorarbeiten über den betreffenden Geg-enstand noch nicht existieren, und als auch die mir anfangs zu Gebote stehen- den Untersuchungsmethoden an Schärfe und Sicherlieit viel zu wünschen übrig ließen, was nur durch Häufung des Untersuchungs- materiales und durcii ausgedehnte Kontrolluntersuchungen ausge- glichen werden konnte. Wäre mir die Auffindung einer spezifischen Färbungsmethode früher gelungen (Kapitel XIX), so hätte der Gang der Untersuchung ein ganz anderer sein, und viel Zeit und Mühe hätte gespart werden können. Ich bin mir wohl bewußt, durch die mitgeteilten Beobachtungen nur die ersten Anregungen über die Ätiologie der Leukämie als Sporozoeninfektion gegeben zu haben, hoffe aber, daß damit die Bahn für weitere wissenschaftliche Arbeit, sowie für die Aufstellung einer Pathologie der Leukämie auf ätiologischer Grundlage , und für die Auffassung der Leukämie als einer chronischen Infektionskrankheit in einer bestimmteren Richtung als bisher eröffnet ist. Hoifentlich ist die Zeit nicht zu ferne, da sich an die ätiologische Pathologie auch eine ätiologische Therapie der Leukämie anschließen wird. Das Objekt für die vorliegenden Untersuchungen konnte nur zum Teil hier in Innsbruck beschafft werden , da Leukämie hier immerhin nur einen seltenen Befund darstellt ; die Herren Professoren V. Rokitansky, Pommer und Loos haben mir ii;i der entgegenkommend- sten Weise das ihnen zu Gebote stehende Kranken- und Leichen- material zur Verfügung gestellt; nicht minder wurde ich von Herrn Dozenten Dr. Posselt, Assistenten der medizinischen Klinik in Inns- bruck, durch Überlassung älterer und frisch hergestellter Bluttrocken- präparate leukämischer und pseudoleukämischer Kränker unterstützt. Außerdem erhielt ich auf mein Ersuchen Bluttrockenpräparate noch — VI — von folgenden Herren und Anstalten mit der größten Bereitwilligkeit zugesandt : Hofrat Prof. Dr. Neusser in Wien , sowie sein Assistent Dr. W. TüRGK, Prof. Dr. v. Jaksch in Prag, Hofrat Prof. Dr. Knoll damals in Prag, Prof. Dr. Kraus in Graz, Prof. Dr. Gluzinski in Lemberg, Prof. Dr. v. Limbeck in Wien, Geh.-Rat Prof. Dr. Ehrlich, Prof. Dr. Grawitz und Prof. Dr. A. Fraenkel in Berlin , Dozent Dr. KüHNAu in Breslau und das Institut für Unfallheilkunde in Breslau. Leichenmaterial erhielt ich auf mein Ersuchen von Herrn Geh.- Rat Prof. Dr. R. Virchow, Prosektor Dr. Benda in Berlin, von Herrn Hof rat Prof.. Dr. Weighselbaum in Wien, von Herrn Hof rat Prof. Dr. Chiari in Prag, sowie vom Herrn Gemeindearzt Dr. A. Majoni in Cortina d' Ampezzo (Tirol). Allen den genannten Herren und An- stalten sage ich auch an dieser Stelle meinen besten Dank ; ohne ihre Unterstützung hätte die vorliegende Arbeit überhaupt nicht unternommen werden können. Auch die Verlagsbuchhandlung kam in überaus anerkennens- werter Weise allen meinen Wünschen bei der Ausstattung dieses Werkes, namenthch bei der Wiedergabe der Photogramme (Tafel X) entgegen. Innsbruck im Juli 1899. Löwit. Inhalt. Seite Vorwort und Inhaltsangabe I — VI I. Teil. Untersuchungen am Menschen . . 1 — 126 Kapitel I. Einleitung 1—9 Kapitel II. Untersuchungsmethode (vgl. Kapitel XIX) .... 9 — 24 Kapitel III. Untersuchung des peripheren Blutes myelämischer Indivi- duen ; spezifische Körper 24—33 Kapitel IV. Unterscheidung der spezifischen Körper des myelämischen Blutes von andern ähnlichen Bildungen 34 — 44 Kapitel V. Kontrolluntersuchungen am Blute von Menschen und Tieren 44—46 Kapitel VI. Weitere Beschreibung der spezifischen Körper im myel- ämischen Blute 46—68 a) Untersuchung des nicht fixierten Blutes 47 — 52 b) Form und Größe der spezifischen Körper 52 — 53 c) Segmentierung (Sporulation) an den spezifischen Körperu . . 53 — 57 d) Differenzierung in Ekto- und Entoplasma 57 e) Geißelformen der spezifischen Körper 57 — 60 f) Sichel- oder Navikelform der spezifischen Körper; dimorpher Ent- wickelungsgang 60—68 Kapitel VII. Die spezifischen Körper in den Leichenorganen bei Myelämie 68 — 84 Kapitel VIII. Die spezifischen Körper im peripheren Blute der ver- schiedenen Fälle von Myelämie 84—91 Kapitel IX. Die Deutung der spezifischen Körper bei Myelämie; Haem- amoeba leukaemiae magna 91 — 103 Kapitel X. Leukocytäre Parasiten bei Lymphämie; Haemamoeba leu- kaemiae parva (vivax) 104 — 118 Kapitel XI. Ein Fall von Anaemia pseudoleukaemica infantilis . . 118 — 122 Kapitel XII. Ein Fall von Pseudoleukämie beim Erwachsenen . 122—126 II. Teil. Untersuchungen und Infektionsversuche bei Tieren 127—239 Kapitel XIII. Untersuchung einer leukämischen Schweinemilz . 129—130 Kapitel XIV. Leukämische Infektion beim Kaninchen 130 — 229 a) Litteraturangaben über Leukämie und leukämische Infektion bei Tieren; Methode der Infektion .130—139 39765 — VIII — Seite b) Krankengeschichten der infizierten Kaninchen nebst Sektions- befund 139—173 c) Häniamöbenbefiind im Blute der infizierten Kaninchen; Ver- halten der Hämamöben gegen Jodlösungen 173 — 190 d) Beobachtung der Parasiten im nicht fixierten (frischen) Blute der infizierten Kaninchen 190 — 198 e) Die Veränderungen der Menge und Beschaffenheit der Leuko- cyten und Erythrocyten bei den infizierten Kaninchen; KontroU- versHche 198—206 f) Die blutzellenbildenden Organe bei den infizierten Kaninchen . 206—216 g) Das Auftreten von Albumosen im Harne der leukämisch in- fizierten Kaninchen. Von Dr. L. Kirchmayr , Assistent am In- stitute für allgemeine und experimentelle Pathologie in Innsbruck 216 — 228 h) Infektionsversuche an andern Tieren 228—229 Kapitel XV. Die Stellung der leukämischen Infektion beim Kaninchen 229 — 285 Kapitel XVI. Künstliche Kulturversuche mit der Haemamoeba leu- kaemiae magna 235 — 239 Kapitel XVII. Die Pathologie der Leukämie 240 — 253 Kapitel XVI II. über Phagocytose am leukämischen Blute. Von Dr. L. Kirchmayr , Assistent am Institute für allgemeine und experim. Pathologie in Innsbruck 253—259 Anhang. Kapitel XIX. Eine spezifische Färbungsmethode für die Haemamoeba leukaemiae magna 259—276 Erklärung zu den Tafeln I— X 277—280 I. Teil. Untersuchungen am Menschen, Lü~wjt, Ätiologie u. Pathol. d. Leukämie. Kapitel I. Einleitung. Die Ätiologie der Leukämie muß heute noch als ein nahezu völlig dunkles Gebiet bezeichnet werden. Die Krankheitsursache ist trotz mehrfacher darauf gerichteter Untersuchungen bisher nicht gefunden worden und damit fehlt auch ein wesentlicher, vielleicht der wesent- lichste Faktur für das Verständnis dieser eigenartigen Erkrankung des Blutes und der blutzellenbildenden Organe, die seit ihrer wissenschaft- lichen Entdeckung durch VnuiHOw ^) im Jahre 1845 das Interesse der Pathologen im hohen Grade wach erhalten hat. Wir besitzen zwar dank den intensiven Untersuchungen zahlreicher Autoren über die veränderte Blut- und Organbeschaffenheit bei der Leukämie eine Unsumme oft geradezu verwirrender Detailkenntnisse, aber das Wesen derselben, die Beziehung der Krankheitsursache zur Krankheitserscheinung, das Ver- ständnis der Kranklieitserscheinungen und ihre Zurückfülirung auf gestörte Organfunktionen, ist zum Teile ganz ungeklärt, zum Teile aber ruht sie auf hypothetischer Grundlage. Diese Lücken sind auch in der eingehenden und geistreichen jüngsten Zusammenstellung über diese Krankheit zu erkennen, die unsern besten Kenner der leukämischen Blutveränderungen, Ehrlich^), zum Autor hat, und die sich vorwiegend auf morphologische Untersuchungen der Blutzellen stützt. Während nämlich einesteils durch Ehrlich und seine Schüler eine Reihe von Merkmalen festgestellt wurden, welche eine scharfe nicht bloß quantitative sondern auch qualitative Scheidung des leukämischen vom leukocytotischem Blute ermöglichen und auf diese Weise eine gut begrenzte Trennung der Leukocytose von der Leukämie gestatten, wird anderseits gerade von Ehrlich in der genannten Monographie die Leukämie als eine gemischte Leukocytose bezeichnet, und hierdurch wiederum eine nähere Beziehung dieser beiden Prozesse zu einander statuiert, die allerdings hauptsächlich nur dem Namen nach dadurch hergestellt wird, daß auch die Leukocytenvermehrung bei der Leukämie als Leukocytose bezeichnet 1) ViRCHOvvs Archiv etc. Bd. I. 1847. S. 547 f. Bd. 2. 1849. S. 587 f. Bd. 5. 1853. S. 43 f. und Cellularpathologie. 4. Auflage Berlin 1871. S. 201 f. Ges. Ab- landig, z. wiss. Mediz. Frankfurt a. M. 1856. S. 190 f. u. 212 f. ■i) Ehrlich-Lazarus, Die Anämie I. Abteilung. Wien, Höideh 1898. VIII. Bd. I. Teil der Spez. Pathologie und Therapie, herausgegeben von H. Nothnagel. 1* wird. Aber die Leukocytenvermehrung ist bei beiden Prozessen, der Leu- kocytose und der Leukämie, auch auf Grund der EHRLicH'schen Angaben ihrem Wesen nach doch eine verschiedene. "Während nämlich bei der Leukocytose nur eine vermehrte Zufuhr der polynukleären neutrophilen, oder der polynukleären eosinophilen oder der mofionukleären Leuko- cyten zum Blute stattfindet, gelangen bei der einen Form der Leukämie und zwar bei der sogenannten myelogenen Leukämie die verschiedenen kürnchenführenden Leukocyten gleichzeitig, darunter auch solche mono- nukleäre Elemente in die Blutbahn, welche sich normalerweise nicht im strömenden Blute, sondern nur in gewissen blutzellenbildenden Organen (dem Knochenmarke) vorfinden, weshalb ja gerade diese Form der Leukämie auf die Knochenmarkserkrankung zurückgeführt und nach ihr benannt wird. Auf diese Weise unterscheidet Ehrlich die sogenannten myelämischen Formen der Leukämie (Myelämie), die er als eine durch chemotaktische Heize bedingte aktive Einwanderung nicht nur der fertigen polynukleären Elemente, sondern auch ihrer mononukleären eosinophilen wie neutrophilen Vorstufen aus dem Knochenmarke in das Blut bezeichnet, und sie daher mit großer Wahrscheinlichkeit den aktiven Leukocytosen zurechnet, bei welchen vorwiegend mit amöboider Eigenbewegung behaftete Leukocyten in die Blutbahn gelangen, im Gegen- satze zu den sogenannten lymphämischen Formen der Leukämie (Lymph- ämie), die Ehrlich von der Myelämie scharf abtrennt und den passiven Leukocytosen oder Lymphocytosen zurechnet, bei welchen die „Ver- mehrung der Lymphzellen durch eine passive Einschwemmung in das Blut und nicht durch eine aktive, chemischen Reizen folgende Emigration bedingt ist"^), und die Ehrlich geneigt ist, auch ätiologisch von der Myelämie abzutrennen^) und auf eine Erkrankung der Lymphdrüsen zurückzuführen. Die hypothetische Grundlage dieser konsequent durchgeführten EHRLiGH'schen Anschauung über das Wesen des leukämischen Krank- heitsprozesses liegt in der Annahme, daß bei der sogenannten Myelämie eine aktive Einwanderung verschiedener Leukocytenformen in das Blut, bei der sogenannten Lymphämie hingegen eine passive Einschwemmung von Lymphzellen in das Blut erfolgt, und daß bei der Myelämie eine primäre Knochenmarkserkrankung, bei der Lymphämie eine primäre Lymphdrüsenerkrankung vorliegt. Eine scharfe Sonderung der beiden Leukämieformen ist hiermit auch ihrer Entstehung nach jedenfalls erfolgt, ohne daß damit die difterente Entstehungsart dieser beiden Leukämieformen geklärt erschiene. Ln übrigen steht Ehrlich durch die Feststellung der Beziehungen zwischen Leukämie und Leukocytose auf dem Boden der ursprünglichen Annahme Virghow's, der von vorne- herein beide Prozesse als zusammengehörige Erscheinung ansprach und noch in seiner Cellularpathologie folgende Abgrenzung anführt: „Die Leukämie ist demnach eine Art von dauerhafter, progressiver Leuko- cytose; diese dagegen in ihren einfachen Formen stellt einen vorüber- gehenden, an zeitweilige Zustände gewisser Organe geknüpften Vorgang dar"^3). Die folgenden Beobachtungen werden aber Anhaltspunkte dafür erbringen, daß allerdings die Leukocytenvermehrung beiden Prozessen gemeinsam ist, daß aber die Ursache dieser Vermehrung höchst wahr- 1) 1. c. S. 117. 2) 1. c. S. 116. 3) 1. c. S. 204. — 5 — scheinlicli bei der Leukämie eine besondere, spezifisclie ist, die bei der Leukocytose nicht vorhanden ist, beide Prozesse daher wohl quantitativ und funktionell miteinander verglichen, qualitativ und ätiologisch aber von einander getrennt werden müssen. Die bisherigen Untersuchungen über die Ätiologie der Leukämie, sofern von solchen überhaupt die Rede sein kann, haben einen näheren Einblick in die Krankheitsursache und das Krankheitswesen nicht erbracht. Noch in einer aus dem Jahre 1897 stammenden, unter Moslers Leitung gearbeiteten Inauguraldissertation von Richard Wagner^) wird unsere Unkenntnis in dieser Frage hervorgehoben. Nachdem ein spezi- fischer Erreger der Leukämie bis dahin trotz mehrfacher darauf gerichteter Untersuchungen nicht nachgewiesen werden konnte, wird die Ätiologie der Leukämie in Beziehung gebracht zu vorausgegangenen Erkrankungen und hierbei namentlich Litermittens , Lues, Skrofulöse, Rhachitis und die dabei auftretenden chronischen Darmkatarrhe, Typhus, Störungen der Geschlechtsfunktion, körperliche und geistige Überan- strengung, traumatische Einflüsse und Pseudoleukämie besprochen und zum Teil mit Beispielen belegt. Die Frage, ob die Leukämie als Infektionskrankheit aufzufassen ist, wird auch von Wagner gestreift und nach einer kurzen Litteraturzusammenstellung folgendermaßen beant- Avortet: ..Wie man aus diesen kurzen Angaben ersehen kann, ist der Erreger der Leukämie zunächst unbekannt; überhaupt wird wohl diese Frage noch lange offen bleiben, denn aus allen bisherigen Impfversuchen teils mit den Reinkulturen der angeblichen Erreger, teils mit leukämischem Blute selbst hat sich bis jetzt noch nie ein positives Resultat ergeben. Sollte sich auch wirklich im Laufe der Jahre ein spezifischer Erreger herausstellen, soviel ist sicher, daß die früher beschriebenen ätiologischen Momente zum mindesten eine Disposition des betreftenden Individuums für die Leukämie schaffen." Die Frage der experimentellen Erzeugung der Leukämie am Tiere Avar nämlich bereits früher in einer gleichfalls unter jMoslers Leitung gearbeiteten Inauguraldissertation \;on Curt Nette-), auf die wir noch mehrfach werden zurückzukommen haben, in negativem Sinne beantwortet Avorden. Nachdem bereits Mosler^) und Bollinger"*) früher die Trans- fusion leukämischen Blutes auf Hunde und Kaninchen ohne jeden Erfolg versucht hatten, verwendete Nette zu seinen Versuchen Schweine, A\'eil bei diesen Tieren thatsächlich Leukämie vorkommt, und Affen, als eine dem Menschen nahestehende Tierart ; außerdem wurden aber auch noch Kaninchen, Mäuse und Hühner, sämtliche Tiere aber mit negativem Erfolge benützt. Die Methode der Überimpfung bestand bei Nette in der intravenösen, intraperitonealen oder subcutanen Injektion des defibrinierten leukämischen Blutes und außerdem in der intraperi- tonealen Einnähung leukämischer Milz bei einem Affen und zwei Schweinen. Trotz dieses negativen Erfolges giebt aber Nette der Hoftnung Ausdruck, daß bei Modifikation der Überimpfungsmethode die künstliche Über- tragung der Leukämie auf Tiere doch gelingen werde und sein Lehrer MosLER „verspricht sich einen besseren Erfolg, wenn der aus der Leukämiemilz gepreßte Saft injiziert Avorden wäre, da man annehmen 1) Die Ätiologie der Leukämie. Inaugur.-Dissert.-Greifswald 1897. 2) Ist Leukämie eine Lifektionskranktieit. Inaugur -Dissert. Greifswald 1890. 3) Die Pathologie und Therapie der Leukämie. Berlin 1872. 4) ViRCHows Archiv etc. 1874. Bd. 59. S. 341 f. — 6 — könnte, daß in diesem der infektiöse Stoff am reichlichsten enthalten ist". Bei den später anznführenden künstlichen Übertragungsversuchen der Leukämie auf Tiere wurde, ohne daß mir übrigens diese Notiz damals bekannt war, diese letztere Methode aus später anzuführenden Gründen ausschließlich verwendet. Direkte Beobachtungen am Menschen hatten die Annahme bereits seit lange nahegelegt, daß die Leukämie in manchen Fällen unter dem Bilde einer Infektionskrankheit verläuft. In diesem Sinne hatten sich bereits Friedreic.h^) und Leber-) ausgesprochen; seit dem ge- naueren Studium der akuten Fälle von Leukämie durch Ebstein^) und durch Fraenkel*) hat aber diese Annahme speziell für die akute Leukämie, die sich im wesentlichen als eine in kurzer Zeit meistens mit Fieberbewegungen und hämorrhagischer Diathese zum Tode führende Lymphämie darstellt, immer mehr an Verbreitung gewonnen. Indessen konnte weder in den Fällen von Ebstein und Fraenkel noch in jenen von Eichhorst ^) , Guttmann '') , Litten '^) , Askanasy ^) , Hinterberger ^) , OßRASTZOW "^) , Muir'^), Hindenburg ^^) u. a. m. ein gesicherter Anhalts- punkt für die infektiöse Natur der Leukämie gew^onnen werden. Seitdem ich durch meine Untersuchungen^^) am leukämischen Blute und an den Leichenorganen leukämischer Individuen zu der Anschauung geführt worden war, daß bei der Leukämie wahrscheinlich die normale Umwandlung der ein- in mehrkernige Leukocyten im Blute selbst be- einträchtigt ist, so daß die so massenhafte Ansammlung der weißen Blutzellen im leukämischen Blute teilweise wenigstens auf diese behinderte Umwandlung zurückgeführt werden kann, und seitdem ich den Nach- weis führen konnte , daß zahlreiche Leukocyten des leukämischen Blutes die Fähigkeit amöboide Bewegungen auszuführen, zum großen Teile verloren haben, drängte sich mir bei jedem neuen Falle von Leukämie, den ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, die Vermutung auf, daß die Leukocyten selbst krankhafte Veränderungen bei diesem Prozesse erfahren haben, daß möglicherweise in ihnen selbst etwas vorgeht oder enthalten ist, was die Ursache ihrer so massenhaften Gegenwart im leukämischen Blute darstellt. Dabei Avurde ich vornehm- lich von dem Gedanken geleitet, daß bakterielle oder parasitäre Ein- schlüsse überhaupt in den Leukocyten bei der Leukämie vor allem be- achtet werden müßten, da diese möglicherweise selbst das veranlassende Moment für die krankhafte Vermehrung und Veränderung der Leukocyten bei der Leukämie darstellen könnten. Ich beschränkte mich dabei zunächst ausschließlich auf die tinktorielle Untersuchung der Leukocyten und des leukämischen Blutes 1) ViRCHOws Archiv etc. 1857. Bd. 12. 2) Graefes Archiv f. Ophthalmologie 1878. Bd. 24. 3) Deutsch. Archiv f. klin. Mediz.'~1889. Bd. 44.' S. 343. 4) Deutsch, mediz. Wochenschr. 1895. Nr. 39—43. 5) ViRCHows Archiv etc. Bd. 130. S. 365. «) Berl. klinisclie Wochenschr. 1891. Nr. 46. 7) Verhandlungen d. Kong. f. innere Mediz. 1892. s) V1RCH0W.S Archiv etc. 1894. Bd. 137. S. 1. '•') Deutsch. Arch. f. klin. Mediz. 1891. Bd. 48. S. 324. 1'^) Deutsch, mediz. Wochenschr. 1890. S. 1150. 11) .Journal of patholosy and bacteriol. 1893. Vol. I. p. 131. 1-') Deutsch. Arch. f. klinisch. Mediz. 1894. Bd. 54. S. 209. i:i) Sitzungsber. d. K. Akad. d. Wiss. in Wien 1885. III. Abth. Bd. 92. S. 22 f. und ebendaselbst 1887. III. Abthlg. Bd. 95. S. 227 f. — 7 — überhaupt, da der färberische oder im frischen ungefärbten Präparate ermoghclite Nachweis etwaiger fremdartiger oder parasitärer EinschUisse in den Leukocyten vor allem gelungen sein mußte, und als erstes Postulat der angeführten Vermutung zunächst von größter Wichtigkeit erschien. Allein ich war in jahrelang fortgeführten und immer wieder aufgenommenen Versuchen nicht glücklicher als meine Vorgänger, die entweder in gleicher Weise, oder durch direkte bakteriologische Unter- suchungen am erkrankten Menschen den Krankheitserreger der Leukämie nachzuweisen versuchten (Klebs ^) , Gabbi und Barbacci ^) , Combexal ^) , OsTERWALü^), MAJOccmundPiccHiNi^), Bonardi*^), Klein'), Weber ^), Hinter- berger''), Vedrelli ^'^j , Kelsch und Vaillard^^), Claudio Ferni^^, Paw- LOWSKY^^), SaLANDER Und HOFFSTEN^^), EBSTEIN ^^) , FrAENKEL^*^) , ElKEN- BUSGH^'^), Litten ^^), Richter^-*), Bonvicini-*^) und viele andere. Ebenso wenig ist durch die neueren Angaben von Verranus A. Moore^^) über eine sogenannte infektiöse Leukämie bei Hühnern die Ätiologie der menschlichen Leukämie tangiert worden. Bei den spontan und künstlich mit dem reingezüchteten Krankheitserreger — einer neuen Species (Bacillus sanguinarium), welche gew^isse Eigenschaften des Bacillus coli, Bacillus typhi und des Bacillus der Schweinecholera vereinigt — infizierten Hühnern tritt eine typische, mit starker fieberhafter Temperatursteigerung einhergehende Infektionskrankheit auf, welche innerhalb weniger Tage in der Regel letal endigt. Dabei steigt die Zahl der Leukocyten im Blute mächtig an, auf das 10 — 15 fache der Normalzahl, während die roten Blutkörperchen be- trächtlich an Zahl abnehmen. Auf diese beiden Momente hin hält sich Moore für berechtigt von einer infektiösen Leukämie bei Hühnern zu sprechen. Es ist aber nach der vorliegenden Beschreibung gar nicht zweifelhaft, daß der erwähnte Prozeß bei den Hühnern als eine infektiöse Leukocytose im Gefolge eines septischen Prozesses und nicht als Leukämie anzusprechen ist. Es kann nur zu einer Begriffsverwirrung führen, wenn in einem solchen Falle von einer infektiösen Leukämie gesprochen wird. 1) ViRCHOws Archiv etc. Bd. 38. S. 199, und Eulenburgs Realencyklopädie Bd. I. S. 357. 2) Lo Sperimentale 1872 p. 407. 3) Revue de Medecin 1872. i) V. Graefes Archiv f. Ophthalmologie 1881. Bd. 27. Abt III. S. 203. 5) Giornale internaz. di scienz. med. 1886. 6) Riv. gen. ital. di Clin. med. 1889. Nr. 5—6. Ref. im Centrbl. für allgem. Pathol. etc. 1890. Bd. I. p. 369. 7) Berl. klin. Wochensch. 1890. 8) Mediz. Monatsschr. 1890. 9) Deutsch. Arch. f. klin. Mediz. 1891. Bd. 48. S. 324. 10) Centrbl. f. d. mediz. Wiss. 1893. Nr. 33 und Arch. ital. di clin. med. Anno XXXII. part. IV. 11) Annales de l'Institut Pasteur 1890. T. IV. 12) Centralbl. f. Bakter. etc. 1890. VIII. S. 553. 13) Deutsch, mediz. Wochenschr. 1892. S. 641. 14) Jahrb. f. Kinderheilkunde 1885. S. 202. 15) Deutsch. Archiv, f. klin. Mediz. 1889. Bd. 44. S. 343. 16) Deutsch, mediz. Wochenschr. 1895. Nr. 39—43. 17) Über Leukämie. Inaug.-Dissert. Bonn 1889. 18) Berl. klin. Wochenschr. 1883. Nr. 27 und Verhandlungen des XL Kongr. f. innere Mediz. Wiesbaden 1892. S. 159. 19) Charite-Annalen 1896. Bd. 21. S. 299. 20) CiL nach Centrbl. f. Bakleriol. etc. 1897. Bd. 21. S. 211. ■-1) Infectious leukaemia in fools; a bacterial disease frequently mistaken for fowlcholera. Twelfth and thirteenth annual reports of the Hureau of Animal Industry for the fiscal year 1895 and 1896. Washington 1897. p. 185 L Ähnliche Bedenken gelten auch für den von Herrick i) beschriebenen Fall von akuter Leukämie beim Menschen mit gleichzeitiger Strepto- kokkeninfektion, der mir übrigens nur aus einem kurzen Referate bekannt ist, und für den von Bussenius^) erwähnten Fall von Maul- nnd Klauenseuche beim Menschen und Hinzutritt einer sogenannten akuten Leukämie. Die ätiologische Abhängigkeit der beiden Prozesse von einander wird übrigens auch von Bussenius nicht vertreten. Hier sei auch auf die äußerst wichtige Angabe von Mannaberg ^) hingewiesen, auf die wir noch zurückzukommen haben werden, dem zweifellos das große Verdienst gebührt, als der erste protozoenähnliche Gebilde in den Leukocyten eines Falles von Lymphämie gesehen und als solche erkannt zu haben. Es handelt sich um Einschlüsse scharf konturirter, ziemlich stark lichtbrechender, farbloser Gebilde in den Lymphocyten dieses Falles (etwa in 8 ^/o derselben) , welche unregel- mäßige Formen zeigten, und häutig in Mehrzahl in den Lymphocyten ent- halten waren. Ein Teil dieser Körperchen zeigte langsame aber deut- liche amöboide Bewegung mit Aussendung von Fortsätzen aber ohne Ortswechsel, ein anderer Teil ließ keinerlei Bewegungserscheinungen er- kennen. Eine distinkte Färbung dieser Gebilde ist Mannaberg nicht gelungen, wodurch er in seiner Auffassung derselben als Protozoen wesentlich bestärkt wurde; er hat sie bei drei Fällen von gemischter Leukämie (Myelämie) sowie in zwei anderen Fällen von Lymphämie und einem Falle von akuter Leukämie im peripheren Blute vermißt. Mannaberg giebt der Vermutung Ausdruck, daß die genannten Gebilde Protozoen sind. „Namentlich die Formveränderung bei Zimmer- temperatur, die relativ schwere Färbbarkeit sind Momente, welche für diese Auffassung sprechen würden. Auch begegneten mir häufig Bilder, welche an die Sporulationen der Malariaparasiten erinnern, indem sich zahlreiche kleine Körperchen gruppenweise vorfanden." Die nähere Be- ziehung dieser Befunde zu analogen im folgenden mitzuteilenden Beobach- tungen soll später noch genauer erörtert werden. An dieser Stelle sei auch noch darauf hingewiesen , daß Monro ^) bei einem Falle von Leukämie im Herzmuskel eigenartige Körperchen auffand, über deren Natur ein sicherer Aufschluß nicht gewonnen werden konnte, die aber möglicherweise parasitären LTrsprunges waren, und daß Gram^) in vier Fällen von Leukämie vergeblich nach malariaähn- lichen Parasiten im Blute gesucht hat. Die Mitwirkung parasitärer Verhältnisse bei der Leukämie war bereits vonVmcHow'^) ins Auge gefaßt worden, indem er die Leukocyten als Träger eines kontagiösen Stoffes anspricht, durch welche dann als eine Art Metastase die heteroplastische Erkrankung anderer Organe hervorgerufen wird. Dieser Anschauung hatten sich Mosler'^) und BoLLiNGER^) angeschlossen; allerdings handelt es sich dabei mehr um die sekundären Metastasen bei Leukämie in den verschiedenen Organen und Geweben als um die primären Veränderungen im Blute und in den 1) Journ. of Americ. med. assoc. 1897. Vol. 29. Nr. 4. p. 171. '•) Arch. f. Laryng. u. Rhinolog. 1897. Bd. VI. S. 1. 3) V^erhandlungeu des XIV. Kongr. f. innere Mediz. Wiesbaden 1896. S. 2-52 f. 4) The Glasgow, med. Jom-nal. May 1892. 5) Hospitals-Tidende. 4 Rökke. Bd. IL p. 437. c) Die krankhaften Geschwülste. Bd. II S. 575. '') Die Pathologie und Therapie der Leukämie. Berlin 1872. S. 62 f. 8) ViRCHows Archiv etc. 1874. Bd. 59. S. 341. — 9 — l)lutzellenl)ildenden Organen, immerhin war aber dadurch doch auf die Leukocyten selbst als die Träger oder Verbreiter der Krankheit auf- merksam gemacht worden. Auch Ebstein^) und Pel^) hatten gewisse Formen von Leukämie und Pseudoleukämio geradezu als Infektions- krankheiten hervorgehoben und die mit chronischem Fieberverlauf ein- hergehenden Formen von Pseudoleukämie (chronisches liückfalltieber nach Ebstein) gewissermaßen als Bindeglied zur Febris intermittons be- zeichnet. Für mich gewann die Frage der Leukämie als einer Infektions- krankheit und die Mitwirkung jJarasitärer Verhältnisse bei der Entsteh- ung derselben erst dann einen festeren Boden, als es mir gelang mittelst besonderer Färbungsverfahren in und an den Leukocyten des strömen- den Blutes und den lymi)hatischen Zellen der blutzellenbildenden Organe bei den verschiedenen Formen der Leukämie Gebilde nachzuweisen, welche bei der Beurtheilung einer parasitären Entstehung der Leukämie jedenfalls werden in Betracht gezogen werden müssen, und als es mir dann weiterhin gelang auch bei Tieren durch intravasale Überimpfung leukämischen Leichenmateriales vom Menschen künstlich einen der menschlichen Leukämie verwandten, meist chronisch verlaufenden Krank- heitsprozeß hervorzurufen, der sich von Tier auf Tier übertragen ließ. Auf diese Färbungsverfauren soll nun näher eingegangen werden. Kapitel IL Untersucliung'smethocle, (Vgl. auch Kap. XIX.) Färbt man die bei 110 — 115 ^ erhitzten Deckglaspräparate leukämischen Blutes in der üblichen Weise mit alkalischem Methylen- blau (LöFFLERS Blau), so ist von den im folgenden zu beschreibenden Bildern nichts oder höchstens nur Andeutungen zu sehen, die nur der mit diesen Verhältnissen bereits Vertraute aufzufassen vermag. Geht man aber in der nachstehend zu beschreibenden Weise vor, so treten Besonderheiten zu Tage, von denen man sich wundern muß, daß sie bisher der Hauptsache nach nicht gesehen und nicht beschrieben Avorden sind, da sie bei Befolgung der sofort anzuführenden Färbungsverfahren und bei Anwendung guter Immersionslinsen ohne besondere Schwierig- keiten sichtbar sind, der Deutung aber immerhin nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten entgegensetzen . Die in gebräuchlicher Weise hergestellten Deckglastrockenpräparate des leukämischen Blutes werden 1 — IV2 Stunden bei 110 — 115° gedörrt; ein zu starkes Erhitzen schädigt die Färbung, weshalb auch ein mehr- 1) 1. c. 2) Berl. klinische Wochenschr. 1887. — 10 — maliges Durchziehen des Deckglases durch die offene Flamme nicht em- pfohlen werden kann; übrigens kann die Färbung auch bei dieser Art der Fixierung gelegentlich gelingen. Das abgekühlte Präparat wird nun mit der beschickten Seite nach unten in ein Urschälchen mit Löffler- schem Methylenblau gebracht und entsprechend erwärmt; je älter die Farbstofflösung ist, desto charakteristischer fällt die Färbung aus, doch gelingt sie auch mit ganz frisch hergestellten Solutionen. Da die zu beschreibenden Gebilde sich intensiv metachromatisch rot violett bis rotbraun färben, so liegt der Gedanke nahe, daß die im nicht voll- ständig reinen :Methylenblau enthaltenen Beimengungen von Methylenrot und Methylenviolett das eigentlich färbende Prinzip darstellen. Bei der Verwendung des von Unna^) gerade zum Behufe metachromatischer Färbungen' in die histologische Technik eingeführten polychromen Methylenblau für den vorliegenden Zweck ergab sich jedoch eine ent- schiedene Überlegenheit des LöFFLERSchen Blau. Zwar werden auch mit der erwärmten polychromen Methylenblaulösung die gleichen später zu beschreibenden Gebilde gefärbt wie bei der LÖFFLERSchen Lösung, aber die polychrome Methylenblaufärbung fällt minder charakteristisch aus, da die spezifischen Körper von der Grundfärbung nicht so ent- schieden wie bei der LöFFLER-Blaufärbung abstechen. Für die Darstel- lung der bei Lymphämie nachweisbaren spezifischen Körper erwies sich das polychrome Methylenblau ganz unbrauchbar. Die Färbung im LÖFFLER-Blau wird nun in der Weise vorgenommen, daß die mit dem Präparate beschickte Farbenlösung über der offeneji Flamme in der von Günther^) angegebenen Weise leicht aber nicht bis zum Aufwallen erhitzt wird. Da man ja nur mit kleinen Flüssigkeit^- mengen zu arbeiten braucht, so genügt in der Piegel bereits eine zwei- malige Wiederholung des Annäherns und Entfernens des Uhrschälchens an resp. von der Flamme, bis deutliche Dampfwöl'kchen aus der Flüssig- keit aufsteigen. Dann wird das ührschälchen sich selbst überlassen, bis es völlig erkaltet ist, was 5 — 10 Minuten in Anspruch nimmt. Läßt man das Präparat kürzere Zeit in der warmen Farblösung, so fällt die Färbung unvollkommen aus, indem nur ein Teil, und zwar gerade nur granulaähnliche Formen gefärbt werden, die höchst wahrscheinlich identisch sind mit den bereits bekannten basophilen Leukocytengranu- lationen, während die größeren charakteristischen, im folgenden zu be- schreibenden Körper in- und außerhalb der Leukocyten meistens ungefärbt bleiben. Wir haben es also bei den uns hier interessierenden Bildungen zweifellos mit schwer färbbaren Gebilden zu thun, die aber, einmal ge- färbt, ihren Farbstoff auch den Entfärbungsmitteln gegenüber energisch zurückhalten. Die schwere Färbbarkeit der fraglichen Körper ist gewiß ein wesentlicher Grund dafür, weshalb dieselben bisher nicht gefärbt und gesehen wurden. Damit steht auch in Übereinstimmung, daß die Färbung der betreffenden Bildungen ebenso unvollkommen ausfällt, wenn dieselbe Avährend 10—15 Minuten und darüber in der Kälte (bei Zimmer- temperatur) vorgenommen wird als wie bei zu kurzer Einwirkung der warmen Farbenlösung. Nach vollendeter Färbung wird das Deckglas gut mit Wasser ab- gespült, dann in 0,3 ^lo salzsaurem Alkohol differenziert, neuerdings mit Wasser abgespült, getrocknet und in üblicher Weise in Lack einge- 1) Zeitschrift f. wissensch. Mikroskopie 1892. Bd. VIII. 2) Einführung in das Studium der Bakteriologie etc. 5. Aufl. Leipzig 1898. S. 136. — 11 — schlössen. Die Differenzierung des Präparates läßt sich in verschiedenem Grade vornehmen. Entfärbt man sehr lange und selbst über die Zeit hinaus, wenn keine sichtbaren Farbstoffwolken an die Flüssigkeit abge- geben Averden , so findet man die roten und die weißen Blutzellen des Präparates vollständig entfärbt, in einzelnen Leukocytenkernen kann übrigens auch dann noch ein lichtmattblauer Schimmer zurückbleiben; entfärbt man aber nur bis zu dem Zeitpunkte, wenn keine Farbstoff- wolken mehr an die Umgebung abgegeben werden, so bleibt eine manch- mal diffuse, manchmal aber mehr distinkte Kernfärbung bestehen. Die uns im folgenden beschäftigenden Gebilde, die in den beigegebenen Ab- bildungen dunkelschwarz gehalten sind, bleiben in beiden Fällen der Entfärbung stark metachromatisch gefärbt. Für die Auffindung und erste Beurteilung dieser Körper ist die maximale Entfärbung des Präparates jedenfalls von sehr großem Vorteil, da sie die fraglichen Gebilde als etwas stofflich Besonderes erkennen läßt, während gleich- zeitig alle übrigen Bestandteile der Zellen, speziell der Leukocyten, Protoplasma und Zellkerne, mit Ausnahme der bekannten basophilen Granula ungefärbt sind, deren Beziehungen zu den spezifischen frag- lichen Gebilden uns noch eingehend beschäftigen werden. Will man aber das Verhalten der fraglichen Körper zu den Blutzellen im allgemeinen und zu den Leukocyten im besonderen verfolgen, zu denen sie jedenfalls in innigster Beziehung stehen, so empfiehlt es sich die Entfärbung nicht bis zu dem soeben als maximal bezeichneten Grade zu treiben, sondern dieselbe zu unterbrechen, wenn die Kerne und zum Teil auch das Protoplasma der Leukocyten noch eine schwach blaue aber distinkte Färbung besitzen; die hierzu notwendige Zeit der Alkohol- einwirkung lernt man bald abschätzen, sie ist übrigens bei den ver- schiedenen Leukämiefällen, deren Blut untersucht wurde, eine wechselnde gewesen. Die fraglichen Gebilde traten auch dann, abgesehen von ihrer charakteristischen Gestalt und Form, durch ihre metachromatische Färbung scharf hervor. Allerdings wird man sich stets vor einer Verwechselung mit den basophilen Leukocytengranulis, die ja gleichfalls metachromatisch gefärbt sind, ferner vor einer V^erwechselung mit anderweitigen phagocytären Leukocyteneinschlüssen, an denen gleichfalls gelegentlich eine leichte Metachromasie beobachtet werden konnte, sowie vor einer Verwechselung mit den Produkten des degenerativen Kern- und Zellzerfalles zu schützen haben, die ja eingehend von Gumprecht^), Kröxig-) und von anderen bei leukämischen und schweren anämischen Zuständen verfolgt worden sind. Schon im strömenden Blute sind nun diese Unterscheidungen, auf die jedenfalls ein ganz besonderes Augenmerk zu richten ist, mit grossen Schwierigkeiten verknüpft, und wir werden auf die differentiellen Merkmale bei der genaueren Beschreibung der fraglichen spezifischen Körper noch zurückzukommen haben, noch weit schwieriger aber ist die Differenzierung in den blutzellenbildenden Organen. Ein wichtiges Unter- scheidungsmerkmal soll gleich an dieser Stelle angeführt werden. Behandelt man nämlich ein Deckglastrockenpräparat des leukä- mischen Blutes, in welchem auf Grund diesbezüglicher Untersuchungen in anderen vom gleichen Blute zu gleicher Zeit hergestellten Präparaten 1) Deutsch. Archiv f. klinische Mediz. 1896. Bd. 57. S. 523 f. 2j Verhandlungen des 15. Kongresses f. innere Medizin zu Berlin. Wiesbaden 1897. S. 507. — 12 — der Xaclnveis der fraglichen spezifischen Körper bereits festgestellt worden ist, vor der Färbung mit Alkohol (96 "). so sind die betreffenden Gebilde selbst nach kurzer Alkoholeinwirkung von 10 — 20 Minuten auch bei rite durchgeführter Färbung nicht mehr sichtbar, oder es sind nur Andeu- tungen derselben nachweisbar, die nur von dem Geübten, und auch von diesem nicht mehr mit voller Sicherheit aufgefasst werden können, während die Färbung der spezifischen basischen Leukocytengranulationen, auf die hier das Hauptgewicht zu legen ist, sowie der phagocytären Leukocyteneinschlüsse und der Produkte des degenerativen Kern- und Zellzerfalles der Leukocyten durch die Alkoholbehandlung nicht alteriert wird. In difterentialdiagnostischer Beziehung ist dieses Moment gewiß von großer Wichtigkeit. Um nun bei der Beurteilung desselben die nötige Sicherheit zu erlangen, und um den Verdacht auszuschließen, daß in dem der Alkoholeinwirkung unterzogenen Präparate die frag- lichen spezifischen Bildungen vielleicht überhaupt nicht enthalten waren, empfiehlt es sich in der Weise vorzugehen, daß das zu untersuchende Deckglastrockenpräparat mittelst eines feinen Diamantstriches in zwei Hälften geteilt wird, von denen die eine Hälfte ohne Alkoholeinwirkung die andere nach derselben dem beschriebenem Färbungsverfahren unter- worfen wird. So wichtig nun auch dieses differentielle Merkmal ist, so ist es doch nur von relativem Werte, da dabei eine Untersuchung der zu unterscheidenden Bildungen nicht neben einander, sondern hinter ein- ander möglich ist. Immerhin kann man durch das betreffende Verfahren einen Einblick in den Formenkreis der verschiedenen nach und vor der Alkoholeinwirkung noch färbbaren Bildungen gewinnen. Man könnte nun zunächst glauben, daß der Verlust der Färbbar- keit der fraglichen Gebilde nach der Alkoholbehandlung auf eine Lösung derselben im Alkohol hinweist. Die Untersuchung lehrt aber, daß dem nicht so ist. Färbt man nämlich nach der Alkoholbehandlung mit konzen- triertem wässerigen Methylenblau, oder mit der FRiEDLÄNDERschen Häma- toxylinlösung, so kann man das Vorhandensein der fraglichen Bildungen mit einiger Mühe doch noch konstatieren; sie sind dann in der Regel nur ganz blaßrosa oder blaßviolett und unvollständig angefärbt, wo- durch sie eben schwer auffindbar werden, während die basophilen Leuko- cytengranula und auch die anderen hier in Betracht kommenden Bil- dungen ihre gewöhnliche metachromatische Färbung beibehalten haben. Ich halte es für das wahrscheinlichste , daß durch den Alkohol nicht die fraglichen Gebilde selbst aufgelöst werden, sondern daß nur eine in ihnen enthaltene sich metachromatisch färbende Substanz entweder teil- weise oder vollständig gelöst wird, oder irgend eine nicht bekannte chemische Alteration erleidet, die ihre nachträgliche Färbung hindert, während die metachromatisch sich färbende Substanz der basophilen Granula durch den Alkohol keine Alteration erfährt, wodurch allerdings eine nicht unwesentliche Differenz dieser verschiedenen Bildungen gegeben erscheint. Man wird daher für die färberischen Darstellungen der frag- lichen Körper im leukämischen Bluttrockenpräparate die Anwendung von Alkohol vor der Färbung sorgfältig vermeiden, und daher auch die Fixierung des Bluttrockenpräparates mit Alkohol-Äthermischungen um- gehen müssen ; dies gilt im gleichen Grade für die Gewinnung von iMilzblut oder Milzsaft durch Milzpunktion am Lebenden, bei welcher die oft geübte Sterilisierung der Pravaz sehen Spritze mit Alkohol und Äther nicht in Anwendung kommen darf. Außer Methylenblau in Form des LöFFLERschen Blau wurden auch — 13 — noch Dahlia und Gentianaviolett in den gebräuchlichen wässerig-alkoholi- schen Lösungen gleichfalls in der Wärme zur Färbung der fraglichen Gebilde mit positivem Erfolge benutzt, ohne daß aber dadurch eine Erweiterung oder Vertiefung unserer Kenntnisse über diese Körper er- zielt worden wäre. Dagegen gelang die Färbung mit ebensolchen Safranin- und Fuchsinlösungen bei kurzer Färbungsdauer in der Wärme nicht; ich kann aber darüber kein Urteil abgeben, ob nicht eine geänderte Färbungsmethode, namentlich eine })rotrahierte Färbungsdauer, zu einem positiven llesultate auch für diese FarbstoÖ'e führen würde. Später mitzuteilende Beobachtungen an den blutzellenbildenden Organen sprechen wohl zu Gunsten einer solchen Vermutung. Dagegen ergaben Kresyl-Violett B B und Thionin (beide von den Farbwerken Mühlheim a/M.) etwas abweichende positive Befunde, die ich allerdings bisher nur in einem Falle von Leukämie erheben konnte, bei dem diese beiden Farbstoffe in konzentrierter wässeriger Lösung (in der Wärme) in Anwendung kamen (vergl. Kapitel XIX.). Das Kresyl- violett ergab nur unvollkommene Färbungen, die betreffenden Bildungen erschienen bei Vergleichung mit Färbungen im Methylenblau auffallend klein, nicht so distinkt und scharf gefärbt, als ob eine unvollständige Färbung der fraglichen Körper vorläge ; ihr Farbenton war stark meta- chromatisch rot, aber nicht braun, welche Farbe nach der Angabe von Ehrlich^) die basophilen Leukocytengranula in Kresylviolett-R (Extra) annehmen. In dem von mir untersuchten Falle zeigten auch diese Granula ungefähr die gleiche metachromatische Farbe wie die fraglichen Körper. Im ganzen möchte ich die Färbung mit Kresyl-Violett für den vorliegenden Zweck vorläufig noch nicht empfehlen , ohne indessen hier- über ein abschließendes Urteil abzugeben. Die Anwendung von Thionin in der Wärme führte nun aber zu dem auffallenden Befunde, daß in den fraglichen Körpern sehr häufig nur eine mehr oder minder große periphere Randzone gefärbt, eine centrale, meist runde oder ovale Zone ungefärbt erschien. Hiedurch kommen äußerst charakteristische Bilder zustande (Figg. 40. 41, 44, 45, 65, 66), die eine Verwechselung mit irgend welchen anderen Bildungen nahezu unmöglich machen. An den Mastzellengranulis habe ich etwas Ahnliches bei der Thioninfärbung in diesem Umfange nicht beobachtet, und ich möchte besonders hervorheben, daß das eben erwähnte Verhalten der fraglichen Körper bei der Thioninfärbung nichts gemein hat mit der von Ehrlich^) und andern beschriebenen Hofbildung um die Mastzellen, die auch ich mehrfach gesehen habe, und daß ein ähnliches Verhalten der fraglichen Körper bei Methylenblau-, Dahlia-, Gentianaviolett- und Kresyl- violettfärbungen niemals beobachtet wurde. Dabei möchte ich Nachdruck darauf legen, daß die Thioninfärbung, wie es scheint, auch in der Kälte zu überzeugenden Bildern führt. Die Anwendung des Thionins bei Zimmertemperatur läßt zwar gleichfalls die granulaartigen Bildungen aber daneben doch gleichfalls in charakteristischer Form und Beschaffen- heit die betreffenden, hier zu erörternden Bildungen hervortreten. Immer- hin haben die mit den kalten Lösungen, namentlich im LöFFLER-Blau er- zielten Färbungen in manchen Objekten den Eindruck der Unvollständig- keit gemacht, und es erscheint deshalb die Vermutung wohl berechtigt^ daß bei den bisher gebräuchlichen basophilen Färbungsverfahren ein 1) Die Anämie etc. 1. c. S. 51. 2) Die Anämie etc. 1. c. S. 92. — 14 — Teil dieser Gebilde als basophile Granula angesprochen wurde, deren ver- mehrte Anwesenheit im leukämischen Blute ja allgemein zugegeben wird. Auf die Differenz dieser beiden Bildungen kommen wir noch zurück. Das erwähnte Verhalten bei Thioninfärbungen legt den Gedanken nahe, daß die betreffenden Gebilde aus zweierlei Substanzen bestehen, von denen die eine peripher gelagerte sich in Thionin färbt, die andere central gelagerte in Thionin jedoch vielfach ungefärbt bleibt, die jedoch alle beide sich mit Methylenblau färben lassen. Diese Vermutung ge- winnt noch dadurch an Wahrscheinlichkeit, daß man auch bei der bloßen .Methylenblaufärbung in den betreffenden Bildungen vielfach den Eindruck erliält, als ob sie aus einer centralen sich dunkler färbenden kernähnlichen und einer peripheren lichter metachromatisch gefärbten protoplasmaartigen Substanz bestünden (Fig. 23, 25, 28 — 31, 37, 38). Wir werden auf diese Verhältnisse noch genauer zurückzukommen haben, anderseits liegt aber, da auch bei der Thioninfärbung kernähnliche Bildungen im Innern der betreffenden Gebilde erkannt werden können, (Fig. 41, 65, 66, 67) die Möglichkeit vor, daß der centrale bei der Thioninfärbung lichte Teil eine vakuolenartige Bildung darstellt, die bei der LöFFLER-Blaufärbung gedeckt erscheint. Der Farbenton der betreffenden Körper in und an den Leukocyten bei Leukämie ist auch bei Thioninfärbung stark metachromatisch , ein dunkles Schwarzblau, das manchmal sogar einen Stich ins Braunrote aufweisen kann; die Thioninfärbung ist gleichfalls keine spezifische Färbung der betreffenden Bildungen andern sich analog färbenden Ge- bilden gegenüber. Immerhin treten aber gerade bei der Thioninfärbung so • charakteristische Formen hervor, daß schon diese allein für den mit diesen Verhältnissen Vertrauten die Notwendigkeit einer Abtrennung derselben begründet erscheinen lassen. Ob eine der Thioninfärbung vorausgehende Alkoholbehandlung des Blutpräparates einen analogen Effekt wie bei der LüFFLER-Blaufärbung ausübt, ist nicht näher geprüft worden, dagegen habe ich wohl den Eindruck gewonnen, daß der meta- chromatische Farbenton der hier als spezifische Gebilde bezeichneten Formen und der basophilen Leukocytengranula, sowie der Produkte des Kern- und Zellzerfalles der Leukocyten nicht der gleiche ist, ein Um- stand, dem eine grössere Bedeutung jedenfalls nicht beizumessen ist. Ich Averde für die hier in Betracht kommenden Gebilde im folgenden zunächst den Ausdruck der spezifischen Körper oder der spezifi- schen Gebilde gebrauchen, um dieselben anderen Formen gegenüber auch dem Namen nach abzutrennen und verweise diesbezüglich auf das folgende Kapitel. Färbt man die Blutpräparate in Thioninlösungen und unterwirft sie nachträglich der entfärbenden Wirkung des sauren Alkohols, so nehmen diese spezifischen Bildungen einen eigenartigen rotgrünen Farben- ton in stärkerer oder geringerer Intensität je nach der Dauer der Alkoholwirkung an, während an den basophilen Leukocytengranulationen und an den Produkten des Kern- und Zellzerfalles in den Leukocyten eine derartige Veränderung nicht eintritt; auch diese Differenz kann zur Unterscheidung der verschiedenartigen Bildungen im gefärbten Präparate mit herangezogen werden. Die erwähnte Farbennuance bleibt bei der Thioninfärbung nach der Alkoholeinwirkung noch bestehen, wenn Erythi-ocyten sowohl als auch Leukocyten, Zellprotoplasma und Zellkern derselben vollständig entfärbt sind, oder nur noch einen blaß- blauen Schimmer besitzen. — 15 — Das eigenartige Bild, welches an den spezifischen Bildungen des leukämischen Blutes bei Thioninfärbungen eintritt, forderte zu Ver- suchen auf, den ungefärbten centralen Teil dieser Bildungen in einem anderen Farbenton zur Darstellung zu bringen und auf diese Weise vielleicht Dopi)elfärbungen zu erzielen, die einen tieferen Einblick in den Bau dieser fremdartigen Körper gestatten, als dies durch einfache Färbungen ermöglicht wird. Meine nach dieser Richtung hin unter- nommenen Versuche sind nicht sehr zahlreich, immerhin haben sie aber doch zu einem gewissen Ergebnisse bereits geführt. Zunächst sei hervor- gehoben, daß die Färbung der betreffenden Bildungen in Thionin auch in der Kälte bei Zimmertemperatur gelingt; eine Färbungsdauer von 10—15 Minuten reicht dazu in der Regel schon aus, während eine Färbung im alkalischen Methylenblau ohne Erwärmen erfolglos ist. Weiterhin lag ja schon von vornherein der Gedanke nahe, nachdem ja das Methylenblau die supponierten beiden Substanzen der fraglichen Gebilde färbt , eine Doppelfärbung mit Methylenblau und Thionin zu versuchen. Thatsächlich gelang es auch, mit einer solchen Mischung am peripheren Blute nach einer Färbungsdauer von 15 Minuten bei Zimmertemperatur ganz analoge Bilder zu erhalten, wie sie das Methylen- blau allein Jjeim Erwärmen der Farbenlösung ergiebt. Dabei erscheint es auf ein bestimmtes Mischungsverhältnis der beiden Farbenlösungen nicht gerade anzukommen, doch habe ich diese Frage am peripheren Blute nicht genauer verfolgt, und möchte mich auch nicht mit Bestimmt- heit darüber aussprechen, daß durch eine derartige Färbung thatsäch- lich auf die Gegenwart von kernartigem Körpern im Innern der betreffen- den Gebilde hingewiesen wird. Während nun eine gleichzeitige Färbung der spezifischen Bildungen des leukämischen (myelämischen) Blutes in LöFFLER-Blaulösungen und der bekannten verschiedenartigen Ehrlich sehen Leukocytengranulationen bei nachträglicher Anwendung der Ehrlich sehen Triacidlösung in den daraufhin gerichteten Versuchen nicht gelingen wollte, konnte in den mit Thionin vorgefärbten Blutpräparaten bei nachträglicher Triacidfärbung eine solche kombinierte Färbung sehr schön erzielt werden. Zu diesem Behufe wurde nach der Thioninfärbung (in der Wärme) nur mit Wasser abgespült und das Präparat ohne Differenzierung in Alkohol neuerdings lufttrocken gemacht; hierauf wird sofort die Triacidfärbung angeschlossen, und, wenn erforderlich, kann nachträglich, um deutlichere Kernbilder zu erhalten, noch eine kurze Methylenblaufärbung vorgenommen werden. Man erhält auf diese Weise ungemein instruktive Bilder, in welchen nicht nur die Färbungsdifferenz der spezifischen Körper von den verschiedenen Leukocytengranulationen, sondern auch die Beziehung dieser Bildungen zu den verschiedenen Leukocytenformen des Blutes verfolgt werden kann. Die Präparate fallen um so instruktiver aus, je weniger sie vor der Triacidfärbung mit Alkohol in Berührung gebracht werden, weshalb ich auch die Entfärbung im sauren Alkohol für die nachträgliche Darstellung der Leukocytengranulationen ganz fallen ließ, was um so eher geschehen kann, als die Thioninlösung alle übrigen Gebilde außer den basophilen Granulationen und den spezifischen Körpern des leukämischen Blutes nur sehr schwach hellblau anfärbt, und weil diese blaßblaue Färbung bei der nachträglichen Triacidfärbung nicht stört, vielleicht sogar von diesem Farbengemisch extrahiert wird. Ich habe mich durch besondere Versuche davon überzeugt, daß eine nach der Triacidfärbung behufs besserer Darstellung der Kernformen noch hinzugefügte kurze Methylen- — 16 — blaufarbung den durch die Triacidlüsung bedingten Farbenton der Leuko- cytengranula nicht alteriert. Der Umstand, daß bei Methylenblaufärbnng der spezitischen Kfh'per eine nachträgliche Darstellung der Leukocyten- granulationen niclit gelingen wollte, ist möglicherweise darauf zurück- zuführen, daß bei der Methylenblaufärbung die differenzierende Wirkung des saueren Alkohols nicht entbehrt werden kann, w^odurch wahrschein- lich die Färbbarkeit der verschiedenen Granulationen in mehr oder minder hohem Grade beeinträchtigt wird. Die soeben beschriebene kombinierte Thionin- und Triacidfärbung liefert die schönsten Bilder, die ich bisher am myelämischen Blute erhalten konnte ; alle Verhältnisse traten hier ungemein distinkt hervor, sie ist jedenfalls für das Studium der spezitischen Körper auf das wärmste zu empfehlen. Namentlich tritt die Unterscheidung der sog. spezitischen Körper im myelämischen Blute nach Färbung und Form von den verschiedenen Leukocyten- granulationen an derartigen Präparaten mit großer Schärfe hervor. Die LöFFLEH-Blaufärbung ist zweifellos universeller, sie färbt an den spezifischen Körpern mehr, aber sie färbt auch sonst so vielerlei, daß bei ihrer Ver- wendung nur mit der größten Vorsicht vorgegangen werden darf, und sie deckt durch die universellere Färbung auch manches Detail, das bei der oben erwähnten Methode hervortritt.. Jedenfalls ergänzen sich die ver- schiedenen angeführten Färbeniethoden in mancherlei Beziehung und sie werden auch, wo es auf scharfe Unterscheidung ankommt, immer gleich- zeitig verwendet Averden müssen. Wir werden bei der Besprechung der Unterscheidungsmerkmale der spezifischen Körper von ähnlichen Bildungen hierauf noch näher einzugehen haben. Alle voranstehend mitgeteilten Färbungsverfahren w^urden am myelämischen Blute ausgearbeitet und durchgeprüft, von dem mir zahl- reiche Präparate verschiedener Kranken zur Verfügung standen. Von der lymphämischen Leukämie stand mir weit w^eniger Blutmaterial zu Gebote, und ich mußte mich hier vornehmlich darauf beschränken, die bei der Myelämie erprobten Methoden in einzelnen Fällen in Anwendung zu ziehen. Selbständige in verschiedener Weise variierte Färbungs- versuche konnten jedoch am lymphämischen Blute wegen der Beschränkt- heit des Materiales nicht vorgenommen werden. Lange Zeit blieben auch die Versuche in den Leukocyten des lymphämischen Blutes die gleichen oder ähnliche spezifische Körper wie bei der Myelämie zu finden, vollständig resultatlos, was ja auch in meinen beiden vor- läufigen Mitteilungen über diesen Gegenstand zum Ausdrucke kommt ^). Erst mit der Vervollkommnung der Färbungsverfahren und zwar sowohl der Methylenblau- als der Thioninfärbung konnten dann auch in einem Falle von Lymphämie Bildungen in den Leukocyten des strömenden Blutes, allerdings nur in beschränkter Menge, nachgewiesen werden, die wohl in Parallele zu den bei der Myelämie gemachten Befunden gesetzt werden können. Mein Urteil über die diesbezüglichen Verhältnisse bei der Lymphämie stützt sich daher nicht auf so umfassende Unter- suchungen wie bei der Myelämie, ich halte mich aber doch bereits gegen- wärtig zu der Anschauung für berechtigt, daß auch bei der Lymphämie in den Leukocyten des strömenden Blutes mit den für die Myelämie ausgearbeiteten Färbungsverfahren spezifische Körper, wenn auch nur in sehr beschränkter Menge nachgewiesen werden können. Ob aber alle 1) Centralbl. f. Bakteriol. etc. I.Abt. 1898. Bd. 23. S. 206 und Wien, khnische Wochenschr. 1898. Nr. 20. — 17 — im vorausgehenden für die Färbung der spezifischen Gebilde im myelämi- schen Blute angeführten Angaben, speziell das Verhalten gegen die Alkoholbehandlung der BIut})rcäparate, auch für die Lymphämie Geltung haben, vermag ich nicht anzugeben. Dagegen stellte die Untersuchung der Leichenorgane leukämischer Individuen und vor allem der blutzellenbildenden Organe dem Nachweise spezifischer Gebilde, wie sie im peripheren Blute gefunden worden waren, sehr groije JSchwierigkeiten entgegen, die namentlich in der gesicherten Ausschlieljung differenter sich aber ähnlicli färbender Bildungen gelegen waren, und die dann weiterhin auch mit dem Umstände rechnen mußten, daß die betreffenden Bildungen in den blutzellenbildenden Organen der Leiche möglicherweise eine andere Form und auch eine andere Beschaffen- heit besitzen können als die zugehörigen Gebilde des strömenden Blutes. Die Untersuchung der Leichenorgane geschah ausschließlich an Paraffinschnitten; die Organe wurden anfänglich, ehe ich über den Ein- fluß der Härtungsmittel auf die Färbbarkeit der betreffenden Körper orientiert war, in Alkohol, Formalin, Sublimat, Flemmixg scher Lösung, ]\lÜLLER scher Flüssigkeit und in ö'^/oiger Chromsäure fixiert. Formalin und alle Härtungsmittel, die Chromsäure oder chromsaure Salze ent- hielten, erwiesen sich aber für die färberische Darstellung der betreffen- den, später zu beschreibenden Gebilde unbrauchbar, so daß ich gegen- wärtig ausschließlich Alkohol und Sublimathärtungen für diesen Zweck empfehlen kann. Die Anwendung des alkalischen Methylenl)lau im erwärmten und nicht erwärmten Zustande führte nur zu Fehlerfolgen, auf die ich jedoch, da sie nicht ganz ohne Belang sind, etwas näher eingehen will. Werden die Organschnitte mit dem Löffler sehen Blau in der Wärme gefärbt und dann im sauren Alkohol so lange entfärbt, bis keine Farbstoft'wolken an die Flüssigkeit mehr abgegeben werden, hierauf in Xylol aufgehellt und in Lack eingeschlossen, so lassen sich Befunde erheben, die eine gewisse Beziehung zu den spezifischen Gebilden des peripheren Blutes erkennen lassen und thatsächlich durch einige Zeit auch in mir den Glauben erweckten, als ob damit bereits der Nachweis der spezifischen Körper allerdings in veränderter Form und Beschaffen- heit innerhalb der blutzellenbildenden Organe gelungen sei. Da die besondere Art der Aufheilung der Schnitte in Xylol für diese Befunde von besonderer Wichtigkeit ist, so will ich hierauf zunächst in aller Kürze eingehen. Weigert^) hat vor einiger Zeit die Aufhellung mit Xylol (statt mit ätherischen Ölen) für eine besondere Färbung der elastischen Fasern nach der von Welch angegebenen Abtupfungsmethode empfohlen. Ich verfahre in der Weise, daß die Präparate nach der Differenzierung aus dem Oß'^oigem Alkohol sofort in Xylol gelegt werden, der aber zunächst noch nicht aufhellend wirkt. Zu diesem Behufe muß das Xylol mittelst eines Luftstromes durch Anblasen, oder durch kräftiges Hin- und Her- führen des Deckglases in der Luft vollständig entfernt werden, bis die Schnitte vollständig trocken erscheinen. Je nachdem dieser Zustand sofort oder erst allmählich erreicht wird, tritt auch die Aufhellung durch 1) Centralbl. f. allgem. Pathol. etc. 1898. Bd. 9. S. 289. Löwit, Ätiologie u. Patliol. d. Leukämie. — 18 — Xylol schon nach der ersten Trocknung an der Luft oder erst nach mehrmaliger ^Viederholung des Prozesses ein. An derartig hergestellten in alkalischem Methylenblau gefärbten Präparaten aus den blutzellenbildenden Organen leukämischer Individuen, sowohl bei Myelämie als bei Lymphämie, eventuell aus anderen Organen mit sekundären Lymphombildungen, treten mm eigenartige Körper mit nicht sehr intensiver aber doch deutlicher metachromatischer Färbung hervor, während die übrigen Zellen und ihre Kerne vollständig oder nahe- zu vollständig entfärbt sind. Ich verweise wegen dieser Körper zunächst auf die Figuren 1 — 18, Taf. I. Bei der Betrachtung derselben fällt sofort auf, daß sich die dunkel gefärbten Körper den lymphatischen Zellen der verschiedenen blutzellenbildenden Organe innig anlagern und sich vielfach dem äußeren Umfange dieser Zellen, wenn auch nicht seiner ganzen Ausdehnung nach direkt anschmiegen (Fig. 5, 6, 7, 8, 11, 12, 18), oft geradezu in den Zellen selbst gelegen sind (Fig. 1, 2, 3, 4, 14b, 15), oft aber auch nur interstitiell im intercellulären Stütz- gewebe angetroffen werden (Fig. 7, 8, 10, 13, 14a, 17), manchmal im innigen Kontakte mit den Zellen, manchmal aber auch ohne direkte Be- ziehung zu ihnen. Die Form dieser Gebilde ist verschiedenartig, doch herrscht die Flaschen-, Birn- und Halbmondform vor; es kann wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß die Form dieser dunkelgefärbten Körper hauptsächlich durch den ihnen zur Verfügung stehenden Raum in der Zelle zwischen Zellkern und Zellenperipherie, sowie durch den intercellulären Raum zwischen den Zellen, wo sie höchstwahrscheinlich im interstitiellen Bindegewebe selbst gelegen sind, bedingt wird. Ich war lange geneigt^), diese eigenartigen Gebilde mit den im peripheren Blute der Leukämiker speziell bei der Myelämie nach- gewiesenen spezifischen Körpern in Zusammenhang zu bringen und sie als die Form anzusehen, in welcher diese spezifischen Körper des peri- pheren Blutes in den blutzellenbildenden Organen der an Leukämie .verstorbenen Individuen sich wiederfinden, trotz der mehrfachen Differenzen, welche ja zweifellos zwischen diesen beiden Formen be- stehen. Diese Anschauung mußte aber fallen gelassen werden, und ich habe die betreffenden Figuren hier nur mitgeteilt, um Nachuntersuchern die Orientierung auf diesem schwierigen Terrain zu erleichtern. Maß- gebend hierfür waren folgende Gründe: Es mußte zunächst schon auffallen, daß die Färbung dieser soeben charakterisierten Gebilde nicht in jenem satten dunklen metachro- matischen Farbenton ausfiel, der die spezifischen Körper des peripheren Blutes in so hohem Grade auszeichnet, und weiterhin mußte auffallen, daß die Entfärbung dieser Gebilde in den blutzellenbildenden Organen doch wesentlich leichter als jene der spezifischen Körper im peripheren Blute gelang, so daß in den Organen, alles mit Einschluß der dunkel gefärbten Gebilde entfärbt sein konnte, während die basophilen Granula der Mastzellen daselbst noch entschiedene Färbung aufwiesen, eine Er- scheinung, die am peripheren Blute myelämischer Individuen niemals konstatiert werden konnte. Ebenso auffällig war es, daß derartige Bilder, wie sie in den Figuren 1 bis 18 dargestellt sind, namentlich aber die intercellulären Formen der betreffenden Gebilde nur bei der Aufhellung der Präparate in Xylol, niemals aber bei Verwendung 1) Vgl. Wien. kliu. Wochenschr. 1898. Nr. 20. - 19 - ätherischer Ole zur Beobachtung kamen, in welchen, wie es scheint, eine weitere Entfärbung der Präparate vor sich geht. Die Annahme aber , daß die geschilderten dunkel gefärbten Gebilde in den blutzellenbildenden Organen als etwas für die Leukämie spezitisches anzusehen sind, mußte definitiv fallen gelassen werden, als durch Kontrolluntersuchungen, denen ja für das ganze uns hier be- schäftigende Gebiet eine ungemein wichtige Rolle zukommt, erkannt wurde , daß die gleichen Gebilde auch in den blutzellenbildenden Organen nicht leukämischer Individuen, und vor allem in den gleichen Organen vollständig normaler Tiere oft in gleicher, oft al)er auch in etwas geringerer Reichhaltigkeit, wie beim leukämischen Individuum vorkommen. Die Frage nun, als was diese eigenartigen dunkel gefärbten Gebilde in den blutzellenbildenden Organen leukämischer und nicht leukämischer Individuen sowie verschiedener normaler Tiere anzusprechen sind, gehört strenge genommen, nicht in den Rahmen dieser Untersuchung, ich will aber doch kurz auf dieselbe eingehen. Est ist nun wohl höchst wahr- scheinlich, daß hier Verschiedenes und Verschiedenartiges durch die gleichmäßige Färbung scheinbar Zusammengehöriges vereinigt ist. Für die intracellulären dunkel gefärbten Gebilde (Fig. 1, 4, 5, 10, 14b, 15, 18) kann nun wohl die Zugehörigkeit zu der großen Gruppe der sogenannten „Plasmazellen" kaum zweifelhaft sein. Diese von Waldeyer^) und später von Ehrlich-] im normalen (jewebe entdeckten Zellen, wurden von Unna^) bei pathologischen Zuständen genauer studiert, und von diesem Autor -als ein pathologisches Gebilde angesprochen'^), das zu seiner Entstehung eines auf das erwachsene Gewebe wirkenden starken Reizes , eines Substanzverlustes oder eines infektiösen nicht zu rasch vorübergehen- den Reizes bedarf. Indessen wurden von Jadassohn-^) und v. Marschalko *"') die Plasinazellen als regelmäßige Bestandteile normaler Organe, nament- lich der blutzellenbildenden Organe erkannt, eine Anschauung, die auch von Mexahem Hodara '^) vertreten wird ; ebenso bringen Jüsti ^) und Krompegher-^) Anhaltspunkte für die nahe Beziehung von Plasmazellen zu den Lymphocyten bei. Ich muß mich auf Grund meiner Unter- suchungen diesen i\.ngaben anschließen und bin geneigt, diese Art von Plasmazellen in den blutzellenbildenden Organen mit regressiven Vor- gängen des Zellen- und Kernzerfalles in Zusammenhang zu bringen, die in diesen Organen auch an ganz normalen Tieren neben progressiven ständig ablaufen. Ob es sich dabei um regressive Vorgänge in der betreffenden Zelle selbst handelt, oder ob die dunkel gefärbten Gebilde durch phagocytäre Vorgänge in die betreffende Zelle hineingelangt sind, soll an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden. Wahrscheinlich sind 1) M. ScHüLTZES Archiv f. mikroskop. Anatom. 1875. Bd. 11. S. 176. -) Kbendaselbst Bd. 13 und E. Westphal, Über Mastzellen. Inaug.-Diss. Berlin 1880. 3) Monatshefte für praktische Dermatologie 1891. Bd. XII. S. '296 und Bd. XIII S. 364. 4) Arbeiten aus Dr. Unnas Klinik f. Hautkrankh. in Hamburg 1892—1893. Berlin 1894. S. 40. 5) Verhandlungen der deutsch, dermatol. Gesellsch. 1891. Berl. klinische Wochenschr. 1893. Nr. 3. '') Archiv f. Dermatologie 189.5. 7) Annales de Dermatologie et de Syphiligraphie. 3« S « T. VI. p. 856. 8) ViRCHows Archiv 1897. Bd. 150, S. 197 f. 9) Zieglers Beiträge etc. 1898. Bd. 24. S. 163 f. — 20 — auch die von Benda^) beschriebenen „Lymphogoni en"' bei der akuten leukämischen Drüsenhyperplasie, die auch von Bigxami '') erwähnt werden, und die von Hodara^j sogenannten „Polyei docyten" aus den blut- zellcnbildenden Organen normaler Tiere identisch mit den typischen Plasmazellen, oder wie Hodara meint, mit „Pseudoplasmazellen". Was mm die intercellulär gelegenen dunkel gefärbten Gebilde innerhalb der blutzellenbildenden Organe anbelangt (Fig. 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14a, ITj, so dürften dieselben ihrer Hauptmasse nach wohl von den Plasmazellen abzutrennen sein, da oft zweifellos der Nachweis geführt werden kann, daß sie außerhalb der Zelle im interstitiellen Gewebe gelegen sind. Ob nun diese streng intercellulär gelegenen Bildungen auf eine Art Farbstotfretention nach Art einer natürlichen Injection zwischen den Zellen, vielleicht in einem vorgebildeten Spalt- system zurückzuführen sind , vermag ich nicht zu entscheiden. Auch unter den intercellulär gelegenen Formen können übrigens den Plasma- zellen ähnliche Bildungen vorkommen. Erst als die Bedeutung dieser soeben erwähnten Gebilde als für Leukämie nicht spezifische Elemente erkannt worden war, konnte die färberische Untersuchung der Leichenorgane leukämischer Individuen ihren Fortgang nehmen. Allein hier stellte sich bald heraus , daß die Methylenblaumethode, die am peripheren Blute beim Auffinden spezi- fischer Körper so vorzügliche Dienste geleistet hatte, bei der LTnter- suchung der blutzellenbildenden Organe nahezu vollständig im Stiche ließ. Wohl konnte man auch da vereinzelte Bildungen erkennen, die sehr wahrscheinlich in Beziehung gesetzt werden konnten zu den spezi- tischen Körpern des peripheren Blutes, allein sie waren auffallend selten und sie boten doch nicht so charakteristische Merkmale, daß eine sichere Unterscheidung derselben von den basophilen Granulis der in den blut- zellenbildenden Organen bei gewissen Formen von Leukämie (Myelämie) so häufig vorkommenden Mastzellen und von den Produkten des Kern- und Zellzerfalles der leukocytären Elemente daselbst vorgenommen werden konnte. Wollte man sich nun da nicht mit der Annahme behelfen, daß die betreffenden spezifischen Körper, die ja, worauf noch zurückzukommen sein wird, intravital durch Milzpunktion in einem der blutzellenbilden- den Organe wenigstens in großer Menge und in typischer Form nach- gewiesen W'Crden konnten, nach dem Tode in den Organen zu Grunde gehen, oder sich zum mindesten doch der färberischen Larstellung ent- ziehen, eine Annahme, die mit Bezug auf naheliegende die Verhältnisse bei der Malaria betreff"ende Gründe, auf die wir noch mehrfach werden hinzuweisen haben, nur geringe Wahrscheinlichkeit für sich hatte, so blieb nichts anderes übrig, als sich nach anderen Färbungsmethoden um- zusehen. In dieser Beziehung hat nun die Verwendung einer basischen Farbenmischung von 30 Teilen alkalischen Methylenblaues (Löffler's Blau) mit 15 Teilen wässeriger konzentrierter Thioninlösung (Thionin Mühlheim) ganz vortreft"liche Dienste geleistet, eine Mischung, die für eine breitere Verwendung empfohlen werden kann. Ich will hier nicht auf die mehr sekundäre Frage eingehen, ob sich in diesem Gemenge eine neue Farbe bildet, oder ob beide Farbenkomponenten an der Färbung in diesem 1) Verhandigen. d. XV. Kongr. f. innere Mediz. 1897. S. 371. 2) Alcune osservazioni sulla linfenia. II Policlinico. 1898. Vol. V— M. 3) 1. c. — 21 - Gemenge beteiligt sind. Manche Momente legen die erste Vermutung nahe. Jedenfalls muß betont werden, daß die Kern- und Protoplasma- färbung in diesem Gemenge nur blaß ausfällt, dass der Farbstoff leicht wieder an den sauren Alkohol abgegeben wird, daß die Produkte des Kern- und Zellzerfalles nicht oder nur sehr schwach metachroniatisch gefärbt werden, und daß auch aus diesen der Farbstoff leicht extrahiert werden kann, daß die basophilen Mastzellengranula sich metachromatisch rot färben und den Farbstoff intensiv zurückhalten, und daß spezitische Gebilde innerhalb, in einzelnen l'ällen auch außerhalb der lymphatischen Zellen oder deren Kernen in den blutzellenbildenden Organen gleichfalls metachromatisch gefärbt werden können, aber tiefer und dunkler als die basophilen Granula und in einem mehr braunroten Farbenton. Diese spezilischen Gebilde halten den Farbstoff" gleichfalls sehr intensiv zurück und können bei alleiniger Methylenblaufärbung überhaupt nicht dar- gestellt werden, wohl aber, wenn auch nicht so klar, bei alleiniger Thioninfärbung ; übrigens scheinen sich in dieser Beziehung die ver- schiedenen spezifischen Gebilde, welche ich bei den verschiedenen Leukämieformen nachweisen konnte, nicht ganz gleichartig zu verhalten, worauf später noch genauer eingegangen werden soll. Jedenfalls wirkt aber das eben genannte Gemenge für den hier verfolgten Zweck weit besser als das alkalische Methylenblau, ja die Auftindung dieses Ge- menges hat geradezu erst den Nachweis spezi tischer Gebilde in den blutzellenbildenden Organen leukämischer Individuen ermöglicht, und es hat sich jedenfalls in dieser Beziehung dem LÖFFLERblau bei weitem überlegen gezeigt. Inwieweit den betreffenden Bildungen die Bedeu- tung spezifischer Gebilde im strengen Sinne des Wortes, und der eben angeführten Färbung die Bedeutung einer spezifischen Färbung zukommt, wird weiterhin noch zu erörtern sein. Hier sei nur noch betont, daß eine Färbung von 15 — 20 Minuten bei Zimmertemperatur in dem er- wähnten Gemenge für den verfolgten Zweck vollständig ausreichend ist, und daß eine längere Färbungsdauer wegen dann eintretender unvollkommener Differenzierung nicht empfohlen werden kann. Hierauf wird in der bereits erwähnten Weise in saurem Alkohol entfärbt und das Präparat zur Beobachtung fertig gemacht. Die gleichen Gebilde, die mit dem basischen Farbengemenge dar- gestellt werden können, namentlich aber die später genauer zu be- schreibenden intranukleären Formen können auch mit Safranin in alkoholisch-wässeriger Lösung gefärbt werden. Dazu sind aber protra- hierte Färbungen von 20 — 24 stündiger Dauer unerläßlich, bei kurzer Färbungszeit auch in der Wärme bleiben die betreft'enden Körper un- sichtbar. Auch hier wird dann in der bekannten Weise entfärbt und das Präparat zur Beobachtung eingeschlossen. Die mit Safranin färb- baren und hier in Betracht kommenden Gebilde, und zwar namentlich die intranukleären Formen, aber auch die intra- und extracellulären Formen, insoweit sie durch diese jNIethode überhaupt darstellbar sind, weisen bei der Safraninfärbung einen eigenartigen gleichfalls meta- chromatischen rostbraunen bis braunroten Farbenton auf, der von der blaß oder deutlich roten Färbung der übrigen Gebilde im Präparate cliarakteristisch absticht. Koramt dieser Methode schon dadurch eine wichtige Rolle für die im folgenden zu beschreibenden Formen zu, so wird dieselbe noch durch zwei weitere Umstände beträchtlich erhöht. Vor allem dadurch, daß bei der Safraninfärbung die basophilen Mast- zellengranulationen sich meistens gar nicht, manchmal schwach gelblich — 22 — rot färben, was für die Unterscheidung derselben von den hier in Betracht kommenden Gebilden sehr wesentlich ist; desgleichen färben sich auch die Produkte der Kern- und Zelldegeneration, die ja gerade bei den vorliegenden Beobachtungen das Bild so häufig komplizieren, nur mehr weniger hell oder dunkelrot, niemals in jenem rostfarbenen Tone, der die spezifischen Gebilde so scharf hervorhebt. Als zweites wichtiges Moment kommt aber bei der Safraninfärbung in Betraclit, daß man durch entsprechende Entfärbung im sauren Alkohol hier sehr leicht distinkte Kern- und Zellfärbung erzielen kann, wobei dann immer noch die rostbraunen Gebilde wegen ihrer eigen- artigen Färbung gut erkannt werden können. Für die Beurteilung der gegenseitigen Beziehungen zwischen den Kern- und Zellenbestandteilen und den sogenannten spezifischen Gebilden ist dieser Umstand von nicht zu verkennendem Werte. Es ist gewiß w^ichtig und soll daher gleich an dieser Stelle betont werden , daß die Methylenblaumethode , die sich für die Untersuchung des peripheren Blutes myelämischer Individuen so brauchbar erwies, für die Verfolgung des gleichen Zweckes in den blutzellenbildenden Organen der gleichen Individuen minder gute Resultate ergab, und ganz unbrauchbar war bei der Untersuchung der akuten und chronischen Lymphämie, während andrerseits die Safraninmethode gerade bei der Untersuchung der Organe lymphämischer Individuen so vortreftfiche Dienste leistete, dagegen bei der Untersuchung des peripheren Blutes an derartigen Kranken völlig versagte. Wir werden diese Differenzen im weiteren Verlaufe klar zu legen versuchen. Ich möchte aber gleich an dieser Stelle hervorheben, daß ich wegen Mangel an Material gerade die Safraninmethode und die Methyl enblau-Thioninfärbung am peripheren Blute myelämischer und lymphämischer Individuen nicht genügend aus- probieren konnte, weil die betreft'enden Untersuchungen des peripheren Blutes zu einer Zeit vorgenommen wurden, da die beiden letztgenannten Färbemethoden noch nicht ausgearbeitet w^aren, und die Präparate daher nur der Methylenblaufärbung allein unterzogen wurden. Allerdings wurden diese Präparate dann nachträglich nochmals mit den beiden andern Färbe- methoden behandelt, allein die auch hierbei in der Regel erhaltenen negativen Resultate sind denn doch nicht vollkommen einwandfrei; hier erscheinen mithin weitere Untersuchungen nötig. Jedenfalls ist wohl die Differenz des Färbungsresultates im peripheren Blute bei den beiden Gruppen der Leukämie unter Anwendung der gleichen und verschiedener Färbungsmethoden im hohen Grade bemerkenswert. Für die Untersuchung der blutzellenbildenden Organe leukämischer In- dividuen auf spezifische Körper erscheinen mithin beide Färbungsmethoden, sowohl die kurzdauernde Methylenblau -Thioniutarbung bei Zimmertempe- ratur als die lang dauernde Safraninfärbung bei gleicher Temperatur von großer Wichtigkeit, sie ergaben stets gleichsinnige Resultate und sind namentlich wegen der distinkten Zell- und Kernfärbung bei der Safranin- methode geeignet sich gegenseitig zu ergänzen. Bei der Verwendung diffusen Tageslichtes als Lichtquelle für das Mikroskop ist jedenfalls die Methylenblau-Thioninfärbung vorzuziehen, die Farbenunterschiede zwischen Zellen- oder Kerninhalt einerseits und den dunkel metachromatisch ge- färbten Körpern andrerseits treten hier mit voller Schärfe in gelungenen Präparaten hervor; bei der Verwendung künstlicher Beleuchtung aber ( Auerlicht oder elektrischeGlühlampen)scheintjedenfalls die Safraninfärbung für die Auffindung der genannten Körper nach meinen bisherigen Erfahr- — 23 — imgen bessere Dienste zu leisten. Selbst bei recht dunkler roter Färbung des Kern- und Zelleninhaltes treten dannnocli die spezitischen Körper in ihrer charakteristischen braunroten Färbung hervor, während die mit Methylen- blau-Thionin gefärbten Präparate bei künstlicher Beleuchtung weit weniger klare Bilder als bei Tageslicht geben; die mit Safranin gefärbten Präparate andrerseits sind auch bei Tageslicht gut verwertbar. Selbstverständlich hängt bei den beschriebenen Färbungsmethoden das Gelingen des Präparates von dem richtigen Grade der Entfärbung ab. Sind die Präparate zu dunkel gefärbt, kann man mithin keinen genügenden Einblick in den Zellen- und Kerninhalt nehmen, so können die im Innern der Zellen oder Kerne gelegenen Gebilde gedeckt und daher unsichtbar bleiben, oder sie treten nur äußerst mangelhaft hervor; wird das Präparat aber zu stark entfärbt, so geben schließlich auch die hier in Betracht kommenden Körper ihre Farbe ab und werden unsicht- bar; dies gilt namentlich wieder für die intranukleären Formen. Immer- hin geben die geschilderten Färbungsmethoden bei einiger Übung doch brauchbare Resultate , ich muß aber von vornherein betonen , daß spezitische Färbungsmethoden für die hier in Betracht kommenden Ge- bilde bis jetzt nicht gefunden wurden, wodurch die Beurteilung der Befunde namentlich in den blutzellenbildenden Organen sehr leidet und erschwert wird. Nur eine große Vertrautheit mit dem (Gegenstände namentlich aber ständige Kontrolluntersuchungen an nicht leukämischen Objekten gestatten unter diesen Verhältnissen ein Urteil, das aber der Sachlage nach kein abschließendes sein kann. Am elegantesten werden die Präparate, wenn die Entfärbung namentlich bei der Methylenblau -Thioninmethode jenen Grad erreicht hat, daß alle zelligen Elemente des Präparates total oder nahezu gänz- lich entfärbt sind und nur die betreffenden Gebilde und etwa noch vorhandene Mastzellen , auf deren Unterscheidung wir noch zurück- kommen, gefärbt bleiben. Im weiteren Verlaufe dieser Darstellung werden noch mehrfache Winke und Anhaltspunkte für die Darstellung und Beurteilung der fraglichen Gebilde sowohl im peripheren Blute als in den blutzellenbildenden Organen leukämischer Individuen, und auch noch andere hier noch nicht besjjrochene Färbungsmethoden mitgeteilt werden, auf welche bereits an dieser Stelle hingewiesen sei. Wo es thunlich war, wurde übrigens außer der Alkoholhärtung der Organe auch noch eine Konservierung in Flemmixg scher Flüssigkeit und in Sublimat zum Studium der Zell- und Kernbeschaffenheit und zur Vergleichung mit jenen Präparaten vorgenommen, welche vorwiegend zum Studium der spezitischen Körper dienten. Der folgenden Darlegung wird die gebräuchliche Einteilung der verschiedenen Formen von Leukämie zu Grunde gelegt. Wir werden also bestimmte Formen von Leukämie, nach Ehrlich die sogenannte Myelämie, trennen von den lymphatischen Formen, nach Ehrlich der sogenannten Lymphämie, und werden bei dieser letzteren Form die chronische und akute Lymphämie auseinanderhalten. Dies geschieht nur der besseren Übersichtlichkeit halber, ohne daß mit der gewählten Bezeichnung der herrschenden Anschauung entsprechend irgend etwas über die Entstehung des Prozesses und seine Beziehung zu den einzelnen blutzellenbildenden Organen ausgesagt sein soll. Es sind also als Myelämie jene Fälle zusammengefaßt, bei denen im Blute die schon so vielfach betonte Mannigfaltigkeit des hämatoloiiischen Blutbildes zum — 24 — Ausdrucke kommt ^), wo die verschiedenen Größen und Typen leukocytärer Elemente, und darunter auch die vielfach als „ Markzellen ''^ bezeichneten abnorm großen (hypertrophischen), und die einkernigen neutrophilen Leukocyten, die „Myelocyten'' oder „Markzellen" Ehrliches kat'exochen vorkommen ; als Lymphämie sind jene Fälle zusammengefaßt, bei denen im Blute vorwiegend die kleinen und größern mononukleären Leukocyten in großer Menge, die sogenannten polynukleären (neutrophilen) Leuko- cyten aber nur in verschwindend kleiner Zahl enthalten sind. Kapitel IIL Untersucliung' des peripheren Blutes myelämisclier Individuen. Es standen mir folgende Fälle zu Gebote: 1. Fall Delago (mediz. Klinik Innsbruck Prof. v. Rokitansky), der wegen längerer Be- obaehtungsdauer am eingehendsten an frischen und an Trockenpräparaten verfolgt werden konnte. 2. Fall Kremlicka (medizinische Klinik Lms- bruck), mehrere Trockenpräparate aus dem Jahre 1896; 3. Fall Seier (medizinische Klinik Innsbruck) , mehrere Trockenpräparate aus dem Jahre 1896; 4. Fall Czerczinski (Prof. Ehrlich in Berlin), Trocken- präparate aus dem Jahre 1897 ; 5. 6. 7. 8. (5. Job. Renner, 6. Janos Lanczur, 7. Jvan Cserui, 8. Ambulator. Frau), vier Fälle aus der mediz. Klinik in Graz (Prof. Kraus ^)) , es standen nur Trockenpräparate zur Verfügung ; 9. Fall Höfer (propädeutische Klinik, Hofrat Prof. Dr. Knüll in Prag) einige Trockenpräparate; 10. ein Fall aus der medizinischen Klinik in Lemberg, zwei Trockenpräparate; 11. ein Fall durch Ver- mittelung des Institutes für Unfallheilkunde in Breslau^), ein Trocken- präparat und 12. Fall Skopan aus der medizinischen Klinik in Prag (Prof. V. Jaksch). Dieser letzte Fall , von dem gleichfalls nur Trocken- präparate zur Verfügung standen, bedarf einer kurzen Erläuterung. Während nämlich bei den erstgenannten 11 Fällen das häraato- logische Blutbild sofort als der myelämischen Form angehörig erkannt werden konnte, machte der Fall 12 bei der ersten Untersuchung der gefärbten Trockenpräparate den hämatologischen Eindruck der Lymphämie ; es waren nahezu ausschließlich Leukocyten vom Charakter der soge- nannten kleinen und größern Lymphocyten vorhanden, welche bei einer im Falle 12 vorgenommenen einmaligen Zählung am Trockenpräparate 92°/o ausmachten. Bei genauem Studium der Präparate konnten aber doch, wenn auch nur sehr selten, abnorm große Leukocyten vom Charakter 1) Vgl. Ehrlich-Lazarus a. a. 0. S. 119 f. und J. Weiss Hämatolos;. Unter- suchungen. Wien 1896. S. 26 f. '^) Vgl. Tu. Pfeiffer, Centralbl. f. innere Mediz. 1898. Nr. 1. 3) Vgl. Dr. HiouRMAN.v, Studien über Leukämie unter besonderer Berücksichtig- ung ihrer traumatischen Entstehung. Wissen schaftl. Mitteilungen des Instituts zur Behandlung von Unfallverletzten in Breslau im Jahresbericht für das Jahr 1896. S. 42—59. — 25 — der sogenannten hypertropliisclien Leukocyten oder „Markzellen'', also große voluminöse Zellen mit großem, rundem oder gelapptem, eventuell auch durchschnürtem, sich in Methylenblau blaß färbendem Kern nach- gewiesen werden, deren Protoplasma ziemlich breit war, und in welchem auch verschiedenartige, zum Teil feine, zum Teil gröbere Granula ent- halten waren ; einzelne dieser Zellen erwiesen sich als exquisit neutrophil, so daß jedenfalls echte Myelocyten, daneben aber auch homogene liyper- tro])hisclie Leukocyten und solche mit basophiler, und einzelne auch mit eosinoi)hiler Granulation vorhanden waren. Diese Formen zusammen betrugen bei einer einmaligen Zählung 7 "/o. Dieser Fall 12 ist daher wahrscheinlich als Mischform von Lymph- ämie und Myelämie aufzufassen, bei dem zur Zeit der von mir vor- genommene Untersuchung das lymphämische Blutbild überwog, und ich werde ihn daher auch bei der Untersuchung der lymi>hämischen Formen von Leukämie (vergl. s})äter) anzuführen haben. In der Litteratur sind solche Mischformen unter anderen auch von Weiss ^) angeführt worden, indem er bei myelogen-lymphatisch-linealen B'ormen das Blutbild einer Lymphämie nachweisen konnte, was in dem gleichen Grade auch von dem oben erwähnten Falle 12 (Skopan) gilt, dessen Leichenorgane ich zu untersuchen Gelegenheit hatte (vergl. später). Ich will auf die von ^YEI^s angegebene Deutung über das Zustandekommen des hämato- logischen Blutbildes bei analogen Fällen hier nicht eingehen, wir werden später diese Frage noch einmal berühren müssen; wahrscheinlich sind es solche Fälle, in denen sich ein unter anderen erst vor nicht zu langer Zeit von Hegtor van der Wey-), und auch von andern schon mehrfach beschriebener Übergang einer myelämischen in eine lymphämische Leukämie oder umgekehrt einstellen kann. In allen nach den oben beschriebenen Methoden gefärbten Blut- trockenpräparaten traten nun ganz eigenartige Gebilde, in den ver- schiedenen Präparaten in differenter Menge hervor, die schon durch ihre eigenartige Form und durch ihre dunkle metachromatische Form sofort in" die Augen springen (Fig. 19 — 58). Sie sind in allen Präparaten gleichmäßig, wenn auch nicht gleich zahlreich vorhanden, und m der ilegel lassen sich in dem gleichen Präparat ganz verschiedenartige Formen erkennen, wenn auch andrerseits mehrfach konstatiert werden konnte, daß in einzelnen Präparaten bestimmte Formen überwiegen ; niemals aber konnte festgestellt werden, daß in einem Blutpräparate alle vorhandenen eigenartigen Gebilde einer und derselben Form angehören. Ehe an eine bestimmte Deutung und Bezeichnung dieser Gebilde herangetreten werden kann, sollen sie, wie auch bisher, blol'» als spezifische Gebilde oder spezifische Körper angesprochen werden; sie sind in den hier bei- gegebenen Zeichnungen dunkelschwarz gehalten, die in denselben hervor- tretenden Differenzierungen habe ich versucht durch verschiedenartige Abschattierungen hervortreten zu lassen, was aber in der Reproduktion nicht immer in der Schärfe des Originals zu erkennen ist. Diese spezifischen Körper liegen der Hauptsache nach in oder an den Leukocyten, vielfach entschieden in ihrem Innern, wie man bei scharfer Einstellung allein, selbst bei ganz intakten Zellen (Fig. 19, 20, 21. 25, 42, 43, 44." 47, 48, 52, 53, 54) erkennt; die oft im Zelleninnern gleichzeitig vorhandenen Vakuolen (Fig. 37, 38, 39, 45) oder Ein- 1) a. a. 0. S. 91 f. 2) Deutsch. Arch. f. klin. Mediz. 1896. Bd. 57. S. 287. — 26 — stülpungen (Fig. 50) und Einrisse (Fig. 31) der Zellen erleichtern diese Erkenntnis gar nicht so selten. In anderen Fällen sind sie den Zellen entschieden nur an- oder aufgelagert und überragen dann die Zellen- peripherie an manchen Stellen (Fig. 24, 20, 28, 29, 34, 40, 49, 54, 56, 57). Allerdings wird man in solchen Fällen oft nicht entscheiden können. ob es sich nicht um Ein- oder Ausstülpungen eines in der Zelle selbst gelegenen oder vielleicht in sie hineindringenden, eventuell sie verlassen- den spezifischen Körpers handelt (Fig. 22, 23, 30, 31, 32, 34, 36, 38, 50, 57). In vielen Fällen ist es aber jedenfalls zweifellos, daß die spezifischen Körper in ihrer ganzen Ausdehnung den betreffenden Zellen nur aufgelagert oder unter ihnen gelegen sind, die richtige Handhabung der Stellschraube stellt diese nicht unwichtige Beobachtung vollständig sicher. Festzuhalten ist ferner, daß diese spezifischen Körper auch dann noch in ihrem charakteristischen metachromatischen Farbentone fingiert sind, wenn Zellen und Kerne unter der Einwirkung des sauren Alkohols vollständig oder nahezu vollständig entfärbt erscheinen. Diese spezifischen Gebilde besitzen entweder eine mehr klumpige amöbenartige Gestalt von verschiedener Größe (Fig. 19 — 25, 28 — 52, 54 — 57), oder ein mehr granulaähnliches Aussehen (Fig. 26, 27, 53,58); viel- fach sind auch klumpige und granulaähnliche Bildungen gleichzeitig in der- selben Zelle vorhanden (Fig. 20, 21, 28, 33, 34, 41, 47, 52, 53, 54, 55). Aber selbst in den Zellen, in denen die granulaähnlichen Formen allein oder gemeinschaftlich mit den klumpigen gelegen sind, fällt die Mannig- faltigkeit der Gestalt an den granulaähnlichen Formen auf (Fig. 26, 27, 28,33), die hier vielfach in die Länge gezogene, ausgebuchtete und verbogene selten scharf runde Form besitzen, gegenüber dem bekanntlich so gleich- mäßig runden Korn der spezifischen Leukocytengranula im allgemeinen und der basophilen Granula im besonderen, mit welchen gerade diese granulaähnlichen spezifischen Körper eine gewisse Ähnlichkeit besitzen ; wir kommen darauf noch zurück. Die Beziehung dieser spezifischen Körper zu den Leukocyten des Blutpräparates ist sofort in die Augen springend; sie wurden haupt- sächlich in oder an den kleineren Leukocyten, den sogenannten Lympho- cyten gefunden und zwar sowohl an den kleinen als an den größeren Formen derselben (Fig. 19 — 30, 32, 36, 47 — 50, 52); der Kern dieser Zellen ist in der Regel einfach und von streng runder Form, manchmal aber auch eingebuchtet (Fig. 36, 50), oder auch doppelt vor- handen (Fig. 27, 32). Auch die großen und ganz großen Leukocyten des myelämischen Blutes, die ja dem Blutbilde bei dieser Erkrankung ein so mannigfaltiges und charakteristisches Aussehen verleihen, enthalten vielfach, wenn auch nicht so häufig wie die kleinern Lymphocyten, die spezifischen Körper (Fig. 31, 33, 34, 37—46, 53 — 58). Es sind das jene Zellen, die ja vielfach geradezu als „Markzellen'^ des leukämischen Blutes bezeichnet werden, in der Voraussetzung, daß sie aus dem Knochen- marke stammen, und als Zeichen seiner spezifischen leukämischen Er- krankung in die Blutbahn gelangen. Ich habe bereits an einer andern Stelle ^) die Berechtigung dieser Bezeichnung angefochten, und will hier auf dieses mehr morphologische Detail nicht eingehen, zumal ja auch Ehrlich 2) und HmscHFELD^) diesen Begriff in letzterer Zeit wesentlich ') Centralbl. f. allgem. Pathol. etc. 1894. Bd. .5. S. 828 f. 2) Die Anämie etc. 1. c. S. 51 f. '■ij Beiträge z. vergl. Morphol. der Leukocyten. Inaug.-Dis3. Berlin 1897 und ViRCHows Archiv etc. 1898. Bd. 153. S. 335 f. — 27 — eingeengt haben, und die Bezeichnung „Markzelle" nur für die kleinen und großen mononukleären neutrophilen Leukocyten (Myelocyten) bei- zubehalten vorschlagen, die schon normaler Weise im Knochenmarke enthalten sind, aber nicht in die Blutbahn gelangen, bei der Myelämie jedoch als Zeichen der spezifischen Knochenmarksaft'ektion in das strömende Blut übertreten^). Ich werde im folgenden den Namen „Mark- zellen" oder Myelocyten nur in dem Ehrlich sehen Sinne verwerten, die andern großen Leukocytenformen aber, einer Terminologie Hayems folgend, geradezu als hypertrophische Leukocyten ansprechen, wobei allei'dings die spezifische Granulation dieser Gebilde nicht berücksichtigt erscheint, die auch für den vorliegenden Z^veck von minderm Belange ist. Ich habe mich bei zahlreichen Färbungen mit Ehrlich schem Triacid von der Gegenwart der sogenannten Myelocyten Ehrlich s im myelämischen Blute ilberzeugt, und habe bei Kombinationsfärbungen (vgl. oben Ö. 15) in diesen auch gelegentlich spezifische Körper nachweisen können (Fig. 45). In den polynukleären neutrophilen und in den eosinophilen Leuko- cyten des myelämischen Blutes habe ich die spezifischen Körper nur äußerst selten gesehen; bei den vielen Blutuntersuchungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, finde ich den Nachweis solcher Körper in den typischen mehrkernigen Leukocyten nur einmal, in eosinophilen Zellen überhaupt nicht in meinen Notizen vermerkt. Das zeigte sich auch dann, wenn zahlreiche eosinophile oder polynukleäre neutrophile Leukocyten im Präparate vorhanden waren. Dagegen konnten mehrfach freie d. i. außerhalb von Leukocyten, frei im Plasma gelegene spezifische Körper aufgefunden werden (Fig. 29, 30, 31b, 51), welche gleichfalls eine mannigfache Formgestaltung, wie die in und an den Zellen befindlichen Gebilde zeigten. Viele dieser freien Bildungen liegen in unmittelbarer Nähe von zerrissenen oder zer- sprengten und zerdrückten Leukocyten und legen die Vermutung nahe, daß sie ursprünglich in diesen enthalten waren und erst beim Aus- breiten des BUites zwischen den Deckgläschen oder beim Antrocknen desselben aus den dabei lädierten Leukocyten herausgetreten oder heraus- gedrängt worden sind. Ich kann mich der Vermutung nicht ent- schlagen, daß die Mehrzahl der extracehulären spezifischen Gebilde auf diese Weise aus der Zelle herausgelangt sind; der Parallelis- mus zwischen der Menge der freien spezifischen Körper und der Menge der im Präparate enthaltenen lädierten, zersprengten oder angerissenen Leukocyten ist in dieser Hinsicht ungemein auffällig. Je vorsichtiger die Bluttrockenpräparate hergestellt werden, desto spärlicher sind die freien Körper vorhanden, ich habe sie aber niemals vollständig ver- J) Myelocyten kommen auch, wenn auch in geringerer Zahl, bei andern Er krankungen im Blute vor; vergl. die diesbezüglichen Angaben bei Ehruch-Lazarus- (1. c. S. 51 f. und 74 f.) außercfem Voswixkel K. , Über das Vorkommen von eosino- philen Zellen und Myelocyten im menschlichen Blute bei Erkrankungen der inneren Aveiblichen Geschlechtsorgane. Inaug.-Diss. Berlin 1898. Vergl. ferner H. Strauss (Chariteannalen Bd. 23, S. 1 f.), der gleichfalls sehr spärliche Myelocyten in einem Falle von Lymphämie im Blute vorfand, wobei es sich dann wahrscheinlich in dem früher angeführten Sinne um eine Mischform von Myelämie und Lymphämie ge- handelt haben dürfte. Ich selbst habe typische Myelocyten im Malariablute (maligne Form mit Halbmonden aus Rom) gesehen. Keinesfalls sind also niese Zellen spezifisch für die myelämische Knochenmarkserkrankung; sie kommen allerdings in abnorm großer Menge bei der Myelämie im Blute vor, können aber auch bei anderen Pro- zessen in geringer Menge in das Blut übertreten, wahrscheinlich dann, wenn durch irgendwelche Reize die blutzellenbildende Thätigkeit des Knochenm.arkes gesteigert ist. — 28 — mißt, und muß daher die Möglichkeit offen lassen, daß außer dem Zelleninsult noch andere Verhältnisse beim Zustandekommen der freien Körper mitspielen. Außerdem muß hervorgehoben werden, daß man gerade an diesen freien Formen der spezitischen Körper häufig auffällige Formen und Umrisse nachweisen kann, die für den mit diesen Ver- hältnissen Vertrauten den Gedanken nahelegen, daß es sich um abnorme bei der Präparation erst entstandene, vielleicht durch das Antrocknen und Ausstreichen des Blutes und die dabei erfolgte Lädierung von Leukocyten bedingte Formen handelt, die übrigens vielfach auch an den den Leukocyten noch anhaftenden oder in ihnen eingelagerten spezitischen Kürj)ern vorkommen können. Li den roten Blutzellen fehlen die spezifischen Bildungen voll- ständig; wohl kann es vorkommen, daß gelegentlich einmal ein frei im Plasma liegender spezifischer Körper auf oder unter einem roten Blut- körperchen gelegen ist, die Hauptmasse der Erythrocyten ist aber von solchen Gebilden frei und niemals sind an den Erythrocyten solche Bildungen zu sehen, die, wie bei den Leukocyten auf ein Eindringen der genannten Körper in die Zelle oder auf ein Heraustreten aus der Zelle bezogen werden könnten (Fig. 22—24, 28—32, 36, 38, 50, 57). Daß viele dieser spezifischen Körper den Leukocyten nur anliegen ist bereits erwähnt worden ; für diese Annahme spricht der Befund, daß die betreffenden Gebilde die Peripherie der Leukocyten vielfach über- ragen (Fig. 26, 33, 34, 40, 41, 43, 49, 53, 56), ein Befund, der auch von Ziemann') für die Malariaparasiten in ihrer Lagerung zu den roten Blutkörperchen erhoben und in gleicher Weise gedeutet wurde. Die geschilderten spezifischen Körper sind in oder an den Leuko- cyten entweder nur in der Einzahl (Fig. 19, 23, 24, 25, 38, 50) oder in der Mehrzahl enthalten und hiebei trifft man am häufigsten Gebilde verschiedener Größe in der gleichen Zelle an (Fig. 21, 26, 27, 28, 29, 31, 33, 34, 36, 37, 39, 40, 41-49, 52, 53, 54, 56, 57); die kleinsten Formen können granulaähnlich erscheinen, und werden von diesen auch nicht so ohne weiteres zu unterscheiden sein; wir kommen darauf noch zurück. Oft sieht man in den größeren und kleineren spezifischen Körpern noch weitere Differenzierungen, deren Sichtbarkeit wahrscheinlich in einer gewißen Beziehung zu dem Grade der p]ntfärbung steht. Diese Difi'erenzierungen können in drei Gruppen eingeteilt werden. In der einen Gruppe sieht man im Innern der spezifischen Körper ein oder mehrere dunkler gefärbte kernartige Gebilde hervortreten, die dann von einer lichtem aber gleichfalls metachromatisch gefärbten protoplasma- artigen Partie umgeben sind (Fig. 23, 28, 29, 30, 31, 32, 46, 53): in der zweiten Gruppe zeigt sich im Innern der dunkelgefärbten spezi- fischen Körper eine oder mehrere helle vakuolenähnliche Partien, welche meistens streng kreisrund öfter aber auch etwas verzogen erscheinen (Fig. 39, 40, 41, 44, 45); in der dritten Gruppe endlich, die ich nach den bisherigen Methoden im Blute recht spärlich (Fig. 25, 41, 65, 66) antraf, befindet sich im Innern eines derartigen hellen Hofes noch eine dunkle mehr minder scharf umschriebene Partie, die manchmal einen kernartigen Eindruck hervorruft, manchmal aber auch ganz merkwürdige Formen zeigen kann (Fig. 66), auf deren Deutung ich vorläufig nicht m der Lage bin eingehen zu können. 1) H. ZiEMAN.v. Über Malaria- und andere Blutparasiten etc. Jena, Fischer 1898. S. 22. — 29 — Alle diese Differenzierungen legen den Gedanken an einen zelligen Charakter der spezifischen Körper , zum mindesten jener , welche diese Differenzierungen zeigen, nahe, der manchmal auch in besonderer Schärfe an den extracellulär gelegenen spezitischen Körpern hervor- tritt (Fig. 31, 35), zumal dann, wenn sich an denselben gewisse Forraveränderungen eingestellt haben, welche zu geiljelkörperähnlichen Bildungen ^'eranlassung geben (Fig. 71), wie sie auch von den Malaria- parasiten schon seit lange bekannt sind und vielfacli unter dem Namen der Polymitusformen zusammengefaßt werden. Ich will übrigens gleich an dieser Stelle bemerken, daß die nach den genannten Methoden gefärbten Präparate keine genügende Stütze für die Annahme kernartiger Gebilde im Innern der spezitischen Körper abgeben können, da die dunkel- gefärbten Partien, auf die sich ja hauptsächlich die Vermutung gründet, daß es sich um Kerngebilde handelt, auch durch eine dichtere Ansamm- lung des gleichen Elementes bedingt sein könnten, das sich in den andern Teilen des spezifischen Körpers, zumal wenn es daselbst in geringerer Dichtigkeit angelagert ist, lichter färbt. Die dunklere Färbung eines Teiles des spezitischen Körpers kann mithin nicht als genügender Grund ange- sehen werden, diesen Teil als ein Kerngebilde anzusprechen. Ich habe mich nun bei der Wichtigkeit der Frage bemüht distinkte Kernfärbungen dieses dunklen Teiles gegenüber den lichtem Teilen des spezifischen Körpers zu erzielen, bin aber dabei vorläufig zu keinem brauchbaren Ergebnisse gelangt. Ich habe mich dabei der in letzterer Zeit für die Untersuchung der Malariaparasiten mehrfach angegebenen Methoden bedient, mit denen bei diesen Parasiten die Gegenwart chromatinartiger Bildungen wahrscheinlich gemacht wurde. Ich muß aber gestehen, daß ich weder mit den von Ziemann ') angegebenen Methoden, noch mit der von Xocht ^) angeführten polychromen Methylen- blaufärbung entsprechende Resultate erzielen konnte. Mit den von Ziemann ausgearbeiteten Methoden konnte ich überhaupt keine Färbung der spezifischen Körper im leukämischen Blute erhalten, möchte hiemit aber ein definitives Urteil über die Verwertbarkeit dieser Methode für den vorliegenden Zweck nicht abgeben. Die polychrome Methylenblau- lösung, färbt in der Wärme die spezifischen Körper des leukämischen Blutes sehr schön, aber man sieht an derartigen Präparaten nicht mehr als an den mit LöFFLERblau gefärbten^). 1) H. Ziemann, Über Malaria und andern Blutparasiten etc. Jena, Fischer, 1898. S. 146 f. und Centralbl. f. Balcteriol. etc. I. 1898. Bd. 24. S. 945. ■^) Centralbl. f. Bakteriol. etc. I. 1898. Bd. 24. S. 839. 3) Ich möchte hier einschalten, daß ich Malariablut an Trockenpräparaten mehrfach zu untersuchen Gelegenheit hatte, und zwar verschiedenartiges Material, von dem ein großer Teil aus Italien durch die liebenswürdige Vermittelung des Herrn Prof. Dr. AcHiLLE Monti in Pavia stammte, dem ich auch an dieser Stelle für sein großes Entgegenkommen meinen ganz besonderen Dank abstatte. Die Färbungen dieser Präparate nach der ersten Methode von Ziemann gelangen nach längerer Übung meinem Assistenten Herrn Dr. Kirchmayr ganz gut; die Methode bleibt aber immerhin sehr mühevoll und insolange unzuverlässig, als man nicht die richtige Mischung der beiden Färbeflüssigkeiten gefunden hat. Aber auch an gut gefärbten Malariapräparaten konnte ich so exquisite Bilder, wie sie Ziemann und auch Gautier (Ztschr. f. Hyg. u. Infektkr. 1898. Bd. 28. S. 439 f.) abbilden, nicht erhalten, welcher letzterer im Wesent- lichen die RoMANovsKY'sche Färbungsmethode verwendete. Es soll aber hierauf nicht weiter eingegangen werden; dagegen möchte ich hier darauf hinweisen, daß die früher angeführte LöKFLERblau-Thioninfärbung mit nachträglicher kurzer Triacidfärbung eine ganz vortreffliche Darstellung der Malariaparasiten gestattet Ich habe auf diese Weise die Parasiten der Tertiana und die ganz kleinen Parasiten bei tropischer Malaria in einem Falle, allerdings nicht in den Sporulationsstadien, untersuchen können. — so- lch bin also vorläufig auf Grund der färberisclien Untersuchungen nicht in der Lage micli mit Sicherheit darüber äußern zu können, oh den spezitischen Körpern im myelämischen Blute ein Kern oder ein kernartiges Gebilde zukommt, wenn ich es auch nach den mitgeteilten Färbungsresultaten für sehr ^\'ahrscheinlich halten möchte. Dagegen haben die Beobachtungen des frischen ungefärbten Blutes, die ich einige Male bei dein Kranken Delago vornehmen konnte, weitere Stützen für diese Vermutung erbracht. Die Beobachtung der spezifischen Körper im frischen, nicht hxierten und nicht gefärbten Blute ist eine äußerst schwierige, da ich bisher eine volle Sicherheit in der Unterscheidung der verschiedenartigen in Betracht kommenden Gebilde nicht erlangen konnte , und da wie es scheint die intraleukocytäre Erkennung dieser Körper durch ganz besondere Verhältnisse, unter denen höchst- wahrscheinlich dem gleichen Lichtbrechungsvermögen mit den Zellen- bestandteilen eine Hauptrolle zuzuschreiben ist, erschwert wird. Trotz mühevoller und lange auf diesen Punkt gerichteter Aufmerksamkeit habe ich im frischen Blute die spezitischen Körper intraleukocytär nie- mals mit Sicherheit erkennen können; dagegen glaube ich sie extra- cellulär einige Male gesehen zu haben und in einem solchen Falle {Fig. 68a — d), bei dem die Beobachtung auf dem erwärmten Objekttische in der feuchten Kammer mehrere Stunden fortgesetzt wurde, konnte mit voller Sicherheit im Lmern eines solchen Körpers das Erscheinen eines runden, stark lichtbrechenden, kernartigen Kör])erchen konstatiert werden, das von der matten peripheren Substanz scharf abstach. Eine ganz analoge Form konnte auch ein zweites Mal im Milzsafte, allerdings nicht des Falles Delago (vgl. später, Fall Stecher, Pseudoleukämie) auf- gefunden w^erden (Fig. 69). In derartigen Fällen ist die Annahme, daß es sich um kernartige Gebilde im Innern der beobachteten spezifischen Körper handelt eine sehr naheliegende, und die Vermutung, daß die dunkler aussehenden Partien der spezifischen Körper im gefärbten Präparate mit den stark lichtbrechenden kernartigen Bildungen im frischen Blute übereinstimmen, gewinnt bei dieser Gegenüberstellung sehr an Wahrscheinlichkeit. Allerdings kann aber auch hier die Mög- lichkeit nicht ausgeschlossen werden, daß die helle Partie im Innern des spezifischen Gebildes eine Vakuole oder ein vakuolenartiger Körper ist. Was nun diese hellen vakuolenartigen Höfe anbelangt, die, w^ie oben erwähnt wurde, im Innern der spezifischen Körper hervortreten können (Fig. 39, 40, 41, 44, 45, 65, 67), so stehen dieselben jedenfalls in Abhängigkeit zu der angewandten Färbungsmethode. Nach meinen Erfahrungen sind die ungefärbten Höfe, wie bereits erwähnt wurde, ent- weder der Ausdruck einer innern Organisation der spezifischen Körper, die, wie es scheint, nur bei bestimmten Färbungsverfahren erscheint, oder sie sind der Ausdruck einer unvollständigen Färbung, die speziell bei der Verwendung der wässrigen Thioninlösung allein zustande kommen, bei der Verwendung des erwärmten LöFFLERblau aber überhaupt nicht gesehen werden; bei der Untersuchung der spezifischen Körper in den Leichen- organen können sie in kleinen sporenähnlichen Bildungen angetroffen werden, auf deren Beschreibung und Bedeutung wir noch zurückzukommen haben werden. Bei der Färbung mit dem früher angeführten Löffler- blau-Thioningemenge in der Kälte sind diese Höfe bereits, wenn auch nicht so häufig wie bei der Färbung mit wässriger Thioninlösung allein nachweisbar. Bei dieser letzteren Methode trifft man die Vakuolen- — 31 — artigen ungefärbten Teile namentlich in den größern spezifischen Körpern sehr häufig, minder häufig in den kleinen Formen an. Ich habe aus meinen bisherigen Erfahrungen mehr den Eindruck gewonnen, daß die erste Vermutung über die Bedeutung der hellen Höfe die richtige sein dürfte. Diese hellen Höfe sind wahrscheinlich nur in gewissen Formen, vielleicht gewissen Entwickelungsstadien der spezifischen Körper vor- handen und werden bei der Färbung mit alkalischem Löfi'lerblau wahr- scheinlich verdeckt. Nach alle dem gewinnt es den Anschein, als ob im Innern der spezifischen Körper, die ja an und für sich schon schwer färbbar sind, noch ein besonders schwer tingibler Teil gelegen ist, der möglicher- weise dem früher erwähnten kern- oder vakuolenartigen Gebilde im Innern der spezifischen Körper entspricht, und bei dem es sich auch um ein kernartiges in einer Vakuole gelegenes Gebilde handeln könnte. Daß auch so große vakuolenartige ungefärbte Höfe, wie sie in Fig. 41 dargestellt sind, mit dieser Auffassung in Einklang stehen, werden wir später erst betonen können. Jedenfalls sprechen auch diese Beobach- tungen für die Anschauung, daß die spezifischen Körper im myelämischen Blute aus zweierlei Teilen bestehen: einem protoplasmaartigen, leichter färbbaren peripheren und einem kern- oder vakuolenartigen, schwerer färbbaren centralen Teile. Die größte Aufmerksamkeit erregen unter den verschiedenen spezifischen Körpern, die im myelämischen Blute zur Beobachtung kommen, jene eigenartigen und charakteristischen Formen, bei denen Segmentie- rungs- oder Teilungserscheinungen der größeren, klumpigen, amöben- artigen Körper in mehrere kleinere, dunkel gefärbte Absclmitte (Fig. 23, 25, 28, 53, 54, 58), und in denen sichel-, spindel- oder halbmondartige Bildungen mit oder ohne gleichzeitig vorhandenen kernartigen Innen- körpern sichtbar sind (Fig. 28, 29, 30, 31, 32, 33). Was nun die segmentierten Formen anbelangt, so sind dieselben vorwiegend intracellulär oder den Zellen an- oder aufliegend vorhanden, das gilt namentlich für die Segmentierungen, die an den kleineren Formen der spezifischen Körper vorkommen. Hier kann thatsächlich geradezu eine Segmentierung in kleine granulaähnliche Bildungen vorhanden sein (Fig. 28), und eine Unterscheidung von den eigentlichen basophilen Granulis wird in einem solchen Falle nur dann noch möglich sein, wenn man die Zugehörigkeit der segmentierten granulaähnlichen Bildungen zu einem großen oder größeren spezifischen Körper nachweisen und das Hervorgehen der ersteren aus dem letzteren wahrscheinlich machen kann, was aber nur selten der Fall ist; wir kommen darauf noch zurück. Dagegen sind an den großen spezifischen Körpern Segmentierungen viel- fachnachweisbar (Fig. 23,25,54, 58), deren Produkte schon durch ihre Größe und Gestalt von den basophilen Granulis unterschieden werden können. Diese großen segmentierten Formen können gelegentlich auch extra- cellulär vorhanden sein, indem auch die freien amöbenartigen Körper, die man im myelämischen Blute hie und da nachweisen kann, oft eine oder mehrere dunklere Partien als den Ausdruck einer Zusammensetzung aus mehreren Teilen aufweisen (Fig. 36, 51); auch vakuolenartige Bil- dungen können bei Thioninfärbung ganz analog den intracellulären Formen in den freiliegenden großen araöbenähnlichen Körpern gelegent- lich zum Vorschein kommen. Die segmentierten Formen, sowohl die großen wie die kleinen, sind^ nicht in jedem Falle und in jedem Präparate in gleicher Weise vo /^/•*' "^»-^ r [uJ 1 L I B R A R > — 32 — banden. Beim Falle Delago waren sie nahezu regelmäßig bei jeder Untersuchung nachweisbar, aber auch hier nicht immer gleich zahlreich. Die morulaähnlichen Formen (Fig. 28, 53, 54, 58) , die den Eindruck machen, als ob ein großer, klumpiger, amöbenähnlicher spezihscher Körper in mehrere kleine, manchmal dicht beisammen liegende, manch- mal mehr von einander getrennte Abschnitte zerfallen würde, wurden aucli beim Falle Delago in einzelnen Präparaten sehr reichlich , in anderen nur in wenigen Exemplaren angetroffen , vollständig fehlten sie aber niemals; bei den anderen Fällen von Myelämie, die allerdings nicht so eingehend untersucht werden konnten, waren sie stets sehr spärlich, manchmal fehlten sie vollständig. Die großen segmentierten Körper, deren Segmentation aber nur angedeutet erschien, fanden sich dagegen auch in diesen Fällen häufiger. Was nun die kahn-, sichel-, Wetzstein- oder halbmondförmigen Körper anbelangt, die weiterhin kurzweg als Navikelformen bezeichnet werden sollen (Fig. 28 — 32), so sind das äußerst charakteristische Ge- bilde, und es. war auch gerade die Auffindung dieser Formen, welche die erste Handhabe für die Deutung der spezitischen Körper des myel- ämischen Blutes bot. Ich fand sie sowohl cellulär, d. i. den betreffen- den Zellen an- oder aufgelagert, als auch intra- und extracellulär, außer- halb von Zellen werden sie jedoch nur selten angetroffen. Ich habe auch hier den Eindruck empfangen, daß die extracellulären Formen durch mechanische Zellenläsion beim Ausbreiten und Antrocknen des Blutes am Deckglase entstanden sein dürften. Man tindet wenigstens sehr häutig in unmittelbarer oder nächster Nachbarschaft derartiger extra- cellulärer Navikel lädierte Zellen, welche die oben ausgesprochene Ver- mutung zu stützen geeignet sind. Es würden dann auch diese Formen streng genommen als intracelluläre oder doch als celluläre im obigen Sinne anzusprechen sein, doch soll damit nicht gesagt sein, daß diese Navikelformen und auch die anderen Formen der spezitischen Körper des myelämischen Blutes überhaupt nur cellulär eventuell intracellulär und niemals extracellulär vorkommen. Die Navikel enthalten, da wo sie klar hervortreten, in der Hegel kernähnliche Gebilde oder doch Andeutungen davon (Fig. 28—31). Die- selben sind manchmal so klar, daß ein Zweifel über die Bedeutung dieser Gebilde als Kerne kaum statthaft erscheint (Fig. 29, 30), in anderen Fällen sind sie jedoch minder sicher als Kerne zu unterscheiden (Fig. 31). Ich möchte mich jedoch auch für diese Navikel nicht mit voller Sicherheit darüber aussprechen, ob typische Kerngebilde vorliegen oder ob nur, wie bereits angedeutet wurde, dichtere und scharf begrenzte Anhäufungen einer intensiv gefärbten Substanz überhaupt vorliegen. Teihmgstiguren oder Andeutungen davon habe ich auch in derartigen (iebilden der Navikel niemals feststellen können. Dagegen kommen zweifel- los Navikel vor, die zwei und mehrere kernähnliche Bildungen enthalten (Fig. 28, 30), was geradezu als ein ziemlich häufiges Vorkommniss bezeichnet Averden muß. Ob nun die Gegenwart mehrerer kernähnlicher Bildungen im Navikel bereits der Ausdruck einer vollzogenen Kernteilung ohne Protoplasmateilung darstellt, oder ob andere Verhältnisse dabei in Betracht kommen, wage ich nicht zu entscheiden. Ausgesprochene und klare Navikelformen (Fig. 29, 30, 31, 32) wurden nur bei dem Falle Delago im Blute nachgewiesen; aber auch hier war dieser Befund kein regelmäßiger und konstanter. Bei den 11 anderen Fällen von Myelämie, deren Blut geprüft werden konnte, wurden — 33 — Navikelformen überhaupt nicht gefunden. Allerdings konnte jeder dieser 11 Fälle nur an vereinzelten IMuttrockenpräparaten untersucht werden, -während gerade der Fall Delago wäiirend seines Aufenthaltes auf der Innsbrucker medizinischen Klinik nahezu täglich und an zahl- reichen Präparaten beobachtet werden konnte. Ich kann mich daher über die Häufigkeit des Navikelbefvmdes im myelämischen Blute über- haupt nicht aussprechen. (Vergl. Kapitel XIX.) Auch beim Falle Delago war der Navikelbefund nur an wenigen Tagen festzustellen. In der Zeit vom 13. — 15. Dezember 1897 konnten sie im Fingerbeerenblute des Kranken nicht gefunden werden, wozu allerdings zu bemerken ist, daß damals zum erstenmale die ersten brauchbaren methodischen Anhaltspunkte zum Nachw^eise der specifischen Körper im myelämischen Blute gefunden worden waren. Am 15. Dezember w'urde nun an dem Kranken Delago auf der genannten Klinik durch Bauchpunktion eine größere Menge Flüssigkeit aus dem Unterleib ent- leert, und in den etwa 10 Minuten später aus dem Fingerbeerenblute hergestellten Präparaten konnten die Navikel zum erstenmale nachge- wiesen werden; sie w^aren auch noch am folgenden Tage im Blute vor- handen. Meine Vermutung, daß die Navikel als ausgeschAvemmte Formen aus der hochgradig vergrößerten Milz aufzufassen sind, die in- folge der Entlastung derselben nach der Punktion in die allgemeine Cirkulation übergetreten waren, wurde durch eine sofort nach der Ent- leerung der Ascitesflüssigkeit am Lebenden vorgenommene Milzpunktion nicht bestätigt. In fünf Blutpräparaten aus dem gewonnenen Milzsafte konnten die Navikel überhaupt nicht oder nur andeutimgweise (Fig. 33) gefunden werden, während sie im Fingerblute, wenn auch nicht reich- lich, so doch in vereinzelten schönen Exemplaren nachweisbar w^aren. Allein schon nach weiteren 24 Stunden waren die typischen Navikel- formen auch aus dem Fingerbeerenblute des Falles Delago verschwunden und konnten bis zum Schlüsse der Beobachtung nicht mehr in so exquisiter Weise konstatiert werden. Auch nach einer zweiten kurz vor dem Aus- tritte aus dem Krankenhause an dem Patienten vorgenommenen Bauch- punktion traten sie nicht mehr im Blute auf. Navikelähnliche Formen mit minder gut ausgeprägter Gestalt konnten indessen sowohl beim Falle Delago als in den übrigen 11 Fällen von Myelämie ziemlich häufig nachgewiesen werden (Fig. 26, 27, 40, 44, 45, 52, 54). Ob nun zwischen diesen navikelähnlichen Formen und den als typische Navikel- oder Sichelformen (Fig. 29, 30) bezeichneten Gebilden ein näherer Zusammenhang besteht, vermag ich nicht zu ent- scheiden; die Seltenheit und Spärlichkeit des Navikelbefundes ließ nach dieser Richtung ein bestimmtes Urteil nicht zu. (Vergl. Kapitel XIX.) Löwit, Ätiologie u. Pathol. d. Leukämie. 34 — Kapitel IV. Unterscheidung der spezifischen Körper des myelämi- schen Blutes von andern ähnlichen Bildungen. Damit dürften wohl die Haiipttypen der spezifischen Körper des myelämischen Blutes, soweit sie mit den bis jetzt bekannten Färbungs- methüden hervortreten, erschöpft sein. Trachtet man mm zu einer Be- urteilung der spezifischen Körper zu gelangen, so wird man zunächst die Beziehung derselben zu bereits bekannten morphoti sehen Elementen der Leukocyten und des Blutes überhaupt zu berücksichtigen haben. Vor allem muß man hierbei die Auffaserung des Protoplasma- saumes der großen und kleinen Lymphocyten in Betracht ziehen, die gelegentlich auch bis zur Abschnürung freier Plasmaelemente (Plasmolyse) führen kann, eine Erscheinung, die sowohl im myelämischen als auch im lymphämischen Blute an Trockenpräparaten ziemlich häutig zur Be- obachtung kommt, und die ich, wenn auch sehr selten, am normalen Blute von Menschen und Tieren gleichfalls konstatieren konnte. EnnucH- Lazarus^) geben von dieser Erscheinung bei einem Falle von chronischer Lymphämie eine sehr gute Abbildung. Wie naheliegend bei der von mir geübten Färbung mit erwärtem LÖFFLER-Blau eine Verwechselung mit den spezifischen Körpern des myelämischen Blutes gelegen ist, lehrt ein Blick auf die Figuren 59 — 61 ; es können hierbei ganz eigentümliche Formen zu stände kommen, auf die aber nicht weiter eingegangen werden soll. Der Farbenton derartiger plasmolytischer Produkte ist manchmal dunkelblau, manchmal hellblau, manchmal aber auch metachromatisch rotviolett. Keinesfalls kann also die Färbung mit LöFFLER-Blau ge- nügende Unterscheidungsmerkmale abgeben. Wichtiger ist es schon, daß derartige plasmolytische Produkte auch nach der Alkoholbehandlung des Deckglaspräparates gut färbbar bleiben, während die spezifischen Körper sich dann nicht mehr oder nur unvollständig fingieren; ferner ist zu beachten, daß die plasmoly- tischen Produkte sich auch im LÖFFLER-Blau bei Zimmertemperatur gut anfärben, was bei den spezifischen Körpern nicht oder wieder nur ganz unvollständig der Fall ist. Weiterhin muß betont werden, daß die plasmolytischen Produkte der Entfärbung durch den sauren Alkohol einen weit geringeren Widerstand entgegensetzen als die spezifischen Körper; die ersteren können bei genügender Entfärbung blaß blau oder kaum noch gefärbt erscheinen, während die spezifischen Körper noch ihren satten metachromatischen Farbenton aufweisen. Auch die Form und Gestalt der plasmolytischen Produkte zeigt gegenüber den spezi tischen Körpern Differenzen, welche als unterscheidendes Merkmal dienen können. In dieser Beziehung dürften wohl die dem Zellenprotoplasma nur mehr oder weniger lose anhängenden, mit ihm nur in teilweiser Verbindung stehen- den Gebilde der genannten Art, wenn sie auch navikelähnliche Gestalt aufweisen, von den spezifischen Körpern abzutrennen und den plasmo- 1) Die Anämie etc S. 46. Fig. 1. — 35 — lytischen Produkten zuzuweisen sein. Eine sichere Unterscheidung wird übrigens nicht in allen Fällen auf (irund der Gestalt und Lagerung, so- wie der Methylenblaufärbung allein gelingen, immerhin wird man aber schon mit den angeführten Differenzen in der Mehrzahl der Fälle das Auslangen linden; ich lasse mich dabei vorwiegend von der Form und Gestalt der betreffenden (lel)ilde und von der satten metachromatischen Farbe derselben nach intensiver Differenzierung, in saurem Alkohol leiten, kann aber die Bemerkung nicht unterdrücken, dali ein sicheres, in allen Fällen zutreffendes Unterscheidungsmerkmal mangels einer spezitischen Färbung bisher noch nicht gefunden ist (vgl. Kapitel XIX). Weit sicherer übrigens als die Methylenblaufärbung gestattet die Thioninfärbung allein oder die oben angeführte Methylenblau-Thionin- mischung die Unterscheidung der fraglichen Gebilde. Soweit meine diesbezüglichen Erfahrungen am myelämischen Blute reichen — wozu ich bemerken muß, daß ich die beiden letztgenannten Färbungen nicht mehr an allen oben genannten Fällen von Myelämie, sondern vorwiegend nur beim Studium der Leichenorgane verwenden konnte — so halte ich mich zu der Anschauung berechtigt, daß durch diese Tinktionen bei nachfolgender Alkoholentfärbung die plasmolytischen Produkte nicht, die spezifischen Körper jedoch ganz charakteristisch gefärbt erscheinen. In derartigen Präparaten kommen dann Bilder, die auf Plasmolyse deuten würden, nicht oder in einer Weise zum Ausdruck, die eine Verwechse- lung der beiden Bildungen nahezu unmöglich macht. Da die spezifischen Körper, wie früher bereits auseinandergesetzt wurde, durch thionin- haltige Lösungen in charakteristischen Formen hervortreten und da sie überdies nach der Alkoholentfärbung einen eigenartigen, in der Regel rotgrünen oder graugrünen Farbenton besitzen, so erscheinen sie auf diese Weise von den plasmolytischen Produkten scharf abgetrennt, die, wenn sie überhaupt noch eine Färbung erkennen lassen, bei dieser Methode nur mehr schwach bläulich, in der Regel aber gar nicht mehr gefärbt erscheinen. Ich bin also der Meinung, daß die zuletzt angeführten Unter- scheidungsmerkmale doch genügen, um die plasmolytischen Produkte der Leukocyten von den spezifischen Körpern im myelämischen Blute auseinander zu halten und die letzteren nicht in die Gruppe der plasmo- lytischen Bildungen einzureihen. Ganz das Gleiche gilt auch von solchen Leukocyten des myelämi- schen Blutes, welche der Gruppe der bereits im Vorausgehenden (vgl. S. 1*J) erörterten ..Plasmazellen" oder plasmaähnlichen Zellen (falsche Plasmazellen) der blutzellenbildenden Organe angehören. Auch im strömen- den Blute bei Myelämie kommen solche Leukocyten vor, wie sie aus den blutzellenbildenden Organen des myelämischen Menschen bereits be- schrieben und abgebildet worden sind, welche bei LöFFLER-Blaufärbung dunkle Inhaltsmassen in der Regel der Zellenform an einem Teile ihres Umfanges angepaßt, vielfach dem Kern kappentörmig aulsitzend, ent- halten (Figg. ()2, 63, (34). Auch im Blute völlig normaler Kaninchen habe ich solche Formen nahezu regelmäßig auffinden können. Ich will auf die Bedeutung dieser Zellenart hier nicht weiter eingehen, am wahrscheinlichsten dürfte es sich hierbei um phagocytär aufgenommene, sich in warmer LöFFLER-Blaulösung dunkelblau, manchmal auch sich leicht metachromatisch färbende Inhaltskörper handeln, welche zu Verwechse- lungen mit den spezifischen Köri)ern des myelämischen Blutes Veranlassung geben könnten, wenn man einfach alles was sich bei der genannten 3* - 36 — Färbimgsart säurebeständig und metachromatisch färbt, der Reihe der s])ezitischen Körper zuzählen wollte. Das Aväre ein Fehler, vor dem nicht genug gewarnt werden könnte, und der geeignet wäre die ganze Frage der spezifischen Körper im myelämischen Blute vollständig in Mißkredit zu bringen. Auch bezüglich dieser soeben erwähnten Inhaltskörper in den sogenannten ,,Plasmazellen" gelten gegenüber den spezifischen Körpern des myelämischen Blutes die gleichen Unterscheidungsmerkmale, welche im Vorausgehenden für die plasmolytischen Leukocytenprodukte angeführt wurden. Eine Unterscheidung ist auch hier, ganz abgesehen von Form und Gestalt namentlich auf Grund der Thioninfärbung und der , durch sie bedingten Farbendift'erenzen in den spezifischen Körpern in den meisten Fällen ohne Schwierigkeiten durchführbar. Ein besonderes Augenmerk muß bei der Beurteilung der spezifi- schen Körper des myelämischen Blutes den basischen Granulationen Ehrlich's zugewendet werden, die ja bei den angewendeten Färbungs- methüden gleichfalls hervortreten müssen, die, wie durch Ehrlich^) und seine Schüler hervorgehoben wurde, sich in basischen Anilinfarben gleich- falls metachromatisch färben, und die daher zu Verwechselungen mit den spezifischen Körpern sehr leicht Veranlassung geben können. Jene Leukocyten des myelämischen Blutes nun, welche die großen , mehr klumpigen amöbenähnlichen Körper führen (Fig. 19 — 25,34 — 58) kommen wohl für die Frage der Verwechselung mit den Mastzellengranulationen nicht in Betracht, da solche grosse Bildungen unter diesen Granulationen nicht vorkommen, zum mindesten bis jetzt nicht bekannt sind. Immer- hin könnte aber auch da die Frage erhoben werden, ob nicht die neben den großen klumpigen Körpern in den betreftenden Zellen in der Regel vorhandenen kleinen granulaähnlichen Formen (Fig. 20, 21, 22, 28, 33, 34, 41, 47, 48, 52, 53, 54) der Reihe der spezifischen ^'-Granulationen und nicht jener der spezifischen Körper des myelämischen Blutes an- gehören. Hauptsächlich kommen aber in dieser Hinsicht in Betracht jene Leukocyten des myelämischen Blutes, welche ausschließlich kleine granula- ähnliche Gebilde (Fig. 26, 27), und jene früher als segmentierte Formen bezeichnete Gebilde führen, bei denen eine Aufteilung oder ein Zerfall einer größeren amöbenähnlichen klumpigen Form in mehrere kleine und dicht beisammen gelagerte granulaähnliche Körper erfolgt (Fig. 28). Will man sich nun nach dieser Richtung vor Verwechselungen schützen, so wird man zunächst zu berücksichtigen haben, daß basophile Leukocytengranula im Blute normaler Menschen und Tiere nur selten vorkommen (Canon-), Löwit^)), während die betrefl:'enden Gebilde im myelämischen Blute weit häufiger sind. Aber diese ausschließlich quanti- tative Differenz kann nicht ausschlaggebend sein, weil ja allgemein be- kannt ist, und durch Ehrlich'*) und seine Schüler auch zu wiederholten malen betont win-de, daß die basophilen Leukocytengranula im myelämi- schen Blute in vermehrter Menge vorkommen. Man Avird sich nun aber bei der Beurteilung der hier in Betracht kommenden Verhältnisse niemals auf die alleinige Färbung mit der er- wärmten LÖFFLER-Blaulösung beschränken dürfen. In diesem Falle würde 1) Farbenanalvt. Unters, zur Histologie und Klinik des Blutes I. Berlin 1891. 17 f. 2) Deutsch, raediz. Wochenschr. 1892. Nr. 10. 3) Studien z. Phvsiol. und Pathol. d. Blutes etc. Jena 1892. S. 86 f. 4j Vgl. die Anämie etc. 1. c. S. 123 f. - 37 - man allerdings in einem auf diese Weise hergestellten Präparate mit voller Sicherheit nicht entscheiden können, üb die verschiedenen oben erwähnten granulaähnlichen Formen der Reihe der spezifischen Granu- lationen Ehrligh's, oder jener der spezifischen Körper des myelämischen Blutes angehören. Einige Anhaltspunkte für die Beurteilung wären aber auch in einem solchen Falle in der doch im grossen und ganzen mehr gesetzmäßigen runden Form der spezifischen ^^-dranula, in ihrer geringern Größe und in ihrer doch meistens regelmäßigen Anordnung in der Zelle gegeben, während bei den spezifischen Körpern auch bei ihren kleinsten Formen, die Größe immer beträchtlicher, ihre Gestalt verschiedenartig und ihre Anordnung innerhalb der Zelle sehr unregel- mäßig ist. Ein Blick auf die Fig. 26 und 27 wird das eben (besagte zur Genüge erhärten. Immerhin ist damit eine sichere Unterscheidung nicht gewonnen, und in LöFFLEK-Blaupräparaten wird man auch für der- artige kleine Formen eine solche ab und zu nicht zu treft'en in der Lage sein. Hier greifen nun die anderen früher beschriebenen Färbungsmethoden ergänzend ein. Schon an den mit der kombinierten Thionin-Triacid- färbung hergestellten Präparaten ist eine Unterscheidung der spezifi- schen Körper selbst in ihren kleinsten Formen und der ;'-Granulationen in der Regel sicher möglich. Der metachromatische Farbenton beider Bildungen ist hier ein verschiedener, bei den spezifischen Körpern mehr braunrot oft mit einem deutlichen grünen Farbentone, bei den y- Granulis mehr blaurot oder violett. Die färberische Differenzierung derartiger Präparate läßt sich durch eine nicht kolorierte Zeichnung gar nicht wiedergeben, sie tritt daher auch in den beifolgenden Abbildungen nicht hervor. Aber auch bei diesbezüglichen Kolorierungsversuchen ist es mir niemals gelungen, die Mannigfaltigkeit der hier in Betracht kommenden Farbentöne halbwegs treft'en zu können. Allerdings muß aber zugegeben werden, daß die Farbenunterschiede zwischen blaurot und braunrot auf absolute Zuverlässigkeit keinen Anspruch erheben können. Begünstigend kommt noch dazu, daß gerade bei dieser kombinierten Färbung die spezifischen Körper durch die in den meisten derselben vorhandene ungefärbte centrale Partie und die in dieser vielfach vor- handenen Differenzierungen (Fig. 40, 41, 44, 45, 65, 66, 67) ein unge- mein charakteristisches Aussehen annehmen, das bei den y-Granulis, selbst bei den gröbsten Formen derselben und bei den andern hier in Betracht kommenden Bildungen nicht zur Regel gehört. Bei Berück- sichtigung aller dieser Verhältnisse glaube ich gerade der kom- binierten Thionin-Triacidfärbung eine gewisse Bedeutung bei der diff'e- rentiellen Beurteilung der spezifischen Körper beilegen zu müssen, den Wert einer spezifischen Färbung hat aber auch dieses Verfahren nicht. Für die übersichtliche und schöne Darstellung der spezifischen Körper im myelämischen Blute, für ihre difterentielle Unterscheidung gegenüber den ^^-Granulationen kommt jedenfalls der Thionin-Triacidtärbung ein wesentlicher Vorzug zu. Noch wertvoller für die angeführte Unterscheidung aber ist es, wenn man nach der Thioninfärbung kurz in saurem Alkohol differenziert imd dann erst die Triacidfärbung anschließt. Die letztere fällt dann zwar nicht mehr so elegant wie in den Präparaten ohne AlkoholdiÖeren- zierung aus, dafür bekommen aber die spezifischen Körper in ihren ver- schiedenen Größen und Formen einen eigenartigen Stich ins grünliche, der allerdings um so undeutlicher wird, je länger man die Alkoholent- färbung andauern läßt. Die eigenartige Grünfärbung, olivgrün bis — 38 - graugrün, ist aber aucli dann noch an den spezifischen Körpern kennt- lich , wenn Protoplasma und Kern der Lenkocyten vollständig oder nahezu vollständig entfärbt sind. Schon in diesem Zustande geben die spezifischen Körper nach der alleinigen Alkoholbehandlung ungemein typische und charakteristische Bilder, über deren Zustandekommen ich allerdings eine bestimmte Äußerung nicht machen kann; das metachro- matische braunrot der spezifischen Körper geht unter der Einwirkung des sauren Alkohols, und wie es scheint auch des neutralen Alkohols in ein metachromatisches Grün über, das an den größern und kleinern spezifischen Körpern hervortritt, und bei nicht zu starker Entfärbung manchmal als bräunlichgrün bezeichnet werden kann. Schließt man nun nach der Alkoholeinwirkung noch die Triacid- färbung an, so kann man je nach der Dauer dieser Einwirkung manchmal noch ganz gute Granulafärbungen erhalten. Dann tritt die Gegenfärbung der grünlichen spezifischen Körper und der rotvioletten y-Granula mit genügender Schärfe zu Tage, als ein, wie ich glaube, ausreichender Hinweis dafür, daß die spezifischen Körper des myelämischen Blutes, die bei der oben geschilderten Färbung in ihren verschiedenartigen Formen und Größen bis zu den kleinen granulaähnlichen Gebilden her- unter die eigenartige Grünfärbung izeigen, von den basophilen blau- violett gefärbten Leukocytengranulis abzutrennen sind. Ich halte mich also zu dem Schlüsse berechtigt, daß sowohl die großen klumpigen amöbenähnlichen Formen der spezifischen Körper (Fig. 19 bis 24, Fig. 34 — 52, Fig. 56, 57, 65) als auch die in Segmentie- rung begriffenen Formen (Fig. 25, 28, 53, 54, 58), ferner die Navikelformen (Fig. 28 — 33) und auch gewisse kleine granula- ähnliche Formen (Fig. 26, 27) von den basophilen spezifi- schen L eukocy tengranulationen differente Gebilde dar- stellen und mit ihnen nicht verwechselt werden dürfen. Der Wert der angeführten färberischen Difi'erenzierung wird leider nur dadurch beeinträchtigt, daß es nicht leicht ist und auch nicht immer gelingt die richtige Zeit der Alkoholeinwirkung zu treffen, um die eigenartige Grünfärbung der spezifischen Körper zu erzielen, und daß bei einer zu dunklen Färbung die Farbenunterschiede sich verwischen (vgl. Kapitel XIX). Ebenso erscheint eine Unterscheidung der spezifischen Körper des myelämischen Blutes von den Blutplättchen leicht durchführbar. Es kämen ja hiebei allenfalls nur die extracellulären Formen der spezifischen Körper in Betracht, die ja nicht allzuhäufig angetroft'en werden. Hier schützt aber die geringere Intensität der Plättchenfärbung, das Fehlen des metachromatischen Farbentones an denselben, ihre leichte Entfärb- barkeit in saurem Alkohol, ihre eigenartige Form und Gestalt, die nur wenig Gemeinsames mit dem Aussehen der spezifischen Körper dar- bietet, und endlich die doch vorwiegend intracelluläre oder doch celluläre Lagerung dieser letztern. Die spezifischen Körper des myelämischen Blutes können auch nicht für Fett, oder für glykogene oder amyloide Substanz angesprochen werden, da sie im ungefärbten Zustande unsichtbar und weder mit Osmium noch mit Jod darstellbar sind. Auch können sie nicht für Kerngebilde irgend welcher Art, und ebensowenig für Nebenkerne auf- gefaßt werden, woran man ja bei einzelnen Figuren (45, 46) denken könnte, denn es zeigen die betreffenden Körper keinerlei Kernstruktur und keinerlei Eigentümlichkeiten von Nebenkernen, sie sind auch durch ein- fache Kernfärbungen nicht darstellbar und sind wohl schon wegen ihrer — 39 — metachromatisclien Färbung und Avegen der im Vorausgehenden näher beschriebenen Färbungseigentümlichkeiten von den Kerngebilden abzu- trennen. Auch tritt ja in vielen Fällen mehr eine Beziehung der speziti- schen Körper zum Leukocytenprotoplasma als zum Leukocytenkern hervor. Eine nähere Erörterung erscheint aber über die Beziehung der spezitischen Körper des myelämischen Blutes zu den Produkten des Kcrn- und Zellzerfalles der Leukocyten in diesem Blute geboten, da der Ver- dacht nicht von der Hand gewiesen werden kann, daß gar manche der beschriebenen spezifischen Körper der Ausdruck einer cellulären oder nuklearen Degeneration sein können, womit natürlich die Auffassung derselben als spezifische Körper hinfällig würde. Die morphologische Seite der Frage des Leukocytenzerfalles ist in letzterer Zeit mehrfach bearbeitet worden, von Arnold^), der sich mit den progressiven und regressiven Veränderungen der Wanderzellen beim Kalt- und Warmblüter beschäftigt hat, von Botkin ^) an Leukocyten des Menschen und der Tiere unter normalen und pathologischen Verhält- nissen und speziell bei einzelnen Erkrankungen des Menschen (Typhus, Pneumonie), von Gumprecht^) an den Leukocyten des Menschen bei Leukämie und schweren Anämien, und von Bettmann ^) vorwiegend an den Leukocyten des strömenden Blutes und an den verschiedenen lymphoiden Zellen des Knochenmarkes bei Kaninchen nach chronischer Arsenvergiftung; dazu kommen noch die wichtigen Beobachtungen von Schmaus und Albrecht ^), welche bereits früher die Frage der cellulären und nuklearen Degeneration bei der anämischen Nekrose der Nieren- epithelien und bei anderen komplizierten Zellenerkrankungen verfolgten. Alle diese Arbeiten stehen mit einander der Hauptsache nach in guter Übereinstimmung und zeigen, daß es sich um gesetzmäßige und regel- mäßig wiederkehrende Erscheinungen auch bei verschiedenem Zellen- material handelt, die von Flemming, soweit sie den Kern betreffen, unter dem Sammelnamen der Chromatolyse zusammengefaßt wurden. Chemische Umwandlungen im Kern spielen dabei eine Hauptrolle und führen ent- weder zu einem einfachen Kernschwund mit Abnahme (Schrumpfung oder Quellung) seines Chromatingehaltes (Hypochromatosen), dem sich vielfach auch ein in der Regel mit Vakuolisierung einhergehender Protoplasma- untergang anschließt (Leukocytolyse, Botkin). Oder aber es treten Um- lagerungen im Kernchromatin in den Vordergrund (nukleare Degeneration, chromatokinetische Prozesse), die entweder zur Kern- und Zellpyknose (Verdichtung und Verkleinerung des Kernes [HyperchromatosenJ) und des Protoplasma, oder zur Karyorhexis (Kernzersplitterung) führen. Auf Grundlage dieser Studien wurde von Schmaus und Albreght das folgende Schema für die degenerativen Prozesse des Kernes und der Zelle aufgestellt, das auch von den meisten anderen Autoren acceptiert wurde. L Hyperchromatosen, wobei sich das Chromatin entweder an der Kernoberfläche (Kernwandhyperch romatose), oder im Innern des Kernes ansammelt (G e r ü s t h y p e r c h r o m a t o s e) ; oder es kombinieren sich diese beiden Formen zur Totalhyperchromatose, wobei auch vielfach die diftus gefärbten Kerne von dicht gelagerten Chromatinkörn- clien erfüllt sind. 1) Arch. f. mikroskop. Anat. Bd. XXX. 2) ViBCHOws Archiv etc. Bd. 137, 141, 145. 3) Deutsch. Archiv f. klin. Mediz. 189B. Bd. 57. S. 523. 4) Zieglers Beiträge etc. 1898, Bd. 23. S. 377. Daselbst ausführliche Literaturangaben. 5) ViRCHOws Archiv etc. 1894; Bd. 138. Suppl. und 1896. Bd. 144. - 40 — II. Oligo- lind Hy pochromatosen, wobei die Umordnung des Chromatins mit Schwund und geringerer Färbbarkeit desselben einhergeht. III. Kern wandspro ssungen, wobei die Verlagerungen des Chi'omatins die Kernwand überschreiten, ohne daß aber dabei eine Zer- reißung derselben zunächst erfolgen muß. Es braucht wohl nicht besonders betont zu werden, daß diese ver- schiedenen Formen der Kerndegeneration sich kombinieren, so daß oft ver- schiedene Formen gleichzeitig in derselben Zolle vorhanden sein können. An den Zellen des leukämischen Blutes hat Gtumpreght vorwiegend Hypochromatose am Trockenpräparat konstatiert, die er als den Aus- druck einer präexistierenden Degeneration der Leukocyten anspricht. Es handelt sich dabei um Vakuolisierung des Protoplasma mit Schwund desselben, Unebenheit des Kernkonturs, Verlust seiner Struktur, Höhlen- bildung und langsam fortschreitende Chromatinabnahme. „Hierbei zer- reißt der Kern in einzelne grobe Stücke oder das Chromatin ordnet sich halbmondförmig an, oder es hängen die einzelnen Chromatintropfen wie Trauben an einem gemeinsamen Stiel, und alle diese Kerngebilde stechen vermöge ihrer intensiven Affinität zu Farbstoffen sehr auffällig aus ihrer Umgebung heraus" ; auch solche Leukocyten werden angeführt, die statt des chromatischen Kerngerüstes zahlreiche unzusammenhängende Chromatintropfen innerhalb der Kernhülle aber auch ohne eine solche aufweisen. In ähnlichem Sinne sprechen sich auch Krönig ^) und KüHNAu^) aus. BoTKiN hat analoge Veränderungen als Leukocytolyse bezeichnet und ist der Meinung, daß es nicht ausschließlich pathologische Momente sein müssen, welche eine derartige Leukocytendegeneration bewirken, sondern daß dieselbe auch unter physiologischen Verhältnissen beim Untergang dieser Zellenart und auch an den überlebenden Leukocyten extra corpus in gleicher Weise auftritt. Bettmann hat die gleichen Ver- ändenmgen an den Leukocyten des strömenden Blutes bei der chroni- schen Arsenvergiftung des Kaninchens und in etwas geringerer Zahl und etwas veränderter Form auch an den Leukocyten innerhalb der Gefäße an Schnittpräparaten von Organen dieser Tiere feststellen können, und erwähnt auch, daß er die gleichen Resultate an Trockenpräparaten des leukämischen Blutes erzielte. In besonders eingehender Weise wurden von Bettmann die degenerativen Veränderungen der nicht granulierten, und der grob- und feingranulierten Knochenmarkszellen bei den ver- gifteten Kaninchen studiert, und diesbezügliche Abbildungen mitgeteilt, welche die Übereinstimmung seiner Befunde mit den oben geschilderten Degenerationsbefunden überhaupt darlegen. Ich habe nun der Frage der Leukocytendegeneration im myel- ämischen Blute sowohl als auch in den blutzellenbildenden Organen bei dieser Erkrankung meine volle Aufmerksamkeit aus dem bereits er- wähnten Grunde zugewendet, und habe den soeben mitgeteilten Befunden der genannten Autoren über diesen Gegenstand, denen sich auch noch analoge Angaben von A. Fraenkel^), Benda ^), Bignami ^) über degenerative Prozesse in den blutzellenbildenden Organen bei Lymphämie anreihen, 1) Verhandlungen des 15. Kongr. f. innere Mediz. Wiesbaden 1897. S. 507. 2) Deutsch. Arch. f. klinische Mediz. 1897. Bd. 58. S. 339 f. 3) Deutsch, mediz. Wochenschr. 1895. Nr. 39 — 43. Verhandlungen des XV. Kongr. f. innere Medizin. Wiesbaden 1897. S. 359. 4) Ebendaselbst. S. 371. 5) II Policlinico. Roma 1898. Vol. V— M. — 41 — auf die wir noch zurückkommen werden, nichts Neues li inzuzufügen. Sowohl Hypo- als Hyperchromatosen und die verschiedenen Stadien der Karyorhexis sind im myelämischen 131ute und in den blutzellenbilden- den Organen leicht und mit Sicherheit bei den verschiedenen Fällen in wechselnder Zahl und in allen bekannten Al)stufungen nachzuweisen. Im allgemeinen kann ich wohl sagen, daß in jenen Fällen, wo ich das periphere Blut des Kranken und post mortem die Leichenorgane unter- suchen konnte, die Menge der nachgewiesenen degenerativen Prozesse in den letzteren stets bei weitem größer war als in dem ersteren, daß sie aber auch in diesem niemals vollständig vermißt wurden. Es war aber nicht so sehr der objektive Nachweis der degenerativen Prozesse selbst, als vielmehr die Beziehung derselben zu den spezifischen Körpern, und namentlich die Frage, ob diese spezitischen Körper mit den degenerativen Produkten des Kern- und Zellzerfalles identisch sind, oder ob sie zu ihnen in irgend einen Zusammenhang gebracht werden können, welche das größte Interesse in Anspruch nahm. Vergleicht man nun die hier bereits mitgeteilten und noch weiter- hin mitzuteilenden Befunde und Abbildungen aus den blutzellenbildenden Organen bei Myelämie, mit den Angaben und zahlreichen Abbildungen Bettmanns (Tat. XX, Figg. 1 — 79 und Taf. XXI, Figg. 1 — 7), so wird man nicht leugnen können, daß viele derselben (Figg. 14 — 30, 35—61, 74 bis 79) eine gewisse auf den ersten Anblick oft frappante Ähnlichkeit mit den hier in Betracht kommenden spezifischen Körpern besitzen. Und doch sind beide Bildungen zweifellos nicht identisch. Zunächst muß die große Leichtigkeit in Betracht gezogen werden, mit welcher die Produkte des Kern- und Zellzerfalles im Blute sowohl als in den blutzellenbildenden Organen färberisch dargestellt werden können. Sie treten bei Anwendung der verschiedenen Kernfarbstoffe gut und klar hervor, wobei namentlich die Stadien der Hyperchromatosen eine manchmal recht intensive Affinität zum Farbstoffe zeigen. Dagegen ist ein irgendwie beträchtlicherer Grad von Metachromasie an diesen Degenerationsprodukten weder bei Anwendung von Methylenblau, noch von Thionin und ebenso wenig von Safranin als Regel nachweisbar, wenn eine solche in einzelnen Fällen auch vorhanden sein kann. Auch ist es für die Färbung dieser Produkte durchaus nicht nötig, die Farben- lösung zu erwärmen, sie sind eben leicht färbbare Gebilde, die den Farbstoff" leicht annehmen, ihn entfärbenden Reagentien gegenüber zwar energisch zAU'ückhalten, aber doch nicht in so hohem Grade als dies bei den s])ezifischen Körpern der Myelämie der Fall ist. Damit sind bereits nicht unwesentliclie Differenzen aufgedeckt, denn die spezifischen Körper sind schwer f arbbar, sie besitzen die Eigenschaft der Meta- chromasie in hohem Grade, und sie halten den Farbstoff" dem ent- färbenden sauren Alkohol gegenüber so energisch zurück, daß bei protrahierter Anwendung desselben außer ihnen nur noch allenfalls vor- handene basophile Granula und eventuell vorhandene Spaltpilze gefärl)t bleiben, alles übrige aber entfärbt erscheint. Geben schon diese Verhältnisse ein verwertbares differentielles Moment für die Beurteilung der si)ezifischen Körper bei Myelämie und der Produkte des Kern- und Zellzerfalles der Leukocyten bei dem gleichen Krankheitsprozesse ab, so wird dasselbe noch wesentlich durch die oben angeführte kombinierte Thionin- und Triacidfärbung mit oder ohne gleichzeitige Alkoholentfärbung gestützt. Hier erscheinen die sjjezifischen Körper mit dem eigenartigen grünen Farbenton, der den Degenerations- — 42 — Produkten abgeht, ihre Gestalt ist dabei von so typischer Beschafifenheit, daß sie schon dadurch allein als besondere Gebilde hervorstechen. Die Leukocytenkerne erscheinen, wenn man der Triacidfärbung noch eine kurze Methylenblaubehandlung nachfolgen läßt, im reinsten Blau, ob es sich nun um normal beschatt'ene, oder um mehr weniger degenerierte Leukocytenkerne handelt. Das Leukocytenprotoplasma erscheint bei dieser Methode von seinen spezifischen Granulationen besetzt, oder es treten an demselben mehr weniger deutliche Vakuolisierungen, Quellungen oder Schrumpfungserscheinungen hervor. Kurz, ich halte gerade diese kombinierte Färbungsmethode in hervorragendem Grade dafür geeignet, um die Sonderstellung der spezifischen Körper im myelämischen Blute auch den Degenerationsprodukten gegenüber zu demonstrieren, die für den Geübten auch schon auf Grund der alleinigen Methylenblaufärbung kaum zweifelhaft sein kann. Alle früher bereits erwähnten Mängel dieser Methode gelten auch der hier besprochenen Unterscheidung gegenüber, aber sie läßt doch vorläufig noch am besten die stoffliche und tinktorielle Unabhängigkeit der spezitischen Körper von den Produkten des Leuko- cytenzerfalles und den übrigen hier in Betracht kommenden Elementen hervortreten. Bei der Untersuchung der blutzellenbildenden Organe, wo ja der Kern- und Zellenzerfall in der Eegel mehr oder minder hochgradig nach- weisbar ist, kam nun die soeben erwähnte kombinierte Färbung nicht in so ausgedehntem Maaße wie am peripheren Blute in Anwendung und sie kann daher auch in der Frage der mehrfach erwähnten Unterscheidung nicht ausschlaggebend sein, w^eil die Triacidlösung an Schnitten aus ge- härteten Objekten nur unter besonderen Bedingungen distinkte Färbungen ergiebt. Indessen kann auch in diesen Organen die Verwechselung der spezifischen Körper mit den Produkten des Kern- und Zellzerfalles, wie wir noch später ersehen werden, auf Grund anderer Färbungsverfahren und auf Grund bestimmter Form- und (restalt Verhältnisse der spezi- fischen Körper daselbst, mit genügender Sicherheit ausgeschlossen werden. Die früher erwähnte Ähnlichkeit der spezifischen Körper des myelämischen Blutes mit den Produkten des Leukocytenzerfalles ist mithin eine rein äußerliche und rein formale, sie berührt das Wesen der beiden difi'erenten Bildungen nicht; ich halte mich auf Grund meiner Erfahrungen zu dem Schlüsse berechtigt, daß die beiden Bildungen nicht mit ein- ander identifiziert werden dürfen, und daß ein Hervo rgehen der einen aus der anderen Bildung in keinerlei Weise statt- findet. Die gleiche Schlußfolgerung gilt auch für die Verhältnisse innerhalb der blutzellenbildenden Organe bei Myelämie, worauf wir noch zurückkommen werden. Untersucht man nun an passend hergestellten Präparaten des myelämischen Blutes die nähere Beziehung jener Zellen, die spezifische Körper enthalten oder führen, mit jenen Zellen, welche entweder die Zeichen des Kern- oder des Protoplasmazerfalles oder beider gleichzeitig aufweisen, so wird man sagen müssen, daß ein Zusammentreft'en beider Erscheinungen vielfach vorhanden ist, in einzelnen Krankheitsfällen aber in der überwiegenden Mehrzahl der Zellen nicht konstatiert werden kann. Das letztere gilt namentlich dann, wenn, was in manchen Fällen als Regel bezeichnet werden muß, die spezifischen Körper an oder in den kleinen und mittelgroßen einkernigen Leukocyten angetroften werden. An diesen Zellen erscheint dann Kern und Zellprotoplasma bei mehr oder minder reichlicher Anwesenheit der spezifischen Körper völlig — 43 — normal, zum mindesten ebenso, wie an den Lymphocyten des gleichen Präparates ohne spezitische Körper. Gelegentlich allerdings können auch solche mit spezitischen Körpern behaftete Lymphocyten die Zeichen der Hypo- und Hyperchromatose zeigen. Weit häutiger trifft man hin- gegen ein Zusammentreffen von spezitischen Körpern und von Zeichen der Kern- und Zellendegeneration in der gleichen Zelle bei den so- genannten großen mononukleären Leukocyten, von denen einzelne den Charakter der „Markzellen" aufweisen können, die vielfach auch einen gelappten und eingeschnürten Kern besitzen, und die, wie im Voraus- gehenden bereits berührt wurde, am besten als hypertrophische Leuko- cyten bezeichnet werden. Aber auch hier ist das Zusammentreffen der beiden Erscheinungen kein absolutes, d. h. es kommen hypertrophische Leukocyten mit spezifischen Körpern ohne sichtbare Zeichen der Degene- ration vor, es kommen andrerseits auch hypertrophische Zellen ohne spezifische Körper aber mit exquisiten Zeichen der Degeneration vor, und es kommen endlich auch hypertrophische Leukocyten ohne spezi- fische Körper und ohne erkennbare Zeichen der Degeneration vor. Immerhin ist das Zusammentreffen von spezifischen Körpern mit Degene- rationserscheinungen in den hypertrophischen Leukocyten gar niclit so selten, und gerade an diesen großen Zellen kann man sich oft mit voller Sicherheit davon überzeugen, daß die spezifischen Körper vielfach nur den Zellen an- oder aufgelagert und in einer ganz anderen Ebene als die Degenerationsprodukte gelegen sind. Auch innerhalb der blutzellenbildenden Organe bei Myelämie kann man analoge Erfahrungen machen. Die Erscheinungen der regressiven Zell- und Kernmetamorphose sind auch hier vielfach vergesellschaftet mit der Anwesenheit der spezifischen Körper in oder an der Zelle, aber ein absolutes Zusammentreffen beider Erscheinungen besteht auch hier nicht, ebensowenig wie am peripheren Blute. Es wird aber bei der Beurteihmg der Beziehung der beiden Erscheinungen zu einander der Gedanke nicht von der Hand gewiesen werden können, ob sie denn doch nicht insoferne in einer gewissen Abhängigkeit von einander stehen, daß vielleicht die eine durch die andere bedingt, durch sie geradezu veranlaßt oder hervorgerufen wird. Bei der Deutung, welche wir, wie aus dem weiteren hervorgehen wird, den spezifischen Körpern geben müssen, ist es dann wohl sehr wahrscheinlich, daß die spezifischen Körper die Ursache für das Auftreten der degenerativen Erscheinungen in der Zelle sind oder doch sein können; die Annahme, daß die spezifischen Körper sich erst in solchen Zellen an- siedeln oder bilden, Avelche bereits die Zeichen der Degeneration dar- bieten, daß mit anderen Worten erst die degenerierte Zelle den günstigen Nährboden für die Bildung und Entwickelung des spezifischen Körpers darstellt, wird wohl durch den Befund hinfällig, daß spezifische Körper sich gar nicht so selten in oder an völlig normalen Lymphocyten vorfinden. Ich halte mich mithin auf Grund der eben gemachten Ausführungen zu dem Schlüsse berechtigt, daß die spezifischen Körper des myelämischen Blutes mit keinem der bekannten morpho- tischen Bestandteile des Blutes identifiziert werden dürfen, daß sie auch nicht identisch sind mit den Produkten der regressiven Kern- und Zellmetamorphose der Leukocyten, und daß sie daher nach dieser Richtung hin auf die Be- zeichnung spezifische Körper mit Recht Anspruch erheben können. Auf eine Verwechselung derselben mit roten Blutkörperchen — 44 — und deren Derivaten braucht Avohl, da die siiezifischen Körper des myelämischen Blutes zu den Erythrocyten so gut wie gar keine Be- ziehung besitzen, nicht näher eingegangen zu werden. Kapitel V, Kontrolluntersucliungen am Blute von Menschen und Tieren. Wenn nun auch durch die vorausgehenden Untersuchungen die Annahme wahrscheinlich geworden ist, daß die spezifischen Körper des myelämischen Blutes nicht identifiziert werden dürfen mit sonstigen morphotischen Elementen des normalen Blutes und mit den Produkten des degenerativen Kern- und Zellzerfalles, so muß nun doch noch sofort die Frage berücksichtigt werden, ob die genannten Körper nur dem myelämischen Blute und insbesondere den Leukocyten bei Myelämie eigen sind, oder ob analoge Gebilde auch unter anderen normalen und pathologischen Bedingungen im Blute von Menschen und Tieren vorkommen? Zur Beantwortung dieser Frage wurden nach den angeführten Methoden eine große Anzahl von Kontrolluntersuchungen am Blute von Menschen und Tieren vorgenommen, über welche ich, da sie sämtlich negativ ausfielen, nur in Kürze berichten will. Im Blute gesunder Menschen wurden analoge Bildungen niemals gefunden, ebenso wenig bei normalen Tieren (Kaninchen, Meerschweinchen, Maus, Schaf, Hund, Katze). Ein besonderes Augenmerk wurde der Untersuchung des Blutes bei lenkocytotischen Zuständen zugewendet, und zwar kam hierbei ausschließlich die polynukleäre neutrophile (amphophile) Leukocytose in Betracht, da ich keine Gelegenheit hatte, eine eosino- phile Leukocytose untersuchen zu können. Da aber, wie sich später er- geben wird, die spezifischen Körper in und an den eosinophilen Leukocyten bei Myelämie niemals angetroften werden, so hat wohl auch die Kontroll- untersuchung bei eosinophiler Leukocytose nur eine geringere Bedeutung. Am Menschen konnte das Blut einer entzündlichen Leukocytose (Pneumonie aus der Innsbrucker Kinderklinik des Herrn Prof. Loos) untersucht werden ; spezifische Körper oder ihnen anologe Gebilde wurden bei wiederholter Untersuchung nicht gefunden. Bei Kaninchen wurde durch Injektion filtrierter (steriler) Typhus- bouillon in die Blutbahn eine so hochgradige polynukleäre amphophile Leukocytose erzeugt, wie ich sie bei keiner- der sonst gebräuchlichen und häufig von mir in Anwendung gezogenen Methoden (Albumosen, Xuclein, Blutegelextrakt etc. ^)) beobachtet habe. In der Regel wurde die Typhusbouillonkultur einige Tage im Thermostaten belassen, dann durch CnAMBERLAND'sche Kerzen filtriert und je nach der Größe des Tieres 1 — 1,5 ccm direkt in die Ohrvene injiziert. Die Leukocytose entwickelt sich nur langsam, hat nach 12 — 20 Stunden ihren Höhepunkt erreicht, und ij LöwiT, Studien zur Physiol. und Pathol. des Blutes etc. Jena 1892. S. 24 f. — 45 — klingt auch langsam wieder ab. Die Versuche wurden schon vor längerer Zeit zu anderen Zwecken unternommen, auf das Detail derselben soll hier nicht weiter eingegangen werden ; mit eintägiger unfiltrierter Typhus- bouillon selbst erzielt man die gleichen, wenn auch etwas geringgradigere Resultate. Es wurden auf diese Weise elf Kaninchen behandelt und von jedem mehrere Blutpräparate nach der LÜFFLER-Blau- und nach der kombinierten Thioninmethode untersucht. Ich führe hier als Beispiel nur drei sehr hochgradige Fälle an: 3. XL 1894. Kaninchen II hat im Ohrvenenblut Lc^) = 9417 E. = 290 M. = 7P,:o; erhält 1 ccm filtrierte Typhusbouillon in die Ohrvene ; nach 24 Stunden in der Ohrvene der anderen Seite Lc. = 200 573 E. = 150/0 M. = 85«;o Ec. = 4 850 000 = 1 : 24. 12. XL 1894. Kaninchen IV hat im Ohrvenenblut Lc. = 8909 E. = 440 M. = 56« 0; erhält 1,5 ccm filtrierte Typhusbouillon; nach 18 Stunden in der Ohr- vene der anderen Seite Lc. = 170 544 E. = 220/0 M. = 780/0 Ec. = 6 410 000 = 1 : 38. 21. XL 1894. Kaninchen VI hat im Ohrvenenblut Lc. = 10 321 E. = 370 M. = 63%; erhält 1 ccm filtrierte Typhusbouillon; nach 16 Stunden in der Ohr- vene der anderen Seite Lc. = 235 343 E. = 80/0 M. = 920/0 Ec. = 5 040 000 = 1 : 22. Niemals wurde bei diesen Untersuchungen weder in noch an den Leukocyten noch frei im Plasma irgend etwas den spezifischen Körpern analoges gefunden, während basophile Leukocytengranula und auch Zeichen des Leukocytenzerfalles ziemlich häufig nachgewiesen werden konnten. Ebenso negative Resultate ergab die bei zahlreichen Meerschweinchen vorgenommene Untersuchung der an Leukocyten so reichen Peritoneal- oder Pleurafiüssigkeit, welche durch Aleuronatbrei (nach der Methode von Buchner) in den betreftenden Körperhöhlen erzeugt werden kann. Die Untersuchung dieser Flüssigkeiten war deshalb von besonderem Interesse^ weil sie doch immerhin recht zahlreiche mononukleäre Leuko- 1) Lc. — Leukocvten; E. = Einkernig; M. = Mehrkernig; Ec. = Erythrocyten. - 46 — cyten und auch solche mono- und pol3'nukleäre Leukocyten mit phago- cytären EinschUissen enthält (Zellenreste von roten und weißen Blut- körperchen, und wahrscheinlich auch Pflanzencaseinreste). Außer baso- philen Granulationen und Produkten des Zellenzerfalles, die hier gar nicht so selten sind, konnten auch hier keinerlei P'ormelemente gefunden werden, die den spezifischen Körpern aus dem myelämischen Blute an die Seite gestellt werden könnten. Außerdem wurde an Trockenpräparaten das Blut verschiedener kranker Menschen untersucht, die zum Teil von der Innsbrucker medi- zinischen Klinik des Prof. v. Rokitansky, zum Teil von der Prager Klinik des Prof. v. Jaksch stammten. Es waren dies zwei Fälle von Chlorose, ein Fall tuberkulöser Anämie, ein Fall von Anämie nach Magenblutungen, ein Fall von progressiver perniciöser Anämie, zwei Fälle von Anämie bei Magenkrebs, ein Fall von sogenannter Anaemia splenica (Pseudoleukämie, durch Herrn Dr. Gottstein in Berlin zur Untersuchung übersandt). Das Resultat war nach der angegebenen Richtung hin stets negativ. Außerdem wurden noch zahlreiche Kontrolluntersuchungen gelegentlich anderer Beobachtungen vorgenommen, über welche im vor- ausgehenden zum Teil bereits berichtet wurde, zum Teil in folgenden noch berichtet werden wird. Ich halte mich also für berechtigt, die sogenannten spezi- fischen Körper thatsächlich als spezifisch für das inyel- ämische Blut anzusprechen; die Frage der Lymphämie wird später in Betracht gezogen werden. Kapitel VI. Weitere Beschreibung der spezifisclien Körper im myelämischen Blute. Nachdem nun durch die vorausgehenden Untersuchungen darauf hingewiesen war, daß die spezifischen Körper des myelämischen Blutes als eigenartige und nur dieser Krankheit zukommende Bildungen auf- zufassen sind, erschien für die Deutung derselben der Gedanke gewiß naheliegend zu sein, daß sie parasitäre Gebilde darstellen, die in diesem Falle dann als echte leukocytäre Parasiten, oder nach der Terminologie von Danilewsky^) als Leukocytozoen aufzufassen wären, wobei zunächst der Umstand weniger in Betracht fällt, ob die vermeint- lichen Parasiten in den Leukocyten oder ihnen nur angelagert sich vor- finden. Diese Vermutung drängte sich mir gleich von vorneherein auf, ich habe sie aber immer wieder zurückgewiesen, bis ich nicht die Über- zeugung gewonnen hatte, daß die spezifischen Körper nur dem myel- ämischen Blute eigen sind und mit den normalen spezifischen Granu- lationen oder anderen normalen morphotischen Elementen des Blutes und auch nicht mit Produkten des Leukocytenzerfalles identifiziert werden dürfen. Wesentlich gestützt wurde diese Vermutung schon beim Studium 1) Centralbl. f. Bakteriol. etc. I. 1891. Bd. IX Nr. 12 und La parasitologie du sang. ]. 1889 (war mir im Original nicbt zugänglich). - 47 — der groben klumpigen amöbenartigen Körper in und an den Leukocyten des Bluttrockenpräparates, deren sporn- und hakenartige kürzere oder längere Fortsätze (Fig. 20, 22, 23, 24, 36, 38, 47, 48, 49, 50, 52, 55) der Ausdruck von Bewegungsvorgängen dieser klumpigen Körper sein konnten; gestützt Avurde sie ferner durch den bereits erwähnten Nach- weis der eigenartigen Segmentations- und Difterenzierungserscheinungen an den spezitischen Körpern (Fig. 23, 25, 28, 53, 54, 58, 67), welche der Ausdruck von Teilungs- und Neubildungsvorgängen sein konnten, und gestützt wurde sie endlich und hauptsächlich durch den Nachweis eigenartiger sichel- oder kahn- oder wetzsteinähnlicher Gebilde (Fig. 28 — 33), der sogenannten Navikelformen, welche sofort an ähnliche Bildungen bei gewissen Zellschmarotzern aus der Gruppe der Coccidien und Hämo- sporidien erinnern mußten. a) Untersuchung- des nicht fixierten Blutes. Um nun der Frage näher zu treten, ob die spezitischen Körper des myelämischen Blutes parasitäre Gebilde darstellen, wurde das Blut des Leukämikers Delago (Nr. 1) (medizinische Klinik Innsbruck) im möglichst frischen, nicht fixierten und ungefärbten Zustande untersucht, nachdem ich über F'orm und Beschaffenheit dieser Körper im tixierten und gefärbten Zustande bereits einige Erfahrungen gesammelt hatte. Ich hatte die Möglichkeit gerade an diesem Kranken, dessen Blut nahezu konstant einen sehr hohen Gehalt an spezitischen Körpern aufwies, in der Zeit vom 13. — 30. Dezember 1897 täglich Blutuntersuchungen vor- nehmen und einige Male darunter auch das frische Blut beobachten zu können. Ende Dezember 1897 verließ er das Krankenhaus, um in seine Heimat zurückzukehren. Durch das freundliche Entgegenkommen des Gemeindearztes von Cortina d'Ampezzo, Herrn Dr. Angelo Majoni, erhielt ich auch später (5. I. 98) nochmals Bluttrockenpräparate zugesandt. Der Kranke starb am 15. I. 98; die Sektion wurde am nächsten Tage durch Herrn Dr. Majoni vorgenommen, und Organstücke wurden mir in Eis und Schnee verpackt in entgegenkommendster Weise zugesandt. Diese dienten nicht bloß zur mikroskopischen Untersuchung, sondern sie bildeten auch den Ausgangspunkt für die Tierversuche, über welche später berichtet werden wird. Außerdem konnte ich auch noch das Blut des 1^2Jährigen an Anaemia pseudoleukaemica infantilis erkrankten Kindes Stecher (Kinder- klinik in Innsbruck), das später gesondert behandelt werden wird, in dessen Blut gleichfalls, wenn auch lange nicht so zahlreiche speziüsche Körper nachgewiesen wurden, einigemale im frischen Zustande untersuchen. Aber derartige Beobachtungen sind mit sehr großen Schwierig- keiten verbunden, da Verwechselungen mit anderen Elementen des Blutes im ungefärbten Zustande sehr leicht eintreten können. Bei dem Fehlen strikter Anhaltspunkte nach dieser Richtung hin werden der- artige Irrtümer selbst bei guter Vertrautheit mit dem Gegenstande nicht vollständig ausgeschlossen werden können, und ich habe mir wenigstens bis jetzt eine absolute Sicherheit darüber nicht verschaften können, ob die am frischen Objekt gesehenen und als spezitische Körper angesi)rochenen Formen auch thatsächlich jenen am fixierten und gefärbten l'räparate entsi)rechen. Gewisse Anhaltspunkte können ja jedenfalls für eine dies- bezügliche Beurteilung in den Beweglichkeits-, Lagerungs- und Form- verhältnissen gewisser morphotischer Bestandteile des frischen ungefärbten myelämischen Blutes gegeben sein, aber man überzeugt sich bei ent- — 48 — sprechenden Kontrolliintersuchungen immer wieder, daß das nur äußerst unzuverlässige Kriterien für die Erkennung der fraglichen Körper im ungefärbten Zustande darstellen. Dazu kommt noch die gewiß auffällige und frappierende Erscheinung, daß man am ungefärbten frischen Blute, selbst wenn man sich an gleichzeitig hergestellten Trockenpräparaten von der reichlichen An- wesenheit der spezifischen Körper und auch von großen Eormen der- selben, vergewissert hat, in der Regel nichts sehen kann, was mit einiger Wahrscheinlichkeit als den spezifischen Körpern ent- sprechend bezeichnet werden könnte. Es bleibt da, soweit ich sehe, nur die Annahme übrig, daß die betreft'enden Körper sich im frischen ungefärbten Zustande durch besondere Lichtbrechungsverhältnisse vom Leukocyteninhalte oder vom umgebenden Medium nicht abheben und daher sich von diesen nicht unterscheiden lassen. Außer ihrer schweren Färbbarkeit dürfte gewiß gerade dieser letzte Umstand dafür verant- wortlich zu machen sein, daß sich diese Gebilde bisher der Beobachtung gänzlich entziehen konnten. Trotz mehrfacher Untersuchungen am frischen ungefärbten Blute glaube ich nur zweimal, je einmal am Falle Delago und einmal beim Falle Stecher, Gebilde gesehen zu haben, welche mit einiger Wahrschein- lichkeit den spezifischen Körpern der fixierten und gefärbten Präparate an die Seite gesetzt werden dürfen ; eine völlige Sicherheit hierfür habe ich aber auch in diesen beiden Fällen nicht erlangen können und ich kann auch nicht angeben, welche Verhältnisse auf die Sichtbarkeit der betreff"enden Gebilde in den beiden Fällen eingewirkt haben. Die An- nahme, daß die spezifischen Körper des myeläraischen Blutes im mög- lichst frischen und ungefärbten Zustande doch unter gewissen zunächst noch unbekannten Verhältnissen sichtbar sein und dann erkannt werden können, hat daher vorläufig nur den Wert einer Vermutung, immerhin ist es gewiß bemerkenswert, daß die im frischen ungefärbten Zustande gesehenen und mit Wahrscheinlichkeit als spezifische Körper an- gesprochenen Gebilde außerhalb von Leukocyten lagen. Gewisse später zu besprechende Beobachtungen am Blute der infizierten Kaninchen stehen damit wahrscheinlich in näherer Beziehung. Für die Untersuchung des Blutes im möglichst frischen und un- gefärbten Zustande wurden 5 — 6 Tropfen Fingerbeerenblutes des Leukämikers Delago in ca. 5 ccm vorher auf 38 — 40 '^ erwärmter steril aufgefangener Aseitesfiüssigkeit des gleichen Kranken übertragen, gut durchgeschüttelt und dann dauernd bei 38'' im Thermostaten gehalten. Bei dem pseudoleukämischen Kinde Stecher erfolgte die Verdünnung des Blutes oder des durch Punktion entleerten Milzsaftes in 0,7 "^ o erwärmter und steriler Kochsalzlösung. Die weitere Untersuchung geschah dann nach Übertragung des verdünnten Blutes in beiden Fällen in das un- mittelbar an das Krankenhaus anschließende Institut auf dem heizbaren Objekttische bei 38-40« C. Jene Gebilde nun, welche ich beim Falle Delago im ungefärbten Zustande mit den früher beschriebenen spezifischen Körpern identifizieren zu dürfen glaube, sind in Fig. 68 a, b, c, d, abgebildet. Es handelt sich um zwei ganz eigenartige Körperchen, die im Stadium a um 12^' Mittags in der Nähe eines Leukocyten im hängenden Tropfen gesehen wurden, nachdem das Präparat vorher bereits über eine halbe Stunde durch- sucht worden war, ohne etwas fremdartiges in demselben wahrnehmen zu können. Diese beiden Körperchen erschienen von einem ganz andern - 49 — Liclitbrecluingsverinögen als die Blutjilättchen, mit denen sie noch am ehesten hätten verwechselt werden können, sie waren viel matter, besaßen keinen gelblichen Schimmer und zeigten anfangs auch keinerlei Struktur- details; nur in dem größeren birnförmig gestalteten Körperchen war gleich von vornherein an dem zugespitzten Ende ein kleines etwas stärker lichtln'echendes Pünktchen zu sehen: eine Granulierung oder sonstige Strukturverhältnisse waren nicht kenntlich, und es kostete große Mühe und Anstrengung, sowie scharfe Belichtung bei enger Blende, um diese an der Grenze des Sichtbaren stehenden Körperchen bei der fortlaufen- den Beobachtung festzuhalten. Diese beiden Körperchen zeigten nun auf dem heizbaren Objekt- tische deutliche ]\Iolekularbewegung, amöboide Beweglichkeit konnte jedoch nicht konstatiert werden, weder auf dem geheizten noch auf dem un- geheizten Objekttische, dagegen waren Formveränderungen deutlich vor- handen, die nicht auf Bechnung der Molekularbewegungen gesetzt werden konnten. Diese Form- und Gestaltveränderungen vollzogen sich äußerst langsam und träge, sie führten zu verschiedenartigen rundlichen und eckigen Figuren, die in der Abbildung nicht wiedergegeben erscheinen, manchmal waren kleine aber deutliche Fortsätze an der Peripherie kenntlich, die wieder verschwanden, also wohl eingezogen wurden. Weitere Strukturdetails waren in der nächsten Stunde nicht sichtbar. Um 1 Uhr (Fig. 68 b) hatte eine zweifellose Annäherung des größeren früher birnförmigen Körperchens an den in der Nähe liegenden Leukocyten stattgefunden; diese Annäherung war zweifellos auf Rechnung des Körperchens und nicht des Leukocyten zu setzen, wie die fortlaufende Beobachtung ergeben hatte. Dabei hatte dieses Körperchen eine mehr kugelige Gestalt angenommen, und es war eine scheinbare Verdichtung seiner Peripherie aufgetreten, die als etwas schärfer konturierter Rand kennt- lich wurde; ein kleiner Fortsatz schien sich an den Leukocyten heran- begeben zu haben, doch war darüber eine volle, Sicherheit nicht zu erhalten. Das kleinere mehr links von dem Leukocyten im Bilde gelegene Körperchen hatte inzwischen seinen Abstand von der Zelle nicht, wohl aber seine Gestalt verändert und war zu einem eckigen mit einem stärkeren gegen die Zelle gerichteten Fortsatze versehenen Gebilde um- gewandelt. Um 1 LThr wurde die Beobachtung abgebrochen und um 2 Uhr 30 ]\Iinuten wieder aufgenommen (Fig. 68 c). L^m diese Zeit war das dicht an dem Leukocyten gelegene Körperchen entschieden größer geworden; in seinem Inneren trat jetzt mit voller Schärfe ein stark lichtbrechen- des kernartiges Gebilde hervor, das früher zweifellos nicht vorhanden war, und das auch bis an das Ende der Beobachtung gut sichtbar blieb. Sonstige Strukturveränderungen, namentlich eine Granulierung des Körperchens, waren nicht kenntlich, dagegen war zweifellos ein ver- hältnismäßig langer Fortsatz vorhanden, der sich in fester Verbindung mit der Zelle befand, denn es gelang nicht durch leichte Flottierungen des Deckglases das Körperchen von der Zelle zu entfernen. Ich muß es jedoch unentschieden lassen, ob der Fortsatz des Körperchens in die Zelle eingedrungen oder nur mit ihrer Oberfläche fest verbunden war. Auch das kleinere links von der Zelle gelegene Körperchen lag jetzt der Zelle näher, es war entschieden vergrößert, hatte Birnform an- genommen mit einem zarten gegen die Zelle zu gelichteten Fortsatze, und zeigte in seinem Inneren gleichfalls, wie das große Körperchen, ein verhältnismäßig großes stärker lichtbrechendes Gebilde, das ebenso wie Löwit, Ätiologie ii. Pathol. d. Leukämie. 4 — 50 — (las analoge Gebilde des großen Körperchens weniger den Eindruck einer A'akuole als eines kernartigen Innenkörpers machte. In dem kleineren i'rei liegenden Körperchen war bereits um diese Zeit eine schwache Granulierung, namentlich in seinem linken Teile, kenntlich. Die Veränderungen, welche sich an diesen beiden Körperchen nun in der nächsten Zeit einstellten, bestanden im wesentlichen darin, daß beide noch mehr an Volumen zunahmen, und daß in beiden außer dem stark lichtbrechenden Innenkörper noch eine zarte Granulierung auftrat. Das kleinere frei gelegene Körperchen nahm nun etwa von 4 Uhr an- gefangen immer undeutlichere Konturen an, die Begrenzung war nicht mehr allseitig geschlossen, es sah um 5.30'' wie stark verquollen aus und konnte als solches nur mehr schwer erkannt werden : auch der stark lichtbrechende Innenkörper war um diese Zeit (Fig. 68 d) nur mehr undeutlich kenntlich. Das größere an der Zelle gelegene Körperchen Avar noch näher an die Zelle herangerückt und machte den Eindruck, als ob es mit einem Teile seines Leibes in der Zelle verschwunden wäre. Eine gewaltsame Trennung der beiden Elemente nach der früher an- gegebenen Methode gelang auch jetzt nicht. Von • diesem Zeitpunkte trat eine weitere Veränderung niclit mehr ein und die Untersuchung wurde um 7 Uhr Abends abgebrochen. Bei der Beobachtung dieser beiden Körperchen drängte sich sofort die Vermutung auf, daß man es mit veränderlichen Lebewesen zu thun habe; ich könnte mir das Auftreten der langsamen Gestaltveränderungen. des stark lichtbrechenden Innenkörpers, der zarten Granulierung, sowie die durch einen während der Beobachtung erst entstandenen Fortsatz hergestellte Verbindung des einen Körperchens mit der Zelle kaum anders erklären, bin aber nicht in der Lage, für diese Vermutung zunächst wenigstens einen Aveiteren Beweis beibringen zu können. Da ich nun trotz mehrfacher Wiederholung des A'ersuches eine analoge Beobachtung beim Falle Delago nicht mehr machen konnte, so bin ich auch nicht in der Lage, über die Beweglichkeit der vermeintlichen Körperchen im frischen Blute eine bestimmte Aussage machen zu können. Stellen die gesehenen Körperchen wirklich parasitäre Bildungen dar, so wird man dieselben unter den gewählten Versuchsbedingungen als nur schwer oder träge bewegliche bezeichnen müssen, denen eine amöboide Beweglichkeit nicht zukommt, die aber doch die Fähigkeit langsamer Gestaltveränderung besitzen. In diesem Falle könnten dann manche der in den beigegebenen Abbildungen befindlichen Formen, namentlich jene mit den kürzeren oder längeren Fortsätzen (Fig. 20, 22, 23, 36, 38, 49, 50, 51, 52, 57) als durch Eigenbewegung bedingte und im Bj'äparate fixierte Formveränderungen aufgefaßt werden. Es kann übrigens aus den hier mitgeteilten Beobachtungen über die Be- weglichkeit der beiden beschriebenen Körperchen gewiß kein allgemein bindender Schluß auf die BeAveglichkeit der betreffenden Gebilde über- haupt gezogen werden. Handelt es sich wirklich um Parasiten, so würde gewiß mit dem Umstände gerechnet werden müssen, daß die Beweg- lichkeit durch die Versuchsanordnung beeintlußt sein, und daß die be- treffenden Gebilde gerade nur in den durch die beiden gesehenen Körper- chen repräsentierten Stadien eine geringe Eigenbewegung zeigen, während sie in anderen Entwickelungsstadien eine weit lebhaftere Beweglichkeit be- sitzen könnten. Ist es doch auch von den Malariaparasiten bekannt, die ja, wie sich aus dem folgenden ergeben wird, manche Analogie mit den spezifi- schen Körpern des myelämischen Blutes erkennen lassen, daß selbst der — 51 — so lebhaft eigenbewegliclie Tertian})arasit nur in seinem Jugendstadium intensive Lokomotionserscheinungen darbietet, während der ausge- wachsene Parasit dieselben in weit geringerem Maße zeigt. Übrigens gewinnt man auch bei dem Studium der spezifischen Körper am fixierten und gefärbten Präparate den Eindruck, daß sofern es sich dabei um belebte Gebilde handelt, nicht sehr hochgradige Be- wegungsersclieinungen l)ei den verschiedenen Formen derselben mitge- spielt haben dürften. Bei der Beobachtung des myelämischen Blutes in der feuchten Kammer trat, namenthch wenn dieselbe bereits einige Zeit gedauert hatte, einigemale eine änfjerst autt'ällige Erscheinung zu Tage, welche gleich an dieser Stelle erwähnt werden soll. Ohne daß irgend eine äußere Veranlassung eingewirkt hätte, namentlich aber ohne daß eine Eintrocknung des Präparates in der feuchten Kammer hätte Platz greifen können, wurde plötzlich der Bluttropfen wie durch eine ruckartige oder peitschenartige Bewegung erschüttert; rote und weiße Blutkörperchen Avirbelten in unregelmäßiger Bewegung durcheinander und es dauerte eine Zeit lang, ehe sich wieder vollständige Ruhe eingestellt hatte. Alle meine Bemühungen, die Ursache dieser ruckartigen Bewegung aus- findig zu machen, waren vergeblich, sowohl am geheizten als am unge- heizten Objekttische, und ich kann nur der Vermutung Ausdruck geben, daß sie in Abhängigkeit steht von Bewegungserscheinungen der suppo- nierten Parasiten im myelämischen Blute. Da ich nun, Avie sich später noch zeigen wird, an den spezifischen Körpern des myelämischen Blutes gelegentlich, bei den infizierten Kaninchen jedoch sehr häufig „Geißel- forraen'^ (Fig. 71, 253, 254, 258 — 264) nachweisen konnte, die mit den geißeltragenden Parasiten des Malariablutes eine gewisse Verwandt- schaft besitzen, so bin ich geneigt, das Auftreten der beschriebenen ruckartigen Bewegungen auf die Ausstreckung der erwähnten Geißeln zu beziehen, die, wie es scheint, ebenso wie im Malariablute, nur unter l)estimmten Bedingungen aus den Parasiten hervortreten. Wir werden auf diese „Geißelformen" noch näher einzugehen haben; bei der Be- urteilung der Bewegungserscheinungen der spezifischen Körper des mye- lämischen Blutes müssen jedenfalls auch die beschriebenen ruck- oder peitschenartigen Bewegung erwähnt werden. Vergleicht man die hier gemachten Angaben über die Beweglich- keit der beschriebenen Körperchen mit dem früher bereits erwähnten Befunde von Maxnaberg über die von ihm gesehenen und als Parasiten ge- deuteten intracellulären Gebilde, so wird man wohl zweifellos zu der L berzeugung gpfangen müssen, daß die von Mannaberg und die von mir gesehenen Gebilde nicht identifiziert werden dürfen. Tliatsächlich hat ja auch Mannaberg Parasitenbefunde bei Myelämie nicht erheben können. Wir kommen auf Mannabergs Beobachtung bei Besprechung der Lymphämie noch zurück. Ob das früher erwähnte Auftreten des stark licht brecheiulen kern- artigen Innenkörpers und der zarten (n'anulierung in den beiden an- fangs völlig homogenen Körperchen mit Wachstums- und Neubildungs-, also vielleicht regenerativen Vorgängen im Zusammenhange mit dem scheinbaren Eindringen des einen Körperchens in den Leukocyten steht, oder ob diese Erscheinungen, was mir wahrscheinlicher ist, der Ausdruck degenerativer Vorgänge in den Körperchen darstellt, wage ich nicht zu entscheiden, möchte aber hier darauf hinweisen, daß an ausgewachsenen Malariaparasiten ganz analoge Erscheinungen auftreten und als degenera- 4* — 52 — tive Yerändeningen aufgefaßt werden (Mannaberg) ^). Für die Beurtei- Juiig der beschriebenen Körperchen als Lebewesen, sind auch die ge- nannten Phänomene gewiß von Wichtigkeit. Bei dem pseudoleukämischen Kinde Stecher (vergl. später), in dessen Blute analoge spezifische Körper, wenn auch lange nicht so zahlreich, wie beim Falle Delago nachgewiesen werden konnten, hatte ich gleich- falls Gelegenheit, einige Beobachtungen am nicht fixierten und nicht ge- färbten, in erwärmter 0,7 •'/o Kochsalzlösung suspendierten Blute sowie an dem durch Punktion am Lebenden gewonnenen Milzsafte, ebenfalls in Kochsalzlösung suspendiert, anstellen zu können. Auch hier konnte nur einmal eine Form gefunden werden (Fig. 69), die ich mich für berechtigt halte, den spezischen Körpern des Falles Delago an die Seite stellen zu dürfen. Es handelt sich um eine ziemlich große, rundliche, amöben- ähnliche Form mit drei schmalen Fortsätzen, deren Ausstrecken und Einziehen in langsamer Aufeinanderfolge zweifellos verfolgt werden konnte; eine Gestaltveränderung trat bei zweistündiger Beobachtmig am erwärmten Objekttische nicht auf. Das Körperchen lag von leuko- cytären Elementen ziemlich fern, frei im Plasma und zeigte in seinem Innern, sofort als es zur Beobachtung kam, einen stark liclitbrechenden, kernartigen Innenkörper, im übrigen aber keinerlei weitere Stuktur- details , die auch während der angeführten Beobachtungszeit nicht hervortraten. Der besseren A^ergleichung halber füge ich gleich hier ein gleichfalls extracelluläres spezifisches Körperchen des Falles Stecher aus dem fixierten und gefärbten Milzsafte bei (Fig. 70), das mit großer Wahrscheinlichkeit als ein völlig analoges Stadiumx der Fig. 69 be- zeichnet werden darf. Die Erscheinung eines hier (metachromatisch) gefärbten kernartigen Innenkörpers , von einem lichten Hofe allseitig umschlossen, innerhalb eines strukturlosen protoplasmaartigen Leibes, tritt hier mit großer Klarheit zu Tage. b) Form und Größe der speziflscheu Körper. Die Beobachtungen am möglichst frischen, nicht fixierten Blute verfolgten neben dem bereits erwähnten Ziele, Aufschluß über die Be- weglichkeit der spezifischen Körper zu erhalten, auch noch jenes, die Form und Größe der betreffenden Gebilde am nicht fixierten Präparate festzustellen. Gewiß war hier der Gedanke ein sehr naheliegender, daß so eigenartige und zarte Gebilde, wie es doch die spezifischen Körper nach allem über sie bis jetzt Mitgeteilten zu sein scheinen, durch die Ausbreitung des Bluttropfens zwischen den Deckgläschen und durch das Antrocknen wesentliche Veränderungen in ihrer Größe und Gestalt gegen ihr normales Aussehen im frischen Blute erleiden müssen. Dieses Ziel konnte nun, weil die spezifischen Körper im frischen Blute nicht mit genügender Sicherheit erkannt werden konnten, nicht erreicht werden, und ich habe es Avegen des soeben angeführten Bedenkens auch unter- lassen, Größenbestimmungen der spezifischen Körper am fixierten Blute vorzunehmen; dieselben können nach meinem Dafürhalten nur am frischen Blute oder am fixierten Blute nach Auffindung einer spezifischen Färbungs- methode von Wert sein (vgl. Kapitel XIX). Daß bei diesen Körpern jedenfalls sehr verschiedenartige Größen von den kleinen scheibchenartigen 1) Die Malariakrankheiten. Aus v. Nothnagels spezieller Pathologie und Therapie. Wien, Holder, 1899. S. 37. — 53 — Formen (Fig. 26, 28, 43, 53, 58, 67) bis zu großen, klumpigen, amöben- artigen Formen (Fig. 24, 35, 36, 37, 38, 41, 44—46, 49—51, 56, 57) in I)etracht kommen, geht übrigens auch aus dem Studium des fixierten und gefärbten Objektes, auch bei Anwendung der bisherigen Methoden hervor. Inwieweit bei der Beurteihmg dieser verschieden großen und verschieden gestaltigten Formen die ^lethode der Antrocknung des IJlutes am Deck- glase in Betracht zu ziehen ist, werden erst weitere Untersuchungen er- geben können. c) Segmeiitation (Sporulatioii) an den spezifischen Körpern. Die Vermutung nun, daß die beschriel)enen spezifischen Körper des myelämischen Blutes parasitäre Gebilde darstellen, konnte aller- dings durch das Studium des frischen Blutes nicht sicher erwiesen werden, aber sie erhielt durch diese Beobachtungen doch insoweit eine Stütze, als die betreffenden Gebilde als schwach oder träge bewegliche Formen erkannt werden konnten, an welchen ganz bestimmte Differen- zierungserscheinungen hervortraten. Weitere Stützen dieser Vermutung sind, wie bereits bemerkt 1. der Nachweis eigenartiger, segmentierter Körper, welche gelegentlich Morulaform besitzen und als der Ausdruck einer Vermehrung und Neubildung der spezifischen Körper aufgefaßt werden können; 2. der Nachweis von sogenannten Navikelforraen im Blute, welche eine auftallende Ähnlichkeit mit den sogenannten Sichel- keimen mancher Protozoen darbieten, und an denen selbst wieder auf Teilung und Neubildung hinweisende Erscheinungen konstatiert werden konnten, und 3. endlich der Nachweis besonderer spezifisch färbbarer Formen in den blutzellenbildenden (Leichen) Organen und in den soge- nannten sekundären (metastatischen) Lymphomen myelämischer Individuen, die, wie sich später ergeben wird, höchstwahrscheinlich als Dauer- formen angesprochen werden dürfen. So läßt sich also, wenn erst einmal die zum färberischen Nachweise dieser schwer darstellbaren spezifischen Körper nötigen Untersuchungsmethoden ermittelt sind, die ich selbst nur schrittweise und auf mühevollen und zeitraubenden Umwegen auf- finden konnte , eine Formenreihe zusammenstellen , welche als der Aus- druck einer bestimmten Entwickelung und Vermehrung der spezitischen Körper angesehen werden kann, wodurch die Auflassung derselben als parasitäre, belebte Gebilde sich auch beim Studium des fixierten und gefärbten Präparates aufdrängt. Diese Formenreihe soll nun im folgenden auf Grund der gesehenen Bilder herzustellen versucht werden. Die Segmentierung stellt sich, da wo sie konstatiert werden kann, als ein Zerfall größerer, klumpiger, amöbenähnlicher Körper in kleinere entweder distinkt oder gehäuft liegende scheibchen- oder kreisförmige Gebilde dar (Fig. 28, 53, 54, 58, 67), wodurch gelegentlich der Eindruck echter Morulaformen erzeugt werden kann (Fig. 28 im unteren Ab- schnitte, 58 und 67). Im allgemeinen muß aber gesagt werden, daß solche distinkte Bilder nicht "allzu häufig gesehen wurden; liegen die Segmente sehr dicht beisammen, so ist ein klarer Einblick in die Figur nicht zu erhalten, gerade solche Bilder sind aber gar nicht selten. Hier hängt alles davon ab, daß bei der Ausbreitung und Fixierung des Bluttropfens am Deckglase keinerlei ZellenUision aber auch keinerlei Verzerrung und Zerreissung der spezifischen Körper zu Stande kommt. Anderseits liegt aber gerade beim Studium der segmentierten Formen, wenn sehr kleine Seemente vorhanden sind, die Gefahr einer Verwechse- - 54 — lung mit basophilen Graniilis nahe, und eine sichere Entscheidung ist, wie bereits erwähnt wurde, auf alleiniger Grundlage der bisher geübten färberischen Darstellung, bei den ganz kleinen spezifischen Körpern nicht immer möglich; alle derartige Formen wurden aber von vorneherein von den spezifischen Körpern ausgeschlossen. Wo aber klare Bilder, wie namentlich in den Figuren 28, 58 und 07 vorliegen, wird der Eindruck nicht von der Hand gewiesen werden können, daß ein Zerfall größerer in kleinere Elemente vorliegt. Nament- lich der Umstand, dal:i in solchen Bildern die einzelnen Segmente teil- weise Avenigstens mit voller Schärfe hervortreten (Fig. 28 und G7 im obern Teile), als ob sie von dem noch nicht ganz segmentierten untern Teile der betreffenden Figuren sich ablösen, sich von ihr entfernen würden, spricht zu gunsten dieser allerdings nicht direkt zu erweisenden Auflassung. Wo die einzelnen Segmente klar erkannt werden können, stellen sie entweder scheibchen- oder kugelförmige Gebilde dar, an denen vielfach eine Difl'erenzierung in einen kernartigen, dunkler gefärbten und einen protoplasmaartigen, lichteren Teil hervortritt (Fig. 28, 67), doch kann diese Difl'erenzierung auch oft fehlen (Fig. 53, 54, 58) und gelegentlich kann sie in einzelnen Segmenten siclitbar, in andern der gleichen Figur jedoch unsichtbar sein (Fig. 28, 67) ; hierbei spielt die mehr oder minder günstige Lagerung der einzelnen Segmente, sowie der Grad der Färbung eventuell Entfärbung gewiß eine sehr Avesentliche Rolle. An Thioninpräparaten tritt auch an derartigen kleinen Formen mehrfach bereits der centrale lichtere Teil in einzelnen Segmenten hervor (Fig. 67). Diese kleinen Segmente wären dann als die Jugend formen des Parasiten, als junge Kei mlinge (Sporozoiten), zu bezeichnen, die durch einfachen Zerfall aus den größeren Formen hervorgehen; eine amitotische oder mitotische Teilung scheint dabei nicht in Betracht zu kommen, doch ist zu berücksichtigen, daß eine weitere Vervollkommnung der Methode auch hier zu neuen Erfahrungen führen dürfte. Da man nun die größeren klumpigen Formen in Ein- oder Mehrzahl in oder an der Zelle sehr häufig, auf Segmentation hinweisende Formen aber bei einzelnen Fällen wenigstens nur verhältnismäßig selten vorfindet, so wird dadurch der Gedanke nahegelegt, daß die Segmentierung sich vielleicht an einem anderen Orte als im peripheren Blute abspielt, oder daß sie im peri- pheren Blute nur zeitweise oder verhältnismäßig rasch abläuft, so daß in der Regel nur Avenige auf Segmentierung hinweisende Formen ziu' Beobachtung gelangen. Ich möchte mich, ganz abgesehen von später zu berichtenden Erfahrungen, vorläufig deshalb für die letztere Annahme aussprechen, weil ich in dem durch Punktion am Lebenden gewonnenen Milzsafte so- wohl beim MyelämikerDelago als beim pseudoleukämischen Kinde Stecher ganz anlöge Verhältnisse wie im peripheren Blute nachweisen konnte. Die Figur 28 und zum Teile auch die Figur 67 scheinen auf einen zur Zeit der Fixierung des Präparates ungleichmäßigen Ablauf der Segmentierung hinzuweisen, indem namentlich in Fig. 28 im oberen Teile derselben bereits gut entwickelte Sporozoiten gelegen sind, während im unteren Teile der Figur die Segmentierung noch nicht so Aveit ge- diehen zu sein scheint; ob hierin der Ausdruck verschiedener Entwicke- lungsphasen oder Entwickelungsperioden des vermeintlichen Parasiten gegeben ist, wage ich nicht zu entscheiden. Immerhin wird man bei dem gegemvärtigen Stande der zur Verfügung stehenden Färbungs- methoden der ErAvägung Raum geben müssen, daß, wie das ja auch im vorausgehenden bereits betont wurde^ einzelne dieser kleinen Formen, — 00 — an denen manchmal bestimmte Charaktere niclit erkennbar sind, der Keihe der baso})hilen Granuhationen angehören können. Es erscheint wichtig liervorziiheben, daß sich bei den verwendeten Methoden weder in den sogenannten segmentierten Formen, noch in den als junge Keimlinge bezeichneten (iebilden, noch in den ganz großen, klumpigen, amöbenähnlichen Körpern, noch in den verschiedenen mittel- großen Formen (Fig. 40. 42, 43. (!5) irgend etwas vortindet. Avas als Membran oder Hüllenbildung derselben angesprochen werden konnte, wenn auch manchmal eine dunklere Färbung der Kandpartie namentlich bei den größeren amöbenähnlichen Formen auffiel; auch an den Avenigen am frischen Blute gesehenen hierher gerechneten Gebilden wurde nichts derartiges konstatiert. Haben wir es m i t hin mit einem Parasiten zu thun, so ist er w'ahr scheinlich hüllenlos, was von dem (je- sichtsi)unkte , daß hauptsächlich die Leukocyten als Aufenhaltsort der betreli'enden Körper anzusprechen sind, wohl als eine Anpassungser- scheinung aufgefaßt werden kann, die sich bei zahlreichen echten Zeil- schmarotzern wiederfindet. Hier übernimmt höchstwahrscheinlich die Zelle selbst die Rolle des Hüll- oder Schutzorganes, weshalb die Aus- bildung einer eigenen Membran überflüssig geworden sein dürfte. Stellt nun die beschriebene Segmentierung thatsächlich den Modus der Neubildung und Vermehrung des betreffenden Parasiten dar, so ist es streng genommen nicht statthaft, denselben als einen Sporulati o ns- vorgang und den betreffenden Parasiten als einen sporulierenden zu bezeichnen, da eben wegen des Mangels einer Membran von einer Sporenbildung nicht gesprochen werden kann. Der Name der Sporula- tion hat sich aber bei den Malariaparasiten, für welche ja im wesent- lichen die gleichen Verhältnisse gelten, so eingebürgert, daß er nicht mehr zu eliminieren ist und daher wohl auch für die spezifischen Körper bei der Myelämie wird beibehalten werden müssen. Man hat daher gerade bei den Malariaparasiten und bei den in die gleiche Familie gehörigen anderen Arten von nackten Sporen (Gymnosporen nach Labbe^) ge- sprochen, und dieses Merkmal geradezu als Einteilungsprinzip für die ganze Familie acceptiert, die nach v. Wasielewski'-) als Acystosporidien bezeichnet wurden; wir kommen darauf noch zurück. Die für die spezifischen Körper des myelämischen Blutes be- schriebene Sporulation , die ihren hervorstechendsten Ausdruck in dem Aul- treten der sogenannten Morulaform findet, habe ich vorwiegend nur intra- cellulär oder cellulär. ganz ausnahmsweise auch extracellulär gesehen, wobei noch dazu unentschieden gelassen werden muß. ob diese extracellulären Formen nicht erst bei dem Verstreichen und Antrocknen des Präparates aus ihrem Zusammenhange mit den Zellen gelöst wurden. Eine mehr regel- mäßige P'orm der Sporulation, wie sie der bekannten Rosetten- oder Gänseblümchenform der Malariaparasiten entspricht, habe ich bei den spezifischen Körpern des myelämischen Blutes bisher nicht beobachten können. Dagegen ist die Ähnlichkeit der hier beschriebenen Morulaform mit der analogen Sporulationsform bei dem Tertianparasiten der Malaria ge- wiß bemerkenswert, wie die diesbezüglichen Abbildungen bei Gautier ^), Ziemann*), Mannaberg ^) und anderen zur Genüge erkennen lassen. 1) Archives de Zoologie experimentale. III. Serie T. T, II. 2) Sporozoenkunde. Jena, Fisciier 1896. S. 71 f. 3) Zeitschr. f Hygiene und Infektionskrankh. 1898. Bd. 28. S. 488 f. Taf. V. i) Über Malaria- und andere Blutparasiten etc. Jena, Fischer 1898. ö) Die Malariaparasiten. Wien, Holder 189.3 und die Malariakrankheiten. Wien, Holder 1899. Spezielle Pathol. und Therap. v. Nothnagel II. Band, IL Teil. ~ 56 — Allerdings macht sich aber hier auch sofort wieder ein Unter- schied in dem Fehlen jeglicher deutlichen Andeutung eines sogenannten „Restkörpers" bei den spezifischen Körpern des myelämischen Blutes geltend, während er bei den pigmentbildenden Malariaparasiten haupt- sächlich durch das an der 8porulation nicht teilnehmende Pigment ge- bildet wird. Ein tiefgreifender Unterschied ist dadurch nur insofern gegeben, als eben die spezitischen Körper in den Leukocyten des mye- lämischen Blutes niemals mit Pigment vergesellschaftet vorkommen, w^is wohl in der Natur der Zellen, in denen sie sich befinden (Wirtszellen), begründet ist. Übrigens muß bemerkt werden, daß bei den auf Sporu- lation hinweisenden Bildern des myelämischen Blutes zwischen den einzelnen kleinen Teilstücken (Keimlingen) häufig eine eigenartige , sich dunkelfärbende, nicht näher zu difi'erenzierende Substanz gefunden wird (Fig. 53, 54, 67), w^elche wohl kaum als Leibessubstanz des ver- meintlichen Parasiten gedeutet werden kann und möglicherweise als Analogon eines ^„Piestkörpers" aufzufassen ist (vgl. Kapitel XIX). In den großen, klumpigen, amöbenähnlichen Körpern des myelä- mischen Blutes, treten, wie bereits bemerkt wurde, häufig Differenzierungen hervor, welche wahrscheinlich gleichfalls zu Segmentations- eventuell Sporulationsvorgängen in Beziehung gebracht werden müssen: ich meine den Nachweis eines oder mehrerer kernähnlicher Bildungen im Innern derselben, w^ie sie in den Figuren 23, 24, 36, 37, 38, 50, 51, 57 zu Tage treten. Ob wir bei diesen großen, also wohl reifen, erwachsenen Formen eine Vereinigung mehrerer spezifischer Körper mit je einem Kerngebilde, also ein wahres Plasmodium im Sinne der Zoologen vor uns haben oder einen einzigen spezifischen Körper, der im ausge- bildeten Zustande mehrere kernähnliche Gebilde besitzt, wage ich nicht zu entscheiden. Ich neige mehr der letzteren Vermutung zu und glaube, daß es sich bei diesen großen Formen um ein Vorstadium oder ein Vorbereitungsstadium zur nachfolgenden Teilung oder Sporulation in kleine Keimlinge handelt. In dieser Beziehung wird man w^ohl auch die Figur 25 kaum anders auffassen können als den Ausdruck einer solchen Sporulation oder Segmentierung einer großen amöbenähnlichen Form in drei Segmente oder Keimlinge. Ich bin geneigt, auch den großen lichten Hof, der in Fig. 41 im Innern eines großen spezifischen Körpers bei der Thioninrnethode hervortritt, im dem Sinne aufzufassen, daß hier wahrscheinlich mehrere ungefärbt gebliebene kernähnliche Ge- bilde, wie sie etwa in den Fig. 36, 38 oder 57, nach der LöFFLER-Blau- methode gefärbt vorhanden sind, die scheinbare Vacuole bedingen. Man wird aber bei der Beurteilung derartiger Verhältnisse nicht vergessen dürfen, daß die beiden hauptsächlich benützten Färbemethoden (erwärmtes LöFFLER-Blau und Thioninlarbung) doch nicht ganz gleich- wertig sind, und daß wir über die durch dieselben bedingten Differenzie- rungen in den spezifischen Körpern noch nicht genügend orientiert sind. Im allgemeinen fällt es auf, daß bei der Thioninfärbung die Peripherie der spezifischen Körper in der Regel glatt begrenzt und der ganze scharf umschriebene Körper von meistens ausgesprochen rundlicher Form erscheint, wodurch eine gewisse Einheitlichkeit des Bildes hervorgerufen wird (Fig. 40—46, 65 — 67). Bei der Methylenblaufärbung kommen zwar solche Bilder gleichfalls vor, in vielen Präparaten erscheinen aber die Körper nicht so scharf begrenzt, man sieht mehr oder weniger deut- liche Zacken und Fortsätze an ihnen (Fig. 20, 22 — 24, 47 — 52^, und jene Bilder , welche geradezu als der Ausdruck von Bewegungs- - 57 — Grscheinunp;en an den s])ezifis'chen Körpern aufgefaßt werden können (Fig. 32, 33, 36, 38, 57), treten bei der Methylenblaufärbung viel klarer hervor. Jedenfalls macht sich bei beiden Methoden eine große Form- gestaltung der spezitischen Körper geltend, die leicht den Verdacht er- wecken könnte, daß verschiedenartige, nicht zusammengehörige Gebilde liier /usammengefaßt erscheinen, oder daß, wenn es sich um ein Lebe- wesenhandelt, diesem ein nicht unbeträchtlicher l'olymorpliismus zukommt. Ich möchte mich über diese Verhältnisse vorläuiig noch nicht aus- sprechen, glaube aber wohl darauf hinweisen zu dürfen, daß ein Teil des Polymorphismus auf Rechnung der Fixierungsmethode zu setzen sein könnte. Keinesfalls aber bin ich der Meinung, daß dieser Polymorphismus in dem von Laveran^) für die Malariaparasiten von Anfang an und auch heute noch vertretenem Sinne von Artverschiedenheiten des Parasiten aufzufassen ist, sondern bin geneigt denselben, außer auf den bereits be- rührten Umstand auch noch auf die, wenn auch nur geringgradige Beweg- lichkeit der spezifischen Körper zurückzuführen. (!) DiflFereiizieruug- in Ecto- und Entoplusm.i, Pei den nach beiden Methoden gefärbten Präparaten gewinnt man den Eindruck, daß außer den im Innern der spezifischen Körper hervortretenden und bereits beschriebenen Differenzierungen auch noch in manchen Fällen an der Peripherie Verschiedenheiten zu Tage treten, welche auf ein Ecto- und ein Entoplasma hinzuweisen scheinen (Fig. 30, 38, 71), und daß es gerade das an der Peripherie gelegene Ectoplasma ist, welches an den Bewegungserscheinungen der spezitischen Körper vorwiegend beteihgt ist, Ob nun die äußere Schichte geradezu als „Be- wegungsplasma" anzusprechen ist, mag dahingestellt bleiben, aber es kann nicht verkannt werden, daß durch eine solche Sonderung an den spezi- fischen Körpern in die genannten zwei Schichten die Beziehung derselben zu parasitären Bildungen, speziell zu den einzelligen Tieren, an Wahr- scheinlichkeit gewinnt, an denen gleichfalls Ectoplasma, Entoplasma und Kern unterschieden wird. Diese äußere Schichte kommt nur bei der Methylenblaufärbung in vielen Fällen sehr gut zur Darstellung, indem sie entweder wie in den letztangeführten Figg. 30, 38, 71 als gesonderte Schichte hervortritt, oder es sind, wie in den meisten Fällen nur dunkel gefärbte Fortsätze an der Peripherie der spezifischen Körper vorhanden, ohne daß eine besondere Abgrenzung gegen andere Teile des spezitischen Körpers hervortreten würde. Alle diese Differenzierungen an der Peripherie sind bei der Thioninfärbung schwächer entwickelt, doch wurden auch bei dieser Andeutungen der gleichen Verhältnisse wie bei der LöFFLER-Blaufärbung konstatiert. Die beiden Färbemethoden sind daher, wie aus den verschiedenen diesbezüglichen Angaben hervorgeht, durchaus nicht gleichwertig, und es wird bei weiteren Untersuchungen wohl die Frage zu berücksichtigen sein, ob nicht jede' der beiden Methoden für dift'erente Entwickelungsstadien besonders gihistige Resultate giebt. e) (ieißelformen der spezifischen Körper. Solche Fälle, wie sie in Figur 71 dargestellt sind, weisen gerade- zu auf „Geißelformen" und ..Geißelfäden" der Malariaparasiten hin. 1) Vgl. die Literaturangaben bei MANNABERr, 1. c. — 58 — die bereits von Laveran und seither allerdings mit verschiedener Deutung von vielen Beobachtern gesehen und beschrieben worden sind. Lateran hielt die Geißelfäden für die höchsten Entwickelungsstufen des Parasiten, die aus den sogenannten sphärischen Körpern hervorgehen und zur Fort- pflanzung des Parasiten dienen, Grassi und Feletti ^) halten die Geißel- fäden für Absterbeerscheinungen, und ihrer Anschauung haben sich auch Labbe und Wasieleavski 2) angeschlossen. Damlewsky^) hat Geißelformen an gewissen, den Malariaparasiten nahe verwandten Blutparasiten bei Vögeln, namentlich in den Leukocyten der Xachteule, sehr reichlich ange- troffen, er hält sie für eine besondere Species (Polymitus avium) und bringt die Geißelformen der Malariaparasiten des Menschen (Polymitus- formen) in innige Beziehung zu ihnen. ]\Jannaberg*) nimmt für die Entstehung und Deutung der (üeißelfäden bei den Malariaparasiten eine gewisse Sonderstellung ein. Er weist zunächst nach, daß die Geißel- faden bei allen Malariaparasiten vorkommen, womit die Annahme Laveran's, daß sie aus den bloß bei den malignen Malariaforraen nach- weisbaren sphärischen Körpern und den ihnen nahe verwandten Halb- monden (corjjs en croissant) entstehen, hinfällig wird. Nach Mannaberg bilden sich die Geißelfäden aus den großen entwickelten Körpern der Malariaparasiten manchmal schon wenige Augenblicke nach der Blut- entnahme, manchmal erst nach 10 — 30 Minuten; er hält die Fäden durchaus nicht ausschliesslich als Agonieprodukte, sondern ist der An- sicht, „daß wir in den Geißelfäden Organe zu erblicken haben, welche die Anpassung der Parasiten an saprophytische Verhältnisse vermitteln. Ich vermute, daß die (jeißelkörper den ersten Beginn einer Lebensweise außerhalb des menschlichen Körpjers darstellen und daß infolge des nicht zusagenden Nährbodens das Absterben der jungen Saprophyten eintritt." Manson^) hat diese Anschauung dahin erweitert, daß die Geißelfäden als geißelführende Sporen anzusprechen sind, welche außerhalb des menschlichen Organismus in nicht näher bekannte Zellen eindringen und auf diese Weise die Fortexistenz des Parasiten in einem andern Wirte sichern. Sagharoff^) weist in den Geißelfäden Chromatin in Klumpen oder Fibrillenform nach, er hält sie geradezu für freige- wordene Chromosomen, während Ziemann') zwar gleichfalls in einzelnen Fällen Chromatinreste in den Geißelfäden nachweisen konnte, er glaubt aber, daß es sich bei den Geißeln um chromatische oder achromatische Substanz handelt, die aus dem steril werdenden Parasiten herausge- treten sind. Was nun die Geißelformen der spezifischen Körper im myelämischen Blute anbelangt, so habe ich die direkte Entstehung derselben unter dem Mikroskope nicht verfolgen können, ich kenne sie hier nur nach den Bildern der fixierten Blutpräparate. Ich habe bereits erwähnt, daß am nicht fixierten Blutpräparate gelegentlich eigenartige ruckartige, wie durch kurze Peitschenhiebe bedingte Bewegungen der roten und weißen lUutkörperchen gesehen Averden können, die ich geneigt bin zu den Be- wegungen der Geißelfäden an den spezifischen Körpern in Beziehung 1) Riforma med. 1890. p. 62. 2j a. a 0. S. 74. 3) Annales de f Institut Pasteur 1890. T. IV. pg. 753 f. 4) Die Malaiiaparasiten etc. S. 33. Die Malariakiankheiten etc. S. 40 f. ä) British med. Journal 1897. p. 68. July 10. nnd The Lancet 1890. II. p. 1715. ß) Centralbl. f. bakteriol. etc. I. 1895. Bä. 18. S. 374. '!) a. a. 0. S. 30 f. — 59 — zu bringen. Die Geißelfäden selbst stellen, nach dem was ich bisher darüber gesehen habe, eigenartige meist schmale, gerade oder gewundene, ab und zu auch klobig am Ende oder während ihres Verlaufes ange- schwollene Fortsätze dar, welche manchmal nur in der Einzahl, in der Regel aber in der Mehrzahl und zwar stets endständig an den spezifischen Körpern vorhanden sein können. Ich kann sie auf Grund meiner Er- fahrungen nur als Teile des Ectoplasma ansprechen (Fig. 71) und glaube auch, dalj die kleinen dorn- oder hackenartigen Fortsätze, die man so häutig an den spezitischen Körpern konstatiert, zu ihnen in sehr naher Beziehung stehen. Mit der soeben ausgesprochenen Anschauung steht es nicht im Widerspruche, daß manchmal auch Teile des Entoplasraa in den Geißelf aden erscheinen, entweder größere Partikelchen desselben oder nur feinere Granula, ebenso wie ja auch in die Geißelfäden der Malaria- ]»arasiten gelegentlich Pigment oder Chromatinteile des Parasitenleibes übertreten können. Die Geißelfäden der spezitischen Körper des myelämischen Blutes sind an guten Ausstrichpräparaten keine gar zu häutige Erscheinung, ja sie können vielfach wohl auch ganz fehlen. Ich habe nach meinen Beobachtungen den Eindruck gewonnen, daß sie um so reichlicher im Präparate gefunden werden, je mehr lädierte und schlecht tixierte Leuko- und Erythrocyten vorhanden sind, je schlechter also die Ausstreicliung und Fixierung des Bluttropfens am Deckglase erfolgt ist, und daß sie in gut fixierten Präparaten recht selten angetroffen werden. Ich habe gerade von diesem Gesichtspunkte aus, die verschiedenen Methoden, Avelche für das Ausstreichen des Bluttropfens angegeben worden sind, auch für den vorliegenden Zweck geprüft, ich kann aber nicht finden, daß bei guter Handhabung das Auseinanderziehen zweier dünner Deck- gläschen sich gegenüber dem bloßen Ausstreichen durch die Kante des obern Deckglases schlechter bewährt hätte. Am vorteilhaftesten für den vorliegenden Zweck erscheint mir die Ausbreitung eines kleinen Blut- tropfens auf dem Deckglase durch eine gewöhnliche Platinnadel, wobei- jeglicher Druck und Zug auf die verschiedenen Elemente des Bluttro])fens vermieden wird. Thatsächlicli habe ich bei dieser Methode der Blut- verteilung immer nur vereinzelte (ieißelfäden im Präparate angetroffen, vollständig vermißt habe ich sie auch hiebei nicht. Die Ausbreitung des Bluttropfens mit der Platinnadel kann übrigens, weil man das Blut dabei doch nicht in so dünner und gleichmäßiger Schichte verteilen kann, die EHRLicu'sche Methode des Auseinanderziehens zweier dünner Deckgläschen in keinerlei Weise ersetzen. Wo es darauf ankommt die Beziehung der spezitischen Körper zu den Leukocyten des myelämischen Blutes zu verfolgen, wird man diese letztere Methode nicht entbehren können. Ich kann mich zunächst in bestimmter Weise darüber nicht aus- sprechen, ob die Geißelfäden bereits intravital in geringer Zahl vor- handen sind und außerhalb des Organismus unter gewissen Bedingungen an Zahl zunehmen, oder ob sie nur bestimmten Stadien der spezifischen Körper angehören. Jedenfalls erscheint in dieser Beziehung bemerkens- wert, daß ich sie bisher nur an den großen klumpigen also ausgewachsenen Formen der spezifischen Körper, niemals an den kleinen Keindingen gesehen habe, w^as ja mit gewissen Erfahrungen über die analogen (Ge- bilde bei den Malariaparasiten in guter Übereinstimmung steht. Mit der Neubildung der spezifischen Körper scheinen mir die Geißelfäden in keiner Beziehung zu stehen, hiefür dürften die beschriebenen Er- scheinungen der Segmentierung und Sporulation allein aufzukommen — 60 — haben. Icli liabe in keinem meiner Präparate weder beim myelämischen Blute des Menschen, noch auch beim leukämisch infizierten Kaninchen (vgl. später Kapitel XIV c.) irgendwelche Bilder gesehen, die auf eine Beziehung der Geißeln zur Fortpflanzung der Parasiten hinweisen würden, wie das Manson^), Mac Callum^) und Ziemann ^) für die Malariaparasiten und verwandte Arten angeführt haben. Ich möchte die Geißelfäden auch nicht geradezu als Agonieprodukte bezeichnen, sondern neige am meisten der von Maxxaberg ausgesprochenen Vermutung zu, daß sie Anpassungserscheinungen an sapropliytische den eigentlichen Lebensbe- dingungen der spezifischen Körper nicht mehr vollkommen zusagende Verhältnisse darstellen. Ich werde in dieser Annahme, ganz abgesehen von den oben erwähnten Erscheinungen am meisten dadurch bestärkt, daß die Geißelfäden an den spezifischen Körpern des leukämisch infizierten Kaninchens (vgl. später) sowohl im peripheren Blute als in den inneren Organen in sehr großer Zahl auftreten unter Verhältnissen, die, wie wir später sehen werden, kaum eine andere Deutung zulassen, als daß diese Gebilde im Kaninchenorganismus doch nich so entsprechende und zur Entfaltung ihrer pathogenen Eigenschaften so zusagende Lebensbe- dingungen wie im menschlichen Organismus vorfinden. Ob übrigens die Geißelfäden, w^elche an den spezifischen Körpern der Figuren 51 und 56 zu Tage treten, in die gleiche Kategorie wie die bisher besprochenen gehören, soll hier nicht weiter erörtert werden, meine Erfahrungen reichen dazu nicht aus. Ich habe aber doch gegen- wärtig bereits den Eindruck empfangen, daß Geißelfäden an verschieden- artigen Formen und wahrscheinlich auch Geißelfäden von verschiedener Wertigkeit auftreten können. Dabei möchte ich hier noch auf die Figur 55 hinweisen, in welcher ja gleichfalls fortsatz- und geißelartige Gebilde an den ganz auffallend deformierten spezifischen Körpern vor- handen sind. Ich bin jedoch geneigt solche Formen, die man gar nicht so selten antreft'en kann, als durch Druck und Zug verzogene daher abnorm veränderte Formen anzusprechen und möchte bei dieser Ge- legenheit nochmals betonen, daß man bei der Feststellung der Form und Größe der spezifischen Körper des myelämischen Blutes am fixierten Objekte immer wird berücksichtigen müssen: 1. die Methode der Fixierung und Färbung, 2. die auf Beweglichkeit hinweisender Vor- gänge am Ectoplasma, welche auf die Formgestaltung von ausschlag- gebenden Einfluß sein dürften, und 3. die Erscheinungen, welche durch ungünstige Einflüsse, als abnormer Druck, Zerrungen und ähnliches, die Form der spezifischen Körper zu verändern imstande sein dürften. f) Sichel- oder Navikelformeii der spezifischen Körper; dimorpher Entwicklungsgang'. Es ist bereits mehrfach hervorgehoben und früher auch genauer erörtert worden, daß bei dem Myelämiker Delago im peripheren Blute an zwei Tagen der etwa einen halben ^lonat währenden Beobachtung deutliche Sichelformen mit kernartigen Inhaltskörpern nachgewiesen werden konnten (Fig. 28, 29, 30, 31,^32), die später an dem 'gleichen und an allen übrigen Fällen von Myelämie in solcher Prägnanz nicht mehr aufzufinden waren. Thatsächlich war es auch die Auffinduno- dieser und 1) British med. journ. 1898 N. 1909. 2) Tho Journal of experim. medicine. Yol. 111. 3) Arch. f. Schiffs- und Tropenhygiene 1898. Bd. II. S. 345. — 61 — äbnliclier Formen am 15. Dezember 1897, welclie sofort den Gedanken nahe legte, daß hier ganz spezifische und höchstwahrscheinlich parasitäre Bildungen vorliegen, da die Ähnlichkeit dieser (jebilde mit den soge- nannten Sichelkeimen bei den Sporozoen, sowie zum Teile wenigstens mit den bekannten Halbmonden und Sphären der Malariaparasiten in die Augen springend ist. Bei den Sporozoen, nach Bütschli ^) der zweiten Klasse der Protozoen, ist die Verbreitung der Sichelkeime eine sehr große. Die jungen meist in derben Hüllen (Sporen) eingeschlossenen Keimlinge (Sporozoiten) zeigen entweder Sichel- oder Amöboidform, die in einander nicht überzugelien scheinen. Bei der ersten Ordnung der Sporozoen, den Gregarinen, sind Sichelkeime bisher in allen oft sehr vielgestaltigen Sporen nachgeAviesen worden; bei der zweiten Ordnung, den Hämosporidien, zeigen die kleinen Keimlinge, die sogenannten Mikrosporozoiten, gleichfalls regelmäßig die Sichelform, während sie bei den großen Keimlingen, den sogenannten Makrosporozoiten, in der Regel fehlt ; bei der dritten Ordnung, den Coccidien, geht die Bildung der Keime in Cysten vor sich, welche entweder Sichelform oder Kugelform besitzen (kugelige Sporoblasten); bei der vierten Ordnung, den Acystosporidien (Gymosporidien nach Labbe) sind die stets hüllenlosen Keime entweder amöboid oder sichelförmig, die überwiegende ^lehrzahl der hieher gehörigen Gattungen, namentlich die Blutzellenschmarotzer (Haemamöbiden) zeigen nahezu ausschliesslich Amü- boidkeime, nur bei gewissen zu den Acystiden gerechneten Epithelzellen- schmarotzern (Karyophagus Steinhaus) kommen Sichelkeime vor; bei der fünften Ordnung, den Myxosporidien, sind Sichelkeime nicht bekannt, während sie bei den gleichfalls den Sporozoen zugerechneten Sarko- sporidien (bei Schneidemühl die vierte Ordnung der Sporozoen) reichlich bei den verschiedenen Familien, namentlich den sogenannten MiESCHEP.'schen Schläuchen (als l\AixEY\sche Körperchen bekannt) vorkommen. Jeden- falls sind nach den bisherigen Beobachtungen die Sichelkeime, da wo sie vorkommen, als jugendliche Keime aufzufassen, die zur Verbreitung und Vermehrung der betreffenden Parasiten in innigster Beziehung stehen. Auf die wichtigen von Sghaudinn und Siedlegki aufgedeckten Beziehungen der Sichelkeime zur geschlechtlichen Fortpflanzung bei gewissen Sporozoen werden wir sofort einzugehen haben. Was nun die Halbmonde (corps en croissant) der Malariaparasiten anbelangt, so kann hier unmöglich in das Detail dieser vielumstrittenen Frage eingegangen werden, nur das Wichtigste sei hier kurz berührt. Lateran ^) hielt die Halbmonde ursprünglich für ein Attribut der Malaria- parasiten überhaupt, für ein bestimmtes Stadium ihrer Entwickelung, er beobachtete den Übergang derselben in eine Spindel, ein Oval und schließlich in einen sphärischen Körper ; er faßte die Halbmonde und die aus ihnen hervorgehenden Sphären für Cysten auf, von denen die Geiijelfäden abgehen, Avelche nach seiner Auffassung für die Entwickelung und Neubildung der Parasiten in Betracht kommen. Diese Anschauung von Laveran darf wohl heute als verlassen bezeichnet werden, da als feststehend angesehen werden kann, daß Halbmonde nur bei den malignen Formen der Malaria, also durchaus nicht bei allen Malaria- 1) Bronn's Klassen und Ordnungen des Tierreiches I. Band Protozoa. IT. Abh Leipzig 1882. S. 479 f. Ich richte mich bei den folgenden Angaben hauptsächlich nach V. Wasielewski, Sporozoenkunde. Jena 189G und nach G. Schnkihemlul, Die Protozoen als Krankheitserreger des Menschen und der Haustiere. Leipzig, Engel- mann 1898. ^) Du paludisme et son hematozoaire. Paris 1891. Masson. — 62 — Parasiten vorkommen, und da die Neubildung der Parasiten auf dem Wege der Sporulation vor sich geht, die Layerax ursprünglich nicht bekannt war. Als eine der LAvcHAx'schen Anschauung nahe verwandte darf jene von CouxciLMAx') bezeichnet werden, der die Halbmonde als Sporen ansprach; Axtglisei ^) war der erste, der sie als erwachsene dem Unter- gange bestimmte Formen bezeichnete. Bigxami nnd Bastiaxelli ^) erklärten .sie geradezu als sterile Deviationsprodukte der amöboiden Parasiten, auch ZiEMAxx'*) hielt sie für sterile Produkte, da er in ihnen kein oder nur Reste von Chromatin mit der von ihm ausgearbeiteten Färbemethode nachweisen konnte. Gautier ^) konstatiert gleichfalls das Fehlen des Chromatins in zahlreichen Siclielfonnen, allein er fand auch chromatin- haltige, die übrigens auch von Ziemaxx beschrieben worden sind ; Gautier ist aber geneigt das Fehlen des Chromatins nur als ein vorübergehendes Stadium anzusehen, so daß aus einer chromatinfreien Sphäre wieder eine chromatinlialtige hervorgehen kann. Gautier drückt sich dahin aus, daß die Sichelformen „ein Übergangsstadium des Parasiten darstellen, in welchem derselbe einerseits seine pathogene Eigenschaften einbüßt, anderseits in seiner Widerstandsfähigkeit erhöht wird". Eine gesonderte Stellung in der xluffassung der Halbmonde, nehmen Grassi und Feletti^) sowie Maxnarerg'') ein. Die ersteren sind der Meinung, daß die Halbmonde einer besonderen Parasitenart der Malaria angehören, welche der direkten Sporulation überhaupt nicht fähig ist, sondern nur Halbmonde bildet; sie sehen diese Parasitenart als eigenes Genus an und bezeichnen sie als Laverania malariae; Caxalis^) glaubte geradezu Sporulationsvorgänge an den Halbmonden beoljachten zu können, was aber bisher ohne Bestätigung geblieben ist. Maxxaberg's Anschauung geht dahin, daß die Halbmonde durch Konjugation zweier Parasiten der malignen Malaria hervorgehen, er spricht sie daher nicht als sterile Formen an, sondern bezeiclmet sie als Syzygien, die durch eine Art geschlechtlicher Yermengung (Kopulation) zweier oder mehrerer Individuen gebildet werden. Er benützt das Auftreten der Halbmonde geradezu -als x\rtmerkmal und unterscheidet dementsprechend a) Malariaparasiten liiit Sporulation ohne Syzygienbildung und b) Malariaparasiten mit Sporu- lation und mit Syzygienbildung (Halbmonden). Diese Auffassung hält Maxnaberg auch in seiner letzten Monographie aufrecht, sie hat jedoch weder auf Seite der Zoologen noch der Pathologen allgemeinen Anklang gefunden (v. Wasielewski, Sghxeidemühl, Labbe, 9) Le Daxteg und Berard^oj^ V. Wasielewski 11) läßt die Entstehung und Bedeutung der halbmond- förmigen Körper überhaupt unerörtert und reproduziert nur eine Reihe v.on Abbildungen nach Labbe, welche mit Maxxaberg's Auffassung in guter Übereinstimmung stehen; Sghxeidemühl ^^j bezeichnet die Annahme 1) Fortsein- d. Mediz 1888. Nr. 12 1:]. 2) Riforma med. 1890. p. ."»OO. 3) Rifürin. med. 1890 p. 1334 und 1891 p-. 817. 4) 1. c. S. 23 und 5-5. 5) a. a. 0. S. 471. 6) Centralbl. f. Bakteriol. etc. I. 1891. Nr. 14. 7) a. a. 0. 8) Rif. med. 1889. p. 241 und Fortschr. d. Mediz. 1890. Nr. 8,9. 9) Arch. de Zool. experim. 1894 p. -54. 10) Les sporozoaires et particulierement les coccidies pathogenes. Paris, Masson 189.5. i o , 11) a. a. 0. S. 86. i2j a. a. 0. S. 127. — 63 — als die wahrscheinlicliste, daß die Halbmonde utischädliclie Kesiduen des Infektion.sprozesses. eine abgebrocheneEntwickelun^srichtung der Parasiten darstellen, während Le Üaxtec und Bekahd^) die Halbmonde als den xViisdruck einer dimorphen Entwickelung ansprechen, indem gewisse Malariaparasiten, wie auch andere acystide Blutschmarotzer (Proteosoma) einen doppelten, dimorphen Entwickelungsgang aufweisen können. Sie vermehren sich nämlich entweder blofs durch amöboide kleine Keimlinge oder sie vermögen sich zu einer Cyste umzuwandeln, aus Avelcher die sichelförmigen Sporozoiten wie bei den monocystiden Coccidien (Eimeria) hervorgehen. In älmlichem Sinne haben sich auch (xfiAssi und Eeletti-) für die Halbmonde der Malariaparasiten ausgesprochen, Steinhaus^) hat einen analogen dimorphen Entwickelungsgang für den von ihm beschriebenen Karyophagus salamandrae, einen Parasiten des Darmepithels aus der Ordnung der Acystosposidien angenommen, und R. und L. Pfeiffer^) statuieren auch für das Coccidium oviforme, das namentlich bei Kaninchen eine als Coccidiose bekannte Infektionskrankheit hervorzurufen imstande ist, gleichfalls einen dimorphen Xeubildungsmodus. In letzterer Zeit haben sich Leger ^), Simoxd'^j, Caullery und Mesxil'), v. Wasielewski ^) und andere für eine allgemeinere Verbreitung dieses doppelten Ent- Avickelungsmodus bei den Sporozoen ausgesprochen und Geißelformen der Sichelkeime nachgewiesen. Es sei hier ferner noch auf die wichtigen Mitteilungen von ScHAüDiNN und SiEüLECKi'') uud von Siedlegki ^'^) hingewiesen, welche ge- eignet erscheinen eine neue Auffassung der Sichelkeime zu begründen. Bei drei Coceidienarten (Adelea ovata, Eimeria schneideri und Klossia octopiana) wurde die Bedeutung der Sichelkörper und ihre Beziehung zur Fortpflanzung genauer festgestellt. Auf Grund dieser Untersuchung ist, Avas ja auch für die ]\Ialariaparasiten bereits ausgesprochen wurde (Maxson, xMag Callum) für die Coccidien eine geschlechtliche Befruchtung und FortpHanzung, ähnlich wie bei den Metazoen, sehr wahrscheinlich, indem zwei verschiedene Formen von Sichelkörpern nachgewiesen und als Makro- und Mikrogameten bezeichnet Averden. Die Makrogameten können sich zu lebensfähigen geschlechtslosen Individuen entwickeln und zu einer Autoinfektion des Wirtes (Lithobius forcipatus und Octopus vulgaris) Ver- anlassung geben, während die Mikrogameten sich spontan nicht zu ent- wickeln vermögen, dagegen sind sie imstande, die aus den Makrogameten hervorgegangenen Individuen nach Art einer männlichen Geschlechtszelle zu befruchten, worauf dann die Entwickelung von widerstandsfähigen Dauer- sporen vor sich geht, die für die Erhaltung des Individuums außerhalb des Wirtes von Belang sind und im Wirte zur Infektion der Darmepithelien führen. Was nun die Bedeutung der Sichel- oder Navikelformen der spezi- fischen Körper des myelämischen Blutes anbelangt, so habe ich einige 1) a. a. 0. S- 141. 2) Centralbl. f. Bakteriol. etc. 1891. Nr 14. 3) ViPCHOws Archiv etc. 18«y. Bd. 115. S. 17(i. 4) R. Pfeiffer, Beiträge zur Protozoenforschung I. Die Coccidienkrankheit des Kaninchens. Berlin 1892. L Pfeiffer, Die Zellenerkrankungen und die Geschwulst- bildungen durch Sporozoen. Jena 1893. ä) Compt. rend. de la soc. de hiol. 1897 Nr. 15. Compt rend. de l'acad. d. Sciences 1897. T. 124. Nr. 18. 6) Annales de l'Institut Pasteur 1897. pg. 545. 7) Compt. rend. de l'acad. des sciences. 1898. T. 126. pg 262. 8) Centralbl. f. Bakteriol. etc. I. 1898. Bd. 24. S. 71. 9) Verhandlungen der deutsch, zoologischen Gesellschaft 1897. S. 192 f. 10) Annales de "l'Institut Pasteur 189.S. T. XII. pg. 799 s. — 64: — nähere Verhältnisse ihres Erscheinens im Falle Delago bereits im vor- ausgehenden besprochen; sie machen wegen der Seltenheit des Befundes auch in diesem Falle nicht den Eindruck als ob sie einem bestimmten regelmälüg wiederkehrenden Stadium in der Formen- oder Entwickelungs- reihe dieser Körper entsprechen würden, wobei aber immerhin die Mög- lichkeit often zu lassen wäre, daß andere geeignetere Färbungsverfahren sie vielleicht häufiger zur Darstellung zu bringen gestatten werden (vgl. Kapitel XIX). Ich will auf den Umstand kein allzu großes Gewicht legen, daß sie in keinem andern der noch untersuchten (11) Fälle von Myelämie in so klarer Weise wiedergefunden wurden, da keiner dieser Fälle während einer so langen Zeit, wie der Fall Delago untersucht Averden konnte. Andeutungen von Sichel-, Wetzstein-, Kahn- und Hallunondformen wurden übrigens sowohl beim Falle Delago als auch bei den andern Fällen von Myelämie nahezu in jedem Präparate beobachtet und ich verweise dies- bezüglich auf die Figuren 21, 26, 27, 33, 44, 54; ich will aber für die Beurteilung der uns hier beschäftigenden Navikelformen von diesen letztern nur andeutungsweise ausgeprägten Bildern zunächst ganz absehen. Jedenfalls wird aus der Seltenheit des Befundes der typischen Navikel- formen im myelämischen Blute vorläufig geschlossen werden dürfen, daß es sich um relativ selten auftretende Gebilde handelt, die in dem normalen Formenkreis der spezifischen Körper keinem regelmäßig wieder- kehrenden Stadium entsprechen dürften. Wenn die Sichelformen bei den Gregarinen, Coccidien, Sarkosporidien und einigen Acystosporidien zur Neubildung und Vermehrung der betrefi'enden Parasiten in innigster Beziehung stehen, so tritt diese Beziehung bei den analogen Formen der spezifischen Körper des myelämischen Blutes, ihre Natur als para- sitäre Bildungen vorausgesetzt, nach den bisherigen Erfahrungen nicht in besonderm Grade hervor, zum mindesten konnte bisher eine solche Beziehung, zu den sogenannten Sporulations- oder Segmentationsformen, nicht konstatiert w^orden. Es wäre nun immerhin möglich, daß die Navikelformen nur in einem bestimmten Stadium der Myelämie im peripheren Blute auftreten, daß sie sich aber vielleicht in den innern Organen reichlicher und regel- mäßiger vorfinden. Ich habe nun aber bereits erwähnt, daß diese Formen im Falle Delago, und ebenso auch bei dem später genauer zu erörtern- den Falle von Pseudoleukämie bei einem Kinde (Stecher), im Milzsafte nicht häufiger als im peripheren Blute angetroffen wurden. Es erscheint mir daher unwahrscheinlich, daß die Navikelform mehr den innern Organen als dem peripheren Blute bei Myelämie angehört, ganz abge- sehen davon, daß sie auch in den Leichenorganen myelämischer Indi- viduen nicht gefunden wurde, worauf wir noch zurückkommen. Aber auch die Vermutung, daß die Navikelform blofs in einem bestimmten Stadium der Myelämie im Blute auftritt, erscheint mir unwahrscheinlich," da es doch jedenfalls als auffällig bezeichnet werden müßte, daß bei dem doch immerhin recht reichlichen Blutmaterial, das von verschiedenen myelämischen Individuen aus verschiedenen Krankheitsstadien unter- sucht werden konnte, der Befund der Navikelformen in so prägnanter Weise nicht mehr erhoben werden konnte. Anderseits muß aber betont werden, daß die Navikelformen der spezi- fischen Körper des myelämischen Blutes, soweit ich sie bisher beobachten konnte, durchaus nicht den Eindruck von degenerierten, sterilen oder dem Untergange bestimmten Formen machten. In dieser Beziehung braucht ja nur darauf verwiesen zu werden, daß gerade an den Navikel- — 65 — formen (Figg. 28, 29, 30, 31) die Trennung in einen protoplasma- und einen kernähnlichen Teil vielfach mit großer Schärfe hervortrat, und daß diese Körper mit ihrem homogenen, gleichmäßig gefärbten und scharf begrenzten Leibe und ihrem meist gut sichtbaren und manchmal in der Mehrzahl vorhandenen kernähnlichen Innenkörper durchaus nicht den Eindruck degenerierender Gebilde hervorriefen; ist dieser oft scharf begrenzte kernähnliche Innenkörper wirklich als Chromatin, wie bei den liöher entwickelten tierischen und ptianzlichen Zellen anzusprechen, dann könnte dieser Umstand gewiß nicht als eine Stütze der Annahme bezeichnet werden, daß in diesen sichelförmigen Körpern degenerierende oder degenerierte Bildungen vorliegen. Mit weit größerm Rechte könnte der Nachweis mehrerer kernähn- licher Innenkörper in der gleichen Navikelform, wofür die Figuren 28 und 30 ein Beispiel geben, als Stütze dafür angeführt werden, daß diese Formen in Neubildung oder Teilung begriffen sind oder doch zu diesen Vorgängen in sehr naher Beziehung stehen; ja die Figuren 32 und 33 scheinen geradezu der Ausdruck einer Teilung oder Durchschnürung der- artiger Navikelformen zu sein, wobei weitere Differenzierungen im Innern der Teilstücke, welche auf den Modus der Teilung hinweisen würden, nicht konstatiert werden konnten. Im Sinne Manxabergs könnten der- artige Navikelformen mit mehreren kernähnlichen Innenkörpern als Syzygien zweier oder mehrerer Einzelindividuen wohl kaum aufgefaßt werden, viel eher könnte aus den vorliegenden Bildern auf eine Teilung und Neubildung der uns hier beschäftigenden Sichelkörper geschlossen Averden. Ich habe nun keinerlei Anhaltspunkte dafür gesehen, daß diese Sichelkörper, wie bei den analogen Bildungen der Gregarinen und Coccidien, in l)eschalten Cysten liegen würden, und daß, wie bei den genannten Ordnungen die sichelförmigen Mikrosporozoiten durch Zer- .sjirengen der Cyste frei werden. Wenn die Sichelformen der speziüschen Körper des myelämischen Blutes zu Neubildungsvorgängen in Beziehung stehen, was ja auf Grund der Figuren 32 und 33 immerhin in Betracht zu ziehen ist, so wird man auf Grund unserer gegenwärtigen Kenntnisse diese Beziehung vorläufig nur darin suchen können, daß diese Sichelformen sich gelegent- lich durch Teilung selbst wieder vermehren können, womit allerdings bis zu einem gewissen Grade ein dimorpher Entwickelungsgang auch für die spezifischen Körper des myelämischen Blutes statuiert wäre, indem die allerdings nur in seltenen Fällen auftretenden Sichelformen sich einerseits durch Teilung vermehren können, andrerseits aber noch der häufiger zur Beobachtung kommende Fall der Neubildung durch Segmentation oder Sporulation besteht. Es wäre das allerdings ein dimorpher Entwickelungsmodus, der aber mit dem, was gewöhnlich unter diesem Begriffe bei gewissen Ord- nungen der Sporozoen verstanden wird, nicht zusammenfällt. Es wäre möglich, daß die Sichelformen und ihre Teilung nur in solchen Fällen von Myeläraie im peripheren Blute zu finden sind, bei denen die spezifischen Körper im Blute in großen Mengen auftreten, was ja bei dem Kranken Delago zeitweise und gerade (vgl. später) an dem Tage (15. Dez. 1897) der Fall war, an welchem Sichelformen im Blute ge- funden worden waren. Dabei muß, wie bereits erwähnt wurde, betont werden, daß kein anderer Fall von Myelämie in so eingehender Weise, wie gerade dieser untersucht werden konnte, und es ist nicht aus- geschlossen, daß andere Untersucher bei entsprechender (relegenheit Löwit. Ätiologie u. Pathol. d. Leukämie. -5 — m — diesen Befund werden öfter erheben können. Auch muß, wie bereits erwähnt wurde, mit dem Umstände gerechnet werden, daß die Darstelkmg der Sichelformen mit anderen Färbungsmethoden besser und sicherer als mit den hier verwendeten gelingt. (Vgl. Kapitel XIX.) Andrerseits Aväre immerhin zu erwägen, ob diese hier beschriebenen Sichelformen nicht einer andern Reihe von spezifischen Körpern, also vielleicht einer andern Parasitenreihe angehören, als die großen, klumpigen, araöbenähnlichen Gebilde, sowie die doch höchstwahrscheinlich hieher gehörigen kleinen durch Sporulation entstandenen mehr kugeligen oder scheibchenförmigen Gebilde (Figg. 26, 27, 53, 54, 58, 67), die wohl den Sichelkeimen gegenüber als junge Amöboidkeime bezeichnet werden dürfen. Selbstverständlich kann eine solche Frage in solange nicht strikte beantwortet werden, als es nicht gelingt, den bestimmten Nach- weis zu führen, daß die spezifischen Körper des myelämischen Blutes thatsächlich parasitäre Bildungen darstellen, und als nicht ihre Beinkultur außerhalb des Organismus durchgeführt sein wird, wozu allerdings, ebenso wie bei den Malariaparasiten, keine allzu große Hoffnung vor- handen ist. Indessen scheint mir doch die oben angeführte Erwägung, daß die Sichelformen einer anderen Parasitenreihe angehören, gegenwärtig bereits keine große Wahrscheinlichkeit für sich in Anspruch nehmen zu können, gerade deshalb, weil ja durch die direkte Beobachtung bei andern Sporozoen und darunter auch bei einzelnen Blutschmarotzern auf Grund der früher angeführten Arbeiten von Steinhaus, R. und L. Pfeiffer, Leger, Simoxd und andern der Nachweis erbracht wurde, daß Sichel- keime und Amöboidkeime bei dem gleichen Parasiten vorkommen können. Es Avürde sich dann nur darum handeln, zu ermitteln, unter welchen Verhältnissen die eine Form und unter welchen die andere Form auftritt, und welche Bedeutung speziell der Sichelform zukommt. Darüber sind wir aber zunächst noch vollständig im unklaren. Jedenfalls erscheint der Nachweis typischer Sichelformen, wenn auch vorläufig nur in sehr seltenen Fällen, bei den Acystosporidien geeignet eine nähere Beziehung derselben zu den Coccidien zu vermitteln, worauf auch von v. Wasie- LEwsKi und anderen hingewiesen wurde, und die Stellung der betreffenden Parasiten im zoologischen System noch nicht als völlig geklärt anzusehen, Avas ja übrigens gleichfalls bereits von anderer Seite mehrfach betont wurde. Ich möchte übrigens bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen etwas genauer auf die Figur 28 einzugehen, sie spricht nach meiner Auffassung nicht dafür, daß die sogenannten Amöboidkeime und die Sichelkeime scharf von einander zu trennen sind und verschiedenen Parasitenspezies angehören, insofern hier die beiden Gebilde in oder an der gleichen Zelle vorhanden sind. Im linken Teile der Zelle liegen drei schön aus- • gebildete Amöboidkeime, an zweien derselben ist der kernähnliche Innen- körper deutlich ausgeprägt; im mittleren Teil der Zelle liegt ein keil- förmiger Körper mit drei gut kenntlichen kernartigen Innenkörpern, und im rechten unteren Teile der Zelle liegt ein Haufen grober bis feiner granulaähnlicher Gebilde, die im einzelnen nicht mit voller Schärfe hervortreten. Außerdem liegt im rechten oberen Teil der Zelle, zum Teil innerhalb zum Teil außerhalb derselben ein sichelförmiger Körper, dessen Gestalt zwar keine typische Sichelform aufweist, die ihr aber doch sehr nahe kommt. Will man nun hier nicht die Annahme machen, daß die gleiche Zelle von zum mindesten zwei verschiedenen Parasitenarten, einer in. — G7 — Amöboidform, und einer in Sichel- eventuell Keilforni, befallen ist, wozu man sich auf alleiniger Grundlage der Form wohl kaum wird entschließen können, so bleibt hier, sofern man überhaupt an der parasitären Auf- fassung der spezitischen Kör])er festhält, nur die Annahme übrig, daß die verschiedenen Formen der gleichen Parasitenart angehören, die im- stande ist in verschiedener Gestalt zu erscheinen. Man wird dann diese Figur 28 wohl dahin interpretieren dürfen, daß hier vielleicht ein Segmen- tations- oder Sporulationsvorgang vorliegt, der in dem unteren Teile der Zelle noch nicht vollständig abgelaufen ist und hier nur zu einer nicht gut zu diflerenzierenden Haufenbildung geführt hat, in welcher möglicher- weise auch einzelne basophile Granula enthalten sein können, während im oberen Teile der Zelle bereits neugebildete Keimlinge enthalten sind, von welchen einer eine annähernde Sichelform, drei die exquisite Amö- boidform zeigen und einer in Keilform vielleicht eine Vereinigung (Syzygium) von drei Einzelindividuen darstellt. Selbstverständlich sind ja derartige Beobachtungen für die gegebene Deutung im strengen Sinne des Wortes nicht beweisend, aber sie legen doch den Gedanken nahe, daß die Form der spezifischen Körper, und damit auch die Sichelform, nichts feststehendes ist, sondern wechseln kann, und daß möglicherweise die Amöboid-, Sichel-, Keil- und Kahnform zusammengehörige unter wechselnden Bedingungen auftretenden Formen des gleichen Parasiten darstellen, wobei noch daran gedacht werden könnte, daß die verschiedenen Formen vielleicht durch Anpassungs- erscheinungen der spezifischen Körj^er an intracelluläre Piaum Verhältnisse zu Stande kommen, durch diese bedingt und eventuell wieder aufgehoben werden, sobald die formbedingenden Raum- verhältnisse nicht mehr einwirken, oder sich überhaupt ändern. Allerdings setzt auch diese Auffassung voraus, daß die spezifischen Körper sich ver- ändernden Einwirkungen gegenüber verschieden verhalten. Von diesem Gesichtspunkte aus wwde sich dann über die Sichelformen folgendes ergeben : Die aus der Sporulation der größeren klumpigen Amöbenformen hervor- gehenden jungen Amöboidkeime können, wahrscheinlich durch intracellu- läre Baumverhältnisse veranlaßt, Sichelform oder eine verwandte Form annehmen, die sie auch extracellulär vorübergehend beibehalten, und die sie entsprechend geänderten Raumverhältnissen sowohl intra- Avie extra- cellulär wieder verlassen können. Auf diese Weise könnte ein Übergang von Amöboidform in Sichelform stattfinden, was allerdings seitens der Zoologen bisher nicht acceptiert wird. Daß übrigens auch größere amöben- ähnliche Formen als Sicheln oder Navikeln oder als verwandte Gestalten erscheinen können, geht aus den Figuren 29, 31, 32, 33 hervor; einzelne Beobachtungen (Fig. 31a) scheinen gerade daraufhinzuweisen, daß die spezifischenlvörper beim Eintritte in die Zelle oder beim Austritte aus derselben, eine Frage, die sich am fixierten Objekte ja nicht entscheiden läßt, Navikelform oder eine verwandte Gestalt annehmen können. Auf Grundlage dieser Auffassung wäre dann die Sichelform kein Attribut eines bestimmten Entwickelungsstadiums der spezifischen Körper und sie dürfte dann auch nicht in Parallele gebracht werden zu den Sichel- keimen anderer Sporozoen, sondern sie wäre nur eine durch äußere Ver- hältnisse bedingte Gestaltanpassung an wechselnde Raumverhältnisse der Wirtszelle, die in den verschiedenen Größenstadien auf die spezifischen Körper, namentlich aber auf die sogenannten jungen Keimlinge derselben, aber auch auf größere Formen einwirken können. Ich bin vorläufig nicht in der Lage ein abschließendes Urteil über 5* - 68 - die Entstehung nnd Bedeutung der Sichelformen an den spezifischen Körpern des niyelämischen Bhites geben zu können, dazu ist das vor- liegende Material nicht ausreichend genug und ich möchte auch der eben ausgesprochenen Anschauung nur den Wert einer nur für einzelne Formen giltigen Vermutung beilegen. Ich habe auch keine Anhaltspunkte dafür auffinden können , ob die Sichelkörper im niyelämischen Blute des Menschen, nach Analogie der von Sghaudin'n und Siedligki beschriebenen Befunde, vielleicht als Mikrogometen in nähere Beziehung zu einer ge- schlechtlichen Fortpfianzung der spezifischen Körper zu bringen sind. Mir kam es nur darauf an, jene Gesichtspunkte hier zu erörtern, welche bei der Beurteilung anologer Formen an den Malariaparasiten und an anderen Sporozoen im Vordergrund des Interesses stehen, und damit die nahe Beziehung der uns hier beschäftigenden spezifischen Körper des myelämisehen Blutes mit den eben genannten Zell- und Blutschmarotzern zu betonen, die kaum ohne Bedeutung für die Auffassung der spezifischen Körper sein dürfte. Die Seltenheit der typischen Sichelformen im niyelä- mischen Blute, das Auftreten von Andeutungen derartiger Formen an manchen Figuren (26, 44, 46, 54), bilden vorläufig sehr wesentliche Schwierigkeiten bei der Beurteilung der genannten Gebilde und ihrer Be- ziehung zu andern Formen der spezifischen Körper. (Vergl. Ka})itel XIX.) Kapitel VII. Die spezifischen Körper in den Leichenorg-anen bei Myelämie Die Gegenwart oder Abwesenheit der spezifischen Körper in den blutzellenbildenden Organen bei Myelämie erscheint für die ganze Auffassung dieser Gebilde von großer Bedeutung, da ja gerade diese Organe nach der herrschenden Auffassung als der eigentliche Sitz und Ausgangspunkt der Krankheit angesehen werden. Sind nun thatsächlich die spezifischen Körper parasitäre Bildungen und stehen sie, was ja gewiß in diesem Falle dann sehr naheliegend ist, zu der Krankheit und ihrer Entstehung in näherer Beziehung, so müßte man erwarten, diese Körper innerhalb der blutzellenbildenden Organe reichlich, vielleicht sogar reichlicher als im peripheren Blute anzutreft'en. Die an dem Kranken Delago intravital vorgenommene mehrmalige Milzjuinktion hatte denn auch ergeben, daß man mit den oben ange- führten Methoden thatsächlich große Mengen der gleichen Formen von spezifischen Körpern wie im peripheren Blute des gleichen Kranken nachweisen konnte. Die Zahlenangaben über die Mengenverhältnisse dieser Körper im peripheren Blute und im Milzsafte folgen später. Der Kachweis und die Darstellung dieser Gebilde im Milzsafte bietet keine weiteren Schwierigkeiten, für ihre Beurteilung gelten dieselben Ver- hältnisse wie am peripheren Blute, weshalb hier nur der Hinweis auf das früher diesbezüglich Auseinandergesetzte genügen möge. ' Als nun mit den gleichen am peripheren Blute und am Milzsafte des Lebenden geübten Methoden die blutzellenbildenden Organe von an — 69 — Myelämie verstorbenen Individuen in entsprecliender Weise untersucht wurden, war das Ergebnis ein völlig negatives. Trotz viel aufgewendeter Zeit und Mühe, trotz mannigfacher Modifikation der Härtungs- und Färbungsmethode konnte nichts aufgefunden werden, was den spezifischen Körpern des strömenden Blutes, und den im Milzsafte des Lebenden ge- fundenen Formen entsprochen liätte; aber es konnten auch keinerlei andere (Tebilde in den Organen nachgewiesen werden, die als Residua oder vielleicht in irgend einer Weise modifizierte Formen der sjjezifischen Körper hätten angesprochen Averden können. Alles was bei den diesbe- züglichen zeitraubenden Untersuchungen gefunden wurde, konnte einer strengen Kontrolle nicht standhalten. Das verwendete Leichenmaterial konnte nicht als die Ursache dieses Mißerfolges angesehen werden, denn es entstammte, wie ja die Provenienz und die Untersuchung selbst ergab, typischen Fällen von Myelämie, und es konnte vor allem schon deshalb die Ursache nicht sein, weil ja inzwischen bereits gerade durch passende Verwendung des Leichenmateriales (vgl. später) eine leukämische Infektion des Kaninchens gelungen war. Es war damit der biologische Bew^eis erbracht, daß das infektiöse Agens, das ich mit den spezifischen Körpern identi- fizieren zu können glaube, jedenfalls in lebensfähigem, infektionstüchtigem Zustande in den Leichenorganen vorhanden war, daß es sich jedoch der tinktoriellen Darstelhmg daselbst aus unbekannten Gründen entzog. Das von mir zu Untersuchung der Leichenorgane verwendete Material setzte sich aus folgenden Fällen von Myelämie zusammen, die Organe Avurden stets in Paraffin eingebettet: 1. Der obenerwähnte Fall Delago, von welchem mir durch Herrn Kollegen Dr. Majoxi sofort nach der Sektion, gut in Eis verpackt, ein großes Stück Milz, Lymphdrüsen, Knochenmark und Leber Irisch zugesandt wurde. 2. Der in der frühern Zusammenstellung (S. 24) unter 9. genannte Fall Höfer, der auf der pro- pädeutischen Klinik des Herrn Hof. B. Knüll in Prag gelegen, und von dem Herr Hof. R. Chl\ri mir Alkoholhärtungen von Milz, Lymph- drüsen, Niere und Leber überlassen hatte. 3. Der in der frühern Zusammen- stellung unter 12 genannte Fall Skopan. der aus der medizinischen K Hink des Herrn Prof. v. Jaksch in Prag stammte, und von welchem gleichfalls Herr Hof. R. Chiaki mir Formalinhärtungen von Milz, Lymphdrüsen, Knochenmark und Leber zuzusenden die Freundlichkeit hatte. 4. Ein Fall JanoW'ski (Nr. 13), dessen Blut intravital von mir nicht untersucht wurde, von dem Herr Prof. A. Fraenkel in Berlin mir durch Herrn Prosektor Bexda Alkoholhärtungen von ^lilz und Knochenmark überlassen hat; der Fall war als chronische Leukämie bezeichnet und erwies sich auch nach der anatomischen Untersuchung als zur Gruppe der Myelämie gehörig. Von diesen vier Fällen muß der sub 3 genannte Fall Skopan. dessen Organe in Formalin gehärtet waren, ausgeschlossen werden, weil Kontrolluntersuchungen ergeben hatten, daß die Formalinhärtung die Darstellung der hier in Betracht kommenden Gebilde innerhalb der Leichenorgane überhaupt unmöglich macht, während Alkoholbehandlung sich bis jetzt als die günstigste Härtungsart erwies. Die in Formalin gehärteten Organschnitte geben bei der Entfärbung im sauren Alkohol nahezu sämmtliche Farbe ab, imd es gelingt auf diese Weise überhaupt nicht irgend eine difi'erenzierende Färbung zu erzielen, da in der Regel dann nur wenige hyperchromatische Kerne gefärbt bleiben. Trotzdem ich mir viele Mühe gab, die Färbung und Entfärbung verschiedenartig — 70 — zu modifizieren, blieb das Resultat immer das gleiche, so daß die folgenden Angaben sich bloß auf die in Alkohol gehärteten Organe der drei anderen Fällen von Myelämie stützen. Bei der großen Überein- stimmung des gemachten Befundes dürfte dieses Material trotz seiner geringen Zahl, doch für die ersten orientierenden Untersuchungen als ausreichend bezeichnet werden. Es wurden anfänglich mit diesem Leichenmaterial verschiedene Härtungsversuche (Alkohol, Formalin, FLEMMiNGsche Flüssigkeit, Sublimat. MüLLERsche Flüssigkeit und 5*^/0 Chromsäure) vorgenommen; mit Aus- nahme der Alkoholliärtung erwiesen sich die übrigen Härtungsmethoden der Methylenblaufärbung gegenüber, auf welche doch auch hier vorläufig ein Hau})tgewicht gelegt werden mußte, als minder brauchbar. Sublimat- präparate färben sich nur bei langer Einwirkung der warmen Farben- lösung mit genügender Intensität und sind dann nur schwer durch den sauren Alkohol zu differenzieren; die in Formalin, Flemming-, Müller- scher Flüssigkeit und in Chromsäure gehärteten Objekte nehmen aber die Farbe entweder nur schwer auf, oder sie geben sie, was häufiger der Fall ist, im sauren Alkohol so rapid und so energisch ab, daß eine difi'erentielle Färbung nicht statttindet. So konnten also nur Alkoliol- härtungen bei Verwendung der zum Nachweis der spezifischen Körper am peripheren Blute so brauchbaren LöFFLERblaulösung mit Aussicht auf Erfolg für den Nachweis dieser Gebilde in den Leichenorganen ver- wendet werden. Werden nun in Alkohol gehärtete Organschnitte der Behandlung mit erwärmter LöFFLERblaulösung unterzogen und dann in entsprechender Weise difi'erenziert, so treten vornehmlich jene Gebilde hervor, die bereits früher (vgl S. 18) beschrieben und auf Tafel I abgebildet wurden. Sie können die spezifischen Körper in den myelämischen Leichenorganen vortäuschen und sie haben mich auch lange in dieser Täuschung gehalten, bis sich durch ausreichende Kontrolhmtersuchungen jene Deutung dieser Formen ergab, die ich bereits im Vorausgehenden (vgl. S. 19/20) mit- geteilt habe. Setzt man die Organsclmitte über jene Zeit hinaus, wo kein Farb- stoff an die Umgebung in Form deutlicher blauer Wölkchen abgegeben wird, noch länger der Einwirkung des entfärbenden Alkohols aus, so kann man sich leicht davon überzeugen , daß diese bereits früher er- örterten, den Zellen an- und aufsitzenden oder in den Intercellularäumen zwischen ihnen gelegenen eigenartigen und verschiedengestaltigen dunkel- l)lau oder rotviolett gefärbten Gebilde je nach der Länge der Entfärbung mehr oder minder stark abblassen und schließlich bis auf einen schwach metachromatischen blaßroten Farbenton, in welchem dann oft die ganze Zelle gefärbt erscheint, nahezu ganz verschwinden. Die Zelle und ihre Kerne sind dann in der Regel ganz ungefärbt, einzelne Nukleoli können noch blaß blau erscheinen, die hyperchromatischen und karyorhektischen Produkte des Kernzerfalles können aber auch dann noch mehr oder weniger intensiv blau gefärbt hervortreten, ebenso w^ie die basophilen Granu- lationen, die ja gerade bei Myelämie in den blutzellenbildenden Organen so reichlich an kleineren und größeren lymphatischen Zellen angetroften werden, auch dann noch tiefdunkel metachromatisch gefärbt bleiben. Untersucht man nun derartig stark entfärbte Präparate genauer, ferner aber Alkoholschnitte, die mit der oben erwähnten basischen Farbenmischung gefärbt und entsprechend entfärbt worden sind, so findet man (beim Falle Delago und Höfer sehr reichlich, beim Falle Janowski — 71 — nur spürlicher angedeutet) in der Hegel gruppenartig beisammen vereinigt eigenartige klumpige, meist streng runde Bildungen, deren Zu- gehörigkeit zu den Produkten des Kernzerfalles einerseits wegen der in ihnen nacliweisbaren Struktur- und Differen/ierungsverhältnisse. deren Zuge- hörigkeit zu den basophilen Granulis, andrei'seits aber wegen ihrer auffallen- den, die größten Formen der Granula bedeutend überragenden Größe auf den ersten Anblick fraglich erscheint. Ich verweise als Beispiele auf die Figuren 72, 73, 74, 98, 99. Sie finden sich in sämtlichen blutzellen- bildenden Organen, am häufigsten fand ich sie in Milz und Knochenmark. p]s handelt sich um meistens streng runde, stark metachromatisch gefärbte, große granulaähnliche Körper, die entweder in groikren oder kleineren lymphocytären Elementen liegen oder ihnen nur angelagert sind (Fig. 72a, b, c, d, Fig. 73a) manchmal aber auch außerhalb von Zellen ange- troffen werden (Fig. 72 e, Fig. 73 b, Fig. 74a, b, c, d). In diesem letzteren Falle trifft man gelegentlich Bilder, wo die dunkeln Gebilde zwar keine direkte Beziehung zu zelligen Elementen zeigen, wo aber doch die ganze Anordnung dieser Körper an einen Zellenkontur erinnert (Fig. 73 b, Fig. 74 a, c, d), als ob sie ursprünglich doch mit einer Zelle in Verbindung gestanden wären. In vielen dieser dunkeln Kugeln sieht man häufig ein bis zwei oft auch mehr kernähnliche Innenkörper, in einzelnen Fällen zeigen sie auch einen lichten, centralen, schwächer gefärbten Hof (Figg. 98, 99) und erinnern dann auffallend an gewisse auch im peripheren Blute gefundene Formen (Fig. 40). Ihre Größe ist sehr verschieden, und manchmal kann man selbst in den kleinen Formen noch deutliche Innenkörper nachweisen. Daneben finden sich aucli solche Zellen vor, welche außer diesen Gebilden noch gleichzeitig typische basophile Granula enthalten (Fig. 72 d). Da nun aus später anzugebenden Gründen die Annahme verfolgt werden mußte, daß in den blutzellenbildenden Organen myelämischer Individuen das infektiöse Agens mit den Eigenschaften von Dauerformen behaftet sei, so lag der Gedanke gewiß sehr nahe, die soeben beschriebenen größeren und kleinereu runden Gebilde mit dem dunkeln oder lichten Innenkörper als den morphologischen Ausdruck dieser Dauer- formen anzusprechen, zumal diesen Gebilden doch im allgemeinen ein sporenähnliches Aussehen nicht wird abgesprochen werden können. Aller- dings hätte dann auch sofort, wegen der verschiedenen Größe dieser Gebilde die Annahme gemacht werden müssen, daß die spezifischen Körper, die ja auch in vivo in den verschiedenen Wachstums- und Größenverhältnissen innerhalb des Milzsaftes und des strömenden Blutes nachgewiesen worden waren, nach dem Tode sich auch in den ver- schiedenen Wachstums- und Entwickelungsstadien versporen können, wenn ich diesen Ausdruck hier gebrauchen darf, so daß kleine und große sporenartige Gebilde entstehen würden. Diese Annahme erwies sich jedoch deshalb bald als unzulänglich, weil zwar nicht vollständig gleichwertige, aber doch ähnliche r>ildungen auch in blutzellenbildenden Organen von an anderen Krankheiten ver- storbenen Individuen^) und in den gleichen Organen vollständig normaler Kaninchen nachgewiesen werden konnten (Fig. 75). Allerdings raul;') ich sagen, daß sie "in diesen Fällen im allgemeinen nur recht spärlich, manchmal aber als recht große, kugelige Ballen mit hellem Hofe angetroft'en 1) Von solchem Materiale wurde mir durch die Güte des Herrn Prof. Po.mmeu zur Verfügung gestellt: 1. eine Typhusmilz mit hiimorrhagischen Infarkten (^Sp 31. J. 98) 2. ein Miiztumor bei septischer Rachen- und Kehlkopfdiphtheritis i\%^^ 6. V. 97) und 3. ein Milztumor bei Tuberkulose von Lunge, Leber und Milz (if|^ 7. II. 98). — 72 — wurden, daß sie aber in den blutzellenbildenden Organen um so reich- licher sich vorfanden, je reichlicher überhaupt die Zeichen des Kern- und Zellzcrfalles sich nachweisen ließen. Niemals läßt sich aber eine volle Übereinstimmung dieser auf Zelizerfall hinweisenden Formen mit den erstem konstatieren. Die aus Kern- und Zellzerfall hervorgehenden Klumpen und Klümpchen zeigen in der Regel keinen metachromatischen Farbenton, es fehlen auch innere Differenzierungen in ihnen nahezu vollständig; es geht ihnen auch die regelmässige Anordnung und die doch immerhin bemerkenswerte Übereinstimmung der Größenverhältnisse ab, Avelche die hier in Frage kommenden Bildungen in manchen Fällen auszeichnen. Ich will aber ein bestimmtes Urteil über diese Gebilde nicht abgeben, möchte jedoch die Aufmerksamkeit anderer Unter- sucher auf diese ganz charakteristischen basophilen Klumpen hinlenken, von denen übrigens die ganz großen Formen (Fig. 75) wahrscheinlich auch von Ehrlich und Unna bereits bei anderen Beobachtungen gesehen wurden. Ich bemerke noch weiterhin, daß ich bei einigen darauf hin gerichteten Versuchen die gleichen Gebilde auch mit Safranin leuchtend rot anfärben konnte, daß aber diese Färbung aus mir nicht näher be- kannten Gründen, nicht in allen untersuchten Fällen gelang, daß ferner die Färbung der sporenähnlichen Gebilde mit Löff 1er blau allein nicht oder nur unvollständig positiv ausfällt. Im großen und ganzen geht aus diesen Befunden neuerdings hervor, mit welcher Vorsicht die alleinigen Färbungsresultate in der uns hier beschäftigenden Frage verwertet werden müssen. Wenn überhaupt, so sind hiebei Irrungen bei Verwendung von Färbungen allein, worauf wir ja zunächst noch ausschließlich ange- wiesen sind, nur bei fortwährender und kleinlichster Kontrolle vermeidbar. Ich kann aber doch auf Grund derartiger Beobachtungen nicht umhin der Vermutung Ausdruck zu geben, daß sehr wahrscheinlich in der Gruppe der verschiedenen basophilen Gebilde, die sich bei der Leukämie im Blute und in den blutzellenbildenden Organen vorfinden, bisher sehr verschieden- artige und verschiedenwertige (iebilde miteinander vereinigt wurden. Es war also bei den bisherigen Untersuchungen mit Sicherheit nicht gelungen trotz vieler darauf verwendeter Zeit und Arbeit die spezifischen Körper in den blutzellenbildenden Organen myelämischer Individuen nachzuweisen, und doch mußten sie in irgend welcher Form in denselben enthalten sein. Denn 1.) konnten sie mit Leichtigkeit in dem dem Lebenden entnommenen ]\Iilzsafte gefunden werden und 2.) ge- lang ja, wie später noch genauer beschrieben werden wird, gerade durch passende Verwendung der blutzellenbildenden Organe von an Myelämie verstorbenen Individuen die Übertragung einer analogen Erkrankung auf empfängliche Tiere. Ehe nun die Annahme gemacht werden durfte, daß der Infektionsstoff in diesen Organen zwar enthalten sei, daß er sich aber mit unseren gegenwärtigen Methoden der färberischen Dar- stellung entziehe , mußten die diesbezüglichen Versuche noch weiter geführt und modifiziert werden. Aber alle Bemühungen mit verschiedenartigen basischen Farben, mit mannigfachen Kombinationen derselben, mit verschiedenartigen anderen Färbungsmethoden blieben lange Zeit resultatlos, und ich begann bereits an einem positiven Ergebnisse zu zweifeln als eine ganz unscheinbare Modifikation der Färbungsmethode zu einem Erfolge führte. Bei der Verwendimg der LöFFLER-Blaulösung , sowie der übrigen basischen Farben, hatte ich mit Vorliebe die Färbung in der Wärme in Anwendung gezogen, von dem Gedanken ausgehend, daß die zur — iö — Darstellung 7a\ bringenden spezitischen Körper schwer färbbare Gebilde darstellen. Als nun auch mit kalten LöFFLER-Lösungen die Organe niyelämischer Individuen untersucht wurden, traten bei Einhaltung der folgenden Methode ganz eigenartige Bildungen hervor, die ich l)isher, trotzdem alle Organe schon mehrfach nach verschiedenen Methoden unter- sucht worden waren, noch nicht gesehen hatte, und die bisher auch, so weit mir bekannt ist, von anderer Seite noch nicht beschrieben worden sind. Legt man nämlich die Organschnitte für 15 — 20 Minuten in Löffler- lilaulösung bei Zimmertemperatur, spült dann den Farbstoff gehörig ab, und entfärbt in saurem Alkohol bis kein Farbstoff mehr abgegeben wird, oder auch über diesen Zeitpunkt hinaus und schließt dann in gewöhn- licher Weise in Nelkenöl und Lack ein, so treten schon bei schwacher Vergrößerung (Reichert Obj. 5) sichtbare, eigenartige, schwärzlichgrüne Gebilde hervor, welche einer näheren Beschreibung bedürfen. Bei schwacher Vergrößerung sieht man zerstreut im Gewebe liegende oft haufenweise neben einander befindliche zellige Elemente verschiedener Größe, die durch ihren schmutzig grünen Farbenton auf- fallen, während das ganze übrige Gewebe total entfärbt sein kann, oder auch noch bei der gewählten schwachen Vergrößerung typisch gefärbte Mastzellen und einzelne blaue oder blaurote klumpige Gebilde erkennen läßt, welche höchstwahrscheinlich Kernen oder degenerierten Kernresten angehören. Bei stärkerer Vergrößerung erkennt man ganz typische Bilder, von denen einige Beispiele in den Figuren 76 — 81 wiedergegeben sind; sie bieten in der Zeichnung allerdings nicht viel Typisches und gleichen ja hier im Avesentlichen mehr weniger basophilen Gebilden überhaupt, die ja reichlich vorhanden sind, oder auch den spezifischen Körpern aus dem peripheren Blute der myelämischen Individuen. Ihre typische Beschaftenheit ist aber vorwiegend durch ihre Färbung bedingt, die sich in der Zeichnung nicht wiedergeben läßt. Es handelt sich bei diesen Gebihlen (Figg. 76 — 81) um lymphocytäre Elemente der kleineren oder größeren Form mit dem kleineren oder größeren streng runden oder lappigen Kern, deren Protoplasma als leicht granulierte Masse um den Kern herum in der Regel deutlich kenntlich ist, ab und zu aber nur auf einen kleinen Saum um den Kern herum be- schränkt ist, Gebilde, wie sie in sämtlichen blutzellenbildenden Organen (Lymphdrüsen, Milz und Knochenmark) auch normalerweise vorkommen und als lymphatische oder lymphocvtäre Elemente derselben bekannt sind. In diesen Zellen erkennt man nun eigenartige meist streng runde oft aber auch etwas verzogene, schmutzig grün gefärbte Kugeln oder blasige Bildungen, die vielfach die ganze Zelle erfüllen (Figg. 76, 77), oft aber nur einen Teil derselben einnehmen (Figg. 78 — 81), der Kern der Zelle selbst ist in der Regel gut sichtbar und sticht wegen seiner blauen oder blaugrünen Färbung scharf von den oben erwähnten Gebilden ab. Namentlich wenn es sich um Zellen mit degeneriertem, hyperchromati- schem oder karyorhektischem Kern haiulelt ist die tinktorielle Difierenz der beiden Gebilde eine sehr scharfe, weil dann der Kern oder seine Frag- mente eine mehr weniger dunkelblaue oder schwach rotblaue Färbung zeigen, welche von der schmutzig grünen Färbung der eigenartigen Inhaltsmassen ganz charakteristisch absticht. Gerade diese ganz typische Färbung schützt vor einer Verwechselung der erwähnten schmutziggrünen Inhalts- körper mit den Produkten des Kernzerfalls , den man ja in der licgel sehr häufig in den blutzellenbildenden Organen antrifft, und mit den basophilen Granulationen der Mastzellen, sowie mit den auch in den größeren — 74 — lymphoiden Zellen in der Regel reichlich vorhandenen basophilen Granula- tionen verschiedener Größe, die beide bei Myelämie in den genannten Organen geradezu regelmäßig in großer Zahl angetroffen werden. Es kann übrigens gelegentlich auch vorkommen, daß einzelne basophile Granula neben den schmutzig grünen Inhaltskörpern in der gleichen Zelle enthalten sind, so daß Kerndegeneration, basophile Granulation und die grün gefärbten Inhaltskörper neben einander vorhanden sein können. Derartige Befunde sind namentlich mit Bezug auf die beiden letzteren Bildungen doch recht selten, und nach dem was ich bisher ge- sehen habe, halte ich die Annahme, daß die genannten verscliiedenen Körper aus einander hervorgehen, für ausgeschlossen. Außer den kleinen, kugeligen, grünen Inhaltskörpern findet man in vielen Zellen (Figg. 78 — 81) noch größere ebenso gefärbte Gebilde vor, die vielfach ganz gleichmäßig grünlich gefärbt sind, oft aber auch vakuolen- artige lichtere Höfe enthalten (Figg. 78, 79). Es erinnern diese Figuren an die analogen Bilder der Figg. 40, 41, 44, 45, 65, 66 aus dem peri- ])heren Blute myelämischer Individuen. Man empfängt aber doch den Eindruck, daß die starren Kundformen hier bei diesen Inhaltskörpern überwiegen, nur selten kommen Formen mit kurzen hakenförmigen Fort- sätzen vor. Wichtig ist, daß diese Körper eine sehr lange Entfärbung in saurem Alkohol aushalten und ihren schmutzig grünen Farbenton noch beibehalten, wenn alle übrigen Elemente bis auf die violetten Mastzellengranula entfärbt sind. Die schmutzig grüne nicht zu intensive Färbung dieser Inhalts- massen ist ungemein charakteristisch , ich habe sie sonst an keinem Gewebsbestandteil der blutzellenbildenden Organe myelämischer oder anderweitig erkrankter oder gesunder Individuen wiedergefunden. Es handelt sich dabei zweifellos um eine Art Metachromasie, indem die betreffenden Gebilde aus dem verwendeten LöFFLER-Blau eine Färbung annehmen, die entweder an und für sich, oder erst nach der Alkohol- einwirkung, oder erst nach der Aufnahme in die betreff"enden Inhaltskörper als grün oder schmutziggrün erscheint. Wodurch diese Färbung zustande kommt, was die chemische Grundlage derselben ist, darüber fehlt mir ein eigenes Urteil. Jedenfalls muß eine besondere Aftinität dieser In- haltskörper zu der betreffenden Färbung bestehen, und ich werde sie daher auch weiterhin, um einen kurzen Namen für die betreffenden Bild- ungen zu haben, kurzweg als grüne Körper oder grüne Zellen bezeichnen. Gerade in dieser eigenartigen schmutzig grünen Färbung liegt das Typische und Charakteristische der mit dieser Methode erhaltenen Bilder, die in den beigegebenen Zeichnungen (Figg. 76 — 81) nicht zu Tage tritt. Welche Bedeutung kommt nun diesen grünen Körpern zu? Für die Beantwortung dieser Frage muß vor allem betont werden, daß die be- treffende Färbung nur an den in Alkohol gehärteten Organen in klarer Weise gelingt; l)ei Sublimathärtungen sind die entsprechenden Bilder für den Kundigen noch kenntlich aber wegen des viel blasseren Farben- tones leicht zu übersehen; an Organschnitten aus Formalin, MiJLLERScher, FLEMMiNGscher Flüssigkeit und an Chromsäurepräparaten sind die grünen Körper überhaupt mit der angeführten Methode nicht darstellbar. Bei A erwendnng der warmen LöFFLER-Blaulösung bleiben die grünen Körper wahrscheinlich wegen einer Überfärbung der Präparate unsichtbar, sie treten aber auch nicht hervor, wenn man auch noch so lange entfärbt; es_ kann also nicht gesagt werden, welche Faktoren hiebei überhaupt mitspielen. Ebensowenig sind die grünen Körper durch Thionin- — 75 — färbung bei Zimmertemperatur oder in der Wärme darstellbar. Ich muß die oben beschriebene Färbung der grünen Körper durch kalte LöFFLER-Blaulösung nach dem oben erwähnten Verfahi-en zunächst als eine spezifische Färbung ansprechen. Die grünen Körper finden sich in den blutzellenbildenden Organen myelämischer Individuen stets in grol.ier Menge vor, sie konnten in allen drei untersuchten Fällen (Delago, Höfer, Janowski) in Lymphdrüsen, Milz und Knochenmark sehr reichlich nachgewiesen werden. Beim Falle Delago waren sie am zahlreichsten im Knochenmark, beim Falle Höfer waren sie in Lymphdrüsen und Milz gleich massenhaft vorhanden, das Knochenmark dieses Falles stand mir nicht zu Gebote; beim Falle Janowski waren sie in der Milz massenhaft, im Knochenmark minder zahlreich vorhanden, die Lymphdrüsen dieses Falles standen mir nicht zur ^'erfügung. Die Zellen mit den grünen Körpern lagen in dem lym])hatischen Gewebe dieser Organe oft zerstreut und isoliert, viel häufiger lagen sie jedoch gehäuft in Gruppen von 10 — 20 im Gesichts- felde beisammen und fehlten dann oft wieder in einem oder mehreren benachbarten Gesichtsfeldern. Auch in den gröi^eren und kleineren Blutgefäßen des Schnittes konnten sie, wenn auch meistens nur vereinzelt, nachgewiesen werden. Eine bestimmte Gesetzmäßigkeit und Piegel- mäßigkeit der Anordnung dieser grünen Zellen im Gewebe war nicht erkennbar. Die Kerne der grünen Zellen befanden sich oft im Zustande der Hyperchromatose und Karyorhexis, doch konnten auch grüne Zellen mit vollständig intakten Kernen nachgewiesen werden. Im Protoplasma dieser Zellen, wenn sie von den grünen Körpern nicht vollständig angefüllt waren, konnten sehr häufig vakuolenartige Bildungen oder eine gewisse Starrheit der Zellsubstanz, vielleicht eine Art hyaliner Degeneration konstatiert werden. Ein Größenunterschied der grünen Körper in den verschiedenen blutzellenbildenden Organen war mit Sicherheit nicht festzustellen. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß die Kleinheit der Zelle auf die Kleinheit der grünen Körper von Einfiuß zu sein scheint, so daß in den Lymphdrüsen, wo ja die kleineren lymphatischen Zellen meistens über- wiegen, häufig die kleineren Formen der grünen Körj^er gefunden werden. Doch finden sich auch zahlreiche Ausnahmen von dieser Hegel. Dagegen muß es als Regel bezeichnet werden, daß die grünen Körper intracellulär gelegen sind. Gelegentlich kann es aber vorkommen, daß die grünen Körper den Zellenrand überragen (Fig. 79) und in einzelnen Fällen glaube ich sie auch extracellulär gesehen zu haben, ich möchte mich aber hierüber nicht mit voller Sicherheit aussprechen; jedenfalls ist ein solches Vorkommen nicht häufig zu konstatieren. Beim Falle Delago konnte auch die Leber, beim Falle Höfer Leber und Nieren auf spezifische Körper untersucht werden. In beiden Fällen waren in Leber und Nieren mächtige lymphatische Einlagerungen, so- genannte sekundäre Lymphome vorhanden, und in beiden Fällen waren auch in Leber und Nieren massenhaft grime Zellen nachweisbar. Sie verhielten sich hier an den Orten der dichten leukämischen Infiltration Avie in den blutzellenbildenden Organen und waren namentlich in der Niere des Falles Höfer in ebenso großer Zahl wie in den blutzellen- bildenden Organen dieses Falles vorhanden; auch die Kerndegeneration und Mastzellengranulation zeigte in Leber und Niere beider Fälle die gleichen Verhältnisse wie in den blutzellenbildenden Organen. Dagegen muß betont werden, daß die grünen Körper niemals in normal gebliebenen — 76 — Leberzellen oder Nierenepithelien gesehen wurden, und daß die grünen Zellen vollständig an jenen Lokalitäten fehlten, wo normales Leber- oder Nierengewebe vorhanden war. Nur in den Kapillargefässen und auch in den größeren Arterien und Venen konnten gelegentlich auch innerhalb des normalen Gewebes vereinzelte oder in kleinen Gruppen beisammen liegende grüne Zellen konstatiert werden, ebenso wie auch zwischen den manchmal nur spärlichen lymphocytären Elementen, die an manchen Stellen um die Kapillaren herum, vielleicht als der Ausdruck einer be- ginnenden leukämischen Infiltration gelegen sind, vereinzelte grüne Zellen vorhanden sein können. Dagegen habe ich die grünen Zellen vollständig vermißt in den blutzellenbildenden Organen bei reiner Lyraphämie, auf die wir später noch zurückkommen werden, ich habe sie vollständig ver- mißt in den früher erwähnten Fällen verschiedener Milztumoren (vgl. 8. 71), die zur Kontrolluntersuchung dienten und ich habe sie auch in den blut- zellenbildenden Organen gesunder und kranker Tiere (vgl. später) nicht auffinden können. Auch im peripheren Blute myelämischer lebender In- dividuen habe ich grüne Zellen bisher nicht beobachten können, doch habe ich bisher nur wenige Präparate nach dieser Richtung hin unter- sucht. Ich halte mich auf Grund des eben Ausgeführten für berechtigt, die grünen Zellen als spezifische Bildungen an- zusprechen, die nur in den blutzellenbildenden (Leichen) Organen und an den Stätten der sekundären Lymphombil- dungen bei myelämischen Individuen gefunden werden. Für die Deutung der grünen Zellen kommt nun noch die Frage in Betracht, ob sie nicht zum Blutpigmente in irgend einer näheren Beziehung stehen? Thatsächlich finden sich ja stets schon normaler- weise in den blutzellenbildenden Organen des Menschen und der Tiere, namentlich in der Milz reichlich blutkörperchenhaltige Zellen und Erythro- cytenderivate in den verschiedenen Stadien ihrer Umwandlung vor und gerade bei der Myelämie kann dieser Befund oft ein sehr hochgradiger sein. Es liegt nun gewiß sehr nahe, die grünen Zellen als Besiduen von degenerierenden Erythrocytenderivaten anzusprechen, zumal ja that- sächlich eine grüne Verfärbung der Blutkörperchentrümmer bei Menschen und Tieren vielfach konstatiert Averden kann. Allein eine solche Deutung der grünen Zellen kann nicht aufrecht erhalten werden. Die Blutkörperchenreste liegen ja vielfach in den blutzellenbildenden Organen extracellulär, sie liegen vielfach innerhalb großer sogenannter blutkörperchenhaltiger Zellen und dann meistens mehr vereinzelt in ihnen, ihr Farbenton ist niemals von jener eigenartigen schmutzig -grünen Beschaffenheit, welcher den grünen Zellen ihren typischen Charakter verleiht, sondern ist in der Regel mehr gelbgrün, ferner ist die Färbung der Blutkörperchenderivate völlig unabhängig von der Färbungsmethode und kann auch am völlig ungefärbten Präparate erkannt werden, weiterhin bleiben die ja neben den grünen Körpern in den Organschnitten in der Regel sehr leicht und reichlich nachweisbaren Blutkörperchenderivate bei der oben angeführten Färbungsmethode stets ungefärbt und können dann leicht von den grünen Zellen unterschieden werden; endlich aber sind die grünen Zellen in den blutkörperchen- haltigen Organen nur bei Myelämie vorhanden, während Derivate des Blutkörperchenzerfalles einen nahezu regelmäßigen Bestandteil dieser Organe, namentlich der Milz, ausmachen. Alle diese angeführten Difterenzen sprechen gegen die Auffassung der grünen Zellen als Derivate des Blut- körperchenzerfalles, sie stellen jedenfalls Bildungen dar, welche — ^ i — für den myelämisclien Prozess eine spezifische Bedeutung haben dürften. Nach den vorliegenden Befunden kann ein Zusammenhang zwischen den grünen Körpern in den l)hitzellenbildenden Leichenorganen myel- ämischer Individuen und den spezitischen Körpern, welche in dem während des Lebens entnommenen peripheren Blute der gleichen Individuen nach- gewiesen wurden, immerhin vermutet werden. Allerdings stützt sich diese Vermutung zunächst ausschließlich auf gewisse färberische Ver- hältnisse der beiden zu einander in Beziehung gebrachten Gebilde, und kann dadurch allein nicht erwiesen werden. Ich kann mich daher vor- läufig nur darauf einlassen, die Gründe, welche für und gegen einen solchen Zusammenhang sprechen, hier zu erörtern. Die spezifischen Körper konnten in dem am lebenden durch Punktion gewonnenen Milzsafte in ihrer typischen Form und Beschafi'eii- heit und in großer Menge nachgewiesen werden. In dieser Form sind sie jedenfalls in den Leichenorganen nicht vorhanden. Will man, wie bereits erwähnt wurde, nun nicht die Annahme machen, daß die spezi- fischen Körper in den Leichenorganen myelämischer Individuen zu Grunde gehen, oder doch zum mindesten mit den angewendeten .Methoden nicht darstellbar sind, so bleibt wohl kaum eine andere Annahme übrig, als daß sie sich daselbst in ihrer Form und Beschafi'enheit umwandeln und in anderer Gestalt und mit veränderten Eigenschaften daselbst erscheinen. Diese Annahme drängte sich, ganz abgesehen von der morpho- logischen Seite der Frage, auch durch später mitzuteilende Erfahrungen über die künstliche Infektion an Tieren auf. Zum besseren Verständnis möchte ich gleich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß gerade durch passende Verwendung der Leichenorgane künstlich eine leukämische Infektion bei Tieren hervorgerufen werden konnte. Diese Infektion gelang auch dann noch, wenn das Leichenmaterial mehrere Male durch- gefroren und wieder aufgetaut worden war, und sie gelang auch dann noch, wenn das zur Infektion verwendete Leichenmaterial 20 — 30 ^linuten auf 6ö^ erwärmt worden war. Diese Beobachtungen legen den Gedanken nahe, daß der Infektionsstoö' in den Leichenorganen in einer sehr widerstandsfähigen, in einer relativ hitze- und kältebeständigen Form enthalten sei, daß es sich hier in einer Dauer- oder Sporenform, anders gesagt in versportem Zustande befindet. Allerdings fehlt mir bis jetzt noch der strikte Gegenbeweis, daß nicht die spezifischen Körper des peripheren dem Lebenden entnommenen Blutes myelämischer Menschen überhaupt die gleiche hohe Widerstandsfähigkeit besitzen, indem analoge Infektionsversuche mit diesem Ausgangsmateriale bisher noch nicht angestellt werden konnten. Ich kann nur darauf hinweisen, daß das periphere Blut infizierter Tiere seine Infektionsfähigkeit nach den genannten Eingriften verliert, während die blutzellenbildenden Organe derselben sie unter den genannten Verhältnissen beibehalten. Da aber, wie später näher auszuführen sein wird, das vom Menschen stammende Infektionsmaterial beim infizierten Tiere an und für sich bereits ver- ändert wird, so können die Resultate des Tierversuches nicht als voll- ständiger Ersatz für den mit dem menschlichen Material nicht angestellten Gegenbeweis angesehen werden. Wenn nun derartige Erfahrungen darauf hinweisen, daß der In- fektionsstoff in den blutzellenbildenden Organen myelämischer Individuen in einer sporenähnlichen Form enthalten ist, so liegt es gewiß schon der äußeren Gestalt nach nahe, die oben beschriebenen grüne. — 78 — Körper als den morphologischen Ausdruck der siipponierten Dauerfornien der spezi tischen Körper innerhalh der Leichen- organe myelämischer Individuen anzusprechen. In diesem Falle würden dann die spezifischen Körper des peripheren Blutes bei myelämischen Individuen vegetative Formen eines bei Myelämie in und an den Leukocyten vorkommenden Parasiten, die grünen Körper aber die in den Leichenorganen aus den vegetativen Formen hervorgehenden Dauerformen oder Sporen desselben in den lymphatischen Zellen der hämatopoetischen Organe darstellen. Innerhalb welcher Zeit nach dem Tode sich diese Umwandlung in der Leiche vollzieht, darüber fehlt mir bis jetzt jegliches Urteil, ich kann nur darauf hinweisen, daß bei dem Falle Delägo, dessen dem Herzen entnommenes Leichenblut ich auf (zwei) Ausstrichpräparaten untersuchen konnte, die typischen spezifischen Körper, wie sie im Blute des Lebenden in so großer Zahl vorhanden waren, nicht nachweisbar waren; allerdings aber habe ich auch darüber kein Urteil, ob in diesem Blute nicht Zellen mit grünen Körpern, also die supponierten Dauerformen, enthalten Ovaren. Der Umstand nun, daß die grünen Körper durchgehends oder nahezu durchgehends Pamd- oder Kugelform aufweisen, kann nicht gegen die angeführte Deutung, viel eher für sie sprechen, nachdem Budgett^) den Nachweis geführt hat, daß Amöben beim Absterben durch Sauer- stoff'entziehung wahrscheinlich infolge Verflüssigung fester Körper ihres Inhaltes Kugelform annehmen. Allerdings muß betont werden, daß die bis jetzt genauer untersuchten Dauerformen bei den Amöben (Rhizo- poden) und gewissen Coccidien ein anderes Aussehen und namentlich bei den Coccidien eine ganz bestimmte Entstehungsart erkennen lassen (Feinberg-), Sghaudinn und Siedlegki^), Siedlegki"^)), die für die hier erörterten grünen Zellen der spezifischen Körper bei Myelämie nicht zu- trifft. Die Frage, ob die hier beschriebenen grünen Körper wirklichen Dauerformen entprechen, muß daher noch als eine offene bezeichnet werden. Es wird für die Beurteilung dieser Gebilde ferner noch die Mög- lichkeit zu erwägen sein, daß die grünen Körper vielleicht nur Reaktions- erscheinungen gewisser Zellen gegen irgend einen Reiz darstellen, der zum Krankheitsprozesse in näherer Beziehung steht. Es wäre dabei sogar möglich, an einen durch die Parasiten intravital hervorgerufenen Reiz zu denken, in welchem Falle dann die grünen Körper zwar durch die Parasiten bedingt, aber strenge genommen nicht zu ihrem Formen- kreise gehören würden. Besteht diese Auffassung zu Recht, dann wird man erwarten können, die grünen Zellen auch bei intravitaler Untersuchung des peripheren Blutes und der blutzellenbildenden Organe myelämischer Individuen aufzufinden, was durch künftige Beobachtungen zu entscheiden sein wird. Die Vermutung, daß die grünen Körper als Dauerformen auf- zufassen sind, möge aber nicht dahin mißverstanden werden, daß die betrefi'enden Gebilde den Dauerformen gewisser Spaltpilze und Protozoen vollständig gleichzustellen sind. Das ist, wie ja bereits erwähnt wurde, schon dem morphologischen Verhalten nach nicht möglich. Für die Gegenwart von widerstandsfähigen Formen der Parasiten in den blut- zellenbildenden Organen myelämischer Menschen, für welche dann die J) American Journ. of Physiology. Vol. I. 2) Fortschr. d. Mediz. 1899. Bd. 17. S. 121 f. 3) Verhandlungen d. deutsch, zoolog. Gesellsch. 1897. S. 192 f. 4) Annales de rin.stitut Pasteur 1898. T. XII. pg. 799. — 79 — Bezeichnung „Dauerformen" gewählt wurde, waren ja von vornherein mehr die später mitzuteilenden ubertragungsversuche auf Tiere als morphologische Gründe maßgebend. Ob nun diese Dauerformen, that- sächlich mit den Dauerformen oder Sporen der liakterien und anderer Protozoen vollständig identifiziert werden dürfen, sollte zunächst durch die Dezeichnung nicht präjudiziert werden. Jedenfalls stellen die grünen Körper, so weit ich zu beurteilen in der Lage bin, für die Leichenorgane myelämischer Individuen spezi- tische Bildungen dar, die bisher nicht berücksichtigt worden waren, imd die auch nur bei ganz bestimmten Färbungsverfahren erkannt werden können. Bire eigenartige Färbbarkeit, ihr typisches Aussehen und ihr massenhaftes Auftreten in den Leichenorganen myelämischer Individuen lassen es im Zusammenhalte mit den bereits angeführten Beobachtungen als wahrscheinlich bezeichnen, daß sie doch zum Formenkreis der spezi- fischen Körper des peripheren intravital entnommenen Blutes myelämischer Individuen gehören. Ein strikter Beweis für diese Auffassung kann der Natur der Sache nach in den vorgebrachten Argumenten nicht gelegen sein, ein solcher könnte ja nur dadurch erbracht werden, daß die künst- liche Hervorrufung analoger grüner Körper im Formenkreise der spezi- fischen Körper des myelämischen Blutes gelänge. Das ist aber, worauf wir noch zurückkommen, vorläufig nicht möglich, und es konnte hier nur davon die Rede sein, die Wahrscheinlichkeit der ausgesprochenen Vermutung darzulegen. Es erscheint mir nicht ausgeschlossen, daß die hier beschriebenen grünen Körper in näherer Beziehung stehen zu den oben erwähnten sporenartigen mit einer anderen Färbemethode her- gestellten Gebilden (Figg. 72 — 74, 98, 99), ja vielleicht mit ihnen identisch sind. Die Difterenzen der Färbung und Anordnung sind nicht so wesent- licher Art, um gegen diese Vermutung zu sprechen. Es könnte sich ja um verschiedene Stadien des gleichen Prozesses handeln, die vielleicht durch den Härtungsprozeß, durch die nach dem Tode bis zum Beginne des Härtungsprozesses verstrichene Zeit, und durch andere die Ernährungs- bedingungen des Parasiten nach dem Tode des Individuum beeinflussende Verhältnisse, veranlaßt sein könnten. Jedenfalls aber konnten die grünen Körper in allen darauf hin untersuchten Fällen von Myelämie nach- gewiesen werden, was von den früher erwähnten sporenähnlichen Ge- bilden nicht behauptet werden kann. Ehe nun dieser Gegenstand verlassen wird, möchte ich hier noch auf eine weitere Erscheinung aufmerksam machen, die uns zAvar noch später eingehender beschäftigen wird, die aber doch, da sie auch in den Leichenorganen myelämischer Individuen zu Tage tritt, hier bereits kurz berührt werden soll. Untersucht man nämlich die Schnitte von in Alkohol gehärteter Milz, Lymphdrüsen und Knochenmark nach Färbung mit der früher erwähnten basischen Farbenmischung oder nach langer Safraninfärbung und entsprechender Entfärbung, so treten bei den verschiedenen Fällen in wechselnder Zahl, im allgemeinen aber gar nicht so selten eigenartige Bildungen in den Kernen der lymphatischen Elemente zu Tage, von denen in den Figuren 82 — 91 einige Beispiele wiedergegeben sind, und auf die hier kurz eingegangen werden soll. Bei Färbungen mit kalter oder warmer LöFFLER-Blaulösung sind derartige Bilder weit seltener, und es fehlen dann gerade die größern charakteristischen Formen, wie sie in den Figuren ^2, 85, 87, 88, 89, 90 wiedergegeben sind. Bei Sublimat- und Formalin- härtungen sind sie in der Regel nur andeutungsweise vorhanden. — 80 — Es handelt sich hierbei um stark hvperchromatische Kerne, die entweder kleinen (Figg. 83, 86, 97) oder größeren (Figg. 82, 84, 85, 88 bis 91) lymphocytären Elementen angehören; oft ist der Protoplasma- rand gar nicht zu erkennen, als ob freie Kerne vorliegen würden, was aber wohl unwahrscheinlich ist. Die Färbung dieser Kerne ist dunkel- blau bis blaßblau, eventuell dunkelrot bis hellrosa (bei Safraninfärbung), einen metachroraatischen Farbenton habe ich an ihnen niemals wahr- nehmen können. Derartige Kerne halten die Farbe sehr intensiv zurück und sind noch blat'i gefärbt, wenn auch andere zellige Elemente ihre Färbung bereits ganz verloren haben. Sie stehen, wie bereits erwähnt wurde, zur Kern- und Zelldegeneration in innigster Beziehung, kommen oft lokal gehäuft vor, können aber andrerseits auch völlig isoliert mitten zwischen scheinbar ganz normalen zelligen Elementen gelegen sein. Auch in amitotischer Teilung begriffene Kerne (Figg. 82, 84) können eine solche Beschaffenheit ihrer Färbung aufweisen, Avährend die echten Mitosen, die ja auch an Alkoholpräparaten reichlich erkannt werden können, unter allen Verhältnissen infolge ihres reichlichen Chromatinge- haltes eine dunklere Färbung erkennen lassen. Derartige lymphatische Zellen mit hyperchromatischen Kernen kommen bei Myelämie in allen blutzellen- bildentlen Organen, und ebenso auch an den Lokalitäten metastatischer leukämischer Infiltrationen (Leber, Niere) vor. Von den Hyperchroma- tosen zu den früher erwähnten karyorhektischen Zuständen und den Hypochromatosen lassen sich leicht und meist in dicht neben einander liegenden Zellen die verschiedenartigsten Übergänge auffinden, das hängt von dem Grade der degenerativen ^'eränderungen ab, der in den be- treffenden Organen vorliegt. Li den von mir untersuchten Fällen waren die Zeichen des Kern- und Zellzerfalles in allen untersucBten blutzellen- bildenden Organen und auch in den sekundären leukämischen Lifiltrationen anderer Organe, wo sie untersucht werden konnten, reichlich und in ihren verschiedenen Formen nachweisbar, am reichlichsten fand ich sie in Milz und Knochenmark der Fälle Delago und Janowski. In derartigen hyperchromatischen Kernen triö't man nun, wenn der Grad der Entfärbung richtig gelungen ist — der Kern darf vor allem nicht zu dunkel sein, weil man sonst keinen Einblick in sein Inneres erhalten kann — ganz eigenartige, stets deutlich metachromatische Körper an, die in der Regel einfach oder doppelt, selten aber auch in größerer Zahl im Kern enthalten sind. Ihre Färbung ist deutlich rotblau bei der basischen Färbung und rostbraun bei Safraninfärbung; im letzteren Falle traten sie namentlich bei künstlicher Beleuchtung durch scharfe Lichtbrechung hervor. Man könnte nun diese Gebilde leicht für die Kernnukleoli an- sprechen, allein ihr ganzes Verhalten spricht dagegen. Zunächst muß nämlich bemerkt werden, daß die hyperchromatischen Kerne in der Mehrzahl der Fälle die normale Kernstruktur nicht mehr erkennen lassen. Es handelt sich vielmehr um eine gleichmäßige dunkle Färbung derselben, wodurch die hyperchromatischen Kerne ein geradezu homogenes Aussehen erhalten; das Gleiche gilt auch für die vielfach zu beobachten- den Kerntrümmer, welche wahrscheinlich aus den ersteren hervorgehen. Nur bei der sogenannten Gerüsthyperchromatose können noch An- deutungen der normalen Kernstruktur erkannt werden. In unserem Falle handelt es sich aber um totale Hyperchromatose, bei welcher die Kernkörperchen überhaupt nicht sichtbar sind. Untersucht man nun andere Zellen mit normalem Aussehen, so — 81 — kann man sich an passenden Stellen, wo die flntfärbung nicht zu weit vorgeschritten ist, davon überzeugen, daß die Kernköri)erchen nirgends metachromatisch, sondern deutlich blau oder rot gefärbt sind. Will man nun nicht die Annahme machen, daß die betreffenden intranukleären Körper ein besonderes degeneratives sich metachromatisch färbendes Stadium der Kernkörperchen darstellen, so wird man wohl nicht umhin können, sie von den Nukleolis abzutrennen. Ich glaube, nach dem was ich hierüber gesehen habe, nicht, daß es möglich ist sie als degenerierte Nukleolargebilde der hyperchromatischen Zellen anzusprechen. Die eigen- tümlichen Zacken und Hacken (Figg. 82, 84, 85, 8G, 87, 90, 91), die Ver- biegungen und Verbindungen derselben unter einander (Figg. 82, 83, 85, 89), und die manchmal hervortretenden Strukturdetails in ihnen (Figg. 85, 86, 88), welche auf dunklere und hellere Teile in ihnen hin- weisen, könnten wohl kaum als Stütze einer solchen Auffassung be- zeichnet werden. Wir werden uns später noch mit diesen Details zu beschäftigen haben. Auch muß hier hervorgehoben werden, daß diese intranukleären Gebilde vielfach von einem hellen Hofe umgeben sind (Figg. 83, 85, 87, 88) also wahrscheinlich innerhalb eines vakuolären Raumes liegen, ab und zu kihnien sich auch solche vakuolenähnliche Höfe neben den l)etreft'enden metachromatischen Körpern befinden (Fig. 91), oder es können auch ein oder mehrere solche Höfe zu Tage treten, ohne daß solche Körper im hyperchromatischen Kern vorhanden wären; die entsprechenden Beispiele hierfür Averden später beigebracht werden. Ferner muß. berücksichtigt werden, daß diese intranukleären Körper durchaus nicht in allen hyperchromatischen Kernen aufgefunden werden können; eine mehr oder minder große Zahl hyperchromatischer Kerne ist frei von derartigen Gebilden, ohne daß man die Intensität der Kern- färbung für das F'ehlen der intranukleären Kör})er verantwortlich machen könnte. Im allgemeinen kann man sagen, daß die intranukleären Körper nur im Stadium der Hyperchromatose im Kern vorhanden sein können, im karyorhektischen Stadium desselben aber nur äußerst selten und ebenso- wenig im hypochromatischen Stadium desselben angetroffen werden. Zwischen der Kernbeschatt'enheit und der An- oder Abwesenheit der genannten Körper scheint jedenfalls ein gewisser Zusammenhang zu be- stehen. Auch in den in mitotischer Teilung begriffenen Kernen habe ich in den untersuchten myelämischen Organen niemals derartige Körper angetroffen, während sie, wie bereits erwähnt wurde, in amitotisch sich teilenden Kernen ab und zu gefunden wurden. Wir werden darauf noch zurückkommen, daß in den blutzellenbildenden Organen bei Lymphämie analoge Körper auch in den mitotischen Teilungsfiguren angetroffen werden. Der Gedanke, daß die intranukleären Gebilde mit den spezifischen Körpern in einem näheren Zusammenhange stehen, ist gewiß ein sehr naheliegender, er drängt sich schon durch die metachromatische Färbung der beiden Gebilde auf, noch mehr aber dadurch, daß manche Figuren dieser intranukleären Körper den Eindruck von Teilungserscheinungen hervorrufen. Indessen muß doch auf einen Umstand hingewiesen werden, dem für die hier in Betracht kommende F'rage eine gewisse Bedeutung nicht abgesprochen werden kann. Wenn die genannten intranuklären Gebilde mit den spezifischen Körpern in Zusammenhang stehen, so müßten sie, wie diese, spezifisch für Myelämie eventuell Leukämie über- haupt sein, und unter anderen Verhältnissen nicht vorkommen. Nun haben aber eingehende Kontrolluntersuchungen , namentlich an der Löwit, Ätiologie u. Pathol. d. Leukämie. 6 — 82 — Kaninchenmilz ergeben, daß in gewissen Fällen auch bei ganz normalen Tieren Bilder auftreten, welche mit den eben beschriebenen eine gewisse Ähnlichkeit besitzen. Ich verweise diesbezüglich auf die Figuren 92 — 97. Es handelt sich dabei um das Auftreten basophiler inetachromatischer Granula im Kern, die selten in der Einzahl, meistens vielmehr in der Mehrzahl vorhanden sind, vielfach in so großer Zahl, daß eine völlige basophile Granulierung des ganzen Kernes und der ganzen Zelle vorhanden ist. Tluitsächlich kann man in solchen Fällen mit großer Leichtigkeit alle Übergänge vom Auftreten vereinzelter basophiler Granula bis zur vollständigen basophilen Granulierung des Kernes und der Zelle vorfinden. Die einzelnen Körnchen sind in der Kegel ki-eisrund, wie das im allgemeinen dem Charakter der Granula überhaupt entspricht, sie sind stets, auch wenn nur ein bis zwei solcher Granula vorhanden sind, kleiner und zarter als die oben beschriebenen intranukleären Gebilde, und wo wirklich eckige oder zackige Formen zu Tage treten, überzeugt man sich leicht, daß sie durch an einander ge- drängte runde Granula bedingt sind. Diese Verhältnisse bieten bereits gewisse Handhaben zur Unter- scheidung von den oben erwähnten intranukleären Körpern. Weiterhin kommen bei den nuklearen basophilen Kerngranulationen gelegentlich gleichfalls vakuoläre Höfe vor (Fig. 94), aber sie sind hier viel seltener zu finden als bei den erstgeschilderten intranukleären Körpern, bei denen diese Höfe geradezu zur Hegel gehören. Endlich ist zu bemerken, daß derartige basophile Kerngranula nur bei solchen normalen Tieren in der Milz nachgewiesen werden konnten, bei denen in derselben sehr reichUche Mastzellen vorhanden waren. Das ist aber, wie es scheint, nur bei vereinzelten Tieren der Fall, ich habe wenigstens mehrere normale Tiere untersucht, ohne auf derartige Verhältnisse zu stoßen. In Lymph- drüsen wurden basophile Kerngranula bisher überhaupt nicht gefunden, im Knochenmarke nur äußerst spärlich. Bei dem untersuchten menschlichen Kontrollmaterial (vgl. oben) wurden derartige Bilder überhaupt nicht gesehen. Was nun die Bedeutung dieser basophilen Kerngranulationen bei normalen Tieren anbelangt, so möchte ich mich zunächst eines bestimmten Urteiles enthalten. Ich habe den Eindruck erhalten, daß sie mit dem reichlichen Auftreten der Mastzellen im Zusammenhang stehen, da sie nur dann gefunden werden, wenn eben reichlich Mastzellen in dem be- treft'enden Organe vorhanden sind. Vielleicht liandelt es sich um die Bildung basophiler Granula in den Zellen, die vom Kern ihren Aus- gang nehmen, vielleicht um eine Art basophiler Degeneration in gewissen lymphatischen Zellen, die am Kern beginnt, den ganzen Kern und schließlich auch die Zelle ergreift. Möglicherweise gehören die von Ehrlich ^) er- wähnten Beobachtungen über den Übertritt der Mastzellensubstanz in den Kern, die auch von LTnna in analoger Weise gemacht wurden, gleich- falls hieher; ich muß aber betonen, daß in den hier angeführten Fällen basophiler Kerngranula der Kern niemals die metachromatische Mast- zellenfärbung zeigte, sondern rein blau gefärbt Avar, und daß auch die zugehörige Zellsubstanz keine basophilen Granulationen zu enthalten braucht. Eine vollständige Übereinstimmung dieser Beobachtungen mit den von Ehrlich angeführten ^'eränderungen an Mastzellen besteht also nicht. Ich bin nun der Meinung, daß die intranukleären Körper der 1) Die Anämie etc. S. 92. - 83 — lymphatischen Zellen in den bliitzellenbildenden Organen bei Myelämie nicht indentitiziert werden dürfen mit der basophilen Kerngranulation, die gelegentlich auch am normalen Tiere auftreten kann. Die Differenzen dieser beiden Bildungen sind im Vorausgehenden genügend betont. Immerhin erscheint es mit den gegenwärtig zu Gebote stehenden Hilfs- mitteln in manchen Fällen schwierig, eine Entscheidung zu treffen. So- weit meine gegenwärtigen Erfahrungen reichen, milchte ich für die T'nterscheidung dieser beiden IJildungen den Hau])tnachdruck legen auf die Größe, die Zahl und das Auftreten von Differenzierungen in den intranukleären Körpern. Größere Formen derselben, wie sie in den Figuren 85, 87, 88, 89, 90 abgebildet sind, und wie wir sie später noch bei Besprechung der Lymphämie kennen lernen werden, habe ich beim normalen Tiere niemals getroffen, sie dürfen daher wohl den intra- nukleären (spezifischen) Kcirpern zugezählt werden ; dagegen können, w^enn auch nur selten, kleine Formen, wie sie auch bei normalen Tieren vor- kommen, auch bei Myelämie vorhanden sein und weisen vielleicht hier gleichfalls auf degenerative Prozesse im Kerne hin. Auch scheint es nicht gegen die Trennung der großen und kleinen intranukleären Gebilde zu sprechen, wenn beide gleichzeitig (Figg. 86, 91) in demselben Kerne vor- kommen. Auch die früher erwähnten Differenzierungen der intranukleären Körper (Figg. 85, 86, 88, 89) habe ich beim normalen Tiere niemals ge- sehen. Den w'esentlichsten Nachdruck möchte ich aber darauf legen, daß die intranukleären Körper bei Myelämie in der Regel in der Ein- oder Zweizahl, selten darüber, im Kern enthalten sind, während die basophilen Kerngranula beim normalen Tiere in der Regel in größerer Zahl und in kleinern Einzelformen vorhanden sind. Ich halte diese Differenz für so wichtig, daß ich geneigt bin alle Formen, bei denen mehr als 2—3 kleinere intranukleäre Gebilde vorhanden sind, bereits den basophilen Kerngranulationen zuzuzählen; doch habe ich auch hier eine absolute Sicherheit nicht erlangen können. Im allgemeinen glaube ich aber die Unterscheidung dieser beiden Bildungen aufrecht halten zu dürfen und dementsprechend die gelegent- lich auch am normalen Tiere auftretenden Kerngranula der beschriebenen Art als echte basophile Granulationen, die sogenannten intranukleären Körper bei Myelämie aber als etwas davon Verschiedenes ansprechen zu dürfen, das vielleicht in Beziehung zu bringen ist zu den spezifischen Körpern des myelämischen Blutes und der blutzellenbildenden Organe bei Myelämie. In diesem Falle hätte man sich dann vorzustellen, daß spezifische Kör])er in den blutzellenbildenden Organen sich auch in den Kernen der lym})hoiden Zellen in bestimmter Form ablagern können. Die Natur der spezitischen Körper als parasitäre Bildungen vorausgesetzt, würde man dann nicht bloß eine Anwesenheit von Parasiten in oder an der Zelle, sondern auch im Kern der Zelle anzunehmen haben, also cytozoe und karyotope Parasiten unterscheiden können. Ob nun diese beiden Formen mit einander gleichwertig sind, ob sie der gleichen oder ver- schiedenen Parasitenarten angehören, ob vielleicht die karyotope Form als Dauer form in dem oben erörterten Sinne anzusprechen ist, darüber wage ich kein Urteil abzugeben. Die Seltenheit der karyotopen Form gegenüber der cytozoen in den blutzellenbildenden Organen bei Myelämie kihinte, vorausgesetzt, daß beide Formen zusammengehören, darauf hin- weisen, daß vielleicht erst nach dem Tode des Individuums einzelne Parasiten in den Kern übertreten, hier infolge geänderter Lebens- — 84 — Verhältnisse auch geänderte Form annehmen und vielleicht länger noch Bedingungen für ihre Existenz vorfinden als im Zellprotoplasma, und möglicherweise auch noch Bewegungs- und Vermehrungserscheinungen erkennen lassen, ehe sie auch hier absterben. Ich muß bemerken, daß ich bisher die beschriebenen karyotopen Gebilde im Blute und Milzsafte, die dem lebenden myelämischen Individuum entnommen wurden, niemals beobachtet habe. Die Frage, ob bei Myelämie in den blutzellenbildenden Organen spezitische Körper sich auch in karyotoper Form vorfinden, kann mithin auf Grund der oben gemachten Angaben vorläufig nur angeregt werden. Eine Entscheidung hierüber wird schon durch den Umstand wesentlich erschwert, weil bekanntlich gerade bei Myelämie an diesen Lokalitäten eine reichliche Ansammlung von Mastzellen und von lymphoiden Zellen mit basophilen Granulationen vorgefunden wird. Sie ist daher jeden- falls noch als eine oÖene zu bezeichnen. Bei der Lymphämie Hegen, wie später ausgeführt werden wird, die Verhältnisse in dieser Beziehung etwas anders. Kapitel VIII. Die spezifischen Körper im peripheren Blute der ver- schiedenen Fälle von Myelämie. Schon bei einer oberflächlichen Durchmusterung der Blutpräparate bei den 12 Fällen von Myelämie, die ich untersuchen konnte, ergab sich, daß der Gehalt an spezifischen Körpern in den verschiedenen Fällen ein sehr wechselnder war. Es erschien nun geboten dieses Verhalten genauer und zahlenmäßig zu verfolgen. Zu diesem Zwecke wurden die Trockenpräparate nach der früher angeführten Methode erst mit Thionin und dann mit EimLicH'schem Triacid gefärbt; es waren dann nicht bloß die spezifischen Körper, sondern auch die verschiedenen Leukocytenformen klar zu unterscheiden, und man konnte durch Auszählung mehrerer Gesichtsfelder einen zahlen- mäßigen Anhaltspunkt nicht bloß über die Mengen der spezifischen Körper, sondern auch über die einzelnen Leukocytenformen und ihre Beziehung zu den spezifischen Körpern erhalten. Es braucht wohl nicht betont zu werden, daß die in den folgenden Tabellen mitgeteilten Zahlen- angaben nur einen relativen und vor allem nur einen Vergleichswert besitzen. Da es mir nun bei den folgenden Untersuchungen vornehmlich darauf ankam, die Menge der Leukocyten mit spezifischen Körpern kennen zu lernen, so habe ich die frei auflerhalb von weißen Blutzellen liegenden spezifischen Körper von der Zählung gänzlich ausgeschlossen. Derartige freie spezifische Körper finden sich aber, wie bereits erwähnt wurde, nahezu in jedem Präparate, ja sie können, in der Regel vermut- lich durch Zellenläsion, gelegentlich in recht beträchtlicher Menge vor- handen sein. Wahrscheinlich wird also durch diese Ausschließung eine — 85 — niedrigere Zahl der Leukocyten mit spezifischen Körpern resultieren müssen als sie den thatsächlichen Vorhältnissen entspricht. Das wird aber, da es sich ja nicht um die aljsoluten Mengenverhältnisse der spezifischen Körper handelt, die Brauchbarkeit der Zählung nicht wesent- lich beeinträchtigen können. Der in der frühern Zusammenstellung (vergl. S. 24) zuerst er- wähnte Fall Delago konnte durch einige Zeit beobachtet werden und an ihm wurden auch sehr häufig Zählungen vorgenommen, die für die Beurteilung der hier in Frage kommenden Verhältnisse von besonderer Wichtigkeit sind. la. Delago, Fingerbeerenblut vom 14. Dezember 1897 enthält Leukocyten mit spezifischen Körpern 7.5 "/o Einkernig kleine und große Leukocyten 12.8 ,, Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 51.3 ;, Myelocyten 28.4 „ Ib. Delago, Fingerbeerenblut vom 15. Dezember 1897 enthält Leukocyten mit spezifischen Körpern 21 '^/o Einkernig kleine und große Leukocyten 34.8 ,, Eingel)uclitete und mehrkernige Leukocyten 36.4 „ Myelocyten 7.8 „ Ic. Delago, Fingerbeerenblut vom 16. Dezember 1897 enthält Leukocyten mit spezifischen Körpern 10.0 °/o Einkernig kleine und große Leukocyten 28.1 ,, Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 45.7 „ Myelocyten 16.2 ,. Id. Delago, Fingerbeerenblut vom 20. Dezember 1897 enthält Leukocyten mit spezifischen Körpern 8.2 "^/o Einkernig kleine und große Leukocyten 14.4 ,, Eingelnichtete und mehrkernige Leukocyten 65.3 ,. Myelocyten 12.1 ., le. Delago, Fingerbeerenblut vom 24. Dezember 1897 enthält Leukocyten mit spezifischen Körpern 3.3 °/o Einkernig kleine und große Leukocyten 10.9 „ Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 60.0 „ Myelocyten 25.8 „ If. Delago, Milzsaft durch Punktion am 24. Dezember 1897 unmittelbar nach der Entnahme von le. gewonnen, enthält Leukocyten mit spezifischen Körpern 38.0 "/o Einkernig kleine und große Leukocyten 51.3 ,, Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 8.7 „ Myelocyten 2.0 „ Ig. Delago, Fingerbeerenblut vom 2. Januar 1898 enthält Leukocyten mit spezifischen Körpern 1.6 °/o Einkernig kleine und große Leukocyten 12.3 .. Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 62.1 „ Myelocyten 24.0 „ — se- ih. Delago, Fingerbeerenbliit vom 8. Januar 1898 enthält Leukocyten mit spezifischen Körpern 12.7 ^/o Einkernig kleine und große Leukocyten 25.8 „ Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 46.3 „ .Myelocyten 15.2 ,, Es ist also in diesem Falle ein sehr wechselnder Gehalt an Leuko- cyten mit spezifischen Körpern an den verschiedenen Tagen der Beob- achtung im Fingerbeerenblute nachweisbar (1.6— 21°/o) und es ergiebt sich daraus sofort, daß eine einmalige Zählung eine Beurteilung der Mengenverhältnisse der spezifischen Körper in dem betreffenden Falle nicht gestattet. Im großen und ganzen gehört aber dieser Fall Dehago jedenffills zu jenen mit reichlichem Gehalte an spezifischen Körpern, und ich muß es als einen glücklichen Zufall bezeichnen, daß gerade ein solcher Fall, an dem die Auffindung der verschiedenen Formen und Stadien dieser Körper schon wegen ihrer Menge leichter durchführbar war, als der erste und durch längere Zeit einer gründlichen Untersuch- ung unterzogen werden konnte. Außerdem geht aus den Zählungen hervor, daß an einem Tage (le. 24. 12. 97.), wo im Fingerbeerenblute nur 3.3 ''/o Leukocyten mit spezifischen Körpern bestimmt wurde, im Milzsafte davon 38°/o nach- weisbar waren. Dieser an dem betreffenden Kranken allerdings nur einmal erhobene Befund legt den Gedanken nahe, daß in den blutzellen- bildenden Organen des Myelämikers weit größere Mengen spezifischer Körper als im peripheren Blute enthalten sind, eine Annahme, für welche wir später noch weitere Anhaltspunkte werden beibringen können. Die Leukocyten mit spezifischen Körpern gehörten in diesem wie auch den übrigen Fällen von Myelämie vornehmlich der Gruppe der einkernigen kleinen und größeren Leukocyten an, also jener Form, die in der Hegel als Lymphocyten bezeichnet werden. Mit dieser Bezeich- nung darf aber, nach meiner Anschauung, bloß ein Ausdruck für die Form und Größe der betreffenden Leukocyten, nicht aber für den Ort ihrer Abstammung verstanden werden. Ich halte in dieser Beziehung, wie ich das ja schon in früheren L^ntersuchungen ^) betont habe, an der später auch von Arnold^), HmscHFELO^), Walz*) und anderen acceptierten Auffassung fest, daß Lymphocyten nicht bloß in den Lymphdrüsen, sondern in sämtlichen blutzellenbildenden Organen, also auch in Milz und Knochen- mark gebildet und von da dem Blute zugeführt werden. Ich muß Nachdruck darauf legen, daß auch die Menge der Lympho- cyten bei den daraufhin untersuchten Fällen von Myelämie im peri])heren Blute entschieden vermehrt war, wobei ich mich allerdings nicht auf absolute, sondern nur auf relative Zahlenwerte stützen kann. Es handelt sich also auch bei der Myelämie nicht, wie ja vielfach angenommen wird, um eine einseitige Vermehrung der sogenannten Knochenmarks- elemente im Blute, unter welchem Namen vorwiegend die typischen Myelo- cyten, von einzelnen Autoren aber auch die früher erwähnten sogenannten hypertrophischen Leukocyten verstanden werden, sondern es können auch echte sogenannte lymphocytäre Elemente, die ja allerdings auch aus 1) Sitzungsber. d. K. Akad. d. Wiss. zu Wien 1883. Math. nat. Klasse Bd. 88, III. Abt. und Ebendaselbst 188-5. Bd. 92. ^) ViRCHOws Archiv etc. Bd. 140. 3) ViRCHows Archiv etc. Bd. 149 S. 22 und Bd. 15.3. S. 353. 4) Arbeiten aus dem Tübinger patholog. Institute Bd. II. 1899. Heft 8. — 87 — dem Knochenmarke abstammen können, in vermehrter Zalil im Blute vorhanden sein, Avas von Walz c;leicht'alls betont wurde. Aber gerade in dieser Beziehung scheinen, wie die oben angeführten Zähkmgen beim Falle Delago beweisen, gleichfalls recht erhebliche Schwankungen an den verschiedenen Tagen in dem (iehalte an einkernig kleinen und großen Leukocyten zu bestehen; die niedrigen Zahlen be- Avegen sich zwischen 10.9 — 14.4*^,'o, während die höheren Werte zwischen 25.8 — 51.8"/o betragen. Berücksichtigt man nun, daß die Leukocyten mit spezifischen Körpern gleichfalls der Hauptsache nach der gleichen Form angehören, so ergeben sich an einzelnen Tagen annähernd normale Verhältnisse des Lymphocytengehaltes, an anderen aber ganz beträchtliclie Zunahme desselben. Diese wechselnden, in ihrer Ursache vielleicht von der parasitären Thätigkeit der spezifischen Körper abhängigen Verhält- nisse dürften auch dafür verantwortlich sein, daß bisher gerade dem Verhalten der Lymphocyten bei der Myelämie in dieser Beziehung nicht die nötige Aufmerksamkeit zugewendet Avurde. Bei nur einmaliger Zählung der verschiedenen Leukocytenformen im Blutpräparate können diese die Lymphocyten betreffenden Verhältnisse leicht übersehen werden, weshalb auch die diesbezüglichen Zählungen bei den andern Fällen von Myelämie , die in der Regel nur an wenigen Präparaten durchgeführt Averden konnten, über diese A'erhältnisse keinen Aufschluß erbringen. Es zeigt sich nun bei Aveiterer Berücksichtigung der obigen Zäh- lungen, daß die Werte der Leukocyten mit spezifischen Körpern und jene der einkernig kleinen und großen Leukocyten bei dem betreffenden Falle wenigstens annähernd gleichsinnig verlaufen, so daß den niedrigem Werten der kleinen und großen Leukocyten auch die geringere Menge der Leukocyten mit spezifischen Körpern entspricht und umgekehrt. Da nun die genannten Lymphocyten Avenn auch nicht den alleinigen, so doch den hauptsächlichsten Aufenthaltsort der spezifischen Körper dar- stellen, so liegt es gewiß nahe zAvischen den entsi)rechenden SchAvan- kungen der beiden Werte einen Zusammenhang zu vermuten, der mög- licherAveise zu den Avechselnden Verhältnissen der Zufuhr der betreffenden Zellen, als den vornehmlichen Wirtszellen der spezifischen Körper, aus den blutzellenbildenden Organen in Beziehung zu bringen sein dürfte. Bei dem Falle Delago nun bestimmten anfänglich (la. 14/12. 97.) die in großer Zahl vorhandenen Myelocyten soAvie die eingebuchteten und mehrkernigen Leukocyten das hämatologische Blutbild (zusammen 79.7 °/o); schon" am nächsten Tage (Ib. 15/12. 97.) betrug ihre Menge zusammen nur 44.2 °/o und im Blutbilde überAvogen die einkernig kleinen und großen Lymphocyten (mit 55.8 °/o), von denen 21 "/o spezifische Körper führten, gegenüber 7.5 °/o des Vortages. Mit der Dauer des Spitalsaufenthaltes nimmt die Menge der Leukocyten mit spezifischen Körpern im peripheren Blute unter mannigfachen SchAvankungen all- mählich ab und erreicht am Tage des Austrittes (Ig. 2./1 98.) den Wert von nur 1.6 °/o, während die Zahl der eingebuchteten und mehr- kernigen Leukocyten auf 62.1 ^/o anAvächst ; ob hier eine Wirkung der eingeschlagenen Arseniktherapie vorliegt, Avage ich nicht zu entscheiden. Alle diese Verhältnisse Averden erst bei weitern Beobachtungen genügend geklärt Averden können, hier sollte nur ein vorläufiger Hinweis auf die Beziehungen der spezifischen Körper zu den verschiedenen Leukocyten- formen gegeben Averden. Bei dieser Gelegenheit sei nochmals hervorgehoben, Avas in gleicher Weise auch für die übrigen untersuchten Fälle von Myelämie gilt, daß spezifische Körjjer in den typischen eosino])hilen Leiikocyten, die gerade ini Falle Delago recht häutig Avaren, niemals gesehen wurden. In den mehrkernigen Leukocyten sind sie äußerst spärlich, unter den zahl- reichen Blutpräparaten, die ich daraufhin untersuchen konnte, wurde nur in einem Falle eine diesbezügliche Beobachtung gemacht. In Leuko- cyten mit eingebuchtetem Kerne (den sogenannten t:bergangsformen) sind die siieziHschen Körper ziemlich häufig; in den Myelocyten wurden sie gleichfalls, wenn auch nicht sehr oft gesehen, ihr hauptsächlichstes Domizil sind in der Mehrzahl der untersuchten Fälle jedenfalls die ein- kernig kleinen und großen Leukocyten. Bei dem zweiten Falle (Kremlicka) der obigen Zusammenstellung wurden in einem alten Trockenpräparate (10. Mai 1896) gezählt: Leukocyten mit spezifischen Körpern 0.8*^/o Einkernig kleine und große Leukocyten 25. G .. Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 52.3 „ Myelocyten 21.3 ,, Bei dem dritten Falle (Seier) der obigen Zusammenstellung wurden in einem alten Trockenpräparate (15. September 1896) gezählt: Leukocyten mit spezifischen Körpern 3.3 ^'/o Einkernig kleine und große Leukocyten 20.8 ,. Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 50.0 „ Myelocyten 25.9 „ Bei dem v ierten Falle (Czerczinski) der obigen Zusammenstellung wurden in einem Präparate gezählt: Leukocyten mit spezifischen Körpern öA^jo Einkernig kleine und große Leukocyten 21.6 ,, Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 56,8 „ Myelocyten 16.2 ., Bei dem fünften Falle (Joh. Renner) der obigen Zusammen- stellung wurden in einem Präparate gezählt: Leukocyten mit spezifischen Körpern 25.0 °/o Einkernig kleine und große Leukocyten 29.3 „ Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 31.0 ,, Myelocyten 14.7 „ Bei dem sechsten Falle der obigen Zusammenstellung (Janos Lanczur) wurden in einem Präparate gezählt: Leukocyten mit spezifischen Körpern 5.0 °/o F]inkernig kleine und große Leukocyten 11.6 ,. Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 49.0 „ Myelocyten 34.4 ,. Bei dem siebenten Falle der obigen Zusammenstellung (Jvan Cserui) . wurden in einem Präparate gezählt : Leukocyten mit spezifischen Körpern 3.8 °o Einkernig kleine und große Leukocyten 9.8 ,. Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 54.0 .. Myelocyten ' 32.4 .. Bei dem achten Falle (ambulatorische Frau) der obigen Zu- sammenstellung wurden an einem Präparat gezählt: Leukocyten mit spezifischen Körpern 5.0*^/o Einkernig kleine und große Leukocyten 12.8 ,, F]ingel)uchtete und mehrkernige Leukocyten 53.0 ,. Myelocyten 29.2 „ — 89 — Bei dem neunten Falle (Höfer Karl) der obigen Zusammen- stellung wurden im Mittel aus zwei Präparaten gezählt : Leukocyten mit spezifischen Körpern 1.9*'/o Einkernig kleine und große Leukocyten 4.2 ,, Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 62.5 „ Myelocyten 3L4 „ In diesem Falle war die Zahl der eingebuchteten und mehrkernigen Leukocyten eine so große, daß an eine Beeintlußung des hämatologischen Blutbildes durch einen interkurrenten entzündlichen Prozeß oder durch eine Lit'ektionskrankheit gedacht wurde. Die diesbezüglich beim danuiligen A'orstande der propädeutischen Klinik in Prag (Hofrat Prof. Dr. Knüll) eingeholten Erkundigungen ergaben jedoch nach dieser Ilichtung ein völlig negatives Resultat. Der Nachweis der spezifischen Körper im Blute, der große Gehalt an Myelocyten, sowie die später hinzugekommene Untersuchung der Leichenorgane konnten keinen Zweifel darüber auf- kommen lassen, daß Myelämie vorlag. Ln zehnten Falle der obigen Zusammenstellung konnte in einem Präparate gezählt werden: Leukocyten mit spezifischen Körpern 1 .7 "/o Einkernig kleine und große Leukocyten 18.2 „ (davon einkernig klein 6.2 „) Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 44.2 „ Myelocyten 35.9 „ Im elften Falle konnte nur in zwei Präparaten die Anwesenheit spezifischer Körper festgestellt werden, eine genauere Auszählung war jedoch wegen ungenügender Konservierung der Präparate nicht möglich. Was nun den zwölften Fall der oben angeführten Zusammen- stellung anbelangt (Skopan), so habe ich bereits früher (S. 25) einige diesbezügliche Daten angeführt. Ich muß hier noch bemerken, daß spezifische Körper in ihren gut und charakteristisch entwickelten Formen in den mir zur Verfügung stehenden Bluttrockenpräj^araten nur äusserst spärlich nachgewiesen werden konnten. Es geht daher schon deshalb nicht an, diesen Fall zu den Formen der Lymphämie hinzuzurechnen, worauf allerdings das hämatologische Blutbild im großen und ganzen hinweist; ausserdem waren in den Blutpräparaten ganz vereinzelte Formen großer sogenannter hypertrophischer Leukocyten vorhanden, die von dem Tyims großer Lymphocyten entschieden abwichen. Ihr Kern war manch- mal kreisrund , manchmal aber eingebuchtet oder auch ein- und abge- schnürt, besaß somit bereits den Charakter von „Übergangsformen", ihr Protoplasma war nicht auf einen schmalen Saum um den Kern herum beschränkt, sondern war oft stark verbreitert und mit feinen Granulis erfüllt. Einzelne dieser Zellen erwiesen sich bei der Triacidfärbung als typische „Myelocyten", die geringe Menge derselben gestattete jedoch keinen bestimmten Schluß aus diesem Befunde zu ziehen. Dazu kam weiter, daß von klinischer Seite die Mitbeteiligung von Milz und Knochenmark am Krankheitsprozesse in diesem Falle betont wurde, und daß auch bei der LeichenöÖnung (Hofrat Prof. Dr. CmARi in Prag) eine starke Hypertrophie von Lymphdrüsen und Milz, sowie eine Mitbeteiligung des Knochenmarkes konstatiert worden war, was ja auch bei reiner Lymphämie vorhanden sein kann. Die eigene Untersuch- ung der blutzellenbildenden Organe, die mir durch das liebenswürdige Entgegenkommen von Hofrat Prof. Chiari möglich war, ergab nun in allen — 90 - Organen eine kleinzellige, lymphocytäre, dichte Infiltration mit Erhal- tung des Lymphoidgewebes, wie sie den Veränderungen bei Lympli- ämie entspricht. Das gilt im gleichen Grade für Lymphdrüsen, Milz imd Knochenmark; in keinem dieser Organe war Myeloidgewebe nach- weisbar, und ancli das Knochenmark zeigte im Schnitte nirgends den myeloiden Typus, der wahrscheinlich den pyoiden Veränderungen des Knochenmarkes nach Neumanx ^) entspricht (Walz 2)), sondern überall eine dichte Einlagerung von kleinzelligen lymphatischen Elementen, wahr- scheinlich der lymphadenoiden Hyperplasie Xeumanxs entsprechend. Die Untersuchung der blutzellenbildenden Organe auf die oben geschilderten „grünen Zellen" , die einen so konstanten und typischen Befund in den drei untersuchten Fällen von Myelämie ergeben hatten^ bliel) in diesem Falle vollständig resultatlos, sie konnten in zahlreichen daraufhin untersuchten Präparaten nicht gefunden werden, indessen ge- stattet auch dieses negative Ergebnis keinen sicheren Schluß zu ziehen, da die betreffenden Organe in Formalin gehärtet waren, das, wie ich mich in eigenen Kontrolluntersuchungen beim Falle Delago (und auch bei dem später zu erwähnenden Falle Stecher) überzeugt hatte, für die färberische Darstellung der betreflenden grünen Zellen ungeeignet ist. Es wäre also immerhin möglich , daß vereinzelte grüne Zellen in den blutzellenbildenden Organen vorhanden waren , allein wegen der ungeeigneten Härtungsmethode nicht zur Darstellung gebracht werden konnten. Es muß daher unentschieden bleiben, ob dieser zwölfte Fall der obigen Zusammenstellung eine Mischform von Myelämie und Lymphämie oder einen reinen Fall von Lymphämie darstellt. Der spärliche Nach- weis echter Myelocyten im Blute, der anfänglich die Autfassung dieses Falles als eine Mischform nahelegte, spricht wohl nicht unbedingt für eine solche Deutung; andrerseits ist aber auch die Zuzählung dieses Falles zu der lymphämischen Form der Leukämie aus dem bereits angeführten Grunde nicht möglich. Gerade solche Fälle weisen aber darauf hin, wie wichtig die richtig durchgeführte Untersuchung des Blutes und der blutzellenbildenden Organe auf spezifische Körper für die Auffassung derselben zu werden verspricht. Jedenfalls geht aber aus diesem P'alle hervor, was ja, wie bereits betont wurde, auch von Weiss und anderen bemerkt wird, daß die klinisch nachweisbare Volumszunahme von Lymphdrüsen und Milz und die Mit- beteiligung des Knochenmarks in hämatologischer Beziehung nicht mit dem r»ilde der Myelämie einhergehen müssen, sondern daß ein Fall, der klinisch und nach den groben Veränderungen auch pathologisch-anatomisch als eine lymphatisch-lineal-myelogene Form von Leukämie bezeichnet werden muß, hämatologisch im wesentlichen das Bild einer Lymphämie darbieten kann. Für die Erklärung solcher Fälle hat bereits VmcHOW^) die Annahme gemacht, daß die Größe der Organerkrankung nicht in einem konstanten V^erhältnisse zu der Ausbildung der entsprechenden Blutveränderung zu stehen brauche, sondern daß wahrscheinlich der Grad der Erkrankung in den einzelnen Organen das fjlutbild bestimmen dürfte. Weiss"*) führt in einem Falle lineal-lymphatisch-myelogener Leukämie das vorhandene I) Berliner klinische Wochensclir. 1878 Nr. ß ff ■-) Arbeiten auf dem Gebiete d. patholog. Anat. etc. aus dem pathol. anat. Institute zu Tübingen Bd. K. Heft 3 Braunschweig 1899. S. 489. :i) Ges. Abhandlungen S. 199 f. ■i) Hämatolog. Untersuchungen. Wien 1896. S. 91 f. — Ol — Blutbild der Lyniphämie auf die Mitbeteiligung der lymphatischen Apparate des Darmes zurück. Es soll hier auf weitere analoge Fälle und die namentlich von Walz dargelegte Art ihres Zustandekommens nicht -weiter eingegangen werden, wir werden darauf später noch zurück- zukommen haben; es genügt liier für solche Fälle die Inkongruenz zwischen dem hämatologischen Befund und der Beteiligung der blut- zellenbildenden Organe betont zu haben. Aus den angeführten Zählungen geht jedenfalls hervor, daß bei den verschiedenen Fällen von Myelämie und auch bei dem gleichen zu verschiedenen Zeiten untersuchten Falle sehr wechselnde N'erhältnisse bezüglich der Anwesenheit von Leukocyten mit spezirischen Kch'pern im peripheren Blute herrschen können, und daß eine einmalige Unter- suchung nicht genügt, um die diesbezüglichen Verhältnisse beurteilen zu können. Wohl aber darf ich darauf hinweisen, daß sie in keinem der daraufhin untersuchten Fälle von Myelämie daselbst gefehlt haben. Die nach dieser Bdchtung hin exceptionelle Stellung des zwölften Falles (Skopan) Avurde bereits hervorgehoben. In dem durch Punktion am Lebenden gewonnenen INIilzsafte wurden die spezifischen Körper weit reichlicher als im peripheren Blute (in einem Falle) gefunden, und ich möchte an dieser Stelle noch hervor- heben, daß sie in dem Leichenblute des betreffenden Falles (Delago) nicht nachgewiesen werden konnten. Kapitel IX. Die Deutung der spezifischen Körper bei Myelämie. Haemamoeba leukämiae mag-na. Aus den vorausgehenden Beobachtungen geht hervor, daß die spezi- tischen Körper des myelämischen Blutes mit den bisher bekannten morphotischen Elementen des Blutes nicht identifiziert werden köinien, daß sie für die erwähnte Erkrankung spezifische Bildungen darstellen, und daß gerade Avegen dieses Verhaltens der Gedanke einer Auffassung der spezifischen Körper als parasitäre Bildungen nahe gelegt wird. Es konnte eine Reihe von Erscheinungen festgestellt werden (Segmentierung, Geißelformen, Sichel- oder Navikelform, Beobachtung am frischen Blute), w^elche geradezu zu Vergleichungen mit analogen Erscheinungen an den Malariaparasiten der roten Blutkörperchen aufforderten, und es konnten im Vorausgehenden bereits mancherlei Ähnlichkeiten und Differenzen der beiden Gebilde hervorgehoben Averden. Hält man nun zunächst diesen Gedanken über die parasitäre Natur der spezifischen Körper fest, so wird man dieselben aus den im voraus- gehenden geschilderten Gründen als L e u k o c y t e n p a r a s i t e n bezeichnen müssen, für Avelche, Avie bereits erAvähnt A\'urde, Daxilewsky den Namen der Leukocytozoa eingeführt hat. Wie für die Malai"ia- und ihnen verAvandte Parasiten die roten IMutkörperchen den Sitz und den Nähr- boden darstellen, in dem sie im Blute und den blutzellenbildenden — 92 — Organen ihre Entwickelung- durchmachen, so würden dann die spezi- fischen Köri)er bei Myelämie Parasiten der weissen Blutkörperchen dar- stellen, die in ihrer Ernährung auf diese Zellen angewiesen sind, und auch in ihnen ihre EntAvickelung durchmachen. Der Gruppe der Ery- throcytozoa würde dann jene der Leukocytozoa gegenüberstehen. Im folgenden soll nun die Frage nach der parasitären Natur der spezifischen Körper näher erörtert und an die Frage herangetreten werden, ob die verschiedenen an den spezifischen Körpern beobachteten Erscheinungen mit einer solchen Annahme vereinbarlich sind, und ob es auf Grund der bisherigen Beobachtungen bereits möglich ist, die Stellung des vermeintlichen Parasiten im zoologischen Systeme zu bestimmen. Es wird bei dieser Darstellung eine Wiederholung einzelner im Vorausgehenden bereits besprochener Beobachtungen nicht zu um- gehen sein. Die strikten Beweise für die parasitäre Natur der spezi- fischen Körper werden nur durch die gelungene Übertragung derselben auf ein anderes Tier, sowie durch die künstliche Kultur derselben erbracht werden können; auf diese beiden Punkte werden wir später einzugehen haben. Über Leukocytenschmarotzer liegen bis jetzt nur verhältnismäßig wenig Beobachtungen vor, während wir bereits eine ganze Reihe von Erfahrungen über Parasiten der roten Blutkörperchen und auch sonstiger zelliger Elemente bei niedern und hohem Tieren besitzen. Ja man Avird sogar sagen müssen, daß die MEXscHNiKOFF'sche Lehre von der phagocytären Thätigkeit der Leukocyten, sowie die Ermittelungen Buchxer's und seiner Schüler über die Alexinwirkung der Leukocyten, der Annahme von vornherein nicht günstig ist. dass zellige Elemente, welche den bakteriellen Parasiten gegenüber auf Grund der genannten Lehre so wesentliche Abwehrvorrichtungen besitzen, anderen Parasiten gegenüber geradezu als Wirtszellen und als ihr Nährboden dienen sollen. Daß aber in einem solchen Argumente kein wesentlicher Grund gegen die Annahme von Leukocytenschmarotzern gelegen sein kann, braucht wohl nicht besonders betont zu werden. Giebt es doch auch unter den pathogenen Bakterien Formen, welche ihre Entwickelung oder doch einen Teil derselben in den Leukocyten und anderen verwandten Zellen durchmachen können (Gonokokken, Lepra) ; die Abwehr- und Schutz- vorrichtungen der Leukocyten, wenn sie überhaupt auch für unsern Fall in Betracht kommen, dürften eben den verschiedenen Leukocyten- schmarotzern gegenüber in verschiedenem Grade wirksam sein. Was bisher über Leukocytenschmarotzer, abgesehen von den Er- scheinungen der bakteriellen Phagocytose, bekannt ist, bezieht sich nahezu ausschließlich auf das Verhalten der weißen Blutkörperchen gegenüber den Malariaparasiten und den ihnen verwandten Schmarotzern bei Säuge- tieren und Vögeln. Schon Golgi^) hatte darauf aufmerksam gemacht, daß weiße Blutkörperchen gelegentlich das durch die Thätigkeit der Malariaparasiten entstehende Blutpigment enthalten, und hat diese Erschei- nung auf phagocytäre Verhältnisse zurückgeführt, welche gelegentlich auch zur Aufnahme von Malariaparasiten selbst in weiße Blutkörperchen führen können. Diese iM'scheinung wurde mehrfach bestätigt, zuletzt auch von Ziemann ^), der die Anschauung vertritt, daß es sich in der- artigen Fällen um degenerierte Parasiten, handelt und daß die Malaria- parasiten in weißen Blutkörperchen sich nicht fortentwickeln können, 1) Archives ital. de biologie 1889. T. 11. 2) Über Malaria- und andere Blutparasiten etc. Jena 1898. S. 128 f. — 93 - da die Leukocyten sich in erster Linie nur der sterilen Parasitenformen bemächtigen, wäln'end GoL(ii\) und Monti^) auch eine Fortentwickeiung des Parasiten in Leukocyten und eine Zerstörung (h-r Wirtszelle durch den Parasiten beobachtet haben. Vlncext^) hat die Bezieliungen der weißen Bhitkörperchen zu den Malariaparasiten genauer verfolgt und findet die letzteren namentlich in den kleinen Lymphocyten, niemals in den eosinophilen Leukocyten enthalten'*), auch segmentierte Parasiten wurden in den Leukocyten nachgewiesen; die Frage der Fortentwickelung der Malaria})arasiten in Leukocyten wird jedoch von Vincent offen gelassen, während sich Barbacci^) entschieden zu Gunsten einer solchen Ent- wickelung ausspricht, auf dessen eingehendes Referat über Malaria an dieser Stelle verwiesen sei. Am eingehendsten hat sich Danilewsky^) mit den Leukocyten- schmarotzern beschäftigt, er hat auch die Bezeichnung „Leukocytozoa" zum erstenmale verwendet. Ich kann mich bei der Besprechung seiner Beobachtungen nur auf die eben angeführte Arbeit Ijeziehen, während seine Parasitologie comparee du sang (Kharkoff 1889) mir nicht zugäng- lich Avar, Danilewsky hat bei zahlreichen Vögeln in den roten Blutzellen Parasiten gesehen, die er als den Malariaparasiten des Menschen ver- wandte Arten anspricht (Drepanidium, Polymitus etc.). Bei Eulen konnte er nun sowohl im Blute, häufiger aber in Milz und Knochenmark die gleichen Parasiten innerhalb von Leukocyten beobachten, doch waren die mit Parasiten behafteten Leukocyten stets geringer an Zahl als die entsprechenden Erythrocyten. Einzelne Leukocytozoen waren nun zweifel- los im Stadium der Degeneration, andere jedoch ebenso sicher in Ver- mehrung und Fortentwickelung nachweisbar ; auch konnte das Erscheinen von beweglichen Fortsätzen an den eingeschlossenen Leukocytozoen kon- statiert werden. In einer folgenden Untersuchung bespricht Danh.ewsky^) die Auf- nahme von Blutparasiten der Schildkröte in Phagocyten des Frosch- blutes, wobei es sich aber hauptsächlich um degenerative Veränderungen handelt; auch beim Vermengen von malarischem Vogelblut mit Frosch- blut konnte die gleiche Beobachtung verfolgt und hier festgestellt werden, dal.^ auch die grobgranulierten Leukocyten des Vogel-(Eulen-) blutes sich an der Phagocytose beteiligen. Danilewsky ist der Meinung, daß auch im malarisch infizierten Vogelorganismus analoge Verhält- nisse auftreten, die im Grunde genommen doch nur eine besondere Art von Phagocytose darstellen. Auch Ziemann ^) hat die Blutparasiten der Vögel eingehend ver- folgt und sie bei zahlreichen Vogelarten konstatiert. Im allgemeinen steht er auf dem Standpunkte, daß diese Parasiten der Vögel mit den Malariaparasiten des Menschen nicht völlig analogisiert werden dürfen. Bei dem einen Typus (A) dieser Vogelparasiten sah er überhaupt niemals 1) Deutsch, mediz. AVochenschr. 1894. Nr. 13, 14. 2j Citiert nach Barbacci vgl. 5 3) Annales de l'lnstitut Pasteur 1897. Nr. 12. _ i) Es sei hiebei daran erinnert, daß auch die spezifischen Körper bei Myelämie niemals in eosinophilen Leukocyteti gefunden wurden. ä) Neuere Arbeiten über Malaria. Zusammenfassendes Referat. 1892 — 1897. Centralbl. f. allgem. Pathol. etc. 1899. Bd. 10. Nr. 2, 3. S. 138. 6) Annales de Flnstitufc Pasteur 1x90. T. IV. pg. 427. 7) Ebendaselbst S. 432. 8) 1. c. pg. 104. — 94 — Sporulationsformen in den roten Blutkörperchen, glaubt aber solche bei Buchfinken auf Helgoland im Protoplasmaleibe von Leukocyten in Milz und Knochenmark gesehen zu haben; bei Buchfinken und der Sumjjfohr- eule auf Helgoland konnten im Blute auch echte Leukocytozoen gefunden werden, welche mit den sofort bei dem Steinkauz zu erwähnenden Formen eine gewisse Ähnlichkeit haben. Bei dem zweiten Typus (B) kommt eine wie es scheint gering- gradige Vermehrungsfähigkeit in den roten Blutkörperchen (beim Turm- falken) A-or, in Leukocyten wurden dieselben nicht angetroffen. Bei dem dritten Typus (C) fanden sich bei einem Kirschkernbeißer und zwei Grünlingen alle Stadien der Entwickelung in den roten Blut- körperchen vor. Beim Kirschkernbeißer waren zuweilen auch in Leuko- cyten chromatinhaltige jüngere Parasiten zu sehen, doch läßt es Ziemanx unentschieden, ob es sich dabei nicht um einen postmortalen Befund handelt; eine Pigmentierung der in den Leukocyten vorhandenen Para- siten konnte Ziemann nicht nachweisen. Dagegen fand Ziemann beim Steinkauz (Athene noctua) eine neue Para- sitenform, die wahrscheinlich mit den früher erwähnten, von Daxilewsky beschriebenen leukocytozoen Parasiten identisch ist. Wie es scheint, handelt es sich dabei um einen Parasiten, der nur in Leukocyten vor- kommt, aber auch hier ist nach Ziemann eine Infektion von vollkommen normalen Leukocyten durch den Parasiten ausgeschlossen, dessen Yer- mehrungsform bisher mit Sicherheit noch nicht erschlossen ist, während Danilewsky eine Vermehrung der Parasiten im weißen Blutkörperchen annimmt. Es kann mithin auch für diese Form des Parasiten noch nicht ausgesagt werden, ob ein echter Leukocytenschmarotzer vorliegt, oder ob es sich nur um eine gelegentliche Infektion bereits degenerierter Leukocyten durch den Parasiten, oder um phagocytäre Einschlüsse des Parasiten in die Leukocyten handelt. In jüngster Zeit hat Giglio-Tos') einen hieher gehörigen Befund mitgeteilt, indem er bei einem Frosche in den spindelförmigen Leuko- cyten (Thrombocyten), die von einzelnen Autoren für eine eigene Leuko- cytenart angesprochen werden, vereinzelte Exemplare eines Parasiten vorfand, der nach seinem Vermehrungsmodus als eine Coccidie ange- sehen werden müßte. Der Befund war jedoch nur ein gelegentlicher und konnte nicht wiederholt werden, es kann daher zunächst über die Bedeutung dieses Parasiten eine bestimmte Äußerung nicht abgegeben werden. Es geht nun aus den früher gemachten Angaben über das Ver- halten der spezifischen Körper im myelämischen Blute hervor, daß sie zu den eben erwähnten leukocytozoen Parasiten bei Vögeln wohl kaum in näherer Beziehung stehen dürften. Die spezifischen Körper des myelämischen Blutes können als Parasiten nur die Stellung von echten Leukocyten- schmarotzern haben, sie sind als Parasiten jedenfalls echte Leukocytozoen, die in oder an den Leukocyten nicht nur ihren Sitz und Wohnort haben, die vielmehr wahrscheinlich ihre ganze Entwickelung und Fortpflanzung in den weißen Blutzellen durchmachen. Die Leukocyten stellen die eigentlichen Wirtszellen des Parasiten bei der Myelämie dar, und da ich bisher vergeblich in anderen Zellen bei dem genannten Krankheits- prozef) (rote Blutkörperchen oder andere Gewebszellen) nach diesem Parasiten gesucht habe, so wird man ihn einer Terminologie von 1) Archives italiennes de Biologie 1898. T. XXX. pg. 130. — 95 — L. Pfeiffer') folgend als einen monophagen Parasiten l)ezeichnen dürfen. Auch in den blutzellenbildenden Organen findet sich der Para- sit intravital und postmortal nur in den lym])hoiden Elementen kleinerer oder größerer Art, er wahrt also auch hier seinen monophagen Charakter. Unter den Leukocyten des P)lutes sind es namentlich die ein- kernigen kleinen und größeren T^ormen, die dem Parasiten als Aufent- halt dienen, und wir werden wohl sagen dürfen, daß er wahrscheinlich in diesen die für seine Existenz günstigsten Lebensbedingungen vor- tindet, was nicht ausschliefet, daß er gelegentlich auch in anderen leuko- cytären P^lementen angetroffen werden kann (i)olynukleäre Leukocyten). Der Nachweis des Parasiten an den typischen Myelocyten (den ein- kernigen neutrophilen Markzellen) spricht wohl nicht gegen die obige Annahme, da ja auch diese Formen streng genommen ihrer Beschaffen- heit nach zu den Lymphocyten gehören. Da nun die einkernigen Lymphocyten höchstwahrscheinlich als Jugendformen der Leukocyten, jedenfalls aber als solche zu bezeichnen sind, die vorwiegend inner- halb der blutzellenbildenden Organe vorkommen und aus diesen in die Blutbahn übergeführt werden, so wird man die obige Annahme auch dahin ausdrücken können, daß der Parasit hauptsächlich in den Jugendformen der Leukocyten seine günstigsten Exi- stenzbedingungen vorfindet. Es erklärt sich daraus auch der be- reits früher erwähnte Befund in ungezwungener Weise, daß beim Menschen wenigstens der Parasit in so reichlichen ]\lengen innerhalb der blut- zellenbildenden Organe des Lebenden vorkommt, von denen allerdings nur die Milz untersucht werden konnte. Die Lifektion der Leukocyten durch den Parasiten ist oft nur eine sogenannte „Einzelinfektion'' (Pfeiffer-)), es findet sich der Parasit, sei es in den kleineren, sei es in den größeren I'ormen nur in der Einzahl im Leukocyten vor (Figg. 19, 20, 23, 24, 38, 50), viel häufiger, ja geradezu als Begel liegt eine „ Mehr lingsinfektion" der Leuko- cyten vor (Figg. 25, 27, 28, 29, 31, 33, 40—46, 47—49, 52—58, 65-67), und dann können vielfach die gleichen, oft aber auch verschiedene oder doch wenigstens verschieden große Entwickelungsstadien des Parasiten am gleichen Leukocyten beobachtet werden. Der Parasit ist in verschiedenen Formen frei im Blutplasma beob- achtet worden, es ist aber nicht auszuschließen, daß diese freien Formen in vielen Fällen künstlich bei der Präparation von ihren Wirtszellen abgetrennt wurden. Ich bin auf Grund der gegenwärtigen Beobach- tungen geneigt, den Parasiten für einen obligaten Leukocyten- schmarotzer anzusehen, der seine ganze Entwickelung im Leukocyten durchmacht und denselben wahrscheinlich nur vorübergehend verläßt, wenn er ihm nicht mehr genügende Nahrung zu gewähren vermag, um dann wieder eine neue Wirtszelle aufzusuchen. Ich habe keine Anhalts- punkte dafür auffinden können, daß eine Entwickelung und Vermehrung des Parasiten auch außerhalb von Leukocyten im Blutplasma erfolgen kann. Der Parasit ist im frischen, nicht fixierten und gefärbten Blute nur sehr schwer sichtbar; er besitzt höchstwahrscheinlich das gleiche Lichtbrechungsvermögen wie der Leukocyt und kann daher, so weit er in ihm gelegen ist, von diesem nicht unterschieden werden. Außerhall) 1) Die Zellenerkranlviingen luid die Gescliwulstbildungcn durch Sporozoeu. Jena 1893. a) 1. c. S. 87 f. — 96 — von Leukocyten glaube ich ihn in vereinzelten Fällen gesehen zu haben, eine volle Sicherheit konnte jedoch hierüber am Menschenblute nicht erlangt werden, erst die Beobachtungen am infizierten Tiere gewährten nähere Einblicke in diese Verhältnisse, auf die ich daher erst später bei Besprechung dieses Gegenstandes eingehen werde. Jedenfalls ist Nachdruck darauf zu legen, daß es sich um bewegungsfähige Gebilde handelt : über die Art der Bewegung haben gleichfalls erst die Beobach- tungen am infizierten Tiere einigen Aufschluß gebracht. Der Parasit muß mithin als schwer sichtbar und nach den vorausgeschilderten Er- fahrungen auch als schwer färbbar bezeichnet werden, Verhältnisse, die iiir den Umstand, daß derselbe sich bisher der Beobachtung entziehen konnte, gewiß verantwortlich zu machen sind. Die Formgestaltung des Parasiten ist eine sehr mannigfache, es könnte aber bei der schon mehrfach betonten Beziehung dieses Parasiten zu den Malariaparasiten nur zu Mißverständnissen führen, wenn man ihn als einen polymorphen Parasiten bezeichnen würde. In dem Sinne, in welchem Laveran den Malariaparasiten als einen polymorphen an- spricht, könnte bei dem Myelämieparasiten schon deshalb von einem Polymorphismus nicht die Ptede sein, weil hier dem Polymorphismus des Parasiten nicht, wie nach der Auffassung Laveran \s bei der Malaria, ein Wechsel der Krankheitserscheinungen entspricht. Ich möchte daher in unserem Falle viel eher von einer mannigfachen Formgestaltung sprechen, die ich auf die Beweglichkeit des Parasiten, vielleicht aber auch auf die vorwiegend verwendete üntersuchungsmetliode im an- getrockneten Blutpräparate zurückzuführen geneigt bin. Als die Grundform des Parasiten wird wohl seine Amöbenform bezeichnet werden müssen, innerhalb welcher gleichfalls eine mannigfache Formgestaltung möglich ist. Sieht man die aus der Sporulation oder Segmentation hervorgehenden Formen als die Jugendformen an (Figg. 28, 53, 54, 58, 67), so wird man diese als kleinste Scheibchen oder Schollen bezeichnen müssen, innerhalb welcher oft noch bei günstiger Lagerung ein kernartiger Innenkörper erkannt werden kann {Figg. 28, 67). Diese Scheibchen haben eine große Ähnlichkeit mit den bei der Sporulation der Malariaparasiten entstehenden Jugendformen. Durch weiteres Wachs- tum dieser Scheibchen der Myelämieparasiten entstehen die verschieden großen typischen Amöbenformen, die vielfach vollständige Kugelform auf- weisen, und zwar wahrscheinlich dadurch, daß durch die angewandte Färbungsmethode das früher erwähnte Ectoplasma der Amöben nicht oder nur unvollständig mitgefärbt ist. Auch in den großen Kugelformen der Amöben können ein- oder mehrere kernartige Innenkörper enthalten sein. Diese großen Amöbenformen zerfallen bei der Sporulation wieder, wahrscheinlich durch einfache Teilung, in mehrere kleine Jugendformen ; die Kleinheit des Olijektes gestattet übrigens vorläufig nicht, sich über die Art der Teilung näher auszusprechen. Ich habe zwar, um dieser Frage näher zu treten, mehrfach versucht die ZiEMANNsche Methode der Chromatinfärbungi) auch auf unsern Parasiten anzuwenden, habe aber mit derselben überhaupt keine Tinktion der betreffenden Gebilde er- zielen können. Eine Hüllen- oder Cystenbildung habe ich bei keiner der überhaupt gesehenen Parasitenformen bei Myelämie wahrnehmen können, es darf daher füglich von einem hüllenlosen Parasiten gesprochen werden. Zum Formenkreis des Parasiten gehören höchstwahrscheinlich auch 1) 1. c. pg. 146 f. - 97 — die Sichel- oder Navikelformen (Fig. 28 — 32), über deren Bedeutung ich mich bereits früher ausgesprochen habe. Bei den Alahiriaparasiten wurden die Sichel- oder Halbmondformen von Ziemann nfs sterile (iebilde gedeutet, bei den Myelämieparasiten ist das schon deshalb nicht statt- haft, weil in ihnen ganz deutliche kernartige Innenkürper vielfach er- kannt werden konnten. Ich habe bereits oben der Vermutung Ausdruck gegeben, daß diese Sichelformen möglicherweise zu einer zweiten Art der Neubildung des Parasiten in näherer Beziehung stehen (dimorphe Ent- wickelung des Parasiten). Auch über die im Parasiten gelegentlich auf- tretenden Differenzierungen, über die Gegenwart von kernähnlichen Ge- bilden, sowie von hellen vakuolenartigen Höfen in ihnen, über die Tren- nung in ein Ento- und Ektoplasma, über die Geißelformen desselben, habe ich früher bereits die nötigen Angaben gemacht. Die Beobachtungen am frischen und am fixierten Objekte legen es nahe', daß der Parasit eine völhg homogene Beschaffenheit besitzt; ob die am frischen Objekte gesehenen, allmählich sich entwickelnden, stärker lichtbrechenden, granulaähnlichen Körnchen in seinem Innern sogenannte chromatoide oder plastische Granulationen, Vakuolen oder Degenerationserscheinungen des Parasiten darstellen , konnte nicht ent- schieden werden. Die später mitzuteilenden Beobachtungen am Blute der infizierten Kaninchen werden darüber teilweise wenigstens nähere Aufschlüsse erbringen. Insofern nun nicht im Innern des Parasiten ge- wisse Differenzierungen hervortreten, ist auch am gefärbten Präparate sein Aussehen in der Regel ein homogenes und seine metachromatische Färbung bei Einhaltung der erwähnten Färbungsmethode wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß sich im Protoplasma des Parasiten eine durch Alkoholeinwirkung sich verändernde und in gewissen Farben sich metachromatisch färbende Substanz befinden dürfte. Über die Größe des Parasiten im myelämischen Blute unterlasse ich es wegen der wechselnden Formen desselben und wegen der für die Darstellung vorwiegend verwendeten Methode, bestimmte Angaben zu machen, so viel aber kann jedenfalls gesagt werden, daß die großen Amöbenformen recht beträchtliche Größen erreichen können, die der Größe eines roten Blutkörperchens nahekommen, ja sie gelegentlich auch übertreffen können. Man ist daher wohl berechtigt, von einem großen Parasiten zu sprechen, der allerdings auch in sehr kleinen Formen auf- treten kann. Gegenüber der reichlichen Formgestaltang des Parasiten dürfte wohl die Frage aufgeworfen werden, ob denn alle bei Myelämie ge- sehenen und zum Teil hier auch abgebildeten Formen des Parasiten der gleichen oder verschiedenen Arten angehören? Ich möchte nun an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, daß ich mich, wie ja bereits eingehend erörtert wurde, nach Thunlichkeit davor zu schützen versuchte, daß nicht verschiedenartige, nicht zusammengehörige Gebilde unter der Bezeichnung der spezifischen Körper zusammengefaßt werden. Auf die soeben aufgeworfene Frage aber wird erst dann eine strikte Antwort zu geben möglich sein, wenn die künstliche Kultur des betreffenden Para- siten gelingt. Vorläufig glaube ich jedoch, daß ein zwingender Grund nicht vorliegt, um die verschiedenen Formen als den Ausdruck ver- schiedener Parasitenspecies ansprechen zu müssen. Dies gilt, wie ja ohne weiteres einleuchtend ist, für die verschiedenen kleinen und großen Amöbenformen, deren Formveränderungen durch Eigenbewegungen und durch Wachstumsverschiedenheiten bedingt sein können. Dies gilt aber Löwit. Ätiologie u. Pathol. d. Leukämie. 7 — 98 - auch für die Sichelformen, die vielleicht noch am ehesten den Eindruck einer gesonderten Parasitenspecies machen könnten; es muß aber dem gegenüber darauf hingewiesen werden, daß die Fortpflanzung durch Amöben- und durch Sichelkeime bei zahlreichen Protozoen innerhalb der gleichen Art sichergestellt ist. Und dies gilt endlich auch von den so- genannten Geißelformen, die, wie im vorausgehenden bereits erörtert wurde, gleichfalls, wie auch bei den Malariaparasiten, aus den Amöben- formen als sogenannte Polymitusformen (Wasielewski) abgeleitet werden können (Fig. öö, 56, 71) und durchaus nicht mit Notwendigkeit auf eine eigene geißel führende Parasitenart hinweisen. Wir werden bei Erörterung der Verhältnisse am intizierten Tiere noch weitere Stützen dieser Auffassung kennen lernen. In der reichen Formengliederung des Parasiten können daher als Grundformen hervorgehoben werden: 1. Die Jugendformen, kleine amöbenähnliche, Scheibchen- oder schollige Bildungen, die auch als Sichel formen auftreten können; 2. heranwachsende und ausgewachsene große Amöbenformen, die auch als Sichelformen, unter gewissen Verhältnissen aber auch als Geißelkörper erscheinen können, und 3. die Morula form, die als der Ausdruck einer Neubildung (Sporulation) des Parasiten anzusprechen ist; sie ist nicht immer vollständig aus- geprägt und läßt keine bestimmte Gesetzmäßigkeit der Teilungsformen erkennen; damit erscheint der Formenkreis des Parasiten im strömenden Blute bei Myelämie nach den bisherigen Befunden erschöpft zu sein. In den blutzellenbildenden Organen des lebenden Individuums ist der Parasit, insoferne eine Verallgemeinerung der an der Milz gemachten Beobachtung statthaft ist, reichlich und wahrscheinlich reichlicher als im strömenden Blute vorhanden, so daß diese Organe möglicherweise geradezu als Keim- und Brutstätten des Parasiten anzusprechen sind. Der Formenkreis und der leukocytäre Parasitismus erwies sich bei der Untersuchung des durch Punktion gewonnenen Milzsaftes gleichartig jenem des peripheren Blutes, doch scheinen hier auch Formen vor- zukommen, die möglicherweise auf degenerative Zustände des Parasiten innerhalb der Zelle hinweisen; auch im peripheren Blute wurden ver- einzelte derartige Formen gesehen, da mir aber noch genügende Er- fahrungen über dieselben fehlen, so will ich mich zunächst mit dieser Bemerkung begnügen. Im Leichenblute (Herzblut) eines myelämischen Individuums wurde der Parasit nicht mehr gefunden, und ebenso sucht man vergebens in den blutzellenbildenden Organen der Leichenach den aus dem peripheren Blute bekannten Formen des Parasiten. Dagegen wurden in den blutzellen- bildenden Organen der Leiche die früher beschriebenen grünen Zellen in großer Menge gefunden, und da diese, wie früher auseinandergesetzt wurde, höchst wahrscheinlich gleichfalls zum Formenkreis des Parasiten gehören, so sind sie gleichzeitig ein Ausdruck des reichlichen Vorkommens des Parasiten in den blutzellenbildenden Organen der Leiche. Die Gründe, welche dafür sprechen, daß die in den Zellen enthaltenen grünen Körper als eine Art Dauerform des Parasiten angesehen werden, habe ich bereits früher angeführt. Der Formenkreis des Parasiten erweitert sich auf Grund dieser Auffassung um eine weitere Form, die ich im peripheren Blute des Lebenden und auch im Leichenblute bisher noch nicht gesehen habe; allerdings konnten gerade die auf diesen letzten Punkt gerichteten Untersuchungen noch nicht mit der genügenden Vollständigkeit durch- geführt werden. - 99 — Auf Grund dieser Anschauungen wird man sich vorzustellen haben, daß der Parasit einige Zeit nach dem Tode des Individuums die für ihn nötigen Lebens- und Ernälirungsbedingungen aucli iimerbalb der blutzellenbihlenden Organe nicht mehr hndet und alhnählich iimerhall) des Zellleibes, vielleicht auch manchmal innerhalb des Zellkernes (karyotope Form des Parasiten) in eine widerstandsfähigere Dauer- form übergeht, die vielleicht auch für die Beziehung des Parasiten zur Außenwelt von Bedeutung ist. Welche Zeit nach dem Tode für das Zustandekommen derartiger Dauerformen nötig ist, darüber vermag ich keinerlei Aufschluß zu geben. Da nun die grünen Zellen der blut- zellenbildenden Organe die einzigen fremdartigen Gebilde darstellen, die ich in diesen Organen auffinden konnte, und welche mit den physiologischen und pathologischen Formen des Zellenzerfalles und der Zellenregeneration nicht in Beziehung gebracht werden konnten, da ich sie ferner nur bei ^lyelämie in den genannten Organen nachweisen konnte, so halte ich mich für berechtigt, gerade diese grünen Körper als zum Formenkreis des Parasiten gehörig und wahrscheinlich als eine Art Dauerform des- selben anzusprechen, auf deren Existenz gewisse später mitzuteilende P^rfahrungen hinweisen. Ob nun diese Dauerformen als Sporen im strengen Sinne des Wortes anzusehen sind, darüber scheint mir ein urteil vorläufig nicht möglich zu sein. Als encystierte Formen, die man vielfach bei den Gregarinen und . Coccidien findet, dürfen die grünen Zellen gewiß nicht bezeichnet werden, da von einer Cystenhülle hier nichts zu sehen ist. Sie unterscheiden sich daher auch sehr wesentlich von den Cysten, die Feinberg ^) vor kurzem als Dauerformen der Amöben {aus der Klasse der Rhizopoden) auf künstlichen Nährböden beschrieben hat. In unserem Falle schließt die Zelle selbst die als Dauerformen angesprochenen Gebilde ein, deren sie oft viele gleichzeitig enthalten kann, was darauf hinzuweisen scheint, daß beim Absterben der Zelle und des Parasiten möglicherweise ein Zerfall desselben in einzelne dauer- formenartige Bruchstücke erfolgt. Es wäre immerhin noch die Möglichkeit offen zu halten, daß die angeführten grünen Körper in den blutzellenbildenden Leichenorganen zwar für Myelämie spezifische Formen darstellen, die aber nicht in den Formenkreis der Parasiten gehören, sondern vielleicht nur spezifische in den Zellen gelegene Krankheitsprodukte oder Krankheitseffekte dar- stellen. In diesem Falle wäre dann die Frage nach dem Vorkommen des Parasiten in den Leichenorganen myelämischer Individuen noch als eine offene zu bezeichnen. Daß die Parasiten in diesen Organen in irgend einer Form vorbanden sein müssen, geht unzweifelhaft aus den später zu erwähnenden Übertragungsversuchen der Myelämie auf Tiere hervor, und Mosler hat gleichfalls durch seinen Schüler Nette-) darauf hinweisen lassen, daß der infektiöse Stoff bei Leukämie wahrscheinlich am reichlichsten in der Milz enthalten ist. In den untersuchten sekundären Lymphombildungen in Leber und Niere wurden gleichfalls große Mengen grüner Zellen nachgewiesen, w^ährend sie in diesen Organen, da wo keine Anhäufung von lymphati- schen Zellen besteht, fehlen. Sie liegen auch an diesen Lokalitäten meist haufenweise gruppiert, oft aber auch vereinzelt in den Kapillaren, und es lietit der Gedanke nahe, daß diese Zellen im näheren Zusammen- 1) Fortschritte d. Medizin 1899."Bd. 17. S. 121. 2) CuRT Nette, Ist Leukämie eine Infektionskrankheit. Inaug.-Diss. Greifswald. 1890. S. 29. 7* — 100 — hange mit der Verbreitung des Parasiten und mit der Neubildung des lympliatischen Gewebes an den genannten Lokalitäten stehen, vielleicht den Ausgangspunkt desselben bilden. Jedenfalls ist es wichtig, daß die als Dauerformen angesprochenen Gebilde auch an den Stätten der so- genannten sekundären Lymphombildungen in der Leiche vorhanden sind. Hält man nun an der Annahme fest, daß die beschriebenen spezi- fischen Körper im myelämischen Blute und die sogenannten grünen Körper in den myelämischen Leichenorganen wirklich parasitäre Bildungen sind, so erhebt sich auch sofort die Frage, welche Stellung im zoologi- schen System dem fraglichen Parasiten einzuräumen ist? Die mehrfach betonte Beziehung der fraglichen Gebilde zu den Malariaparasiten, ihre charakteristische Amöben- und gelegentlich auftretende Sichelform weist sofort auf die große Gruppe der Protozoen hin, in welcher ja zahlreiche echte Zellschmarotzer und auch pathogene Formen derselben vorkommen. Über die Einteilung derselben ist bisher Aveder nnter den Zoologen noch unter den ^ledizinern volle Einigkeit erzielt worden. Der Einteilung Bütsghlis^) folgend, werden die Protozoa in der Regel in vier 'Klassen gesondert: Sarcodina, Sporozoa, Mastigophora und Infusoria. Bezüglich der Charakteristik dieser einzelnen Klassen verweise ich auf die oben genannte Darstellung und auf die diesbezüg- lichen Angaben v. Wasielewskis^). Unter den verschiedenen Klassen der Protozoen sind es nun gerade die Sporozoen, welche das Interesse hauptsächlich in Anspruch nehmen, da sie obligate Zellschmarotzer sind, und weil einzelne von ihnen für eine große Beihe von Tieren \nu\ auch für den Menschen pathogene Be- deutung besitzen dürften. Bezüglich der allgemeinen Charakteristik der Sporozoen verweise ich auf die einschlägigen Zusammenstellungen von V. Wasielewski ^), ScHNEmEMÜHL ^) u. a. m. über die Einteilung der Sporozoen selbst ist nun gleichfalls eine Einigung noch nicht erzielt worden. v. Wasielewski unterscheidet fünf Ordnungen derselben: Gregarinae, Haemosporidia, Coccidia, Acystosporidia, Myxosporidia und fügt als Anhang noch die Sarkosporidia, Amoebosporidia und Sero- sporidia bei. Die vierte Ordnung (Acystosporidia) war ursprünglich bei BüTSCHLi noch mit den Haemosporidia (2. Ordnung) vereinigt, da auch die Acystosporidia ausschließlich Blutschmarotzer und zwar Erythro- cytenschmarotzer enthalten. Erst durch die Untersuchungen von Labbe^) wurde die Trennung der Blutzellenschmarotzer in zwei Ordnungen durch- geführt, für welche er die Namen Haemosporidia und Gymnosporidia wählte. Da aber der Namen Gymnosporidia bereits für eine Familie der gymnosporen Gregarinen vergeben ist, so schlug v. Wasielewski für diese Ordnung die Bezeichnung Acystosporidia vor, die sich auch ein- zubürgern beginnt. Sghneidemühl folgt bei der Einteilung der Protozoen den dies- bezüglichen Angaben Brauns^) und unterscheidet nur drei Klassen der- selben: L Rhizopoden oder Sarkodina, H. Sporozoa und HL Infusoria. Die Sporozoa werden in sechs Ordnungen getrennt: L Gregarinida, 1) Bronns Klassen und Ordnungen des Tierreiches Bd. I. Protozoa. Leipzig 1882. 2) Sporozoenkunde. Jena 1896. 3) Die Protozoen als Krankheitserreger etc. Leipzig 1898. •i) Arch. de zooiog. experim. 1894 pg. 54 s. ä) Die tierischen Parasiten des Menschen. Würzbura; 1895. — 101 — 2. Mjxosporidia, o. Coccidia, 4. Sarkosporidia, 5. Mikrosporidia und 6. Haemosporidia. Auch hier erscheinen mithin sämtliche Bkitzellen- schmarotzer zu einer Ordnung vereinigt; doch wird diese Zusammen- fassung späterhin nicht aufrecht erhalten, indem Schneidemühl^) nach dem Vorgange von Labbe und von v. Wasielweski zwischen Hämo- sporidien und Acystosporidien unterscheidet. Einer wesentlich anderen Einteilung folgen Le Danteg und Berard-), beziehen sich aber dabei ausschließlich auf die Sporozoa und Coccidia. Sie unterscheiden diese Parasiten nach ihrem Aufenthalte in die beiden Gruppen der Gewebsparasiten (Histozoa) und der Zellen- parasiten (Cytozoa). Zu den ersten rechnen sie die Myxosporidia und die Sarkosporidia. Zu den Cytozoen rechnen sie 1. die Klasse der Gregarinen, 2. die Klasse der polysporen Coccidien, 3. die Klasse der oligosporen Coccidien, und 4. die Klasse der monosporen Coccidien, zu welchen auch die acystiden Coccidien oder Gymnosporidien hinzugezählt werden. Le Danteg und Berard sehen also die Blutzellenschmarotzer, welche bei der letzterwähnten Klasse abgehandelt werden, wahrschein- lich dem Einflüsse Metschxikoffs ^) folgend, als Coccidien an, wobei sie allerdings nicht die in Deutschland gebräuchliche Gruppierung der Sporozoa und Coccidia acceptieren. Ihr Einteilungsschema lautet daher : Sporozoa Cytozoa Histozoa ^^-"^~~^^^^ Myxosporidia, Sarkosporidia. Gregarina Coccidia (Polyspor, Oligospor, Monospor). Ich werde mich im folgenden vornehmlich an die von v. Wasielewski gegebene Einteilung der Sporozoen halten, der sich ja auch ScHXEmEMijHL im wesentlichen angeschlossen hat. Unter den Ordnungen der Sporozoen interessiert uns hier vor allem die 4. Ordnung, die Acystosporidien, da ihr wesentlicher Charakter, das Fehlen jeglicher Hüllenbildung, auch dem im vorangehenden genauer beschriebenen Parasiten des myelämischen Blutes zukommt, v. Wasielewski charakterisiert die Acystosporidien folgender- maßen ') : „Die Acystosporidien sind Zellschmarotzer von amöboidem Bau; sie scheiden vor der intracellulär ablaufenden Keimbildung nie eine Hülle ab ; die Vermehrung erfolgt durch Zerfall des abgerundeten Plasmaleibes in zahlreiche Keime, welche entweder eine ovale, amöboid veränderUche, oder eine sichelartige beständige Form besitzen." Die Acystosporidien werden von v. Wasielewski folgendermaßen eingeteilt: I. Familie Acystidae mit sichelförmigen Keimen (Gattung Karyo- phagus). IL Familie Haemamoebidae mit amöboiden Keimen (Gattung Halteridium, Proteosoma, Haemamoeba, Dactylosoma, Cyta- moeba und als Anhang Apiosomabigeminum und Babesia bovis). 1) 1. c. S. 113 f. . 2) Les sporozoaires et particulierement les cocciciies patliogenes. Paris 1895. 3) Citiert nacli Laveran, Traite du paludisme Paris 1898. pg. 93. 4) 1. c. S. 71. — 102 — In die Gattung Haemamoeba der Hämamöbiden werden die ver- schiedenen Malariaparasiten eingereiht, auf weitere Details soll hier aber nicht eingegangen werden. Nach Maxnaberg ^) ist jedoch diese detail- lierte Klassifikation der Malariaparasiten noch nicht feststehend; Kruse^} hingegen hält die Beziehung der Blutparasiten zu den Gregarinen für eine sehr nahe und bezeichnet sie geradezu als Haemogregarinidae. Er stellt folgende Einteilung auf: Klasse: Sporozoa Unterklasse: Gregarinida Ordnung : Monocystidea 1. Familie 2. Familie 3. Familie Coccidiidae Moncystidae s. str. Haemogregarinidae. Als dritte Gattung der Haemogregarinidae werden die Malaria- parasiten als Plasmodium malariae angeführt. ZiEMANX^) nimmt seinerseits eine gesonderte Einteilung vor. Nach seinen Untersuchungen scheinen die Malariaparasiten des Menschen sowie die entsprechenden Parasiten bei Vögeln und Kaltblütern mög- licherweise überhaupt nicht zu den Sporozoen zu gehören, indessen schlägt er doch vor, die Blutkörperchenparasiten als Hämosporidien zu bezeichnen, welche dann die beiden Ordnungen der Hämosporidien und Acystosporidien v. Wasielewski's in sich vereinigen würden. Auf die weitere Einteilung der Hämosporidien nach Ziemaxx soll hier nicht näher eingegangen werden. Es wird nun bei dieser noch ungeklärten Sachlage zunächst nicht möglich sein, die Stellung der hier behandelten Parasiten bei Myelämie im zoologischen Systeme jetzt bereits zu fixieren. Die mannigfachen im vorausgehenden berührten nahen Beziehungen zu den Malariaparasiten weisen darauf hin, sie auch im zoologischen Systeme in ihre Nähe zu versetzen. Ohne nun späteren Entscheidungen irgendwie vorgreifen zu wollen, möchte ich mich gegenwärtig der von v. Wasielewski und auch von Sghneidemühl gegebenen Einteilung anschließen, da sie den großen Vorzug der Übersichtlichkeit besitzt. Unser hier behandelter Parasit würde sich dann in der (lattung der Hämamöbiden der Haemamoeba malariae als Haemamoeba leukämiae anreihen; wegen ihrer in gewissen Entwicke- lungsstadien ganz auffallenden Größe und zur Unterscheidung von einer später zu beschreibenden bei einer anderen Form der Leukämie (Lymph- ämie) gefundenen Art möchte ich für die im vorausgehenden beschriebene Art den Namen Haemamoeba leukaemiae mag-ua vorschlagen. Man wird dabei, wie bei den Hämamöbiden überhaupt, nicht an Amöben im strengen Sinne des Wortes denken dürfen, insoferne man darunter die zur Klasse der Pihizopoden gehörige Ordnung der Amoebina Diit ihren zahlreichen Amöbenarten versteht, von denen einzelne ja auch das Interesse der Pathologen in Anspruch nehmen (Amoeba coli, Leydenia gemmipara Schaudinn u. a. m.). Echte Blutamöben aus der Klasse der Rhizo- poden sind bisher noch nicht bekannt, und insolange das der Fall ist, scheint mir die Aufstellung einer Gattung der Hämamöbiden aus der Klasse der Sporozoen ohne Gefahr einer Verwechselung mit den Rhizo- 1) Die Malariakrankheiten. Wien 1899. S. 54. 2) ViRCHows Archiv etc. Bd. 121. S. 359. 3) a. a. 0. S. 92 f. — 103 — podenamöben statthaft. Das Amöbenstadiiim der hier behandelten Haemamoeba leukaemiae magna ist sowohl bei den kleinen Jiigendformen als im ausgewachsenen Zustande ein so charakteristisches, dal.) die Ab- leitung des Namens von diesem Stadium wohl gerechtfertigt erscheint. Es werden ja auch die später mitzuteilenden Beobachtungen über die Bewegungen dieser Hämamöbe im Blute infizierter Tiere einen weiteren Hinweis dafür erbringen, daß diese Bezeichnung gerechtfertigt ist. Andrerseits wird man sich von vornherein darüber klar sein müssen, daß zwischen der Haemamoeba leukaemiae magna und den bis jetzt bekannten Gattungen der Hämamcibiden aus der Ordnung der Sporozoen nicht unwesentliche Unterschiede bestehen, und daß andrerseits gewisse Be- rührungspunkte des geschilderten Parasiten mit den Hämosporidien, den Hämogregarinen Kruse's, ja mit den Coccidien überhaupt, vielleicht auch mit den Flagellaten (vgl. später), vorhanden sind. So weit ich das bisher zu überblicken vermag, scheint mir auch ein wesentlicher Unterschied in dem Nachweis einer wahrscheinlichen Dauerform bei der Haemamoeba leukaemiae magna zu liegen, die in dem hier ge- brauchtet Sinne weder bei den Malariaparasiten, noch bei anderen Gattungen der Hämamöbiden bekannt ist. Ob nun die erwähnten Be- rührungspunkte der Haemamoeba leukaemiae magna zu den Hämosporidien, den Coccidien und Gregarinen eine Abtrennung des Parasiten von den Acystosporidien rechtfertigen, werden erst spätere Untersuchungen ergeben. Auf morphologische Beobachtungen allein wird eine diesbezügliche Schei- dung gegenwärtig kaum noch vorgenommen werden kiinnen. Die anderen Unterschiede, als difierente Wirtszelle, verschiedener Teilungsmodus, difFerente Bewegungserscheinungen und ähnliches mehr, dürften wohl von minderem Belange für die Beurteilung der hier in Betracht kommenden Verhältnisse sein. Die Stellung des beschriebenen Parasiten bei der Myelämie im zoologischen System wird jedenfalls erst nach weiteren Studien über die Naturgeschichte dieses Parasiten geregelt werden können. Hier kam es mehr darauf an, diese Stellung im allge- meinen zu berühren und die Grenzen dieser Stellung nach beiden Seiten zu beleuchten, als darauf, diese Stellung sofort dauernd zu fixieren. Dabei mußte ich mich zunächst damit begnügen, die Deutung der beschriebenen spezifischen Körper als parasitäre Bildungen mehr per exclusionem als auf direkte Beweise zu stützen. Solche sind selbstver- ständlich aus der rein morphologischen Beobachtung und Feststellung der Lebenserscheinungen am menschlichen Materiale allein nicht so ohne weiteres zu gewinnen. Dabei konnte es nur darauf ankommen Wahr- scheinlichkeitsbeweise für die angeführte Deutung zu erlangen. Ich habe jedoch die Frage, ob es nicht gelingt für diese Deutung festere Grund- lagen zu erlangen, nicht vernachlässigt, und werde die diesbezüglichen Beobachtungen" und Versuche später im Zusammenhange vorbringen. — 104 — Kapitel X. Leukocytäre Parasiten bei Lymphämie. Haemamoeba leukaemiae parva (vivax). Gleichzeitig mit den Untersuchungen des myelämischen Blutes Avurden auch solche hei der zweiten Form der Leukämie, der sogenannten Lym2)hämie, vorgenommen, bei welcher im Blute massenhaft einkernige kleinere und größere Formen, sogenannte Lymphocyten, erscheinen, während die Myelocyten ganz fehlen, und die sogenannten Ubergangs- formen mit dem gelappten oder eingebuchteten Kern , sowie die mehr- kernigen neutrophilen Leukocyten auf wenige Prozente eingeschränkt sind. Das Blut der im folgenden zu erwähnenden Fälle von Lymphämie konnte nur an Trockenpräparaten untersucht werden, die Beobachtung des frischen Blutes war mir, da nur ein Fall, und dieser aus dem Jahre 1896, aus Innsbruck stammte, nicht möglich. Ob es sich bei diesen Fällen um akute oder chronische Formen der Lymi^hämie gehandelt hat, vermag ich nur für einzelne Fälle anzugeben; ich habe nur von einzelnen der- selben die Mitteilung erhalten (Fall 1, 2, 3), daß es sich um chronische Lymphämie gehandelt hat. Eine Gruppe von Fällen, die mir als akute Lymphämie bezeichnet worden war, werde ich gesondert behandeln. Es konnte das Blut von fünf reinen Fällen und einem gemischten Falle von Lymphämie an Trockenpräparaten untersucht werden , der bereits in der Zusammenstellung der myelämischen Formen der Leukämie als 12. Fall (Skopan) angeführt worden ist. Es handelt sich um folgende Fälle: 1. Im Falle Erlacher (mediz. Klinik in Innsbruck Prof. v. Rgkitaxsky) wurden im Mittel aus mehreren Präparaten vom Januar 1896 gezählt: Einkernig kleine Leukocyten 97 °/o Einkernig große Leukocyten 2.3 °/o Mehrkernige Leukocyten 0.7 °/o 2. In einem durch Herrn Dozenten Dr. v. Limbegk in Wien über- mittelten Falle wurden in einem Präparate gezählt : Einkernig kleine Leukocyten 97.9*^ /o Einkernig große Leukocyten 1.3*^/o Mehrkernige Leukocyten 0.8 °o 3. In einem durch Herrn Prof. Dr. E. Grawitz in Berlin über- mittelten Falle wurden in einem Präparate aus dem Jahre 1893^) gezählt: Einkernig kleine Leukocyten 96.4 °/o Einkernig große Leukocyten 2.0*^/o Mehrkernige Leukocyten 1.6°, ü 1) Vgl. E. Grawitz, Klinische Pathologie des Blutes. Berlin 1896. S. 123. - 105 — 4. In einem aus der propädeutischen Klinik des Herrn Hofrates rrof. Dr. Knüll in Prag stammenden Falle wurden im Mittel aus mehreren l'räparaten gezählt: Einkernig kleine Leukocyten 84 ",o Einkernig große Leukoc3'ten 7.4*^ o Mehrkernige Leukocyten 8.6 °/o 5. In einem aus der medizinischen Klinik in Graz (Prof. Kkaus) stammenden Falle (Srohriegl) wurden in einem Präparate gezählt: Einkernig kleine Leukocyten 90 °o Einkernig groJje Leukocyten 6" o Mehrkernige Leukocyten 4°/() Bezüglich des sechsten Falles wurden die betreffenden Zahlenan- gaben bereits höher oben (S. 24, 89) angeführt. Die erwähnten fünf Fälle von Lymphämie mußten als reine Fälle angesprochen werden; Zellen vom Charakter der „Myelocyten" fehlten hier vollständig; die oben angeführten einkernig großen Leukocyten hatten zwar abnorme Größe, aber sie hatten durchgehends einen großen streng runden Kern und einen schmalen Protoplasmasaum mit basophilen kleinen Granulis, oder einem basisch gefärbten Protoplasma, konnten mithin nach der gegenwärtig herrschenden Anschauung nur als vergrößerte Lymphocyten angesprochen werden. Nur im sechsten Falle wurden, wie früher bereits ausgeführt worden ist, 7 ^';o großer hypertrophischer Leuko- cyten gefunden, von denen einzelne als Myelocyten anzusprechen waren. Ich habe diesen Fall daher auch früher bereits mit einiger Wahrschein- lichkeit als eine Mischform (von Lymphämie und Myelämie) bezeichnet und die Berechtigung hiezu auch aus der LTntersuchung des Leichen- materials dieses Falles abgeleitet. Von diesen fünf, eventuell sechs Fällen von Lymphämie konnte das Leichenmaterial des Falles 1 und 6 untersucht werden; leider war aber gerade dieses Material in beiden Fällen in Formalin und in Formol- Alkohol gehärtet, und war daher für den vorliegenden Zweck nicht gut verwertbar. Außerdem stand mir noch das Leichenmaterial eines von Hof. R. Prof. Dr. Weichselbaum in Wien überlassenen Falles (7) von Lymphämie, dessen Blut intravital von mir nicht geprüft wurde, sowie ein von Prof. A. Fhaenkel in Berlin üljerlassener Fall (Dietz) (8), dessen Blut intra- vital gleichfalls nicht von mir geprüft worden war, zu Gebote. Herr Pro- sektor Benda hatte die Freundlichkeit mir das diesbezügliche Material und einige auf diesen Fall 8 sowie auf die später zu erwähnenden Fälle von akuter Leukämie bezügliche Notizen zu übersenden. Die Blutpräparate des lymphämischen Materiales, die mir übrigens nur in weit geringerer Zahl als bei ^lyelämie zur Verfügung standen, wurden nun ausschließlich mit erwärmtem LÖFFLER-Blau untersucht; als ich die oben beschriebene Thioninfärbung und die Färbung mit dem basischen Farbengemisch fand, welche letztere sich gerade bei der Unter- suchung des lymphämischen Leichenmateriales in so hohem Grade bewährte, war das zur Verfügung stehende Blutmaterial bereits nahezu aufgebraucht, und konnte nur noch an wenigen Präparaten mit negativem Erfolge an- gewendet werden. Es bedürfen also die folgenden auf das periphere Blut bei Lymphämie bezüglichen vorwiegend negativen Resultate noch weiterer Ergänzung. Das gilt auch für das lympliämische Leichenmaterial, über welches ich in der hier verfolgten Richtung gleichfalls noch kein ab- schließendes Urteil besitze. — 106 — Die Untersiiclmng der Bluttrockenpräparate war mm in den an- geführten Fällen 1, 2, 3 und 5 vollständig negativ, es konnte in oder an den Leukocyten nichts gefunden werden, was nur im geringsten an parasitäre Bildungen hätte erinnern können. Dies mußte um so mehr auffallen, als ja gerade bei der Lymphämie die einkernigen Leukocyten in so großer Zahl im peripheren Blute vorhanden sind, die sich bei der Myelämie so häufig als die Wirtszellen des Parasiten erwiesen, und als bei der Lympliämie bekannthch basophile Mastzellengranulationen in den Leukocyten nahezu vollständig fehlen, die ja bei Myelämie, wo sie sehr reichlicli vorhanden sind, so leicht zu Verwechselungen Veranlassung geben können; auf Grund derartiger Erwägungen hätte man gerade ein besonders reichliches Auftreten und einen sehr leichten Nachweis von Parasiten in den Leukocyten bei Lymphämie erwarten dürfen. Die Untersuchung der Bluttrockenpräparate des 4. Falles von Lymph- ämie (Hof. R. Knüll, Prag) ergab nun, daß hier ganz andere Verhältnisse als bei der Myelämie herrschen, ich verweise diesbezüglich auf die Figuren 100 —113 der Taf. V, welche einige Beispiele dafür bringen. Es handelt sich auch .hier um stark metachromatisch gefärbte in der Regel, intracelluläre Bildungen, die aber einen ganz anderen Charakter als jene bei Myelämie besitzen. Hier, in diesem Falle von Lymphämie sind ausschließlich kleine Formen vorhanden, die, sobald man dieselben als parasitäre Bildungen auffaßt, auf lebhafte Eigenbewegung hinweisen, und sehr häufig mit eigenartigen sporn- oder hakenförmigen kleinen Fortsätzen behaftet sind (Fig. 100 bis 103, 111). Ohne nun in eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Formen einzugehen, wird man bei der Berücksichtigung dieser Gebilde im ganzen sich sofort die Frage vorlegen müssen, ob sie nicht als Zeichen einer Kerndegeneration oder ob sie nicht als basophile Granu- lationen aufzufassen sind. Eine solche Deutung dieser Bildungen würde ich jedoch nicht acceptieren können. Von einer Kerndegeneration könnte allenfalls bei oberflächlicher Beobachtung in den Figuren 100 — 105, 111, 113, die Piede sein, während die Figuren 106 — 110 mehr an basophile Granulationen erinnern. Die ersteren Figuren 100 — 105, 111, 113 stellen nun aber so eigenartige Bilder dar, daß die Auffassung derselben als Aus- druck eines degenerativen Kernzerfalles Avohl als eine äußert gezwungene bezeichnet werden müßte. Sieht man sich nämlich in den Präparaten des lymphämischen Blutes nach den Erscheinungen der Kerndegeneration um, so erkennt man, daß dieselben nicht so häufig angetroffen werden und vorwiegend dem Typus der Hypochromatose angehören, die mit den hier beschriebenen Bildungen gar keine Verwandtschaft besitzt. Hyperchroma- tosen und karyorhektische Zustände fand ich im Blute minder zahlreich an und auch sie verlaufen nach dem früher bereits genauer beschriebenen Typus und liefern Bilder, die mit den hier geschilderten Gebilden keinen merklichen Zusammenhang erkennen lassen. Dazu kommt noch, daß man in einzelnen Fällen die Kerne der Zellen, welche die erwähnten Körper ent- halten, ganz deutlich und ohne irgend welche degenerative Veränderungen wahrnehmen kann (Fig. 103, 104, 106), während in den meisten Fällen, wenn diese Körper klar hervortreten, die Entfärbung eine so hoch- gradige ist, daß die Kerne überhaupt nicht mehr sichtbar sind. Die in den Figuren 106 — 110 wiedergegebenen Formen können nun nach meiner Auffassung gleichfalls nicht mit basophilen Zellgranulationen in dem gebräuchlichen Sinne identifiziert werden. Vor allem treten selbst bei den kleineren Formen (Fig. 106, 108), die noch am ehesten — 107 — an basophile Granulationen erinnern, Differenzierungen hervor, als ob die granulaälmlichen Gebilde, die übrigens hier durchaus nicht jene regel- mäßige Kugelform besitzen, welche dens])ezitisehenZellgianulationen in der Kegel eigen ist, aus einer sich lichter färbenden ])erii)heren, und einer central gelegenen sich dunkler färbenden, kernähnlichen Substanz bestehen würden, Erscheinungen, welche, soweit mir bekannt ist, bisher bei typischen Zellgranulationen nicht beschrieben wurden. Derartige Differenzierungen treten, allerdings dann minder deutlich, auch bei den größeren klumpigen Körpern hervor (Fig. 107), die aber ebenso wie die Figuren 109 und 110 schon wegen ihrer Größe und ihrer unregelmäßigen Form nicht den typischen Formen der basophilen Zellgranulationen zugezählt werden können. Eine besondere Stellung nehmen schon ihrem Aussehen nach, solche Bildungen ein, welche in Fig. 111 abgebildet sind; sie können wohl bei genauer Beobachtung weder mit Kerndegeneration, noch mit spezi- fischen Zellengranulationen in Beziehung gesetzt werden. Sie wurden übrigens im peri})heren Blute dieses Falles minder häufig als die übrigen Formen gesehen, zahlreicher fanden sie sich in den blutzellenbildenden Organen, ihre nähere Beschreibung wird daher erst bei der Erörterung der in diesen Organen erhobenen Befunde erfolgen. Was nun die Häufigkeit derartiger Zellen, wäe sie in den Figuren 100 — 113 abgel)ildet sind, im peripheren Blute des obengenannten Falles 4 anbelangt, so müssen dieselben im großen und ganzen als sehr selten bezeichnet werden. Bei fünf diesbezüglichen Zählungen wurden im Mittel 5.06^0 solcher Zellen festgestellt (Grenzwerte 0.7 und 6.3" o)- Im sechsten oben erwähnten Falle (Skopan), bei welchem im Blute auch spärliche Formen der Haemamoeba leuk. magna nachgewiesen wurden (Fig. 56, 57), konnten gleichfalls einzelne lymphatische Zellen mit den soeben im Falle 4 näher beschriebenen Gebilden gefunden werden; die- selben waren jedoch äußerst selten, es wurde daher eine genauere Aus- zählung nicht vorgenommen. In den blutzellenbildenden Organen des von Hof. R. Weighselbaum überlassenen Falles von Lymphämie fanden sich derartige Zellen mit analogen Gebilden, wie sie beim Fähe 4 im peripheren Blute gesehen w^urden, in sehr großer Zahl vor, und zwar waren derartige Zellen meist nesterweise beisammen gelagert, streckenweise fehlten sie wieder vollständig, manchmal wurden sie auch nur vereinzelt gelagert gefunden. Um ein übersichtliches Bild der hier in Betracht kommenden Formen zu geben, habe ich eine größere Zahl solcher Zellen aus den verschie- denen Organen abgebildet (Fig. 114 — 132). Zunächst ist gewiß die Ähnlichkeit dieser Formen mit jenen aus dem })eripheren Blute des Falles 4 w-iedergegebenen Gebilden eine auf- fallende und es dürfte wohl kaum fraglich sein, daß diese ganze Gruppe von Bildungen trotz des verschiedenen Fundortes zusammengehört. An basophile Zellgranulationen erinnern doch wohl nur einzelne dieser Bild- ungen (Fig. 120, 132) aber auch diese zeigen eine so eigenartige Form, Anordnung und Differenzierung der metachromatischen Gebilde, daß eine Verwechselung hier wohl ausgeschlossen erscheint. Übrigens fand ich in den lymphämischen Organen stets eine weit spärlichere Anzahl von typi- schen Mastzellen mit kubischer, rundlicher oder spindeliger Form als bei Myelämie. Diese Mastzellen in lymphämischenOrganen zeigen durchgehends das bekannte regelmäßige Aussehen der Zellgranulationen, und die be- treffenden Zellen sind von ihnen meistens vollständig erfüllt. Echte — 108 — lymphoide Zellen mit basischen Granulationen im Protoplasma, die in sämtlichen blutzellenbildenden Organen bei Myelämie einen so konstanten und häutigen Befund ausmachen , und die Grundlage für die Annahme einer myeloiden Hyperplasie derselben bilden , fehlen in den gleichen Organen bei reiner, nicht gemischter Lymphämie vollständig, und sind auch im Knochenmarke bei dieser Erkrankung nicht zu finden. Die hier ausgesprochene Annahme, daß die abgebildeten Formen (Fig. 100 — 143) mit den basophilen Zellgranulationen nicht identifiziert werden können, dürfte daher wohl kaum auf Widerspruch stoßen. Es bleibt dann noch zu erwägen, ob diese P'ormen nicht der Aus- druck einer Kernentartung sind, allein man müßte dann auch sofort hinzufügen, daß diese Kernentartung in einer ganz anderen Weise ver- läuft, als die bisher bekannten Formen der Kerndegeneration. Man findet aber auch in den lymphämischen Organen recht zahlreiche Bilder typischer Kerndegeneration in den lymphoiden Zellen, die vollständig nach dem bekannten früher beschriebenen Typus der Hypo- und Hyper- chromatose und der Kernzerbröckelung (Karyorhexis) verläuft. An diese letztere Art der Kerndegeneration könnte man wohl auch bei einzelnen unserer Bilder am ehesten denken, allein es müßte dann angenommen Averden, daß hier eine ganz besondere Art der Kernzerbröckelung vor- liegt, die sich mit den bekannten Bildern der Karyorhexis nicht deckt. Dazu kommt noch, daß die typischen Bilder der Karyorhexis bei dem von mir gewählten Färbungsverfahren immer hell- oder dunkelblau, nicht aber metachromatisch gefärbt sind, wodurch sich aber die hier beschrie- benen Gebilde sehr wesentlich von den karyorhektischen Bildern unter- scheiden. Noch eine Reihe von Umständen muß hier in Betracht gezogen werden. Bei der Färbung in dem basischen Farbengemisch und der nachträglichen Entfärbung im sauren Alkohol erscheinen die Kerne mehr weniger sämtlicher lymphoiden Zellen im Präparate entfärbt, und es kann dann leicht der Eindruck hervorgerufen werden, daß in jenen Zellen, welche die metachromatiscli gefärbten Gebilde enthalten, diese an Stelle des Kernes liegen, und als ein Ptest des nicht mehr sichtbaren, also wahrscheinlich degenerierten oder in Degeneration begriffenen Kernes aufzufassen sind. Allein man kann sich bei schwächerer Entfärbung leicht davon überzeugen, daß die Kerne auch in den Zellen mit den metachro- matischen Körpern vielfach noch vorhanden sind, und manchmal kann man diese letztern ganz deutlich in ihnen oder doch an ihnen erkennen (Fig. 133 bis 137, 139, 140). Im allgemeinen aber muß man sagen, daß die meta- chrömatischen Körper um so undeutlicher hervortreten, je mehr noch die Kernfärbung erhalten ist. Es macht den Eindruck, als ob die meta- chromatischen scharf fingierten Körper vielfach in einer diffus und gleichfalls metachromatiscli gefärbten Zone liegen würden, wodurch dann die Klarheit des Bildes wesentlich leidet. Gerade bei der Formalin- härtung der betreffenden Organe ist das vielfach in störender Weise der Fall gewesen; ich will jedoch auf diese Verhältnisse zunächst nicht weiter eingehen. Es sollte hier nur betont werden, daß diese distinkt gefärl)ten metachromatischen Körper durchaus niclit immer an Stelle des Kernes vorhanden sind und auch nicht als Kernrest aufgefaßt werden können. Bei der Kleinheit der betreffenden lymphatischen Zellen, in welchen diese Gebilde angetroffen werden , dürfte es übrigens nicht möglich sein, sich mit voller Bestimmtheit über die Lagerung dieser (rebilde in der Kern- und Zellsubstanz auszusprechen. Daß'diese Gebilde — 109 — zum Kern räumlich in näherer Beziehung stehen, ist wohl sehr wahrschein- lich , ohne daß deshalb ihre Lagerung im Kerne angenommen werden müßte, und diese Beziehung dürfte schon deshalb eine sehr innige sein, weil ja bekanntlich der Zellkern in den hier in Betracht kommenden lympliatischen Zellen den größten Teil der Zelle einnimmt, das Zell- protoplasma selbst aber nur auf einen schmalen Ivandsaum beschränkt ist. Weiterhin muß betont werden, daß die distinkt gefärbten meta- chromatischen Körper in den Zellen nur bei Anwendung des früher ge- nannten basischen Farbengemisches mit voller Prägnanz hervortreten, während man bei einfacher Methylenblau- oder LöFFLEHblaufärl)ung nur Andeutungen davon, oder unvollständige Färbungen erhält, die dann leicht den Eindruck von Kerndegenerationen hervorrufen können. Diese Deutung hat noch vor kurzem Pollmann^) auf (irund von ^lethylenblau- färbungen gewissen Gebilden aus den blutzellenbildendcn Organen eines Falles von wahrscheinlich angeborener akuter lymphatischer Leukämie gegeben, die eine gewisse Ähnlichkeit mit den hier abgebildeten Formen besitzen, worüber aber eine sichere Entscheidung nicht möglich ist. Auch diese Difierenz der Färbung bei Anwendung der l)asischen Farben und des erwähnten Farbengemisches si)richt durchaus nicht zu Gunsten der Annahme, daß die hier in Frage kommenden Gebilde Produkte der Kerndegeneration darstellen, da diese ja auch bei einfacher Methylen- blau- oder LÖFFLER-Färbung prägnant hervortreten. Auch für die Saftranin- färbung gilt im Avesentlichen das Gleiche, sie stellt die normalen und degenerierten Kerne gut dar, läßt aber von den uns hier beschäftigen- den Formgebilden nur Andeutungen erkennen. Gerade solche vergleichende Färbungen lassen aber auch erkennen, daß die metachromatisch gefärbten Innenkörper nicht Kernreste und nicht der morphologische Ausdruck einer Kerndegeneration in dem gebräuchlichen Wortsinne sind. Hat man nämlich eine Reihe von Schnitten aus den entsprechenden Organen mit dem basischen Farbengemenge behandelt und überzeugt sich in ihnen von dem reichlichen und herdweisen Auftreten der betreuenden Bildungen, und färbt nun weitere unmittelbar den ersteren folgende Schnitte in der gebräuchlichen Weise mit Methylenblau oder SaftVanin, so erhält man in diesen Präparaten nur die bekannten Bilder typischer Kerndegeneration, in sehr vielen Zellen aber typische und gut gefärbte Kernbilder, dagegen fehlen die oben beschriebenen metachromatischen karyotopen p]ildungen auch an solchen Stellen, welche im Schnitte den Nestern der metachromatischen Lmenkörper entsprechen. Die nächsten Schnitte aus den betreffenden Organen kcinnen dann bei entsprechender Färbung mit dem basischen Farbengemisch diese Nester wieder hervortreten lassen. Ich brauche wohl nicht erst zu betonen, daß derartige Versuche nicht immer in dieser Weise verlaufen müssen, ich habe mich aber von einem solchen Verhalten in einzelnen Fällen zweifellos überzeugen können. Endlich muß noch Nachdruck darauf gelegt werden, daß diese metachromatischen Innenkörper in der Regel herdweise beisammen liegen, während die Bilder der Kerndegeneration ja meistens mehr gleichmäßig zerstreut, seltener aber gruppenweise vereinigt in dem betreffenden Organe angetroffen werden. Von großer Bedeutung gegen die Deutung dieser Innenkörper als Produkte eines Kernzerfalles erscheint mir aber der Umstand zu sein, daß ich diesell)en sowohl in dem von Hof. R. Wkichsel- BAUM stammenden Falle, als auch in dem Falle Skopan. gehäuft nur im 1 ) , Mimchener mediz. Woclienschr. 1898. Nv. 2. — 110 — Knochenmark und in der Milz, nicht aber in den Lymphdrüsen ange- troffen habe, wo sie nur in vereinzelten Exemplaren nachweisbar waren, ■während auch in diesen letzteren Organen die typischen Bilder der Kerndegeneration, wenn auch in geringerer Menge als in Milz und Knoclienn)ark vorhanden waren. Gerade dieser Befund scheint mir ganz entschieden gegen die Deutung dieser metachromatischen Innen- körper als Produkte eines degenerativen Kernzerfalles zu sprechen. In den blutzellenbildenden Organen des Falles Skopan waren die hieher gehörigen Bilder (Figg. 133 — 143) minder klar als bei dem voraus- gehenden, was wohl der Hauptsache nach auf die J'ormalinhärtung bezogen werden darf, welche, wie bereits dargelegt wurde, der färberischen Darstellung der hier in Betracht kommenden metachromatischen Gebilde ungünstig ist. Aber auch hier konnten doch wenn auch minder zahlreiche Formen erkannt werden, welche mit den oben erwähnten Gebilden eine genügende Analogie erkennen ließen. Die meisten metachromatischen Innenkörper erscheinen hier allerdings in einer diffusen meist dunkel und metachromatischen Substanz wie in einer Hülle eingeschlossen, von der mit Bestimmtheit nicht gesagt werden kann, ob sie der Kern- oder der Zellsubstanz angehört, wahrscheinlich aber durch Hyi:)erchromatose des Kernes bedingt ist. Die Färbung dieser Substanz und der meta- chromatischen Innenkörper selbst scheint nun bei der Formalinbehand- lung der Organe in anderer Weise als bei der Alkohol behandlung vor sich zu gehen, und gerade dadurch die mindere Brauchbarkeit der in Formalin. gehärteten Objekte für den vorliegenden Zweck zu bedingen. Andrerseits erscheint es aber von besonderer Wichtigkeit hervorzu- heben, daß in den Organen des Falles Skopan trotz der Formalinhärtung die charakteristischen Bilder der Kerndegeneration ebenso wie bei Alko- holhärtung hervortreten, was wiederum nicht dafür spricht, daß die metachromatischen Innenkörper als Produkte einer Kerndegeneration aufzufassen sind. Für die Deutung dieser metachromatischen Innenkörper neige ich mich der Anschauung zu, daß auch hier parasitäre Bildungen vorliegen, die aber von den bei der Myelämie beschriebenen ihrer Form und Be- schaffenheit nach verschieden sind. Es ist das allerdings nur eine aus- schließlich per cxclusionem gew^onnene Vermutung, die sich auf die eigen- artigen Formen dieser Innenkörper, ferner auf ihr nesterweises Vorkommen in den blutzellenbildenden Organen überhaupt, oder doch in einem oder dem anderen derselben, und auf die geschilderten Differenzen den Pro- dukten des Kern- und Zellzerfalles gegenüber stützt. Eine größere Sicherheit in der Beurteilung der differentiellen Verhältnisse wird erst dann erlangt werden können, wenn eine spezifische Färbungsmethode für die hier als parasitäre Bildungen ausgesprochenen Körper gefunden sein wird, worüber ich bald Mitteilungen machen zu können hoffe. Die gesehenen und in ihren wichtigsten Typen auch abgebildeten Formen dieser metachromatischen Gebilde können leicht zu einem auf Entwickelung und Vermehrung hinweisenden Formenkreis zusammen- gestellt werden, der sich an den Formenkreis der Sporozoenentwickelung enge anschliel:)t. Wenn im folgenden nun die geschilderten metachro- matischen Gebilde als Parasiten kurzweg angesprochen werden, so ge- schieht das nur auf Grundlage der oben erwähnten Vermutung nicht aber, was wohl kaum besonders betont zu werden braucht, als der Ausdruck einer feststehenden Thatsache. Man kann nämlich auch hier unterscheiden: 1. Jugendformen — 111 — einer intracellulären Amöbe mit Einzelinfektion (Figg. 100, 114. 127, 1 28), oder mit:\[ehr]ingsintektion (Figg. 104, 10(3 — 110, 11«— 120, 130— 132), welche letztere jedenfalls viel häutiger als die erste vorkommt. Wo Einzel- infektion besteht, kann man gelegentlich einen dunkler gefärbten kern- artigen Innenkör[)er und einen lichteren i)rotoplasmaartigen Teil des Para- siten erkennen (Figg. 100, 12(S); außerdem ist der Parasitenleib in den meisten der gesehenen Bilder reichlich mit kurzen Fortsätzen und Aus- Avüchsen besetzt (Fig. 100—105, 114—119, 130, 131, 133—136, 138), die auf eine lebhafte Beweglichkeit des Parasiten hinzuweisen scheinen. Gelegentlich bekommt man unter diesen Einzelformen auch sichel- oder kahnförmige Körper zu Gesichte (Figg. 104, 113, 127, 131), von denen es aber dahingestellt bleiben muß, ob sie den früher erwähnten Navikel- formen bei der Haemamoeba leukaemiae magna gleichwertig sind. 2. Heranwachsende Formen, bei welchen eine Volumszunahme der Einzelformen und dabei in der Regel Teilungserscheinungen derselben vorhanden sind (Figg. 101 — 103, 105, 116-119, 129—131, 133—138); ob einzelne Bilder geradezu als der Ausdruck einer Neubildung der Einzelformen durch direkte Teilung aufzufassen sind (Figg. 116, 118, 119, 130, 131, 136, 138), muß dahingestellt bleiben. Manchmal sieht man in den großen Formen (Figg. 105, 117, 129) mehr minder deutlich granula- ähnliche Körperchen, als ob eine Auflösung dieser Formen in einzelne Körner erfolgen würde. Man kann auch vermuten, daß diese Formen den Übergang zu den nächsten bilden. 3. Sporulationsfor men, bei welchen in der Hegel größere Gruppen mehrerer zum Teil noch in A'erbindung mit einander stehender, zum Teil bereits isolierter granulaähnlicher Einzelformen in der Zelle vorhanden sind (Figg. 106 — 110, 119, 120, 132), in denen man manchmal ganz deutlich einen kernartigen Innenkörper neben einer heller gefärbten peripheren Zone erkennen kann (Figg. 108, 132). Gerade derartige Bilder erinnern lebhaft an die bekannten Sporulationserscheinungen bei Malaria- parasiten (Sonnenblumenform des Tertianparasiten nach Golgi). 4. Degenerationsformen, welche auf einen Zerfall des Para- siten in der Zelle hinweisen; hierher rechne ich jene Bilder, in denen entweder nur vereinzelte metachromatisch gefärbte Granula in der Zelle erhalten sind, die vielleicht als Reste zu Grunde gehender Parasiten- formen anzusprechen sind (Figg. 112, 125, 126); oder aber es linden sich eigenartig etwas blässer metachromatisch gefärbte vielgestaltige Gebilde, in denen in der Regel nur vereinzelte zartere dunkle chromatin- artige Klümpchen enthalten sind (Figg. 111, 122—124, 139—143). Ob diese letztern Formen in Zerfall begriffene, chromatinarme und deshalb vielleicht sterile, oder ob sie besonders bewegliche Amöbenformen mit mehr fein verteiltem Chromatin darstellen, vermag ich nicht zu entscheiden. Bei dem oben erwähnten Falle (8) Dietz (Prof. A. Fraenkel, Berlin), der als chronische Lymphämie bezeichnet war, konnten nun analoge Formen, wie ich sie in den Figuren 114 — 132 dargestellt habe innerhalb der lymphocytären Elemente der blutzellenbildenden Organe nicht nach- gewiesen werden, dagegen wurden, auch hier wieder in Knochenmark und Milz häufiger als in den Lymphdrüsen, intranukleäre distinkte meta- chromatisch gefärbte (irebilde gefunden, von denen einige Beispiele in den Figuren 144 — 1.57 wiedergegeben sind. Diese Formen stehen luichst wahrscheinlich in Beziehung zu jenen des Falles Skopan (Figg. 133 — 143) und auch zu den in den Figuren 82 — 91 aus den blutzellenbildenden Organen bei Myelämie wiedergegebenen Formen. Ich habe gerade für — 112 — diese letzteren auf die Mögliclikeit hingewiesen, daß es sich um karyo- tope Formen des Parasiten handelt, ohne aber einen bestimmten Beweis dafür erbringen zu können. Bei der Lymphämie liegen nun die Ver- hältnisse ganz analog. Auch hier wird man an die oben ausgesprochene Möglichkeit denken, aber auch hier wird man sich vor einer Ver- wechselung mit der bereits früher erwähnten granulären Kerndegenera- tion hüten müssen, die auch in den blutzellenbildenden Organen bei Lymphämie nachgewiesen werden kann. Immerhin muß es gewiß als auffällig bezeichnet werden, daß in diesem Falle Dietz nur derartige karyotope Formen, nicht aber die bei dem anderen Falle von Lymphämie gesehenen mehr intracellulären Formen konstatiert wurden, zumal bei den Fällen von Myelämie als auch bei dem Falle Skopan beide Formen stets gleichzeitig, wenn auch nicht in gleichem Mengenverhältnisse auffindbar waren. Ich bin vorläufig nicht in der Lage die Gründe dieser Differenz aufklären zu können, möchte aber doch auf die Möglichkeit hinweisen, daß gewisse bei der Härtung und Konservierung der betreffenden Organe mitwirkende Verhältnisse große Differenzen in dem Resultate der hier in Betracht kommenden Färbung verursachen können. Andrerseits wird man aber auch nicht außer Acht lassen dürfen, daß die verschiedenen P'älle von Lymphämie gerade bezüglich des Vorkommens der geschilderten Gebilde nicht gleich- wertig sein müssen. Es liegen ja bereits zahlreiche Angaben darüber vor, daß auch bei echten sarkomatösen Erkrankungen der blutzellen- bildenden Organe eine typische lymphämische Beschaffenheit des Blutes vorhanden sein kann, und erst vor kurzem hat H. Strauss^) einen solchen Fall mit reichlichen zugehörigen Litteraturangaben beschrieben. Dieser von VmcHow ^) in der Sitzung der Berliner medizinischen Gesellschaft vom 15. Juni ] 89S an der Hand der anatomischen Präparate besprochene Fall zeigte hochgradige sarkomatöse Neubildung an den Pleuren und den Kippen, sarkomatöse Infiltration des Markes des rechten Humerus und des rechten Femur, der Leber, Milz, verschiedener Lymphdrüsen und eine Reihe anderer Störungen. Strauss ^) spricht sich über die Beziehung der sarkomatösen Neubildung zur Lymphämie dahin aus, ,,daß die Lymphämie nur als eine Folge von hyperplastischen Prozessen am lymphatischen Gewebe angesehen werden darf, und glaubt, daß die Vor- stellung zulässig ist, daß das Sarkom in unserem Falle hyperplastische Prozesse am lymphatischen Gewebe angeregt haben mag, welche zum Bilde der lymphatischen Leukämie geführt haben". Dementsprechend vermutet er, gestützt auf eine Reihe in der Litteratur niedergelegter Fälle, ,,daß verschiedenartige zur Hyperplasie am lymphatischen Apparat führende Ursachen zu einem leukämieähnlichen Bilde führen können", und daß die Art der Leukämie vom Orte bestimmt wird, wo der Reiz seinen Angrift'spunkt nimmt. Die Leukämie wird somit nicht als eine ätiologische Einheit aufgefaßt, sondern nur als ein durch die spezielle Reaktionsart bestimmter Gewebsformationen in eigenartigerweise charak- terisiertes Blutbild verstanden. Bei der großen "Wichtigkeit derartiger Beobachtungen und bei Berücksichtigung des Umstandes, daß ich in dem einen Falle von Lymph- ämie (Dietz 8) in den blutzellenbildenden Organen nicht jene eigenartigen intracellulären Formen finden konnte, die bei dem anderen Falle 7 (Hof. R. 1) Charit(5-Annalen 1898. Jahrg. XXIII. -') Berl. klin. Wochenschr. 1898. Nr. 27. 3) a a. 0. S. 13. S. A. — 113 — Weighselbaum) in großer Zahl vorhanden waren, erschien es für mich von großer Bedeutung gerade derartige von Stracss erwähnte Fälle parasitologisch nach der hier durchgeführten Richtung untersuchen zu können. Herr Geh.-R. Virchow überließ mir auf meine Bitte mit größter Liberalität ein Stück des sarkomatös infiltrierten Knochenmarkes des rechten Humerus zur Prüfung. Bas Ergebnis war nach der hier ver- folgten Richtung ein völlig negatives, es wurden weder intracelluläre noch karyotope Bildungen der geschilderten Art gefunden , trotzdem hyperchromatische Kerne, wenn auch nur in geringer Zahl, naclnveisbar waren. Da aber, wie Herr Geh.-R. VmcHOw die Güte hatte mir mit- zuteilen , das Präparat der Einwirkung einer farbenkonservierenden Flüssigkeit und dann erst der Alkoholbehandlung unterzogen worden war, so kann auch das negative Ergebnis dieses Falles nicht in bestimmter Weise dafür verwertet werden, ob die betreffenden Bildungen in diesem Falle überhaupt nicht vorhanden waren, oder ob nur ihre färberische Darstellung wegen der Art der Konservierung des Materials nicht mög- lit'h war. Ich bin also vorläufig nicht in der Lage über die Konstanz des oben beschriebenen Befundes bei Lymphämie ein bestimmtes Urteil ab- zugeben und mich über die von Strauss ausgesprochene oben erwähnte Vermutung mit Beziehung auf die von mir gesehenen Gebilde näher äussern zu können. Darüber werden erst weitere Untersuchungen Aufschluß gewähren, hier sollte auf diese Verhältnisse nur hingewiesen werden. Auch die Untersuchung dreier Fälle von akuter Leukämie, Krey (1), Weissmann (2) und Bahr (3), die mir von Prof. A. Fraenkel in Berlin überlassen wurden, soll hier nur kurz berührt werden. Vom Falle Weissmann (2) stand mir Milzsaft und Lebersaft von der Leiche auf Deckgläschen verteilt, vom Falle Bahr Fingerbeerenblut des Lebenden zur Verfügung ; außerdem konnten Milz, Lymphdrüsen und Knochenmark aller drei Fälle einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Milzsaft, Lebersaft und Fingerbeerenblut (letzteres war wahrschein- lich mit Ather-Alkohol fixiert) der oben genannten Fälle ergaben nach der hier verfolgten Richtung völlig negative Resultate. In den blutzellen- bildenden Organen konnten in allen drei Fällen die in den Figuren 158 — 191 in den wichtigsten Beispielen wiedergegebenen Befunde erhoben werden. Es handelt sich um intranukleäre oder karyotope distinkt und stark metachromatisch gefärbte Gebilde, an denen vielfach Differen- zierungen deutlich zu erkennen sind (Figg. 158 — 161, 167, 169, 174, 181 — 183, 186, 191). Dieselben sind in der Regel in der Einzahl vor- handen, doch kommen auch Kerne mit zweien und mehreren solchen Bil- dungen vor (Figg. 160, 161, 171, 174, 179, 182, 188, 189, 190, 191). Ob gerade diese letzteren bereits als der Ausdruck einer Vermehrungs- fähigkeit der betreffenden Gebilde im Kern anzusprechen sind, wage ich nicht zu entscheiden. Bilder, die auf Sporulation hinweisen würden, habe ich nicht gesehen, wohl aber solche, die möglicherweise als Tei- lungsvorgänge aufgefaßt werden können (Figg. 164, 165, 166). Was früher bereits gelegentlich der Erörterung der diesbezüglichen Verhält- nisse in den myelämischen Organen über den sogenannten granulären Kernzerfall ausgesagt wurde, der eventuell zu Verwechselungen mit den hier beschriebenen Gebilden Veranlassung geben könnte, gilt in gleicher Weise auch hier. Löwit, Ätiologie u. Pathol. d. Leukämie. 8 — 114 — Die betreuenden intranukleären Körper liegen in der Regel inner- halb eines lichten Hofes der Kernsubstanz, also wahrscheinlich in einer Vakuole (Figg. 158, 159, 162, 165, 172, 173, 174, 176, 178, 180, 181, 183—187, 189 — 191), manchmal nur in der Nachbarschaft der Vakuole (Figg. 169,175), manchmal sind im gleichen Kerne mehrere Vakuolen und nur ein metachromatisch gefärbter Körper (Figg. 169, 173), manchmal mehrere solcher Körper neben einer Vakuole (Fig. 174) vorhanden, und endlich kommen auch Kerne vor, welche nur Vakuolen- ohne derartige Körper enthalten (Fig. 170). Als besonders auffällig und geradezu charakteristisch für die Fälle von akuter Lymphäme muß der Umstand betont werden, daß die betreffenden karyotopen Körper auch sehr häutig in den Kernen sich teilender Zellen nachgewiesen werden konnten, und zwar sowohl in mitotisch (Figg. 168, 169, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 179, 180, 183) als in amitotisch sich teilenden Zellen (Figg. 162, 163). Die genaue Kernstruktur war zwar in diesen Fällen dann nicht mehr kenntlich, da ja die kleinen und großen Lymphocytenkerne, welche die betreffenden Körper enthalten, stets hyperchromatisch und daher mehr gleichmässig dunkel aussehen, der Charakter der Kernteilungsfigur kann aber auch in diesen Fällen aus dem allgemeinen Habitus mit genügender Sicherheit erschlossen werden, in einzelnen Fällen erleichtert eine noch nachweisbare Spindelfigur (Fig. 168) die Erkennung des Teilungsmodus. In den Fällen von chronischer Lymphämie wurden die genannten intra- nukleären Körper in sich mitotisch teilenden Zellen überhaupt nicht oder nur sehr selten konstatiert. Was nun die Reichhaltigkeit und die Lagerung dieser gewiß auf- auffälligen karyotopen Befunde anbelangt, so machten sich auch hier Differenzen bei den angeführten drei Fällen geltend. In der Regel wurden diese intranukleären Körper in kleinen (jruppen von 3 — 5 neben oder nicht weit von einander liegenden Zellen aufgefunden, vielfach lagen sie auch ganz isoliert, manchmal konnten im Gesichtsfeld 5 — 10 solcher Zellen konstatiert werden, woran sich größere von diesen Bil- dungen vollständig freie Zonen anschlössen. Bemerkenswert erscheint es, daß diese karyotopen Körper in solchen Kernen, welche die exquisiten Zeichen hochgradiger Karyorhexis und Hyperchromatose zeigten, nicht enthalten waren; an solchen Stellen, die namentlich im Knochenmarke des Falles Bahr, wo gleichzeitig eine Bacilleninvasion in das Gewebe vor- handen war, in großer Anzahl nnd großer Ausdehnung vorhanden waren, fehlten diese Körper vollständig, konnten jedoch in ihrer nächsten Um- gebung in manchen noch nahezu normalen Kernen, wenn auch nicht in allen, mit Leichtigkeit nachgewiesen werden. Es drängt sich dabei unwillkürlich die Vermutung auf, daß diese karyotopen Körper möglicherweise den Anstoß zum Auftreten der Hyperchromatose, der Kernvakuolen und der Kerndege- neration überhaupt geben, daß sie aber aus dem Kerne wieder verschwinden, wenn der degenerative Prozess daselbst einen gewissen Grad erreicht hat. Allerdings setzt aber diese Vermutung schon voraus, daß die betreffenden karyotopen Formen Lebewesen sind, was gewiß nicht erwiesen ist. Im Falle Bahr bildete namentlich Knochenmark und Milz die wesentliche Fundstelle der karyotopen Körper, nnd gleichzeitig war auch hier die kleinzellige Hyperplasie eine sehr intensive; in der untersuchten Lymphdrüse dieses Falles waren die karyotopen Körper jedenfalls spär- licher vorhanden, die normalen Strukturverhältnisse konnten hier stellen- weise noch nachgewiesen werden. In den Fällen Krey und Weissmann aber wurden diese Körper vornehmlich in der Milz und Lymphdrüsen, — 115 — spärlicher im Knochenniarke gefunden, in welchem gleichfalls stellen- weise noch normale Strukturverhältnisse kenntlich waren. Endlich sei noch erwähnt, daß weder bei den Fällen von chronischer noch bei jenen von akuter Lymphämie die sogenannten früher be- schriebenen ,, grünen Zellen" und ,, grünen Körper" gefunden wurden. Bezüglich der Bedeutung der karyotopen Körper darf wohl mit dem Umstände gerechnet werden, daß sie parasitären Bildungen entsprechen; in diesem Falle würde dann nicht nur ein karyotoper, sondern mit Bück- sicht auf die früher erwähnten Verhältnisse der Kerndegeneration auch ein karyophager Parasit vorliegen. Welcher Art dieser Parasit ist, ob er ein eigenes Genus darstellt, ob er in näherer Beziehung steht zu den karyo- topen Formen, die bei der chronischen Lymphämie und bei der Myelämie beschrieben wurden, darüber vermag ich keinerlei Äußerung abzugeben. Nur das eine scheint mir auf Grund meiner Beobachtungen sicher zu stehen, daß die hier beschriebenen karyotopen Körper bei der akuten Lymphämie, ebensowenig wie die analogen Bildungen bei der chronischen Lymphämie und der Myelämie, nicht als der morphologische Ausdruck einer Kerndegeneration angesprochen werden können. Die Ähnlichkeit mancher der bei chronischer Lymphämie gefundenen karyotopen Formen mit den bei der akuten Lymphämie abgebildeten ist eine große, eine nähere Verwandtschaft der betreffenden Bildungen erscheint nicht aus- geschlossen. Ich will nun aber bei den folgenden Auseinandersetzungen die karyotopen Körper, deren Bedeutung noch ganz unsicher ist, unberück- sichtigt lassen und mich nur an jene intracellulären Formen halten, die ich im Fingerbeerenblute des Falles 4 und in den blutzellenbildenden Organen des von Hof.-U. Weichselbaum überlassenen Falles von Lymphämie nachweisen konnte (Figg. 100—132); wir werden die gleichen Formen noch in einem weiteren Falle (Pseudoleukämie beim Kinde) wiederfinden, der im folgenden Abschnitte gesondert behandelt werden soll (Figg. 200 — 220). Nach der von Mannaberg ^) gegebenen Beschreibung kann ich kaum daran zweifeln, daß die von ihm bei einem Falle von Lymphämie im peripheren Blute im ungefärbten Zustande gesehenen und als Protozoen gedeuteten intracellulären Gebilde mit den in den oben genannten Fällen beschriebenen identisch sind, und ich schließe mich der Auffassung Manna- berg's, daß hiebei protozoenähnliche Körper vorliegen, nach dem was früher bereits über ihre differentiellen Unterschiede gegenüber andern Zellenbe- standteilen ausgeführt wurde, vollständig an. Wahrscheinlich handelt es sich auch hier um eine Hämamöbe aus der Familie der Hämamöbiden, die aber jedenfalls verschieden ist von der früher aus dem myelämischen Blute und den zugehörigen Organen beschriebenen Haemamoeba leukaemiae magna. Ich werde diese bei der Lymphämie nachgewiesene Form als Haemamoeba leukaemiae parva (vivax) bezeichnen, da sie, worauf ja die eigenartigen Form Verhältnisse hinweisen, einer lebhafteren Bewegung als die Haemamoeba magna fähig sein dürfte. Diese Haemamoeba leukaemiae parva (vivax) kommt, wie es scheint, vorwiegend nur innerhalb der blutzellenbildenden Organe bei Lym])h;imie vor, und dürfte nur selten in das periphere Blut übertreten. Jedenfalls kann sie ihren ganzen Entwickelungskreis, wie er im Vorausgehenden beschrieben wurde, innerhalb der blutzellenbildenden Organe durchmachen. 1) Vgl. früher S. 8. 8* — IIG — Sie unterscheidet sich von der Haemamoeba magna nicht nur durch ihre Größe und wahrscheinlich auch durch ihre BewegHchkeit, sondern auch durch ihre Form und durch eine verschiedene Sporulation, durch das Fehlen von Geißel- und von exquisiten Sichelformen. Während bei der ersteren die Sporulation hauptsächlich in der Morulaform erfolgt, scheint bei der Haemamoebe parva (vivax) mehr die Sonnenblumenform vorzu- herrschen, die Zahl der aus der Sporulation hervorgehenden jungen Keim- linge erscheint infolgedessen hier bedeutend geringer als bei der ersteren ; es sind das analoge Differenzen, wie sie auch zwischen der Haemamoeba malariae tertiana und quartana bestehen. Auch die Differenz der Be- weglichkeit ist in beiden Fällen, sowohl bei den beiden Malaria- und den beiden Leukämieamöben, vorhanden, ebenso ist die Differenz des Aufenthaltes der beiden Leukämieamöben im befallenen Organismus nicht ohne Analogie bei den Malariaparasiten, indem ja auch hier die kleinen namentlich bei den tropischen Formen der Malaria vorkommen- den Parasiten weniger im Blute als in den inneren Organen vorkommen, wo sie ihre ganze Entwickelung durchmachen (Däubler^), Mannaberg ^)). Selbstverständlich ist aber den angeführten Beziehungen zwischen den Leukämie- und den iMalariaparasiten nur der Wert von Analogieschlüssen beizumessen. Ein weiterer Unterschied der beiden Leukämieamöben dürfte in dem differenten Auftreten der früher erwähnten Dauerformen innerhalb der blut- zellenbildenden Organe gelegen sein. Bei der Haemamoeba parva (vivax) konnten in den blutzellenbildenden Organen keinerlei morphologische Zeichen analoger Dauerformen nachgewiesen werden, wie sie für die Haem- amoeba magna im Vorausgehenden geschildert wurden. Da nun weiter- hin die Übertragung der Lymphämie auf Tiere nicht gelang (vergl. später), so fehlt in diesem Falle jener bedeutsame biologische Hinweis auf die Gegenwart von Dauerformen in den betreffenden Organen, von dem im Vorausgehenden bereits die Rede war, und welcher eine wesentliche Stütze für die Annahme solcher Dauerformen in den blutzellenbildenden Organen bei Myleämie bildet. Ob nun bei der Haemamoeba parva (vivax) Dauerformen überhaupt nicht vorkommen, bin ich zunächst nicht in der Lage zu entscheiden; bei den Malariaparasiten sind derartige Formen bisher gleichfalls nicht bekannt. Auch auf das differente Verhalten der Wirtszelle bei den beiden Leukämieamöben sei bereits an dieser Stelle mit wenigen Worten hin- gewiesen, wir werden später bei Erörterung der Pathologie der Leukämie uns noch eingehender mit dieser Frage zu beschäftigen haben. Bei beiden Amöbenformen sind ja die kleinen einkernigen Leukocyten, also die kleinen Lymphocyten, als die eigentlichen Wirtszellen anzusprechen; während aber die infizierten Leukocyten bei der Haemamoeba magna sich in der allgemeinen Blutbahn vorfinden, und während diese Leukocyten im Blute sowohl als auch in den blutzellenbildenden Organen eine Reihe von später genauer zu erörternden Veränderungen durchmachen, gehen die durch die Haemamoeba parva (vivax) inficierten Leukocyten aus den blutzellenbildenden Organen nur selten in die allgemeine Blutbahn über, und erleiden auch nicht jene eben angedeuteten Veränderungen, die an den mit der Haemamoeba magna infizierten Leukocyten wahrzu- nehmen sind. Als ebenso wichtig muß der bereits berührte Umstand betont 1) Berl. klin. Wocheiiscbr. 1898. Nr. 5, 6. 2) Die Malariakrankheiten etc. S. 68 f. — 117 — werden, daß eine L'bertragnng der Haemanioeba parva (vivax! auf das Tier bisher nicht gehmgen ist, auch hierin ist jedenfalls eine wesentliche Differenz gegenüber der Haemanioeba magna gelegen. Auch die karyo- topen Körper müssen hier nochmals kurz berührt werden. Sie scheinen jedenfalls bei Lymphämie häutiger vorzukommen als bei Myelämie, ich kann mich jedoch über die Beziehung dieser Bildungen zu einander bei diesen beiden Formen der Leukämie noch nicht aussprechen. Die Möglich- keit dürfte wohl kaum außer acht zu lassen sein, daß beide Hämamöben unter gewissen noch nicht genauer bekannten Verhältnissen, manchmal vielleicht erst postmortal, in den Kern der infizierten Zelle übertreten und hier Veränderungen hervorrufen. Die vorliegenden Beobachtungen können dann dahin aufgefaßt werden, daß ein derartiger Ortswechsel bei derHaemamoeba parva (vivax) häufiger als bei der Haemanioeba magna stattfindet. Andrerseits könnte aber auch manches zu gunsten der An- schauung angeführt werden, daß die karyotopen Kör})er gesonderte Bil- dungen darstellen, die mit den intracellulären oder cellulären Formen der Haemanioeba nicht in jenem eben angedeuteten Zusammenhange stehen. Immerhin sind, wie ich glaube, die bis jetzt bereits erkannten Differenzen zwischen den beiden Leukämieamöben so bedeutungsvoll, daß man wohl an zwei gesonderte Arten, nicht aber bloß an zwei gesonderte Formen der gleichen Art wird denken dürfen. Damit berühre ich die Frage der Unität und Multiplizität der Leukämieparasiten, die aber vorläufig definitiv wohl ebensowenig zu lösen sein wird, wie die analoge Frage bei den Malariaparasiten; ich für meinen Teil neige der Auf- fassung zu, daß getrennte Arten, mithin zwei verschiedene Parasiten, vor- liegen. Es sei hier aber auch auf die Möglichkeit hingewiesen, daß auch den karyotopen Körpern bei der akuten Leukämie in ihrer Auffassung als Parasitenformen eine gesonderte Stellung gegenüber den beiden anderen Parasitenformen zukommen kann, und es sei diesbezüglich nur an die Ähnlichkeit erinnert, welche manche der karyotopen Körper bei der akuten Leukämie mit den Pyrosomen- oder Apiosomenformen be- sitzen, die als Erreger des Texasfiebers beschrieben sind. Der Hämamöbenbefund bei der Lymphämie scheint nach den vor- liegenden Untersuchungen inkonstanter als bei der Myelämie zu sein; für die Beurteilung dieser Verhältnisse ist aber das gegenwärtige Material aus den bereits erwähnten Gründen unzulänglich. Die weitere Unter- suchung wird erst ergeben, ob und welche Piolle den karyotopen Körpern bei der Myelämie zufällt, ob und unter welchen Verhältnissen sie für die celluläre Amöbenform auftreten, und ob es eine Lymphämie giebt, welche ohne Haemanioeba parva (vivax) und ohne karyotope Körper ein- hergeht. Auch lÜr die Myelämie werden die gleichen soeben erörterten Verhältnisse bei den weiteren Untersuchungen zu berücksichtigen sein, indessen ist der Befund der Haemamoeba magna hier nach meinen bis- herigen Beobachtungen ein so konstanter, und die gelungene Über- tragung einer entsprechenden Infektionskrankheit auf das Tier, und der Nachweis der analogen Parasitenart bei dem Tiere ein so schwerwiegen- des ätiologisches Moment, daß die Bezeichnung dieser Amöbenart als einer pathogenen wohl gegenwärtig schon zu Recht besteht. Ob nun die Verhältnisse bei der Lymphämie und bei der sogenannten intesti- nalen Form von Leukämie, auf welche Troje^), Welss^), Strauss^) 1) Berlin, klin. Wocbenschr. 1892. S. 285. 2) a. a. 0. S. 96. 3) a a. 0. S. 18. 118 und andere hingewiesen haben, die von Stbauss ausgesprochene Ver- mutung rechtfertigen, daß das leukämische (lymphämische) Blutbild m vielen Fällen vielleicht mehr eine rein symptomatische Bedeutung besitzt, darüber werden erst weitere ätiologische Untersuchungen Aufschluß bringen können. Kapitel XI. Ein Fall von Anaemia pseudoleukaemica infantilis. Es handelt sich um einen typischen Fall einer Anaemia pseudo- leukaemica infantilis, wie sie von v. Jaksgh ') zum ersten Male als klinisches Bild zusammengefaßt wurde. Der Fall betraf ein 1\'2 jähriges Kind (Stecher) von der Innsbrucker Kinderklinik des Herrn Prof. Loos, der mir die Bhituntersuchung dieses Falles in liberalster Weise gestattete, das Leichenmaterial dieses Falles stellte mir Herr Prof. Pommer freund- lichst zur Verfügung. Intravital bestand bei dem Kinde hochgradige Anämie, im Blute waren zahlreiche große und kleine kernhaltige rote Blutkörperchen und daneben eine nicht sehr hochgradige Vermehrung der Leukocyten vor- handen, deren Zahl zwischen 20—70000 im cmm schwankte, sich aber regelmäßig über dem Normalwerte erhielt^). Unter den Leukocyten waren stets ziemlich zahlreiche „Myelocyten" aber auch abnorm große ,, hypertrophische" Leukocyten mit iDreitem feingranuliertem Protoplasma und einem gelappten oder zerschnürten Kerne vorhanden. Es war ein starker Milztumor nachweisbar, während Schwellungen der Lymphdrüsen intravital nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnten. Die Untersuchung des Blutes und des Milzsaftes vom lebenden Kinde, die ausschließlich mit der warmen LöFFLER-Lösung vorgenommen wurde, ergab stets die Anwesenheit recht zahlreicher Leukocyten, die mit typischen Formen der Haemamoeba leukaemiae magna besetzt waren ; ich verweise diesbezüglich auf die Figuren 192 — 195, die leicht vermehrt Averden könnten, was mir jedoch bei der Übereinstimmung derselben mit den Figuren 19 — 71 überflüssig erscheint. Eine so schöne und große Sichelform mit kernartigem Innenkörper, wie sie in Fig. 194 abgebildet ist, habe ich übrigens auch bei den früher erwähnten Fällen von Myel- ämie nicht zu Gesichte bekommen, ihre Zugehörigkeit zu den Parasiten- formen dürfte aber immerhin wohl als fraglich bezeichnet werden. Im Milzsafte dieses Kindes fanden sich gleichfalls zahlreiche typische Formen der Haemamoeba leukaemiae magna (Fig. 196 — 199), darunter zahlreiche Sporulationsformen (Fig. 196 — 198), die auch hier in der bereits be- schriebenen Morula vorhanden waren. Außerdem waren in dem dem lebenden Kinde entnommenen Milzsafte noch zahlreiche freie Amöbenformen 1) Wiener klinische Wochenschr. 1889. Nr. 22, 23. 2) Die diesl)ezügliclien Zählungen wurden auf der genannten Klinik vorge- nommen. — 119 — nachweisbar, von denen ich es auch hier unentschieden lassen muß. ob sie nicht erst bei der P'ixierung des Milzsaftes am Deckglas entstanden sind. Über die Verteilung der verschiedenen Leukocytenformen geben folgende Zählungen Aufschluß : Fingerbeerenblut vom 12. März 1898: Leukocyten mit Haemamoeba magna 9,2 "/o Einkernig kleine und große Leukocyten 25.7 "/o Eingebuchtete und mebrkernige Leukocyten 52.6 ",o Myelocyten 12.5 "/o In einem zweiten Präparate vom gleichen Tage und von der gleichen Lokalität fanden sich : Leukocyten mit Haemamoeba magna 12.4°/o Einkernig kleine und große Leukocyten 27.3 ^/o Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 46.7 °/o Myelocyten 13.6 ^/o Im Zehenbeerenblute vom 15. März 1898 wurden gezählt: Leukocyten mit Haemamoeba magna 2.5"/(» Einkernig kleine und große Leukocyten 10.7 °/o Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 78.9*^/0 Myelocyten 7.9 °/o In einem zweiten Präparate der gleichen Lokalität und vom gleichen Tage fanden sich: Leukocyten mit Haemamoeba magna 4.8 '^/o Einkernig kleine und große Leukocyten 16.7 "/o Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 62.3 *^/o Myelocyten 16.2 °,o Dagegen wurden in einem aus dem Milzsafte stammenden Präparate vom 15. März 1898, das unmittelbar nach dem Zehenbeereneinstiche vom gleichen Tage hergestellt worden war , folgende Werte gefunden : Leukocyten mit Haemamoeba magna 34.7 *^/o Einkernig kleine und große Leukocyten 37.3 *^/o Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 23.8 ^o Myelocyten 4.2 ^.'o Es war also auch hier wie in dem Myelämiefalle Delago eine ent- schiedene Vermehrung der Haemamoeba magna im Milzsafte gegenüber dem peripheren Blute zu konstatieren. Auf eine genauere Beschreibung der verschiedenen Hämamöben- formen glaube ich unter Verweisung auf die früher bei den Myelämie- fällen gemachten Angaben verzichten zu können. Bei ' Vergleichung beider traten keine irgendwie nennenswerten Differenzen hervor, es war nur bei dem Kinde der Eindruck vorherrschend, daß sehr viele Häma- möben nicht in sondern nur an den Leukocyten gelagert sind. Dagegen machte sich eine andere Erscheinung geltend, welche die Aufmerksam- keit in hohem Grade in Anspruch nahm. Es trat nämlich an einzelnen Tagen ein starkes Überwiegen der kleinen und grol.)en lymphocytären Elemente im Blute auf Kosten der mehrkernigen Zellen hervor, als ob ein Fall von Lymphämie vorliegen Avürde, ich lasse als Beleg eine Zäh- lung vom 17. März 1898 aus dem Finger beerenblute folgen. — 120 — Leukocyten mit Haemamoeba magna 6.8°/o Einkernig kleine und große Leukocyten 74.6 ",o Eingebuchtete und mehrkernige Leukocyten 8.5 "/o Myelocyten ' 10.1 ^/o Ein ganz analoger Befund konnte noch an zwei anderen Tagen erhoben werden, immerhin waren bei den verschiedenen Zählungen die in den früher angeführten Tabellen mitgeteilten Werte häufiger zu kon- statieren. Diese Beobachtungen schienen darauf hinzuweisen, daß bei dem Kinde eine Misch infektion vorliegt, so daß an einzelnen Tagen das Blutbild der Myelämie, an anderen jenes der Lymphämie überwiegt, wobei allerdings der Nachweis echter Myelocyten und der typischen Haemamoeba leukaemiae magna im Blute mit der Annahme einer Lymph- ämie nicht übereinstimmte. Indessen konnten diese beiden letzten Be- funde nicht als ein direkter Gegengrund gegen die oben ausgesprochene Vermutung geltend gemacht werden, da es sich ja keinesfalls um einen reinen Fall von Lymphämie handelte. Meine Vermutung, daß hier eine Mischinfektion vorliegt, wurde noch dadurch bestärkt, als es mir gelang auch in den mit der warmen LöFFLER-Lösung gefärbten Präparaten aus dem peripheren Blute innerhalb einzelner weniger kleiner einkerniger Leukocyten Gebilde nachzuweisen, welche in ihrem ganzen Aussehen an die Haemamoeba leukaemiae parva (vivax) erinnerten, die aber wegen der weniger geeigneten Färbungs- methode nicht klar hervortraten. Als ich die früher beschriebene Färbung mit dem basischen Farbengemenge verwenden gelernt hatte, standen mir leider keine Bluttrockenpräparate dieses Falles mehr zu Gebote. Die Unter- suchung der blutzellenbildenden Organe dieses Falles ermöglichte es jedoch, einen vollen Aufschluß nach der angedeuteten Richtung zu erlangen. Zunächst muß ich bemerken, daß von den b utzellenbildenden Organen dieses Falles nur die Milz in Alkohol gehärtet wurde, während Knochenmark, Lymphdrüsen, Milz und Leber zum Teil in Sublimat oder in FLEMMiNG'scher Lösung, in Formalin und MüLLER'scher Lösung kon- serviert wurden. Die folgenden Angaben beziehen sich daher vorwiegend auf die in Alkohol gehärtete Milz, allein sie konnten doch zum Teile wenigstens auch an den in Sublimat fixierten Organstücken von Milz, Lymphdrüsen und Knochenmark kontrolliert werden, da ja auch bei langer Safraninfärbung, wie früher bereits betont wurde, die Haemamoeba leukaemiae parva (vivax) zur Darstellung gebracht werden kann. Bei der LTntersuchung der in Alkohol gehärteten Milz fiel nun vor allem auf, daß jene hochgradige Ansammlung von Mastzellen und von basophilen Granulationen in den kleinen und größeren lymphatischen Elementen, welche einen so regelmäßigen Befund in den blutzellenbilden- den Organen bei Myelämie bildet, hier nahezu vollständig fehlte; baso- phile Granulationen in den Lymphzellen waren überhaupt nicht vor- handen, und Mastzellen waren nicht reichlicher als in einer der unter- suchten Kontrollmilzen nachweisbar. Von einer sogenannten myeloiden Hyperplasie, d. i. von einer Ansammlung großer granulierter den typischen Knochenmarkszellen ähnlichen Elementen konnte weder in der Milz, noch im Knochenmark, noch in den Lymphdrüsen die Rede sein, nahezu überall waren vielmehr nur kleine lymphatische Zellen in mehr oder minder dichter Anordnung wie bei Lymphämie vorhanden, und das galt im gleichen Grade auch für die Leber, in welcher reichliche leukämische Herde nach- weisbar waren. Dabei machte sich auch dann der Umstand bemerkbar. — 121 — daß die Lagerung der lymphatischen Elemente innerhull) der blutzellen- bildenden Organe keineswegs so dicht und so gleichmäßig wie in den Fällen echter Lymphämie war, sondern daß hie und da größere oder kleinere Strecken des lymphatischen Gewebes durch Wucherung des interstitiellen faserigen Gewebes oder durch sogenannte große epitheloide Zellen ersetzt waren, welche höchstwahrscheinlich nicht als gewucherte lymphoide, sondern als Bindegewebszellen anzusprechen sind. Auf diese Verhältnisse ist übrigens schon von anderer Seite mehrfach hingewiesen worden und ich begnüge mich hier auf die diesbezügliche Arbeit von Glockner ^) aufmerksam zu machen, in Avelcher eine Anzahl eigener Be- obachtungen und ein reichliches Litteraturmaterial niedergelegt ist. Die Untersuchung der in Alkohol gehärteten Milz ergab nun, daß die sogenannten „grünen Zellen'" hier reichlich nachweisbar waren. Ich kann wegen ihrer Anordnung und Beschaffenheit auf das bei Erörterung der myelämischen Organe hierüber Gesagte verweisen; die Verhältnisse sind in beiden Fällen die gleichen und ich habe es deshalb auch ver- mieden eigene Abbildungen des P'alles Stecher hier wiederzugeben. Es kann also in kurzem gesagt werden, daß entsprechend dem Befunde der Haemamoeba leukaemiae magna im peripheren Blute und im Milz- safte des lebenden Kindes, in der Leichenmilz dieses Falles die früher geschilderten Dauerformen des Parasiten nachgewiesen werden konnten. Die in Sublimat gehärteten Lymphdrüsen und das Knochenmark ließen die genannten Dauerformen andeutungsweise gleichfalls erkennen, die nicht zweckentsprechende Härtung dieser Organe gestattete aber die klare Darstellung dieser Gebilde nicht. Die früher ausgesprochene Vermutung, daß bei dem Falle Stecher eine Mischinfektion vorliegt, erhielt durch den Nachweis der Haemamoeba leukaemiae parva (vivax) in der Milz dieses Falles eine wesentliche Stütze. Hier Avaren die entsprechenden Bilder, von denen in den Figuren 200 — 220 einige Beispiele wiedergegeben sind, in reichlichem Maße und stellenweise geradezu nesterweise gehäuft bei der Färbung mit dem basischen Gemenge ganz analog wie in dem früheren Falle von reiner Lymphämie nachzuweisen. Auch in dem mit Sublimat fixierten Knochenmarke waren sie bei langer Safraninfärbung allerdings minder deutlich aber reichlich vorhanden, während sie in der in gleicher Weise behandelten Lymphdrüse nur sehr spärlich aufzufinden waren. Bei der Vergleichung der hier wiedergegebenen Figuren 200 — 220 mit jenen des früher erwähnten Falles von Lymphämie (Fig. 100 — 132) wird wohl darüber kein Zweifel obwalten können, daß hier identische Bildungen vorliegen. Bezüglich des Vorkommens von Chromatindegeneration des Kernes innerhalb der lymphatischen Zellen der hämatopoetischen Organe muß bemerkt werden, daß dieselbe in dem Falle Stecher in gleicher Weise und ungefähr auch in den gleichen Mengenverhältnissen, wie bei den früher erwähnten Fällen reiner Lymphämie und dem Falle Skopan vor- handen war. Es muß bei dieser Gelegenheit nochmals betont werden, daß die Art und Weise des Kernzerfalles in den Lymphocyten der blut- zellenbildenden Organe und auch des peripheren Blutes in allen unter- suchten Fällen bei Myelämie sowohl als bei Lymphämie, als auch bei 1) A. CtLOCKneh, Zur Kasuistik der Anaemia splenica (Anaemia inf'antilis pseudo- leukaemica). Müncliener medizinische Abhandlungen. Lehmann 1895. II. Reihe 11. Heft. — 122 - den Mischformen in dei' ganz gleichen Weise vor sich geht. Wollte man nun die von mir auf die (xegenwart der Haemamoeba parva in den Zellen bezogenen Bilder als den Ausdruck einer Kerndegeneration deuten, so müßte man, da man eine derartige Form der Degeneration bei Myelämie nicht findet, auch die weitere Annahme machen, daß bei der Lymphämie und den zugehörigen Mischformen derselben, eine neue Art der Kerndegeneration vorhanden ist, die bei Myelämie fehlt, während andrerseits die bekannten degenerativen Formen der Hyper- und Hypo- chromatose und der Karyorhexis beiden Arten der Leukämie zukommen. Ist diese Annahme schon an und für sich unwahrscheinlich, so dürfte es wohl überhaupt nicht angehen, Bilder, wie sie in den Figg, 106 bis 110, 119, 120, 132, 218 dargestellt sind, als den Ausdruck eines degenera- tiven Vorganges im Kerne anzusprechen. In einzelnen Fällen gelingt es geradezu den Entfärbungsgrad so zu treffen, daß Kern und Häma- möbe gleichzeitig sichtbar sind (Fig. 214), woraus dann die Unabhängig- keit der beiden Bildungen mit um so größerer Wahrscheinlichkeit her- vortritt. Ob übrigens in einzelnen Fällen der Kern nicht gerade durch die Haemamoeba parva verdrängt oder lädiert werden kann, darüber vermag ich vorläufig ein bestimmtes Urteil nicht abzugeben. Andrerseits muß betont werden, daß es bisher noch nicht ge- lungen ist die Formen der Haemamoeba leukaemiae parva auf das Tier zu übertragen, wodurch die Sicherheit der Deutung immerhin wesentlich eingeengt wird. Wir werden auf die diesbezüglichen Versuche später noch zurückzukommen haben, da ja gerade das Leichenmaterial des Falles Stecher zu Infektionsversuchen Verwendung finden konnte. Nach den oben gemachten Angaben dürfte wohl der Fall Stecher als eine Mischinfektion mit der Haemamoeba leukaemiae magna und der Haemamoeba leukaemiae parva (vivax) mit einiger Wahrscheinlich- keit aufgefaßt werden können. Inwieweit diese Mischinfektion auf das Zu- standekommen des eigenartigen Krankheitsbildes von Einfluß sein kann, soll zunächst nicht erörtert werden. Kapitel XII. Ein Fall von Pseudoleukämie beim Erwachsenen. Der Fall betrifft einen erwachsenen Mann (Ruech), der anfangs Juni 1898 auf der medizinischen Klinik in Innsbruck (Prof. v. Rokitansky) einige Zeit beobachtet werden konnte; der Kranke wurde am 17. Juni von Prof. PoMMER seciert und mir Leichenmaterial auch dieses Falles bereitwilligst überlassen. Intravital war in diesem Falle eine Vermehrung der Leukocyten im peripheren Blute nicht zu konstatieren, die Zahl derselben hielt sich vielmehr stets auf subnormalen Werten (4—8000 im cmm); abnorme Leukocytenformen konnten an Trockenpräparaten nicht konstatiert werden, — 123 — es überwogen die polynukleären neutrophilen , einkernige Leukocyten waren maximum bis zu 30°/i) nachweisbar, Myelocyten oder abnorm große Leukocyten waren nicht vorhanden. Die Untersuchung auf Häma- möben fiel jedesmal negativ aus, allerdings wurde auch hier nur die warme LöFFLER-Lösung , nicht aber das basische Farbengemisch ver- wendet. Wohl konnte ab und zu eine etwas vermehrte Menge baso- philer Granulationen im Blute angetroffen werden, und damit Hand in Hand gehend eine gegen den Vortag bestehende geringgradige Zu- nahme der kleinen einkernigen Leukocyten konstatiert werden, indessen waren diese Schwankungen doch recht unbedeutend, und die vorhandenen Granulationen waren hinlänglich scharf charakterisiert, eine Verwechsel- ung derselben mit Hämamüben erschien infolge dessen ausgeschlossen. Bei dem Kranken bestand intravital ein hochgradiger Milztumor und eine beträchtliche Schwellung der obertiächlich gelegenen Lymph- drüsen, dabei ein trotz seines Alters (63 Jahre) sehr auffälliger Maras- mus. Die Milzpunktion wurde bei dem Kranken nur einmal und zwar gleich in den ersten Tagen der Beobachtung vorgenommen. In dem gewonnenen nach der LöFFLER-Blaumethode untersuchten Trockenpräpa- raten fanden sich nahezu ausschließlich kleine und größere leukocytäre Elemente vom Charakter der Lymphocyten; Haemamoeba leukaemiae magna konnte hier nur in sehr vereinzelten Exemplaren (0.7 — L4"/o) und auch da nicht immer mit der nötigen Sicherheit erkannt werden, Haemamoeba leukaemiae parva (vivax) wurde überhaupt nicht gefunden, doch muß auch hier betont werden, daß die angewandte Färbungsmethode für diesen letzteren Zweck nicht die entsprechende war. Auffallend war in den von der Milzpunktion stammenden Präparaten eine nicht unbeträchtliche Anzahl großer epitheloider Elemente mit breitem Protoplasma, sehr gut entwickeltem und stark gefärbtem Kerne, in welchem gar nicht so selten mitotische Teilungsfiguren angetroffen wurden. Diese Zellen gehörten ihrer Beschafl'enheit nach höchstwahrscheinlich nicht der Reihe der lymphocytären Milzelemente an. Außerdem lagen frei im Präparate zahlreiche runde mehr Aveniger intensiv gefärbte plättchen- artige Bildungen, die ich ihrem ganzen Aussehen nach und auch auf Grund anderer sofort zu besprechenden Erscheinungen für zerfallende Kerngebilde ansprechen mußte. Es konnten nämlich in den Präparaten unter den lymphoiden Zellen sehr zahlreiche Exemplare angetroffen werden, welche exquisite und hochgradige Zeichen der Kerndegeneration (Hypo- und Hyperchromatose, Karyorhexis) aufwiesen; an den früher erwähnten epitheloiden Zellen waren die Zeichen der Chromatolyse nicht erkennbar. Die Untersuchung des Blutes und des Milzsaftes dieses Falles gestattete mithin in parasitologischer Beziehung kein sicheres Urteil; nichts destoweniger wurde auch das frische Leichenmaterial dieses Falles zu Infektionsversuchen verwendet, über die später im Zu- sammenhange berichtet werden wird. Da nun, wie gleich an dieser Stelle betont sein möge, die Infektionsversuche von positivem Erfolge begleitet waren, so Avird man wohl bei der parasitologischen Unter- suchung derartiger Fälle, so lange wir nicht über vollständig zuver- lässige Färbungsmethoden verfügen, sich nicht allein auf die morpho- logische Untersuchung beschränken dürfen, sondern, da Züchtungsver- suche vorläufig noch fehlschlagen, immer auch den biologischen Beweis, d. i. die Übertragung des Prozesses auf ein empfängliches Tier und den Nachweis des Parasiten bei diesem verwerten müssen. Die Untersuchung der in Alkohol gehärteten Leichenorgane (Milz, - 124 — Lymphdrüse, Knoclienmark, Leber) dieses Falles führte übrigens bereits zu positiven Anhaltspunkten in parasitologischer Beziehung. Zunächst ist zu bemerken, daß in den drei untersuchten blutzellenbildenden Organen dieses Falles (Milz, Lymphdrüse und Knochenmark) eine so hochgradige Kern- und Zelldegeneration bestand, wie ich sie bisher bei keinem Falle von Leukämie und Pseudoleukämie wiedergesehen habe. Ich verweise als Beispiel auf die Fig. 235 aus der Milz, wo auf einer kleinen Fläche nahezu alle Typen der Chromatolyse vertreten sind. Die Kern- und Zelldegeneration war hier sowohl über größere Abschnitte des Schnittes ausgebreitet, als auch nesterweise beschränkt mitten unter scheinbar noch normalen Zellen nachweisbar. Die Degeneration war stellenweise so hochgradig, daß man normale lymphoide Zellen kaum aufzufinden vermochte, an andern Stellen überwogen wieder die letztern, doch waren auch dann hyperchromatische Zellen unter diesen reichlich zu finden, und diese letzteren erwiesen sich ebenso wie in den früher erwähnten Fällen als der Hauptsitz von Bildungen, die nach Analogie mit den früheren Befunden als parasitäre Gebilde angesprochen werden konnten. Auch freie extracelluläre Chromatinderivate lagen reichlich im interstitiellen Gewebe, und sie boten auch hier ein geradezu verwirrendes Bild ver- schiedenartiger Klumpen und Klümpchen. Die degenerativen karyo- rhektischen Prozesse waren am intensivsten in Milz und Knochenmark ausgesprochen, in den Lymphdrüsen waren sie nur weit spärlicher, da- gegen waren auch hier reichlich hyperchromatische Kerne nachweisbar. In Milz und Knochenmark war streckenweise eine starke Wucherung des interstitiellen Gewebes mit reichlicher Einlagerung großer epitheloider Zellen vorhanden, die vollständig jenen glichen, die früher in den Präparaten aus der Milzpunktion erwähnt wurden, in den Lymphdrüsen waren derartige Verhältnisse nicht zu erkennen, hier überwog die Hyper- plasie der kleinen und größeren lymphoiden Elemente, Mitosen und Amitosen waren daselbst reichlich nachweisbar. Zellige Hyperplasie war übrigens auch in Milz und Knochenmark aber doch vorwiegend nur an den nicht der Degeneration anheimgefallenen Lokalitäten zu finden, auch hier konnten dann leicht und reichlich Kernteilungsfiguren erkannt werden. Mastzellen waren nur im Knochenmarke etwas reichlicher vor- handen, aber auch da weit spärlicher als sie bei Myelämie in den blut- zellenbildenden Organen angetroffen wurden. Jedenfalls war in allen drei Organen die normale Struktur völlig verwischt, in Milz und Knochen- mark bestand außerdem noch eine hochgradige Ausdehnung der Blut- gefäße. In der Leber dieses Falles waren leukämische Ablagerungen nicht vorhanden; die Leberzellen waren durchwegs gut erhalten, ent- hielten reichlich blut- oder gallenfarbstolfähnliches Pigment; in den Kapillaren waren nur vereinzelte lymphocytäre Elemente gelegen. De- generative Prozesse waren an diesen Zellen nicht nachweisbar. Außer der Chromatolyse bestand in den blutzellenbildenden Organen, namentlich in Milz und Knochenmark eine entschiedene und ebenso reich- liche Degeneration des Zellprotoplasma. In den größeren lymphoiden Zellen daselbst findet man sehr häufig vakuoläre Bildungen, manchmal mehrere in der gleichen Zelle, und daneben scheint auch eine hyaline Degeneration des Zellprotoplasma zu bestehen, welche oft die einzige Veränderung der Zellsubstanz darstellt, oft aber auch mit der Vakuolen- bildung gleichzeitig vorkommt. Diese Protoplasmadegeneration tritt mit genügender Deutlichkeit nur in den größeren lymphoiden Milz- und Knochenmarkselementen hervor, das Protoplasma erscheint dann auf- — 125 — fallend starr, nahezu völlig homogen, und von größeren oder kleineren Vakuolen durchsetzt. In parasitologischer Richtung ließen nun die hlutzellenbildenden Organe dieses »Falles folgendes erkennen: Die sogenannten , .grünen Zellen" konnten in Milz, Lymphdrüsen und Leber nicht gesehen werden, trotzdem auch mit der hier in Betracht kommenden Färbungsmethode die degenerativen Prozesse des Kern- und Zellprotoplasma innerhalb Milz- und Lymphdrüse gut hervortraten, dagegen waren diese Zellen im Knochen- marke mit Sicherheit und stellenweise gehäuft, immerhin aber nicht so reich- lich wie in den Fällen von Myelämie nachweisbar, sie glichen auch in diesem Falle vollständig den früher genauer beschriebenen Gebilden der gleichen Art, weshalb auf dieselben hier nicht neuerdings eingegangen werden soll. Der Nachweis dieser Formen gestattet im Zusammenhalte mit dem früher erwähnten Befunde, der die intravitale Gegenwart der Haemamoeba magna im Milzsafte wahrscheinlich machte, und im Zu- sammenhalte mit dem bereits angedeuteten Erfolge des Tierversuches, der Vermutung Raum zu geben, daß eine Infektion mit dem betreuen- den Parasiten bei dem Kranken bestand. In der Milz und in der Lymphdrüse dieses Falles wurden nun intranukleäre eigenartige Bildungen gefunden, von denen in den Figuren 221—234 einige Beispiele abgebildet sind. Diese Körper waren in der Milz sehr reichlich, in der Lymphdrüse etwas spärlicher vorhanden, im Knochenmarke fehlten sie nahezu vollständig. Sie weisen in ihrem Aus- sehen und in ihrer Beschaffenheit eine große Ähnlichkeit, vielfach sogar eine volle Übereinstimmung mit den früher beschriebenen karyotopen Bildungen auf, die sporadisch auch bei Myelämie (Figg. 82—91), in größerer Zahl aber bei chronischer (Figg. 133—137, 144 — 157) und bei akuter Lymphämie (Figg. 158-191), und vereinzelt auch in dem Falle von Anaemia pseudoleukaemica infantilis (Figg. 204, 219, 220) aufgefunden wurden, und für welche früher die Möglichkeit einer karyotopen Form eines betreffenden Parasiten offen gehalten wurde. Klare intracelluläre Bilder von Haemamoeba leukaemiae parva (vivax) wurden bei dem Falle Ruech nicht gesehen. Bezüglich der karyotopen Formen dieses Falles kann ich auf das früher Gesagte hinweisen, auch hier treten oft Bilder zu Tage, welche auf Teilungs- eventuell Abschnürungsvorgänge hinweisen (Figg. 227, 233, 234) ; Bilder, die auf Sporulation hindeuten würden, habe ich auch hier nicht gesehen. Was früher über die Auseinanderhaltung des sogenannten granulären Kernzerfalles von diesen karyotopen Formen erwähnt wurde, gilt in gleichem Grade auch von diesem Falle. Dabei ist aber noch Nachdruck darauf zu legen, daß die berührten karyotopen Bildungen in den hlutzellenbildenden Organen des Falles Ruech nicht dort ange- troffen wurden, wo gleichzeitig hochgradige Kern- und Zelldegeneration in karyorhektischer Form bestand, sie w^aren daselbst höchstens nur einzehveise vorhanden, daß sie vielmehr in größerer Menge in der Regel innerhalb normaler oder annähernd normaler Gewebspartien, in denen nur hyperchromatische Kernveränderungen nachweisbar waren, aufgefunden wurden, und es ist gewiß bemerkenswert, daß im Knochenmarke dieses Falles, in welchem die nekrotischen (karyorhektischen) Prozesse einen so hohen Grad erreicht hatten, nur spärliche Exemplare dieser Formen anzutreffen waren. Der früher bereits ausgesprochene Gedanke, daß die degenerativen Prozesse in Kern und Zelle durch die karyotopen Körper nur angeregt werden, daß diese letzteren aber aus dem Kern — 12() — wieder verschwinden, ihn eventueh verlassen, wenn die Degeneration eine gewisse Höhe erreicht hat, vielleicht deshalb, weil der vermeintliche Parasit in dem zu Grunde gehenden zelligen Elemente nicht mehr die nötigen Lebensbedingungen findet, drängt sich auch in diesem Falle bei Berücksichtigung der hier in Betracht kommenden Verhältnisse auf. Eine sichere Entscheidung hierüber ist aber auch hier vorläufig nicht möglich. In parasitologischer Hinsicht bin ich auf Grund der gemachten Befunde geneigt auch diesen Fall von Pseudoleukämie beim Erwachsenen, ebenso wie jenen beim Kinde, für eine Misch Infektion anzusprechen, bei welchem aber, iui Gegensatze zu diesem letzteren, die degenerativen Prozesse einen sehr hohen Grad erreicht haben. Während sich aber bei der Pseudoleukaemia infantilis in parasitologischer Beziehung eine Mischinfektion der Haemamoeba magna und parva ergab, liegt in diesem Falle der Pseudoleukämie beim Erwachsenen eine Mischinfektion der Haemamoeba magna mit den karyotopen Körpern vor, deren Deutung und Stellung allerdings noch recht unsicher ist. Die Frage der Misch- infektion wird bei weiteren parasitologischen Studien über Leukämie und Pseudoleukämie jedenfalls genauer zu berücksichtigen sein, hier konnten nur die ersten Anregungen nach dieser Richtung gegeben werden. Ge- rade für jene Fälle, bei denen ein Übergang der einen Form von Leukämie in die andere, eventuell der ubergang einer Pseudoleukämie in eine echte Leukämie konstatiert wurde , Fälle , die ja in der vor- liegenden Litteratur zur Genüge niedergelegt sind, erscheint die Frage der Mischinfektion in parasitologischer Hinsicht die Grundlage für das Verständnis derselben zu bieten. II. Teil, Untersuchungen und Infektions- versuche an Tieren. Kapitel XIII. Untersuchung" einer leukämischen Schweinemilz. Gelegentlich eines Besuches der Münchener Veterinärschule im April 1898 erhielt ich durch die Liebenswürdigkeit der Herren Assistenten der pathologischen Abteilung ein Stückchen einer leukämischen Schweine- milz zur Untersuchung. Es handelte sich um ein altes Spirituspräparat, das schon viele Jahre als Musealobjekt aufbewahrt worden war. Etwas näheres über den Fall selbst war nicht bekannt. Bei der mikroskopischen Untersuchung war eine zellige Hyper- plasie lymphoider Elemente zweifellos zu erkennen, doch war an vielen Stellen das fibrilläre Gewebe der Milztrabekel so intensiv entwickelt, daß an diesen Lokalitäten der Eindruck einer bindegewebigen Hyperplasie überwog; die lymphoiden Zellen waren hier wie ausgepinselt. Ob hier eine Macerationswirkung der langen Spirituskonservierung vorliegt, ver- mag ich nicht zu entscheiden. Die Chromatindegeneration der lymphoiden Zellen war sehr manifest; in den Zellen (Fig. 236) und auch frei in der Gerüstsubstanz (Fig. 237) waren leicht färbbare Chromatinschollen nach- weisbar, die manchmal einen helleren Innenraum erkennen ließen. Sie waren in keinerlei Weise färberisch elektiv und konnten auch im unge- färbten Zustande als mattgelbliche Schollen erkannt werden. Sie erinnerten wohl in mancher Beziehung an die in myelämischen Organen des Menschen vorkommenden sporenähnlichen Bildungen der Haemamoeba magna (Fig. 98, 99), doch mußte sofort ihre differente Lagerung in der Zelle und ihre leichte Färbbarkeit mit den verschiedenen Tinktionsmitteln auffallen. In dieser Beziehung kann nicht scharf genug betont werden, daß eine Verwechselung der durch Kernzerfall bedingten chromatolytischen Produkte mit den zum Formenkreis der Hämamöben gehörigen Bildungen, solange keine anderen als tinktorielle Merkmale zu Gebote stehen, nur durch eingehende Vergleichsfärbungen mit verschiedenen Farbstoffen ver- mieden werden kann. Und selbst dann dürften, insolange eine speci- tische Färbungsmethode fehlt, bei dem gegenwärtigen Stadium unserer Kenntnisse Irrtümer wohl kaum gänzlich ausgeschlossen sein. Dagegen konnten in dieser Schweinemilz die früher beschriebenen ,, grünen Zellen" reichlich und stellenweise gehäuft beisammen liegend vorgefunden w-erden. Bei der angewandten Färbungsmethode trat die Differenz der Chromatinderivate, der „grünen Körper" und der Erythro- cytenabkömmlinge scharf hervor, und wie bei den früheren Fällen von jMyelämie des Menschen, drängte sich auch hier der Gedanke auf, daß Löwit, Ätiologie u. Pathol. d. Leukämie. 9 — 130 - die erwähnten „grünen Zellen" spezifische Bildungen darstellen; ich glaube sie auch in diesem Falle als Dauerformen der Haemamoeba leukaemiae magna ansprechen zu sollen, wodurch dieser Fall der Leukämie beim Schweine der Myelämie des Menschen nahe gerückt wird. Genaue Blut- untersuchungen am lebenden leukämischen Schweine wären hier von großer Bedeutung, leider stehen mir keine solchen zu Gebote. In der Litteratur findet sich wohl eine ganze Reihe von Beobachtungen über Leukämie beim Schweine vor, allein es handelt sich dabei in der Regel bloß um die Mitteilung der Sektionsergebnisse, ohne daß eine genauere Blut- analyse vorliegt, höchstens werden die Zahlenverhältnisse zwischen roten und weißen Blutkörperchen im Leichenblute angeführt. Ich weise hier auf die Arbeiten von Leisering ^), Fürstexberg ^), Bollinger ^\ Siedamgrotzky *), Zell-^) hin; allerdings wird in diesen Arbeiten von lymphatischer, lienaler und myelogener Leukämie gesprochen, allein diese Bezeichnungen beziehen sich ausschließlich auf die in zelliger Hyperplasie angetroffenen Organe, ohne uns über die Blutbeschaffenheit selbst irgend einen Aufschluß zu gewähren. Es wäre dringend zu wünschen, daß die so wichtigen Unter- suchungen über Leukämie bei den Haustieren nach genauen hämato- logischen Methoden vorgenommen werden , und daß die EHRLiCH'schen Methoden der Blutuntersuchung auch hier in Anw^endung gezogen werden; erst dann wird eine genaue Vergleichung der Leukämie der Haustiere mit jener des Menschen möglich sein. Kapitel XIV. Leukämische Infektion beim Kaninchen. a) Litteraturangabeu über Leukämie und leukämische Infektion bei Tieren; Methode der Infektion. Sollte die im Vorausgehenden gewonnene Deutung der spezifischen Körper bei der Leukämie eine festere Grundlage gewinnen, und sollte, selbst die Richtigkeit dieser Deutung vorausgesetzt, der Hämamöben- nachweis bei der Leukämie eine ätiologische Bedeutung erlangen , so mußte die Übertragung der Leukämie auf ein empfängliches Tier ge- >) Bei-icht über das Veterinärwesen im Königreich Sachsen für das Jahr 1865. 10. Jahrg. S. 29. ■■i) Berliner klinische Wochenschr. 1870. Nr. 28. S. 341 ferner Preußische Mitteilungen über Veteiinärwesen 1871. S. 159. (Jahresber. von Virchow-Hirsch, VI. 1871, S. 550.) a) Schweizer Archiv f. Tierheilkunde 1871. Bd. 24. S. 272. i) Über Leukämie bei Haustieren. Pflugs Vorträge für Tierärzte. Leipzig 1878. Heft 10. Serie I. Hier werden fünf Fälle von Leukämie beim Schweine angeführt. Ferner Bericht über das Veterinärwesen im Königreich Sachsen für das Jahr 1878. S. 17. 5) Leukaemia lienalis beim Schwein. Tiermedizinische Rundschau 1888/89. S. 49. Da die Milz in diesem Falle cystische Entartung zeigte, im Blute der Leichen- milz viele polynukleäre Leukocyten imd auch große den Milzzellen entsprechende grobgranulierte Leukocyten angeführt werden, so erscheint es immerhin fraglich, ob hier ein typischer Fall von Leukämie vorlag. — 131 — lingen, oder es mußten zum mindesten doch die Blutveränderungen des infizierten Tieres sich jenen des leukämischen Menschen mehr oder minder nähern, und es mußten auch künstUche Kulturversuche mit den Hämu- möben in Angriti" genommen werden. Diese letzteren Versuche ver- sprachen von vornherein einen geringen Erfolg, da man ja mit dem Umstände rechnen mußte, daß die Hamamöben als echte Zellenschmarotzer auf einem toten Nährboden ihr Fortkommen nicht finden dürften, wie ja auch die künstliche Kultur der Malariaparasiten bisher in einwand- freier Weise nicht gelang. Dagegen versprachen die IJbertragungsver- suche der Leukämie auf Tiere umsomehr Erfolg, als ja, wie bereits aus den oben angeführten Angaben hervorgeht, Leukämie beim Schweine, und, wie wir sofort sehen werden, auch bei anderen Haustieren vor- kommt; allerdings hatten aber alle bisher bei verschiedenen Tieren vor- genommenen Übertragungsversuche der Leukämie einen negativen Erfolg. Wir wollen nun diesen Verhältnissen etwas näher nachgehen. Bei den Haustieren wurde außer bei Schweinen Leukämie noch bei Hunden, Katzen, Pferden, Schafen, Rindern und bei der weißen Maus konstatiert. Ich konnte hierüber in der Litteratur Mitteilungen von SiEDAMGROTZKY ^) , BoLLINGER ^) , WeISKE ^) , LeBLANC Uud NoGARD *), Brosse^), Eberth"), Eggeling^), Johxe^), Mauri^), Nogard^''), Robertson 'M, Frühner ^^), Malet ^^), Sattler ^'^j, Fajerstajn und Kuczynski^^) auffinden. Am häufigsten scheint Leukämie beim Hunde, dann beim Schweine und beim Pferde vorzukommen, bei den anderen Tieren sind nur sporadische Fälle mitgeteilt. Über die Leukämie bei Pferden spricht sich noch BoLLiNGER ^^), sehr reserviert aus, indem er vermutet, daß bei der bekannten Reizbarkeit des lymphatischen Systems der Pferde und bei der ausge- sprochenen Disposition dieser Tiere zu entzündlichen Affektionen der Lymphgefäße und Lymphdrüsen mehr vorübergehende Leukocytosen und 1 ) Leukämie beim Hund und bei der Katze. Bericht über das Veterinärwesen im Königreich Sachsen für das Jahr 1872. S. 64, 67. Lymphatische Leukämie beim Hunde. Ebendaselbst 1873. S. 64. Leukämie beim Hund. Ebendaselbst 1874. S. 58 und 1876. S. 19. Über die Leukämie bei Haustieren Pflugs Vorträge für Tierärzte. Leipzig 1878. Heft 10. Serie 1. Lienale Leukämie bei einem Hunde. Sächsische Berichte 1878. S. 21. Leukämie der Wand des Uteruskörpers und der Blase, sowie der breiten Mutterbänder eines Rindes. Ebendaselbst 1878. S. 22. "") Über Leukämie bei den Haustieren. VmcHows Archiv etc. Bd. 59. S. 341. 3) Xanthin und Harnsäure im Harne eines kranken (leukämischen) Schafbockes. Zeitschr. f. Biologie 1875. Bd. XI. 4) Un cas de leucocythemie chez le chien. Arch. veterin. 1878. pg. 1. ä) Un nouveau cas de lymphadönie chez le chien. Ibidem pg. 698. 6) Leukämie der Maus. '^ Virchows Archiv etc. 1878. Bd. 72. S. 108. 7) Leukämie bei einer Kuh Preußische Mitteilungen. 1880. S. 13. ^) Lymphatische Leukämie beim Pferde. Sächsische Berichte 1880. S. 26. Lienale Leukämie beim Rind. Ebendas. S. 24. Milz mit leukämischen Tumoren. Ebendas. S. 28. 9) Darf die Leukocythämie als eine für sich bestehende Krankheit betrachtet werden? (Zwei Hunde.) Revue veterin. 1880. Mars. 10) Einige seltenere Formen von Leucocvthämie (3 Fälle beim Rind. Alfort. Archiv 1882. S. 321 (Jahresber. Virchow-Hirsch 1882. 1. S. 529). 11) Leucocythämie. Eine Rede. American veter. rev. 1882. T. VI. pg. 167. 1-2) Zwei Fälle von Leukämie beim Pferde nebst einem Falle von Pseudoleukämie beim Hunde. Ad. Wochenschr. 1885. S. 245 (Jahresber. von Virchow-Hirsch 1885. I S. 648)... 13) Über peritoneale Leucocythämie beim Hunde. Revue veter. 1885. pg. 478. 14) Leukämie beim Pferde. Ad. Wochenschr. 1885. S. 361. 15) Drei Fälle von Leukämie bei der weißen Maus. Gazetta lekarska. 1892. Nr. 30 (Jahresber. von Virchow-Hirsch 1892. II. S. 253). IG) Virchow.s Archiv etc. Bd. 59. S. 348. — 132 — nicht idiopathische Leukämie vorkommt. Doch kann es nach den späteren Mittcikmgen von Jühne, Fröhner und Sattler wohl kaum zweifelhaft sein, daß auch bei Pferden echte Leukämie auftritt. Für die künstliche Übertragung der Leukämie auf Tiere dürften sich daher auf Grund dieser Angaben Schweine, Hunde und Katzen am meisten empfehlen; ich habe derartige Versuche jedoch nicht oder doch nicht vorwiegend an diesen Tieren vorgenommen, zum Teil deshalb, Aveil Hunde und Katzen hier in Lmsbruck infolge lokaler Verhältnisse nicht in genügender Menge aufzutreiben sind, Schweine aber ein zu teures Ver- suchsmaterial für die Verhältnisse meines Institutes darstellen, zum Teile aber deshalb, weil ich im Kaninchen ein brauchbares Tier für die Über- tragungsversuche gefunden hatte. Die auf die weiße Maus bezüglichen Angaben von Eberth, Fajerstajn und Kurgzynski wurden mir erst be- kannt, als das mir zu Gebote stehende Infektionsmaterial bereits ver- braucht war; es macht den Eindruck, als ob diese Tiere für die leuk- ämische Infektion mit Aussicht auf Erfolg herangezogen werden könnten. Über einige Infektionsversuche an Hunden, Katzen und Meerschweinchen wird weiterhin berichtet werden. Die ersten Versuche einer künstlichen Übertragung der Leukämie auf das Tier wurden wohl von Mosler^) am Hunde ausgeführt. Er be- richtet hierüber kurz folgendes : ,, Leider haben alle meine Versuche durch Transfusion leukämischen Blutes auf gesunde Tiere den leukämischen Prozess zu inokulieren, bis dahin nur negative Resultate gehabt. Ich habe diese Versuche, die bisher nur bei Hunden ausgeführt wurden, noch nicht aufgegeben, gedenke vielmehr die Transfusion leukämischen Blutes bei solchen Tieren vorzunehmen, bei denen die Leukämie sicher be- obachtet ist, wie bei Schweinen." Leider findet sich hier keine Angabe darüber vor, in welcher Weise Mosler die Transfusion leukämischen Blutes beim Hunde vornahm, was für die Beurteilung des negativen Erfolges von großer Wichtigkeit wäre. Mit Bezug auf die sofort noch näher zu besprechende unter Mosler's Leitung ausgeführten Arbeit von Nette, dürfte Mosler, wie es auch Nette that, wahrscheinlich defibri- niertes leukämisches Blut verwendet haben ; wir werden den Wert dieser Methode noch näher zu beleuchten haben. Der nächste Übertragungsversuch der Leukämie von Hund auf Hund wird von Bollinger^) berichtet und zwar ging er folgendermaßen vor: Von einem frisch erhaltenen leukämischen Milzknoten (eines älteren großen Hofhundes, bei dessen Sektion sich lineale und lymphatische Leukämie, d. i. Hyperplasie von Lymphdrüsen und Milz vorfand), wurde mit ^,'2 °/o iger Kochsalzlösung ein Saft bereitet und davon eine PuAVAz'sche Spritze voll einem kleinen gesunden Hunde durch die rechte Brustwan- dung direkt in die Lunge injiziert. Diese Methode der Impfung wurde gewählt, nachdem mittelst derselben bei Hunden, die für Inokulation tuberkulöser Produkte eine minimale Empfänglichkeit besitzen, durch Im- pfung menschlicher Tuberkel positive Resultate erzielt wurden. Der be- treffende Hund zeigte infolge der Impfung keinerlei Krankheitserscheinungen und wurde nach vier Monaten durch Strychnin getötet. Bei der Sektion fanden sich sämtliche Organe normal, besonders Milz und Lymphdrüsen, die Zahl der weißen Blutkörperchen im Blute Avar nicht vermehrt. Für diesen Fall darf wohl, vorausgesetzt daß das Ausgangsmaterial thatsächlich echte Leukämie war, die Art der Impfung vor allem für den 1) Die Pathologie und Therapie der Leukämie. Berlin 1872. S. 62. a) ViRCHuws Archiv etc. 1874. Bd. 59. S. 343. — 133 — negativen Erfulg verantwortlich gemacht werden, deren LSrauchbarkeit für die Übertragung der Tuberkulose noch keinen zuverlässigen Maß- stab für die Verwendung derselben bei der Jjeukämie ergiebt; überdies fehlte auch ein genauerer Einblick in das zur Infektion dienende Aus- gangsmaterial sowie in die Blutbeschaff'enheit des kranken leukämischen und des infizierten Hundes während der Beobachtungsdauer. Die Frage der Übertragung der Leukämie scheint nun lange Zeit eine eingehendere Berücksichtigung nicht gefunden zu haben, wohl finden sich in der reichhaltigen Leukämielitteratur einzelne Angaben über miß- lungene Übertragungsversuche auf Tiere zerstreut vor, so z. B. bei Litten ^), aber eine genauere Prüfung dieser Frage dürfte kaum vorliegen, bis Nette ^) unter Mosler's Leitung eine Reihe sorgfältiger Versuche über diesen Punkt Vornahm. Nachdem Überimpfungen auf Hunde und Kaninchen fehlgeschlagen hatten, wählte Nette zu seinen weiteren Ver- suchen Schweine, Affen (Macacus cynomolgus) Kaninchen, weiße Mäuse und Hühner, jedoch durchwegs mit negativem Erfolge. Das Vorgehen Nette's war folgendes: Von einem Leukämiker, bei dem es sich nach der mitgeteilten Krankengeschichte und dem Blutbefunde um Myelämie handelte, wurden durch Venaesektion L50 ccm Blut entleert und sofort def ibriniert. Von dem in der angegebenen Weise präparierten Blute wurden einem alten Macacus cynomolgus 4 ccm in die Bauchhöhle injiziert, ein zweiter junger Macacus erhielt 5 ccm in das Peritoneum gespritzt, ein Kaninchen erhielt IV2 ccm in die Ohrvene, ein Kaninchen erhielt 4 ccm in die Bauchhöhle und zwei Kaninchen erhielten Blut teils bloß subkutan, teils gleichzeitig intravenös. Die vier Kaninchen und der jüngere Macacus zeigten keinerlei Krankheitserscheinungen, mehrfache Blutuntersuchungen ergaben keinerlei Veränderung. Der ältere Macacus ging nach einiger Zeit zu Grunde, die Sektion ergab jedoch, daß das Tier von zahlreichen Strongyli, die sich im Darmtraktus und in der Lunge angesiedelt hatten, getötet worden war. In einer zweiten Versuchsreihe wurden neuerdings 10 ccm defi- brinierten leukämischen Blutes der gleichen Provenienz einem Affen intraperitoneal, bei einem drei Monate alten Schweine 20 g intravenös, und bei einem ebenso alten zweiten Schweine 2 g in die Blutbahn des Knochenmarkes der linken Ulna einverleibt; das letztere Tier erhielt noch außerdem 15 g Blut intraperitoneal. Bei allen Tieren blieben die Blutverhältnisse normal. In einer dritten Versuchsreihe wurde Aderlaßblut eines anderen Leukämikers, dessen Blutbefund näher nicht mitgeteilt ist, bei dem es sich jedoch höchstwahrscheinlich gleichfalls um Myelämie gehandelt hat, ebenfalls def ibriniert und folgenden Tieren intraperitoneal injiziert: 1. dem Afi'en 2 Spritzen ä 5 ccm; 2. dem weiblichen Schweine nach einem sehr reichlichen Aderlaß aus der tiefliegenden Arteria femoralis 3 Spritzen ä 5 ccm ; 3. dem männlichen Schweine ohne vorhergehenden Aderlaß 5 Spritzen ä 5ccm, beide Schweine bekamen, um sie möglicherweise dadurch empfänglicher zu machen, an dem betreffenden Tage kein Futter ; 4. vier Mäusen jeder ^'2 ccm; 5. einer alten Henne 2 Spritzen zu 5 ccm und einem jungen Hahn 1 Spritze zu 5 ccm. Von den Tieren dieser Reihe starben die vier Mäuse nach etwa 14 Tagen unter Krampfer- 1) Vgl. Pentzold und Stinzing , Handbuch der Therapie der inneren Erkran- kungen. 2. Aufl. Bd. II 1897. S. 177. 2) Ist Leukämie eine Infektionskrankheit. Inaug.-Diss. Greifs wald Ibito. — 134 — scheimmgen, es war aber bei ihnen niemals eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen zu konstatieren, auch war bei der Sektion eine Milz- schwellung nicht nachweisbar. Das Befinden der übrigen Tiere nach der Operation war stets ein gutes. Die Blutuntersuchungen ergaben nichts pathologisches. In einer vierten Versuchsreihe wurde ein Stück Milz des gleichen Kranken, das nicht sehr lange nach erfolgtem Tode entfernt worden war, dem Affen und den beiden Schweinen intraperitoneal eingenäht; jedem dieser Tiere wurden drei etwa thalergroße Milzstücke in die Bauchöhle gelegt. Die Tiere zeigten bald nach der Operation wieder das beste Wohlbetinden. Die Blutuntersuchungen hatten stets ein nega- tives Resultat. Der Atte wurde später zu anderen Experimenten ver- wandt, leukämisch ist er nicht gewesen, ein näheres Sektionsprotokoll ist nicht mitgeteilt. Die beiden Schweine wurden nach etwa sieben Wochen von Prof. Grawitz seciert. Die eingelegten Milzstücke erschienen in zahlreiche kleinste Bröckel zerteilt und der Resorption anheimgefallen. Nach Härtung in FLEMMixG'scher Lösung und Saffraninfärbung fanden sich kernlose Schollen, die wie nekrotisches Milzgewebe aussehen, da- zwischen sehr wenige rundliche Wanderzellen bindegewebiger Abkunft, und rings herum eine in 8 — 15 Gliedern hintereinander angeordnete Kette von kleinen, rundlichen protoplasmaarmen Zellen, die Grawitz für junge Bindegewebszellen resp. Lymphzellen hält. In beiden Fällen finden sich Zellenanhäufungen, welche wie kleine neugebildete Lymph- drüsen aussehen; die Zellen darin enthalten vielfach Mitosen. Es ist Nette gewiß beizupflichten, wenn er auch diese letzten beiden Fälle nicht als gelungene Übertragungen der Leukämie auf das Tier anspricht, wenn auch die letzt erwähnten Zellenanhäu hingen mit den vielfachen Mitosen immerhin auffällig sind. Den Mißerfolg der Bemühungen Nettes glaube ich auf Grund meiner Erfahrungen vor allem in der Anwendung des defibrinierten Blutes der beiden Leukämiker suchen zu sollen, wobei ich allerdings annehme, daß es sich dabei um echte Myelämie gehandelt hat, da nur bei dieser Form der Leukämie die Gegenwart des Parasiten mit Wahrscheinlichkeit im peripheren Blute erwartet werden kann, dieses daher auch nur bei Myelämie mit Aus- sicht auf Erfolg zu Übertragungsversuchen Verwendung finden darf. Nun haben aber die im vorausgehenden mitgeteilten Beobachtungen ergeben, daß die in Betracht kommende Haemamoeba leukämiae magna ein echter Leukocytenschniarotzer ist. Beim Defibrinieren wird aber die Hauptmenge der Leukocyten bekanntlich in das Blutgerinnsel ein- geschlossen, und es liegt gewiß sehr nahe, anzunehmen, daß auch beim Schlagen des Blutes etwa frei werdende Hämamöben in den Blutkuchen hineingelangen. Jedenfalls ist es sehr wahrscheinlich, daß dem Blute durch das Defibrinieren ein großer Teil seiner Infektionstüchtig- keit benommen wird; geringe Mengen im defibrinierten Blute zurück- bleibender Hämamöben könnten dann möglicherweise nicht ausreichen, um intensivere Krankheitserscheinungen hervorzurufen. Wir werden im folgenden noch auf Erfahrungen stoßen, welche einer Abhängigkeit der leukämischen Infektion bei Tieren von der Menge des angewendeten Infektionsmateriales das Wort reden. Was nun die intraperitoneale und subkutane Einverleibung des Infektionsmateriales, sowie die intraperitoneale Einnähung des Milzstückes anbelangt, so besitze ich nur über die subkutane Infektion einige Er- fahrungen, die mich zu dem Ausspruche berechtigen, daß auch dieser — 135 — Modus nicht geeignet ist, um die leukämische Infektion beim Tiere in ausgesprochener Weise hervorzurufen (vgl. später das Protokoll von KaninchenXXL), wenn sie sich auch in meinen Versuchen nicht als voll- ständig wirkungslos erwies. Bei der intraperitonealen Infektion mit Milzstücken wird man wohl daran denken dürfen, daß eine Abkapselung des Infektionsmateriales erfolgen kann, weshalb auch dieser Modus der Infektion von vornherein nicht als günstig angesehen werden kann. In letzter Zeit hat Teichmüller ^) die Frage der Übertragbarkeit der Leukämie auf Meerschweinchen neuerdings untersucht. Als Ausgangs- material dienten Teichmülleh zwei Fälle von ,,lienaler Leukämie", über deren Blutveränderung leider nichts anderes erwähnt ist, als daß sie typisch für die lienale Form der Leukämie war. Wahrscheinlich ist darunter der Blutbefund der Myelämie nach der hier acceptierten Terminologie Ehrliches zu verstehen. Das Blut (nicht mehr als 6 ccm auf einmal) wurde in erwärmten Spritzen direkt aus einer Cubitalvene entnommen und bei 19 Meerschweinchen entweder in die Carotis oder in die Jugularvene oder subkutan injiziert. Es sind fast jedem Tiere mehrmals Injektionen gemacht, und zwar ist venöses leukämisches Blut vom ersten Falle 12 Tieren, insgesamt 34,2 ccm injiziert worden; davon 8,1 in die Carotiden, 7,5 in die .lugularvene, und 18,6 subkutan. Vom zweiten Falle wurden 16,8 ccm leukämischen Blutes 7 Tieren injiziert, subkutan 5,0, in die Jugularvenen 7,0, in die Carotiden 4,8. Die Beobachtungsdauer war sehr verschieden und variierte zwischen 1 und 420 Tagen. Abgesehen von einzelnen mehr nebensächlichen Kom- plikationen wurde die Injektion leukämischen Blutes von den Tieren gut vertragen. Auf Grund der Blutuntersuchungen am lebenden Tiere sowie der Sektionsergebnisse hält Teichmüller einen spezitischen Eintluß der Injektion des leukämischen Blutes und die Übertragung der Krankheit auf das Meer- schweinchen bei der angew^andten Versuchsmethode für ausgeschlossen. Ganz abgesehen von der nach meinen Erfahrungen doch nicht ganz günstigen Methode der Übertragung durch das leukämische Blut selbst, möchte ich nur hervorheben, daß auch bei dem von mir befolgten Infektionsmodus eine Übertragung der Krankheit auf das Meerschweinchen nicht gelang, und auch keinerlei Krankheitserscheinungen bei dem inti- zierten Tiere nachgewiesen w^erden konnten. Ob das Meerschweinchen überhaupt unempfänglich gegen Leukämie ist, werden erst weitere Untersuchungen ergeben können. Ich möchte nun zunächst auf jene Verhältnisse hinweisen, von denen ich mich bei den folgenden Infektionsversuchen vornehmlich leiten ließ. Von vornherein wird man gewiß nicht außer Acht lassen dürfen, daß beim infizierten Tiere nicht das ganz gleiche Krankheitsbild auf- treten muß, W'ie wir es am leukämischen Menschen kennen. Die Lehre von den Infektionskrankheiten im allgemeinen bietet ja zahlreiche Bei- spiele dafür, daß durch die Übertragung des spezitischen Infektionserregers auf das Tier, bei diesem in vielen Fällen nicht das ganz gleiche Symp- tomenbild wie beim Menschen, sondern nur ein ihm mehr oder minder nahe verwandtes, nur in seinen Grundzügen mit ihm übereinstimmendes hervorgerufen wird, was ja zweifellos in individuellen Verhältnissen und vor allem in dem Wechsel des Nährbodens beim Menschen und beim Tiere seinen Grund haben dürfte. Ich brauche als Beispiel für das eben Gesagte nur auf Diphtheritis, Cholera, Pneumonie, Typhus und andere hinzuweisen. 1) Deutsch. Arch. f. klin. Mediz. 1899. Bd. 62. S. 564. — 136 — Wenn man nun für eine gelungene leukämische Übertragung auf ein Tier das Hauptgewicht darauf legt, daß die bekannte Milz- und Lymph- drüsenhypertrophie event. auch Knochenmarksveränderungen vorhanden sein müssen, und sich damit begnügt, eine solche auszuschließen, wenn die eben genannten makroskopischen Organveränderungen fehlen, so steht man, wenn ich so sagen darf, gar zu sehr auf einem anthropomorphen Standjjunkte, und übersieht, daß die leukämische Infektion beim Tiere doch möglicher Weise anders als beim Menschen verlaufen kann. Nach meiner Meinung ist bei den leukämischen Übertragungsversuchen auf das Tier vor allem darauf zu achten, ob bei dem infizierten Tiere die charakteristische Hämamöbe in oder an den Leukocyten haftet und sich hier entwickelt. Das ist nach den hier gewonnenen Erfahrungen die Grundlage für die Auffassung der Leukämie als Infektinskrankheit; diese muß vorhanden sein, wenn von einer gelungenen Übertragung der Leukämie auf das Tier und von einer leukämischen Infektion die Rede sein soll. Dann kommt es sehr wesentlich darauf an , ob die Hämamöbe bei dem gewählten Ver- suchstiere nur einen mehr unschuldigen Leukocytenschmarotzer darstellt, oder ob sie Krankheitserscheinungen hervorzurufen imstande ist. Diese Krankheitserscheinungen müssen dann gewiß nicht vollständig mit den am Menschen beobachteten übereinstimmen, sie müssen aber jedenfalls innige Beziehungen zu diesen erkennen lassen. Das sind im wesentlichen die Grundzüge, von denen ich mich bei der Untersuchung der intizierten Tiere leiten ließ, und nach denen ich auch mein Infektionsverfahren selbst einrichtete. Als Versuchstier diente mir anfänglich ausschließlich das Kaninchen, erst später wurden auch einzelne Beobachtungen an Katzen, Hunden und Meerschweinchen angestellt. Nach den mitgeteilten Ergebnissen scheinen Kaninchen von vornherein bis zu einem gewissen Grade für die Infektion empfänglich zu sein, während bei den andern Tieren vielleicht erst ander- weitige Eingriffe vorgenommen werden müssen, um eine relative Empfäng- lichkeit derselben für die Infektion herzustellen. Die Infektion wurde zu- nächst ausschließlich durch intravenöse Injektion des leukämischen nicht detibrinierten, sondern nur entsprechend verdünnten Blutes vorgenommen, und zwar wählte ich hiezu die auch anderweitig so vielfach gebrauchte Injektion in die Ohrvene des Kaninchens. Diese Methode wurde jedoch bald wieder verlassen, da auch kleinere Tiere verwendet werden mussten, bei welchen ein Einstich in die Ohrvene nicht mit genügender Sicherheit aus- geführt werden kann, und da die Erlangung zur Injektion ausreichender Blutmengen vom Menschen doch nicht gut und vor allem nicht mehrere Male hinter einander durchführbar ist, andrerseits auch die Injektion fremden Blutes in größerer Menge von den Tieren schlecht vertragen wird. Die Infektion wurde daher später ausschließlich von der Vena jugularis externa vorgenommen und zwar durch Injektion hirnwärts, nach- dem sich gezeigt hatte, daß bei der Injektion herzwärts leicht intrakar- diale und intravasale Thrombosen entstehen, die bei langsam vorgenom- mener hirnwärts gerichteter Injektion doch leichter vermieden werden können. In einem Falle (Kaninchen XXVII) geschah die Injektion durch die Arteria carotis, und in einem Falle wurde die subkutane Injektion (Kaninchen XXI) zur Infektion gewählt. Weniger als zwei ccm des ent- sprechend hergerichteten Organsaftes von leukämischem Material (vgl. S. 1 38) wurden selten vorgenommen. Die Oi^eration wurde stets unter streng asep- tischen Kautelen vollführt, und ich habe auch bei keinem der intravenös infizierten Tiere eine lokale Eiterun«? oder Infektion konstatieren können. — 137 — Ö ^ = 0) Ö 0) o cß Ö o -t-3 VI ü • 1-1 Vi u ^ o bß c3 > '^ 'S d 'S _M ^ X X iffi - ^^ > w 1 « CQ O W t> > o o 03 ^ t^ O 'W H "r^M / N X CS tii tz! ;^ 3 ■*^ X ^ ci c 1— 1 r^ Ol > X X o; O — 138 — Die Übertragungsversiiclie der Leiikämie auf das Tier lassen sich nach dem Ausgangsmaterial leicht in vier Gruppen sondern (vgl. Tabelle I): A) Tiere, bei denen peripheres Blut des früher erwähnten Myelämikers De- lago zur Injektion verwendet wurde (Kaninchen I— III); B) Tiere, bei denen ein entsprechend vorbereiteter Organbrei von Milz und Lymphdrüsen des gleichen Falles Delago benützt wurde (Kaninchen IV — XVI und XXIII); C) Tiere, bei denen ein entsprechend hergerichteter Organbrei von Milz und Lymi)hdrüsen der Anaemia pseudoleukaemica infantilis (Fall Stecher) (Kaninchen XVII— XXI, XXIV-XXVII) und D) Tiere, bei denen ein entsprechend hergerichteter Organbrei von Milz und Lymph- drüsen der Pseudoleukämie beim Erwachsenen (Fall Ruech) zur Injektion benützt wurde (Kaninclien XXII). Bei der ersten Gruppe (A) der Tiere wurden einige Tropfen Finger- beerenblut dem Kranken entzogen und in aseptisch aufgefangener und aufbewahrter Ascitesflüssigkeit des gleichen Kranken verdünnt. Diese Versuche hatten für mich nur orientierende Bedeutung; sie sollten mich nur darüber aufklären, ob die Hämamöbe nach der Injektion im Kanin- chenblut konstatiert werden kann. In dem einen auf diese Weise vor- genommenen Versuche (Kaninchen I) wurden zu Aviederliolten Malen sechs Tropfen Blut in 4 ccm AscitesHüssigkeit suspendiert dem Tiere injiziert. Da ich es von Wichtigkeit hielt, zunächst große Mengen des infektiösen Materials in die Blutbahn zu bringen, so wurden zu den folgenden Versuchen nur die blutzellenbildenden Organe der Leiche des ent- sprechenden Falles verwendet, und zwar wurde in folgender Weise verfahren. Der Kranke Delago starb in seinem Heimatsorte Cortina am 15. Januar 1898; der dortige Gemeindearzt Herr Dr. Angeld Majoni nahm am 16. Januar früh die Sektion vor und sandte mir, die von mir gewünschten Organe in Eis und Schnee verpackt ein. Dieselben waren am 17. Januar früh in vollständig durchgefrorenem Zustande in meinen Händen. Milz und Lymphdrüsen, die zu der Injektion ausschließlich Verwendung fanden, — vom Knochenmark wurde wegen der Gefahr von Fettembolien Abstand genommen — wurden bei Zimmertemperatur auf- getaut, und kleine Stücke derselben in steriler Kochsalzlösung oder in inaktiviertem Schafserum mit dem Pistill möglichst fein zerrieben ; hierauf wurde durch sterile Watte unter Anwendung einer Saugpumpe abfil- triert, und der zurückbleibende Organbrei gehörig abgesaugt. Der Or- ganbrei mußte leicht filtrieren und wurde dementsprechend verdünnt; gröbere Organ- oder Zellenpartikel durften in demselben nicht sichtbar sein. Dieser Zellenbrei wurde unter Watteverschluß in der Kälte am Lichte aufbewahrt, vor der Injektion gehörig durchgeschüttelt und ent- weder sofort oder nach einiger Zeit zu den Übertragungsversuchen ver- wendet. (Gruppe B). Unbeschadet seiner Wirksamkeit fror dieser Zellen- brei durch Zufall noch zweimal durch und mußte vor der Verwendung erst aufgetaut werden. Gerade diese Beobachtungen führten zu der Annahme, dass der Infektionsstotf in den blutzellenbildenden Organen der Leiche in einer sehr widerstandsfähigen Dauerform enthalten sein müsse, als deren morphologischen Ausdruck ich die oben geschilderten „grünen Körper" in den lymphatischen Zellen ansprach. Weitere Ver- suche hatten dann auch ergeben, daß man das Infektionsmaterial aus der Leiche auch durch längere Zeit auf 70 — 75° erhitzen kann, ohne daß es seine Übertragungsfäbigkeit verliert, ein Fernstand, der mit der eben ausgesprochenen Annahme in voller Übereinstimmung steht. Das Leichenmaterial der Fälle Stecher und Ruech, die im patho- — 139 — logisch-anatomischen Institute des Herrn Prof. Pommer seciert wurden, konnte unmittelbar nach der Sektion in der gleichen Weise verarbeitet und zu Übertragungsversuchen verwendet Averden (Gruppe (" und D). Ich bemerke noch, daß alle zu den Versuchen verwendeten Kanin- chen trocken (mit Mais) gefüttert wurden, und zwar sämtliche Tiere gleichmäßig mit einer entsprechenden Menge, die bei unserer Stall- fütterung sich als ausreichend erwiesen hatte, um Normaltiere auf an- nähernd konstantem Gewichte zu erhalten. Die meisten Normaltiere nahmen im Institutsstalle bei dieser Fütterung in der Regel an Gewicht zu. Die infizierten Tiere kamen nicht in den allgemeinen Stall, sondern wurden in separierten Käfigen im Institute selbst gehalten ; der Harn derselben wurde aufgefangen und gesondert von meinem Assistenten Herrn Dr. Kirchmayr untersucht (vergl. Kapitel XIV g). Die Blutent- nahme, zu Zwecken der Untersuchung erfolgte stets aus einem kleinen Ohrgefälk; es wurde darauf geachtet, daß das Blut aus dem kleinen Einschnitt sich reichlich entleerte, jedenfalls ohne viel Pressen und Drücken ausfloß. Vor der Blutentnahme wurde in der Regel aktive Hyperämie am Ohre hervorgerufen. Die Blutentnahme erfolgte abwech- selnd an beiden Ohren, entzündliche Schwellung oder Eiterung trat in keinem Falle an den Ohren auf. In einigen Fällen, immerhin aber selten, kam es zu Nachblutungen aus der Schnittwunde am Ohre. Bei mehreren Kaninchen, die aus der Tabelle I (S. 137) sofort ersichtlich sind, wurde die Übertragung von Tier auf Tier vorgenommen. In diesen Fällen wurden dann Milz und Lymphdrüsen der betrefi'enden Tiere in analoger Weise wie jene des myelämischen Menschen verarbeitet und zur Injektion verwendet. b) Kraiikeugesehicliten nebst Sektionsbefinul der infizierten Kaninchen. Gruppe A. Infektion mit Blut von Delago. Kaninchen I. Am 24. Dezember 1897 wurden einem großen Kaninchen Gewicht 1558 g durch eine Ohrvene ca. 4 ccm AscitesÜüssig- keit des Myelämikers Delago injiziert, worin 6 Tropfen Blut des gleichen Kranken suspendiert waren; die intravenöse Injektion erfolgte 10 Minuten nach der Blutentnahme, das verdünnte Blut wurde während dieser Zeit bei 38*^ gehalten. Das Tier hatte vor der Operation bei Blutentnahme aus einer kleinen Ohrvene Lc. = 9845. E. 33 "o. M. 67 ^'o. Am 25. 12. 97 war das Tier ganz munter und fraß. Gew. 1640 g. Am 28. 12. 97. Erneuerte Injektion von 6 Tropfen Blut des gleichen Kranken in 4 Tropfen Ascitesflüssigkeit. Gewicht am Nach- mittage 1570 g. T. 41" C. Tier etwas weniger munter. Am 29. 12. 97 Tier völlig munter, frißt gut. Gew. Io70 g. T- 38.8« C. ^ . rn , Am 30. 12. 97 erneuerte dritte Injektion von 6 Tropten Blut des gleichen Kranken in 4 ccm Ascitesfiüssigkeit. Es geht bei der Injektion ein Teil der Füssigkeit nicht in die Blutbahn. Nachrnittag (nach der am Vormittage vorgenommenen Injektion) Gew. 1500. T. 39.2" C. Da der Kranke an diesem Tage das Krankenhaus verläßt, so wurden an dem Tiere keine weitern Injektionen vorgenommen. Am 31. 12. 97. Gew. 1500 g. T. 38.9 " C. Das Tier frißt wenig und konnte erst am 6. Januar 1898 wieder untersucht werden; es frißt die ganze Zeit über nur wenig. An diesem Tage erfolgt ^die erste Leu- kocytenzählung aus einer Ohrvene und ergiebt Lc. = 17041. E. 56°/o. ~ 140 — M. 44° 0. Im Ohrblute sind Hämamüben mit Sicherheit nachweisbar. Gew. 1530 g. T. 39 <> C. Am 8. 1. 98 Gew. 1515 g. Lc. = 16282. E. 49" o. M. 51%. Hämamöben sind mit Sicherheit im fixierten Präparat nachweisbar. Am 10. 1. 98. Das Tier frißt, jedoch nicht seine volle Portion. Gew. 1515 g. Lc. = 10305. E. 60 "/o. M. 40°/o. Im Blute sind Häm- amöben vorhanden. Am 11. 1. 98. Gew. 1500 g. Lc. = 15322. E. bS'lo. M. 42 o/o. Hämamöben reichlich nachweisbar. Am 12. 1. 98. Gew. 1485 g. Lc. = 18564. E. 48 «/c M. 52 >. Hämamöben reichlich vorhanden. T. 38.7 " C. Am 13. 1. 98. Gew. 1500 g. Lc. = 17132. E. 47%. M. 53« o. Am 14. 1. 98. Gew. 1485 g. Lc. = 17316. E. 74 >. M. 26»Jo. Hämamöben sicher vorhanden. T. 38.7° C. Tier frißt wieder seine volle Portion. Am 15. 1. 98. Gew. 1500 g. Lc. = 13497. E. 72° o. M. 28%. Am 16. 1. 98. Gew. 1505 g. Lc. = 9783. E. 63 »/o. M. 37°/o. Hämamöben nachweisbar. Am 17. 1. 98. Gew. 1525 g. Lc. = 11138. E. 48%. M. 52 «/o. Am 19. 1. 98. Gew. 1485 g. Lc. = 10297. E. 70 «/o. M. 30 »/o. Hämamöben spärlich, einzelne derselben erscheinen wie in körnigem Zerfalle. Tier frißt gut. Am 21. 1. 98. Gew. 1460 g. Lc. = 10583. E. 68°/o. M. 32 «/o. Sehr wenig Hämamöben nachweisbar. Am 26. 1. 98. Gew. 1510 g. Lc. = 9144. E. 35%. M. 65%. Hämamöben sind nicht nachweisbar. Am 2. 2. 98. Gew. 1550 g. Lc. = 8311. E. 28 «/o. M. 62 »/o. Hämamöben sind nicht nachweisbar. Tier kommt in den Stall und bleibt dort separiert. Am 20. 4. 98. Gew. 1770 g. Lc. = 8529. E. 44%. M. 56%. Das Tier wird getötet und zeigt bei der Sektion keinerlei Abnor- mitäten. Lymphdrüsen und Milz sind nicht vergrössert, das Knoclien- mark des Eemur zeigt makroskopisch keinerlei Veränderung. In Alko- holschnittpräparaten dieser drei Organe sind keine Hämamöben, und auch keine Degenerationsformen derselben nachweisbar; die normalen Strukturverhältnisse sind in allen drei Organen erhalten, es besteht nirgends zellige Hyperplasie, nur in der untersuchten Lymphdrüse (Pan- creas Aselli) sind die Zeichen des Kernzerfalles etwas reichlicher als bei andern Tieren. Am 10. 1. 98. wird ein Kaninchen II mit Blut vom Kaninchen I geimpft. Kaninchen II zeigt ein Gewicht von 1670 g und enthält im Blute einer kleinen Ohrvene Lc. = 6764. E. 59%. M. 41 "/o. Es werden einige Tropfen Ohrblut des Kaninchen I in 4 ccm Ascitesflüssigkeit des Kranken Delago, die sich vollständig frei von Hämamöben erwies, suspendiert und durch eine Ohrvene dem Kaninchen II injiziert. Am 11. 1. Gew. 1760 g. Lc. = 5994. E. 51%. M. 49o/o. Erhält neuerdings in gleicher Weise Blut von Kaninchen I in die Ohrvene injiziert. Am 12. 1. sind im Blute keine Hämamöben nachweisbar. Gew. 1750 g. Lc. = 9054. E. 46 «/o. M. 54 »/o. Erhält neuerdings Blut vom Kaninchen I in gleicher Weise injiziert. — 141 — Am 13. 1. sind im Blute keine Hämamöben nachweisbar. Gew. 1750. E. 420/,. M. 58" 0. Am 14. 1. sind im Blute gleichfalls keine Hämamöben nachweisbar. Gew. 1705. Lc. = 7678. E. öl"/,,. M. 490o- Erhält neuerdings Blut vom Kaninchen I in gleicher Weise in eine Ohrvene injiziert. Am 15. 1. sind im Blute Hämamöben zwar sehr spärlich aber mit Sicherheit zu erkennen. Gew. 1660 g. Lc. = 9337. E. oI^Jq. M. 490 0. Am 16. 1. sind Hämamöben im Blute in vereinzelten Exemplaren nachweisbar. Gew. 1635. Lc. = 12551. E. 73 ''o- ^^- 27 ",3. Tier frißt gut und zeigt keinerlei Krankheitserscheinungen. Am 17. 1. sind Hämamöben sehr spärlich im Blute vorhanden, an einzelnen derselben Degenerationserscheinungen kenntlich. Gew. 1660 g. Lc. = 8253. E. 46 0/0. M. 54° o- Am 18. 1. sind keine Hämamöben im Blute nachzuweisen. Gew. 1620 g. Lc. = 9590. E. 36 0/,. M. 640,0. Am 20. 1. sind keine Hämamöben im Blute nachweisbar. Gew. 1625. Lc. = 9327. E. 41 «/q. M. 59 o/^. Am 26. 1. sind keine Hämamöben im Blute nachweisbar. Gew. 1680. Lc. = 8620. E. SO^U- M. 70 «/o- Tier kommt in den Stall, bleibt dort separiert und wird am 2. 5. 98 getötet. Gew. 1765 g. Lc. = 7765. E. 42 0;o. M. 58 Wq. Der Sektionsbefund entspricht vollständig dem des Kaninchens I, nur werden diesmal in der Milz des Kaninchens II die Zeichen hochgradigen Chromatin- zerfalles konstatiert. Es liegen blaugefärbte (Methylenblau- Thionin- mischung) Chromatinklumpen meistens haufenweise beisammen, vielfach in großen Zellen, auch in blutkörperchenhaltigen Zellen eingeschlossen, oft aber auch außerhalb von Zellen frei im Gewebe; einzelne dieser Chromatinklumpen zeigen granulären Zerfall. Mastzellen sind weder in der Milz noch in Lymphdrüse und Knochenmark in vermehrter Menge vorhanden. Kaninchen III. Am 16. 1. 98 hat das Tier Gew. 1630 g. Lc. = 6853. E. 36 0,0. M. 640/0; es erhält etwa 1 ccm Blut von Kaninchen I in Ascitesflüssigkeit des Kranken Delago suspendiert in die Ohrvene injiziert. 17. 1. Tier munter, frißt gut. Gew. 1675 g. Lc. = 10978. E. 51 «q- M. 490/0. Keine Hämamöben nachweisbar. 18. 1. Tier ganz munter. Gew. 1655 g. Lc. = 10616. E. 44 o/^. M. 56o/o. Keine Hämamöben nachweisbar. 19. 1. Tier munter, frißt gut. Gew. 1680 g. Lc. = 6769. E. 40o/o. M. 60 0/0. Keine Hämamöben nachweisbar. Das Tier erhält neuerdings ca. 1 ccm Blut von Kaninchen I in Ascitesflüssigkeit suspendiert in die Ohrvene injiziert. 21. 1." Tier marode, zeigt diarrhoische Stuhlentleerungen, frißt wenig. Gew. 1660 g. Lc. = 7327. E. 33 0/0. M. 67o/o. Keine Häm- amöben nachweisbar. 23. 1. Diarrhoische Stuhlentleerungen sind in geringem Grade noch vorhanden. Tier frißt wieder. Gew. 1580 g. Lc. = 8112. E. 41 0/,. M. 590/0. Keine Hämamöben nachweisbar. 26. 1. Tier normal, frißt gut. Gew. 1600 g. Lc. = 7432. E. 36« o- M. 640/q. Keine Hämamöben nachweisbar. — 142 — Das Tier verhält sich bei den weiteren Untersuchungen völlig normal. Es kommt am 25. 2. in den Stall und wird daselbst bis zum 3. 11. 98 separiert gehalten, und in dieser Zeit ab und zu wieder untersucht. Eine Leukocytenzunahme war während der ganzen Zeit nicht zu kon- statieren, Hämamüben wurden im Blute niemals gesehen. Am 3. 11.98 wird das Tier zu einem andern Versuche verwendet. Gew. 1692 g. Lc. = 9324. E. 41*^,0. M. 59 "/q. Hämamöben wurden nicht gesehen. Bei der Sektion wurden keinerlei Abnormitäten gefunden und auch bei der mikroskopischen Untersuchung der in Alkohol gehärteten Milz. Lymphdrüse und des Knochenmarkes waren keinerlei abnorme Befunde zu konstatieren. Gruppe B. Infektion mit Leichenmaterial von Delago. 17. 1. 98. Kaninchen IV. Gew. 1580 g. Lc. = 8234. E. 52%. M. 48°/o5 erhält ca. 2 ccm filtrierten Milzsaft (in inaktiviertem Schaf- serum) aus der Leichenmilz des Kranken Delago, in der angegebenen Weise bereitet. Am 19. 1 hat das Tier schwache diarrhoische Stuhlentleerungen: Hämamöben sind im Blute zweifellos nachweisbar. Gew. 1465 g. Lc. = 13664. E. 46o/o. M. 54 »/o- T. 38.9** C. Das Tier macht einen kranken Eindruck, frißt wenig. Am 20. 1 hat das Tier starke Diarrhoe, ist sehr matt. T. 38.5° C. Gew. 1410 g. Ohrgefäße sehr eng, müssen zur Blutgewinnung durch Wärme künstlich erweitert werden. Lc. = 35114. E. 37°/q. M. 63°/,;. Hämamöben sind im Blute mit Sicherheit nachzuweisen. Am 21. 1. 98 früh 8^' Avird das Tier tot gefunden; die Sektion wird sofort vorgenommen. In beiden Pleurahöhlen findet sich eine reichliche Menge klarer gelblicher Flüssigkeit ; beide Lungen sind groß, hyperäraisch und ödematös. Das Herz ist groß, mit fiüssigem Blute gefüllt. Die Milz ist sehr groß, geschwellt, weich, dunkelviolett, wie eine septische Milz. Lymphdrüsen (Pancreas Aselli) nicht vergrössert, weich, ohne son- stige Veränderungen. Im Unterleib reichlich gelbliche klare Flüssigkeit, Leber groß und blutreich, ebenso die Niere; im Darm keine nennens- werten Veränderungen. Knochenmark sehr blutreich, weich und schmie- rig, stellenweise graulich verfärbt. Ausstrichpräparate aus Herzblut, Milz und Lymphdrüsen ergeben die Abwesenheit von Bakterien; Bouillon- und Agarkulturen aus Herzblut imd Milz bleiben steril. In der Milz finden sich in Alkoholschnitten massenhaft Mastzellen mit feinern und gröbern Granulis, viele Granula extracellulär , außerdem nicht sehr reichlich Hämamöben in typischen Formen an den lymphocytären Elementen, verstreut vor. Hämamöben in granulärem Zerfall, auch klumpige Formen mit hellem Centrum, die möglicherweise von degenerierenden Hämamöben abstammen. Außerdem besteht hochgradiger Zell- und Kernzerfall und es können alle Stadien der Chromatindegeneration und des Protoplasmazerfalles (Vakuolisierung) leicht und in großen Mengen nachgewiesen werden. In den Lymphdrüsen ist der Befund ganz analog. Das Knochenmark war nur in Flemming- scher Lösung fixiert worden, und war daher für den Hämamöbennach- weis nicht verwertbar. Dagegen war auch hier hochgradiger Kern- und Zellzerfall konstatierbar. Zeichen zelliger Hyperplasie waren in den drei Organen nicht nachweisbar, die normalen Struktur Verhältnisse waren — 143 — überall leicht kenntlich, Mitosen und Amitosen erschienen nicht über die Norm vermehrt; dagegen waren in Milz und Knochenmark sehr zahlreiche blutkürperchenhaltige Zellen , und in der Lymphdrüse ein dicht gelagertes intra- und extracelluläres amorphes schwärzliches Pig- ment vorhanden. In der Leber wurden sowohl intra- als extravaskulär zahlreiche Mastzellen auch stellenweise eine geringgradige Anhäufung lymphatischer Elemente um die Kapillaren herum, aber keine Hämamöben gefunden. Kaninchen V. Am 18. 1. 98 Gew. 1335 g. Lc. = 7639. E. 38 »o. M. 62^0 erhält intravenös 3^2 ccm in der angegebenen Weise präpa- rierten Milzsaft (in inaktiv. Schafserum) von Delago. Das Tier frißt tagsüber wenig, zeigt in den Abendstunden T. 38,3 ^^ C. 19. 1. Gew. 1295 g. Lc. = 10238. E. 62 '\o, M. 38 ";o. Hämamöben wurden nicht gesehen. Ec. = 6,328.000. 20. 1. Gew. 1335 g. Lc. = 8663. E. 70 «/o. M. 30« o. Tier frißt wieder und zeigt keine Krankheitserscheinungen. 22. 1. Gew. 1450 g. Lc. = 10718. E. 54 "/o. M. 86 «/o. 24. 1. Tier frißt seit gestern weniger. T. 38.3 » C. Gew. 1330. Lc. = 30824. E. 43 «/o. M. 57 «/o. Die Ohrgefäße sind eng und müssen behufs Blutgewinnung künstlich (durch Wärme) erweitert werden. Häm- amöben sind im Blute sicher und reichlich vorhanden. 25. 1. Tier frißt wenig. T. 38.3^0. Gew. 1220 g. Lc. = 33437. E. 48°/o. M. 52*^/0. Hämamöben reichlich nachweisbar. 26. 1. Gew. 1190_g. Lc. = 75456. E. 700;ü. M. 30«/o. T. 38.3» C. Ec. = 5,024.000 (1 : 6Y). Ohrgefäße werden leicht hyperämisch. 27. 1. Gew. 1220 g. Lc. = 68006. E. 48S. M."52o/o. T. 38.4° C. Hämamöben reichlich nachweisbar. Tier frißt seine Futterportion auf. 28. 1. Gew. 1180 g. Lc. = 35502. E. 45 «/o. M. 55. T. 38.1° C. Tier frißt gut. 29. 1. Gew. 1170. Lc. = 50726. E. 34o/o. M. 66 «o. Ec. = 4,827000 (1 : 95). Hämamöben reichlich nachweisbar. 30. 1. Gew. 1185 g. Lc. = 15726. E. 39^/0. M. 61 «/o. Ohrgefäße werden leicht hvperämisch. 31. 1. GeW. 1200 g. Lc. = 30004. E. 49 «/o. M. 51 »o. Häm- amöben reichlich vorhanden. Tier frißt gut. 1. 2. Gew. 1220 g. Lc. = 52870. E. 69 »/o. M. 31 «/o. Ohrgefäße werden leicht hyperämisch. T. 38.1" C. Hämamöben reichlich vor- handen. 2. 2. GcAv. 1220 g. Lc. = 37725. E. 64 Wo. M. 36 «'o. 3. 2. Gew. 1230 g. Lc. = 19176. E. 49 ^ o. M. 51 "/o. Tier frißt gut. 4. 2. Gew. 1240 g. Lc. = 14557. E. ßS'lo. M. 32o/o. T. 37.9« C. Hämamöben reichlich nachweisbar. Tier frißt gut. 6. 2. Gew. 1 185 g. Lc. = 24229. E. 48 "/o. M. 52 «/o. Ec. = 5,627.000 (1:232). Hämamöben vorhanden, einzelne Degenerationsformen. Tier frißt gut. 9. 2. Gew. 1158 g. Lc. = 11850. E. 27 «'o. M. 73 >. 12. 2. Gew. 1160 g. Lc. = 17082. E. 40" o. M. öO^/o. T. 38.5° C. Hämamöben vorhanden. Tier frißt weniger. 13. 2. Gew. 1110 g. Lc. = 28009. E. 52 «/o. M. 48 «/o. 14. 2. Gew. 1110 g. Lc. = 21735. E. 28 »o. M. 72° o. Häm- amöben reichlich vorhanden; Tier frißt wenig. — 144 — 15. 2. Gew. 1080 ii. Lc. = 34337. E. 32 «/o. M. 68 ^o. 16. 2. Gew. 1075 g.^Lc. = 38337. E. 79" o. M. 21° o. Ec. = 4,620.000 (1:121). T. 38.2° C. Tier frißt wenig. Hämamöben nicht sehr zahl- reich vorhanden. 18. 2. Gew. 1050 g. Lc. = 13217. E. 82 0,0. M. 18 ^o. 20. 2. Gew. 1024. Lc. = 9346. E. 42 o/o. M. 58*^,0. Hämamöben vorhanden. Tier frißt wenig. T. 38.5° C. 24. 2. Gew. 980 g. Lc. 7377. E. 30 "/o. M. 70° o. Hämamöben leicht nachweisbar. 26. 2. Gew. 995 g. Lc. = 21283. E. 39 » o. M. 61 « o. Hämamöben reichlich vorhanden. 1. 3. Gew. 965 g. Lc. = 27684. E. 61 «o. M. 39 o/o. Tier frißt wenig. T. 38.4" C. 3.3. Gew. 938 g. Lc. = 40040. E. 39o/o. M. ÖPo. Ec. = 4,235.000 (1 : 106). Hämamöben reichlich vorhanden. 4. 3. Gew. 937 g. Lc. = 41714. E. 59 «/o. M. 41 «/o. Hämamöben reichUch vorhanden. 9. 3. Gew. 970 g. Lc. = 30936. E. 57 0o. M. 430/0. Tier frißt wenig. 14. 3. Gew. 937 g. Lc. = 56563. E. 45 0/0. M. 55 0/0. Tier sehr matt und mager. T. 38.7 C. Hämamöben reichlich vorhanden. 15. 3. Gew. 930 g. Lc. = 55793. E. 52 0/0. M. 48 «/o. Ec. = 4,870000 (1 : 88). 17. 3. Gew. 900 g. Lc. = 53867. E. 64 0/0. M. 36o;o. Hämamöben reichlich vorhanden; kernhaltige rote Blutkörperchen ziemlich zahlreich im Präparat. 19. 3. Gew. 900 g. Lc. = 27196. E. 55 0/0. M. 45 0/0. 23. 3. Gew. 887 g. Lc. = 58402. E. 42 0/0. M. 58 0/0. T. 38.2° C. Tier frißt sehr wenig. Hämamöben sind reichlich vorhanden. 24. 3. Gew. 865 g. Lc. = 40722. E. 53 0/0. M. 47 0/0. 26. 3. Gew. 863 g. Lc. =57646. E. 40o/o. M. 60 0/0. Ec. =5,020000 (1:88). Hämamöben reichlich vorhanden. T. 38.4" C. Tier frißt sehr wenig. 29. 3. Gew. 835 g. Lc. = 42788. E. 69 0/0. M. 31 0/0. 31. 3. Gew. 810 g. Lc. = 27329. E. 30 "/o. M. 70 0/0. Tier sehr matt, frißt nicht. Hämamöben vorbanden. T. 38.0" C. 2. 4. Gew. 805 g. Lc. = 46410. E. 54 0/0. M. 46 0/0. Ec. =4,465000 (1:97). Hämamöben vorhanden. T. 38.2 C. Das Tier geht in der Nacht vom 5. 4. zum 6. 4, ein, Sektion 6. 4. lO*". In beiden Pleurahöhlen und im Perikard eine ansehnliche Menge klarer gelber Flüssigkeit, auch in der Bauchhöhle ist etwas davon enthalten. Herz klein kontrahiert, mit geronnenem Blute gefüllt, Lungen groß hyperämisch, in beiden Unterlappen leichtes Odem. Milz nicht vergrößert, Lymphdrüsen nicht vergrößert, succulent, stark pigmentiert, zahlreiche, Stecknadelkopf bis linsengroße Nebenlymph- drüsen im Mesenterium. Lel3er und Nieren zeigen keine Veränderungen, der Darm leer, Knochenmark auffallend blutreich und weich, rötlichbraun mit weißlich grauen Streifen durchsetzt. Die Organe dieses Falles wurden aus Versehen nur in Sublimat gehärtet, konnten mithin zum Hämamöbennacliweis nicht verwertet werden. Das Knochenmark zeigt eine hochgradige Veränderung seiner Struktur, das normale Maschenwerk desselben ist gänzlich verschwunden, statt dessen liegt stellenweise eine mehr weniger dichte Infiltration kleiner — 145 — und großer zelliger Elemete vor, die bei Triacidfärbung mit reichlichen dichten amphophilen Granulationen gefüllt sind, außerdem sind zahlreiche kleine und grotle körnclienl'reie Zellen vorhanden. Auch große epithe- loide (Bindegewebs-)Zellen mit zahlreichen Ausläufern. Hochgradige Kern- und Zelldegeneration, streckenweise fehlen die lymphoiden Zellen vollständig und sind durch ein homogenisiertes Fasergewebe ersetzt, in welchem ab und zu noch kleine Rundzellen angetroffen werden, hie und da liegen farblose Krystalldriisen in diesem Gewebe oder zwischen den lymphoiden Zellen, die höchstwahrscheinlich Fettkrystalle aus nekroti- sierten P'ettzellen darstellen. Mitosen und Amitosen sind in den lym- phoiden Zellen reichlich vorhanden. Auch in der Milz ist zellige Hyperplasie und Bindegewebswucherung reichlich vorhanden, und die normalen Strukturverhältnisse sind dadurch verwischt. Körnchenführende Lymphoidzellen sind hier nur äußerst selten. Kern- und Zelldegeneration sehr reichlich, massenhaft blutkörperchen- haltige Zellen. Mitosen und Amitosen minder reichlich als im Knochen- mark. L y m p li d r ü s e zeigt reicliliche Pigmentanhäufung , sonst nichts abnormes. In Leber und Nieren werden keine lymphatischen Einlagerungen nachgewiesen, dagegen findet sich in der untersuchten Niere eine weit verbreitete Degeneration der Harnkanälchenepithelien vor; dieselben sind sehr voluminös, gequollen, vakuolisiert und ihr Protoplasma erscheint in Form von groben größern und kleinern Körnern; normale Drüsen- epithelien wurden gar nicht gesehen. Kaninchen VI. Am 18. 1. 98 Gew. 1205 g. Lc. = 9164. E. öS", o. M. 47 "^o. T. 38.2° C. erhält vormittags 3^2 ccm. präparierten Milzsaft des Myelämikers Delago intravenös. Um 5^ T. 39.3° C. 19. 1. Gew. 1140 g. Lc. = 15305. E. 49%. M. 51o/o. Hämamöben sicher, aber spärlich vorhanden. LTm 5*^ T. 38.5° C. 20. 1. Gew. 1150 g. Lc. = 15634. E. 60°/o. M. 40 °o. Häm- amöben spärlich vorhanden. Tier frißt gut. 25. 1. Gew. 1145 g. Lc. = 15736. E. 74%. M. 26°/o. T. 38.7° C. Hämamöben spärlich vorhanden. 26. ]. Gew. 1120 g. Lc. = 27437. E. 40° o, M. 60°'o. T. 38.7° C. Tier frißt gut. 27. 1. Gew. 1120 g. Lc. = 40022. E. 59°/o. M. 41 °o. T. 38.4° C. Massenhaft Hämamöben vorhanden. 28. 1. Gew. 1100 g. Lc. = 48534. E. 60 «/o. M. 40°;o. T. 39.0° C. Tier frißt gut. 29. 1. Gew. 1055 g. Lc. = 61658. E. 71 «o. M. 29 ° o. Ec. = 5,920.000 (1 : 96). Massenhaft Hämamöben vorhanden, auch Degenerationsformen. 30. 1. Gew. 1050 g. Lc. = 30652. E. 43 °o. M. 57 «o. Tier frißt gut. 31. 1. Gew. 1035 g. Lc. = 70590. E. 69°/o. M. 31° o. T. 38.5° C. Ec. = 5,320.000 (1 : 76). Hämamöben massenhaft vorhanden. 1. 2. Gew. 1020 g. L. = 16257. E. 43° o. M. 57°/o. Hämamöben sehr reichlich vorhanden. Tier frißt weniger. 2. 2. Gew. 990 g. Lc. = 48450. E. 51 °/o. M. 49°/o. 3. 2. Gew. 985 g. Lc. = 30366. E. 41°/o. M. 59°/o. 4. 2. Gew. 970 g. Lc. = 18942. E. 68°;o. M. 32° o. T. 39.1° C. Löwit, Ätiologie u. Patliol. d. Leukämie. 10 — ui; — 5. 2. Gew. 970 g. Lc. = 18252. E. 72" o. M. 28° o. T. 38.5 «^ C. Ec. = 4,674.000 (1 : 257). Hämamöben reichlich vorhanden. 7. 2. Gew. 985 g. Lc. = 18736. E. 64 »/o. M. 36 0,0. 9. 2. Gew. 962 g. Lc. = 15760. E. 55 «/o. M. 450/o. 11. 2. Gew. 940 g. Lc. = 29650. E. 62«/o. M. 38«/o. T. 38.7° C. Tier frißt wenig. Hämamöben reichhch vorhanden. 13. 2. Gew. 920 g. Lc. = 20401. E. 36«/o. M. 64 »/o- T. 38.8" C Hämamöben vorhanden. 14. 2. Gew. 920 g. Lc. = 35576. E. 33 "/o. M. 67°/o. Tier frißt wenig. 15. 2. Gew. 950 g. Lc. = 11319. E. 68%. M. 32%. 16. 2. Gew. 955 g. Lc. == 12348. E. 63 "/o- M. 37"/,. Hämamöben vorhanden. 18. 2. Gew. 970 g. Lc. = 10236. E. ßl^j,. M. 39 "'o- Tier frißt wenig. Hämamöben vorhanden. 20. 2. Gew. 958 g. Lc. = 18679. E. 36"/.,. M. 64 "/o- 24. 2. Gew. 977 g. Lc. = 13768. E. 62«/o. M. 38"/o. Hämamöben vorhanden. T. 39.2" C. 25. 2. Gew. 943 g. Lc. = 12882. E. 74 "/o. M. 26 "/o. Tier frißt wenig. I. 3. Gew. 985 g. Lc. = 13986. E. 43 "/o. M. 57 "/o. Hämamöben vorhanden. 5. 3. Gew. 945 g. Lc. = 11030. E. 64 "/o. M. 36 "/o. Tier frißt etwas mehr. Hämamöben vorhanden. 9. 3. Gew. 990 g. Lc. = 13438. E. 40 "/o. M. 60 "/o. 14. 3. Gew. 992 g. Lc. = 16693. E. 39"/o. M. 61 "/o. 17. 3. Gew. 1000 g. Lc. = 8327. E. 68°/o. M. 32"/o. Hämamöben sicher vorhanden. Tier frißt gut. 26. 3. Gew. 1030 g. Lc. = 8780. E. 65 "/o M. 35 "/o. 9. 4. Gew. 1030 g. Lc. = 12348. E. 72"/o. M. 28 »/o. Hämamöben sicher, aber nicht zahlreich vorhanden. Tier frißt gut. II. 4. Gew. 1013 g. Lc. = 9737. E. 59 "/o. M. 41 ",'o. Hämamöben sicher vorhanden. Das Tier erhält neuerdings 6 ccm Milz- und Lymph- drüsensaft vom Kaninchen V (in 0.7" o NaCl- Lösung); Kaninchen Y f am 5. 4. 98. 12. 4. Tier hat keine Nahrung genommen. Gew. 995 g. T. 37.8" C. Lc. = 27284. E. 24 "/o. M. 76 "/o. 14. 4. Tier frißt wieder. Gew. 990 g. T. 38.2" C. Lc. = 30054. E. 42 "/o. M. 58 "/o. Hämamöben reichlich vorhanden. 16. 4. Gew. 1000g. T. 39.2" C. Lc. = 33984. E. 42"/o. M. 58",o. 18. 4. Gew. 1000 g. Lc. = 35471. E. 38 "/o. M. 62 "/o. Hämamöben reichlich vorhanden. 22. 4. Gew. 992 g. Lc. = 14376. E. 58 "/o. M. 42 "/o. Tier frißt gut. 29. 4. Gew. 1040 g. Lc. = 15971. E. 58 "/o. M. 42";o. Hämamöben nicht sehr reichlich vorhanden. Tier frißt gut. 7. 5. Gew. 1052 g. Lc. = 19864. E. 43"/o. M. 57 "/o. Hämamöben sicher aber nicht reichlich vorhanden. 11. 5. Gew. 1055 g. Lc. = 18863. E. 32 "o. M. 68 "/o. Tier frißt gut. 17. 5. Gew. 1075 g. Lc. = 27656. E. 66 "/o. M. 34 o/o. Hämamöben spärlich, einzelne Degenerationsformen. — 147 — 27. 5. (rew. 1002 g. Lc. = 15321». E. 300/o. M. 7U«/o. Am 28. 5. wird das Tier getötet. Sektion: Keine Flüssigkeit in den Pleurahöhlen, im Perikard und im Unterleib. Lungen normal. Mi!/ blaurot und entschieden ver- größert, Lymphdrüsen nicht vergrößert, saftreich und stark bräunlich. Knochenmark etwas gelblich verfärbt, sonst nichts abnormes. Leber, Nieren, Darm blaß, ohne Abnormität. Die Milz zeigt bei der mikro- skopischen Untersuchung sehr zahlreiche typische Hämamöbenformen mit ihren charakteristischen P'ortsätzen in oder an den kleinern oder größern Lymphocyten. Vielfach kann granulärer Zerfall dieser Häma- möben, oder Ansammlung klumpiger Formen, die auf Hämamöbenzer- fall zurückgeführt werden können, nachgewiesen werden, auch si)oren- ähnliche Formen mit hellem Centrum sind vorhanden. Zellige Hyper- plasie sowie Kern- und Zellzerfall scheint in irgendwie beträchtlicherem Grade nicht zu bestehen. Dagegen wird vielfach geradezu der Eindruck hervorgerufen, als ob ein Schwund des lymphatischen Gewebes vorliegen würde; man sieht an solchen ziemlich ausgedehnten Strecken nur das lakunäre interstitielle Gewebe an dem teils vereinzelte, teils in Gruppen beisammen liegende lymphocytäre Elemente haften. An anderen Stellen aber liegen mehr normale Verhältnisse vor, ohne dass man hier aber von einer zelligen Hyperplasie sprechen könnte. Granulaführende Zellen sind nur in spärlicher Menge nachweisbar. Wenig blutkörperchenhaltige Zellen. Im Knochen marke sind massenhaft Mastzellen der fein- und mehr grobgranulierten Form vorhanden. Typische Hämamöben sind selten, häufiger findet man in klum[)igem oder bröckligem Zerfall be- griffene Formen. Zellige Hyperplasie ist streckenweise jedenfalls vor- handen, an andern Stellen sind aber die normalen Strukturverhältnisse erhalten. Kern- und Zelldegeneration ist nicht sehr hochgradig; reich- lich blutkörperchenhaltige Zellen und Pigment. In der Lymphdrüse wurden keine Hämamöben gefunden; nor- male Strukturverhältnisse nur stellenweise durch Ansammlung großer lymphoiden Zellen verwischt; einzelne Degenerationsherde nachweisbar. In Leber und Niere sind zahlreiche Mastzellen in den Gefäßen und um dieselben wahrnehmbar, eine leukocytäre Infiltration besteht in größerem Maßstabe nicht. Kaninchen VII. Am 22. 1. 98. Gew. 1627 g. Lc. = 9113. E. 62 "/o. M. 38*^/0 erhält das Tier 4 ccm präparierten Milzsaft von Delago in inaktiviertem Schafserum; der gleiche Milzsaft wurde für Kaninchen V und VI verwendet: er stand vom 18. 1. bis zum oben- genannten Tage im kalten bei — 5 bis 8" R., war total durchgefroren und mußte erst aufgetaut werden. Zwei Tiere gingen bei der Injektion an Thrombose zu Grunde und wurden nicht näher untersucht. Kaninchen VII ist nach der Operation sehr elend, atmet schwer, erholt sich jedoch nach einiger Zeit wieder. 24. 1. Gew. 1650 g. T. 38.9 o C. Lc. = 32471. E. 51 >. M. 49 «/o. Hämamöben sind reichlich nachweisbar. Tier frißt gut. 25. 1. Gew. 1610 g. Lc. = 22418. E. 47"/o. M. 53o/o. T. 39.2» C. 26. 1. Gew. 1610 g. Lc. = 14784. E. 59o/o. M. 41 »/o; das Tier hat in der Nacht etwas aus dem Ohre geblutet. 28. 1. Gew. 1580 g. Lc. = 16140. E. 56>. M. 44 "/o. T. 39.0n'. Hämamöben reichlich vorhanden. Tier frißt gut. 10* — 148 — 29. 1. Gew. 1560 g. Lc. = 22470. E. 43 o/o. M. 57 "/o. Zahlreiche Hämaraöben vorhanden. Tier frißt gut. 30. 1. Gew. 1570 g. Lc. = 19070. E. 51 «/o. M. 49 >. Massen- haft Hämaniüben. 31. 1. Gew. 1555 g. Lc. =25913. E. 420/0. M. 58^/0. Ee. = 5,840.000 (1 : 226). I. 2. Gew. 1570 g. Lc. = 22849. E. 59 >. M. 41 >. T. 38.5^0. Hämamöben zahh-eich vorhanden. Tier frißt gut. 3. 2. Gew. 1500 g. Lc. 20929. E. 39 'Vo. M. 61 >. 4. 2. Gew. 1510 g. Lc. = 20094. E. 35>. M. 65^/0. T. 38.9^0. Hämamöben vorhanden. Das Tier erhält von jetzt ab nur jeden zweiten Tag die einmalige Futtermenge. 7. 2. Gew. 1480 g. Lc. = 15476. E. 53 Wo. M. 47 «o. 9. 2. Gew. 1422 g. Lc. = 17486. E. 41 »/o. M. 59o/o. Hämamöben vorhanden. 10. 2. Gew. 1380 g. Lc. = 39745. E. 40^0. M. 60 o/o. II. 2. Gew. 1340 g. Lc. = 27310. E. 38o/o. M. 62o/o. Hämamöben reichlich vorhanden. T. 38.4° C. 12. 2. Gew. 1310 g. Lc. = 27933. E. 43 «/o. M. 57 «/o. T. 39.2« C. 14. 2. Gew. 1250 g. Lc. = 16170. E. 70 «/o. M. 30 «/o. Hämamöben vorhanden. Das Tier erhält wieder seine normale Futtermenge. 15. 2. Gew. 1335 g. Lc. = 25670. E. 35 «o. M. 65'o,o. Tier frißt gut. 16. 2. Gew. 1300 g. Lc. = 17675. E. 390'o. M. 61 «/o. Hämamöben vorhanden. 18. 2. Gew. 1340 g. Lc. = 11375. E. 43 »/o. M. 57° o. Keine Hämamöben gefunden. Tier frißt gut. 20. 2. Gew. 1390 g. Lc. = 16317. E. 62o/o. M. 38^/0. Hämamöben reichlich vorhanden. 25. 2. Gew. 1355 g. Lc. = 19165. E. 57 "/o. M. 43 «/o. Tier frißt gut. T. 39.0« C. 3. 3. Gew. 1360 g. Lc. = 31374. E. 78 «/o M. 22 «/o. Hämamöben reichlich vorhanden. 5. 3. Gew. 1293 g. Lc. = 53687. E. 57o/o. M. 43 «/o. Tier frißt gut. 7. 3. Gew. 1300 g. Lc. = 34593. E. 48 « o. M. 52 «/o. Hämamöben reichlich vorhanden. Degenerationsformen nachweisbar. 9. 3. Gew. 1300 g. Lc. = 34217. E. 45o/o. M. 55o'o. T. 37.9« C. Hämamöben vorhanden. Tier grißt gut. 14. 3. Gew. 1320 g. Lc. = 25937. E. 38 «/o. M. 62 «/o. 17. 3. Gew. 1300 g. Lc. = 9775. E. 46 «/o. M. 54 «/o. Tier frißt gut. 20. 3. Gew. 1305 g. Lc. = 8716. E. 52o/o. M. 48o/o. Hämamöben vorhanden. Tier frißt gut. 22. 3. Gew. 1350 g. Lc. = 8268. E. 70^0. M. 400/0. Hämamöben vorhanden. 24. 3. Gew. 1340 g. Lc. = 24812. E. 51 «/o. M. 49 0/o. Häm- amöben reichlich vorhanden. Tier frißt gut. 26. 3. Gew. 1320 g. Lc. = 41897. E. 67o'o. M. 33« o. 29. 3. Gew. 1293 g. Lc. = 36084. E. 66 o/o. M. 34 o'^. Tier frißt gut. Hämamöben vorhanden. T. 39.2 o C. 10. 4. Gew. 1285 g. Lc. = 41273. E. 72 o/o. M. 28 o/o. Häm- amöben vorhanden. Tier frißt gut. — 149 — 18. 4. Gew. 121»T g. Lc. = 30085. E. 51 "/o. M. 49 »o. Häm- amöben spärlich vorhanden. 22. 4. Gew. 1162 g. Lc. = 31668. E. 62 «/o. M. 38 " o. T. 38.7'' C. Tier frißt etwas weniger. 24. 4. Gew. 1182 g. Lc. = 16763. E. 71%. M. 29%. 29. 4. Gew. 1205 g. Lc. = 11815. E. 30'Vo. M. 70%. Häm- amöben spärlich. Tier frißt weniger. 8. 5. Gew. 1193 g. Lc. = 21763. E. 32%. JVL 68%. 12. 5. Gew. 1152 g. Lc. = 20681. E. 42%. M. 58 "/o. Häm- amöben reichlich nachweisbar. 18. 5. Gew. 1185 g. Lc. -= 11527. E. 25 «/o. M. 75%. Häm- amöben nicht gefunden. 30. 5. Gew. 1160 g. Lc. = 36723. E. 35 «/o. M. 650/o. Häm- amöben reichlich vorhanden. Tier frißt wenig. 3. 6. Gew. 1100 s;. Lc. = 26854. E. 51 "/o. M. 49° o. Tier matt, frißt wenig. T. 39.0 •' C. 6. 6. Gew. 1050 g. Lc. = 16356. E. 40%. M. 60%. Hämamöben vorhanden. 13. 6. Gew. 1115 g. Lc. = 14634. E. 40 "/o. M. 60 ",o. Tier frißt wenig. 21. 6. Gew. 1100 g. Lc. = 14363. E 32«/o. M. 68%. Hämamöben vorhanden. Tier sehr matt, frißt nicht. 25. 6. Gew. 1078 g. Lc. = 35327. E. 83 »/o. M. 17 >. Ec. = 4,320000 (1 : 127). Das Tier geht in der Nacht des 26. 6. ein. Sektion 27. 6. früh 9*^. An der Schleimhaut der Lippen Blut- flecken, um das Maul herum blutiger Schaum. In beiden Pleurahöhlen, im Perikard und im LTnterleibe viel grünliche klare Flüssigkeit. Herz ausgedehnt mit geronnenem Blute gefüllt. Beide Lungen ausgedehnt, von blutiger schaumiger Flüssigkeit durchsetzt. Milz vergrößert, blau- rot rnit Blutungen an der Oberfläche. Mesenteriale Lymphdrüsen nicht vergrößert, sehr saftig, stark pigmentiert. Nieren sehr blutreich, ohne sonstige Veränderungen. Leber gelbbraun trocken, nicht sehr blutreich. Gallenblase stark geschwellt, teigig anzufühlen, enthält eine größere Menge einer schmierigen grünlichweißen, grauen mit schmierigen Flocken durchsetzten Flüssigkeit (Hydrops). Nirgends in Leber und Gallenblase Knötchen oder geschwulstartige Neubildungen. Im Dünndarm finden sich einzelne Blutungen an der Serosa. Knochenmark sehr blutreich und schmierig. Agar und Bouillonkulturen vom Herzblut, der Milz und vom Gallen- blaseninhalt bleiben steril. Die mikroskopische Untersuchung der Milz erweist die Gegen- wart von zahlreichen ganz typischen Hämamöben, viele davon in entschie- denem Zerfalle begriffen, teils granulär, teils in gröbere klumpige Massen mit hellem Centrum. Zahlreiche Mastzellen mit feinern und gröbern Gra- nulis; ob zwischen den Mastzellen und den degenerierenden Hämamöben ein genetischer Zusammenhang besteht, kann nicht entschieden werden. Die normale Struktur ist stellenweise durch dichte Lymphocytenan- sammlung unkenntlich, daselbst reichlich Mitosen und Amitosen. Massen- haft blutkörperchenhaltige Zellen. Hyperchromatose und Karyorhexis ist streckenweise sehr intensiv. Im Knochenmarke ist das Fettmark und die lakunäre Struktur vollständig geschwunden; sehr weite lakunäre Bluträume dicht mit roten — 150 — und weißen Blutkörperchen angefüllt. Kernhaltige rote Blutkörperchen fehlen nahezu vollständig. Stellenweise sehr dichte Anhäufung kleiner und großer lymphoider Elemente mit rundem oder gelapptem Kern und dichter ampliophiler Granulation; auch körnchenfreie lymphoide Zellen sind reichlich vorhanden. In den großen und kleinen Lymphocyten kann auch eine mehr minder dichte feinkörnige basophile Granulation erkannt werden. Amitoson und Mitosen reichlich. Zahlreiche blutkörperchenhaltige Zellen, intensiver Kernzerfall und Hypochromatose. Reichlich kugelige und platte ^lastzellen. Hämamöben in Zerfall sind nur nach langem Suchen auffindbar. Die Lymphdrüse enthält massenhaft Pigment imd reichlich Mastzellen. Die normalen Strukturverhältnisse sind an den pigment- freien Stellen erhalten. Zerfallende Hämamöben sind, wenn auch nur selten, nachweisbar. in der Leber findet sich an einzelnen Stellen eine reichliche Lymphocyteneinlagerung in und um die Kapillaren, auch an größeren Gefäßen ist die Erscheinung vorhanden. Mastzellen sind daselbst spär- lich, Hämamöben wurden nicht gesehen. Kaninchen VIH. Am 22. 1. 98 Gew. 1690 g. Lc. = 8827. E. 52*^/0. M. 48^/0. Das Tier wird in gleicherweise wie Kaninchen VH behandelt, der verwendete Milzsaft wird jedoch zu gleichen Teilen mit inaktiviertem Schafserum verdünnt. Tier ist nach der Operation munter und frißt gut. 24. 1. Gew. 1720 g. T. 39.5« C. Lc. = 40216. E. 48« o. M. 520/o. Hämamöben nicht gefunden. 25. L Gew. 1630 g. Lc. = 11105. E. 42° o. M. 58o/o. T. 39.5*' C. Hämamöben nicht gefunden. Tier frißt schlecht. 26. 1. Gew. 1640 g. Lc. = 8150. E. 32^0. M. 68 °o. Tier hat schwach diarrhoischen Stuhl. T. 38.8" C. 27. 1. Gew. 1610 g. Lc. = 11465. E. 43^/0. M. 57 >. Stuhl wie tags zuvor. Hämamöben sicher vorhanden. 28. 1. Gew. 1565 g. Stuhl wieder normal. Lc. = 8176. E. 38 "/o. M. 62 ",n. T. 39.3" C. Hämamöben sicher nachweisbar. 30. 1. Gew. 1590 g. Lc. = 10280. E. 35" o. M. 65 "/o. Tier frißt gut. Hämamöben reichlich vorhanden. 31. 1. Gew. 1600 g. Lc. = 14068. E. 58 "/o. M. 42 0,0. I. 2. Gew. L550 g. Lc. = 9328. E. 20 "/o. M. 80 ",'0. T. 39.2" C. Hämamöben vorhanden. Tier frißt gut. 3. 2. Gew. 1540 g. Lc. = 10650. E. 37 "0. M. 63 "/o. 4. 2. Gew. 1500 g. Lc. = 22837. E. 37";o. M. 63 "0. Hämamöben vorhanden. 5. 2. Gew. 1500 g. Lc. = 9842. E. 58 "/o. M. 42 "/o. T. 38.9" G. Tier frißt gut. 6. 2. Gew. 1473 g. Lc. = 20628. E. 36",o. M. 64"/o. Hämamöben reichlich vorhanden. Tier frißt gut. 8. 2. Gew. 1445 g. Lc. = 9924. E. 37" 0. M. 63 »o. Das Tier erhält von heute ab nur jeden dritten Tag die einmalige Futtermenge. 9. 2. Gew. 1430 g. Lc. = 20116. E. 37 "/o. M. 63 "/o. 10. 2. Gew. 1390 g. Lc. = 11274. E. 36 "/o. M. 64 "/o. Häm- amöben vorhanden. II. 2. Gew. 1380 g. Lc. = 33330. E. 62 "/o. M. 38" 0. — 151 — 12. 2. Gew. 1330 g. Lc. = 39223. E. 36%. M. 64 «/o. T. 39.0« C. Hämamöben vorhanden. 14. 2. Gew. 1275 g. Lc. = 22396. E. 69" o. M. 31 «/o. Das Tier erhält von heute ab wieder seine normale Futtermenge. 16. 2. Gew. 1325 g. Lc. = 17839. E. 32^/0. M. 68 "/o. 20. 2. Gew. 1355 g. Lc. = 9119. E. 39^0. M. 6P/o. Hämamöben vorhanden. 25. 2. Gew. 1332 g. Lc. = 13415. E. 38°/o. M. 62«/(). Tier frißt gut. 3. 3. Gew. 1360 g. Lc. = 14886. E. 40"/o. M. 60«/o. 9. 3. Gew. 1357 g. Lc. = 17015. E. 41 o/o. M. 59 «/o. Hämamöben vorhanden. Degenerationsformen nachweisbar. 14. 3. Gew. 1325 g. Lc. = 10094. E. 58 Wo. M. 42 "/c Tier frißt eilt. 22. 3. Gew. 1360 g. Lc. = 38225. E. 58^/0. M. 42 »/o. T. 38.6« C. 23. 3. Gew. 1320 g. Lc. = 14626. E. 46« o. M. 54«/o. Hämamöben vorhanden. 26. 3. Gew. 1260 g. Lc. = 12867. E. 40«/n. M. 60 "/o. Tier frißt gut. 10. 4. Gew. 1295 g. Lc. = 9420. E. 29''/o. M. 71 «/o. 20. 4. Gew. 1268 g. Lc. = 16636. E. 37 «/o. M. 63«/o. Häm- amöben reichlich vorhanden. 30. 4. Gew. 1260 g. Lc. = 9562. E. 45 «o. M. 55 «/o. Tier frißt gut. 4. 5. Gew. 1265 g. Lc. = 11194. E. 45 «/o. M. 55 «/o. Häm- amöben vorhanden. 5. 5. Gew. 1248 g. Lc. = 10732. E. 20«/o. M. 80« o. Häm- amöben spärlich vorhanden, Degenerationsformen derselben kenntlich. Tier hat schwach diarrhoischen Stuhl. 6. 5. Gew. 1230 g. Lc. = 14368. E. 24«/o. M. 76« o. T. 38.7« C. 7. 5. Gew. 1200 g. Lc. = 13271. E. 30«/o. M. 70«/o. Hämamöben in typischen Formen nachweisbar. Stuhl noch diarrhoisch. 12. 5. Gew. 1185 g. Lc. = 9965. E. 32«/o. M. 68"/o. Hämamöben spärlich vorhanden. 18. 5. Gew. 1120 g. Lc. = 21234. E. 39«/o. M. 61 «o. Stuhl noch immer diarrhoisch, keine Hämamöben gefunden. 22. 5. Gew. 1140 g. Lc. = 11235. E. 42 «/o. M. 58 «/o. Stuhl normal. Hämamöben spärlich vorhanden. Tier frißt gut. 28. 5. Gew. 1194 g. Lc. = 10427. E. 43« o. M. 57« o. 3. 6. Gew. 1200 g. Lc. = 12371. E. 35«,'o. M. 65 «/o. Hämamöben spärlich vorhanden. 13. 6. Gew. 1152 g. Lc. = 9634. E. 43«/o. M. 57 «/o. Hämamöben spärlich vorhanden. Tier frißt gut. 16. 6. Gew. 1175 g. Lc. = 6736. E. 24«/o. M. 76«/o. Hämamöben sehr spärlich vorhanden. 30. 6. Gew. 1225 g. Lc. = 8878. E. 39 «/o. M. 61 «/o. Hämamöben sicher vorhanden. 9. 7. Gew. 1230 g. Lc. = 9317. E. 36« o. M. 64 «/o. Hämamöben nicht gefunden. Tier frißt gut. 21. 7. Gew. 1272 g. Lc. = 8327. E. 31 «/o. M. 69«/o. 6. 8. Gew. 1260 g. Lc. == 15323. E. 45 «,o. M. 55«/o. Hämamöben sicher vorhanden Tier frißt weniger. 13. 8. Gew. 1150 g. Lc. = 14729. E. 40« o. M. 60« o. T. 39.0« C. — 152 — 29. 8. Gew. 1135 g. Lc. = lß735. E. 36o/o. M. 64^. Häm- amöben reichlich nachweisbar. Tier frißt schlecht. 6. 9. Gew. 1070 g. Lc. = 18216. E. 30^/0. M. 70" o. Hamamöben reichlich vorhanden. T. 38.5 '^ C. 11.9. Gew. 965 g. Lc. = 18714. E. 39o/„. M. 61 "/o. Tier frißt sehr wenig. T. 38.2 «"C. 17. 9. Gew. 940 g. Lc =40265. E. 49 "/o. M. 51 »/o. Hamamöben nicht reichlich vorhanden. Tier frißt wenig. 1. 10. Gew. 975 g. Lc. = 10974. E..39o/o. M. 61*^/0. Hamamöben spärlich vorhanden. Tier frißt wenig. T. 38.9 °/o. 6. 10. Gew. 885 g. Lc. = 12417. E. 26 "/o. M. 74 "/o. Hamamöben spärlich vorhanden. T. 39.1 ^ G. 15. 10. Gew. 817 g. Lc. = 14874. E. 25^/0. M. 75*^/0. Tier sehr matt und elend, frißt wenig. 25. 10. Gew. 800 g. Lc. = 10864. E. 28 "/o. M. 720/o. Hamamöben sicher vorhanden. Tier frißt sehr wenig. 7. 11. Gew. 710 g. Lc. = 15184. E. I80/0. M. 82o/o. Hamamöben spärlich aber sicher nachweisbar, Tier sehr elend, ungemein mager, geht in der Nacht zum 8. 11. ein. 8. 11. Sektion 10 ^ : Tier furchtbar abgemagert, Unterhaut- zellgewebe sehr trocken. In den Pleurahöhlen, im Perikard und Unter- leib nur wenig gelbliche Flüssigkeit. Herz zeigt keine Abnormität. Beide Lungen sehr groß, die Oberlappen sind blaß rötlich, teigig, ziemlich trocken, die Unterlappen sehr blutreich, reichlich mit schaumig blutiger Flüssigkeit erfüllt. Nirgends Knötchen, keine Verwachsungen. Die Milz ist groß, blutig und saftreich. Die mesenterialen Lymphdrüsen sind sehr succulent und geschwellt. Vom großen Lymphdrüsenpacket aus- gehend finden sich im Mesenterium streng dem Laufe der größeren Gefäße folgend zerstreute und reichliche Stecknadelkopf- bis hirsekorn- große graulich weiße, weiche, vielfach stark grauschwarz pigmentierte Knötchen; sie sind stets isoliert, und erweisen sich bei der mikro- skopischen LIntersuchung als accessorische Lymphdrüsen, die abseits von dem größern als Pancreas Aselli bekannten Lymphdrüsenpacket nicht angetroffen werden. Leber dunkelbraunrot, hart, trocken. Nieren groß, blaurot, am Schnitte stark hyperämisch. Am Darm und Mesen- terium keine A'eränderungen. Knochenmark blutreich, weich, matsch, gelblichrot. Bouillon- und Agarkulturen aus Herzblut und Milz bleiben steril. Die mikroskopische Untersuchung der Milz zeigt reich- liche Zellenproliferation, zahlreiche Mitosen und Amitosen, die normale Milzstruktur, namentlich die Sonderung in MALPiGHi'sche Knötchen und Trabekelsubstanz, ist stellenweise ganz verwischt. Gefäße und lakunäre Bluträume stark ausgedehnt. Typische Hämamöbenformen werden nicht gefunden, aber zahlreiche in Zerfall begriffene Formen derselben. Meta- chromatische Klumpen mit hellem Centrum sind reichlich vorhanden, lassen aber einen Zusammenhang mit Hämamöbenformen nicht erkennen. Hyperchromatose und Karyorhexis stellenweise sehr reichlich, zahlreiche Mastzellen mit feinern und gröbern Granulis, viele blutkörperchenhaltige Zellen. Im Knochen marke ist zellige Hyperplasie sehr deutlich nach- weisbar; das Fettmark ist total geschwunden, statt dessen intensive Einlagerung kleiner und großer Lymphoidzellen mit amphophilen (basi- schen und acidophilen Granulis), auch körnchenfreie Lymphzellen sind — 153 — reichlich vorhanden. Zahlreiche Mitosen und Amitosen, sehr viele Mast- zellen. Typische Hämamöbenformen sind selten, häutii!;er Zerfailsformen derselben. Reichliche Kern- und Zelldegeneration. Zahlreiche, blut- körperchenhaltige Zellen. In der Lymphdrüse findet sich massenhaft intra- und extra- celluläres schwärzlichgrünes Pigment, das stellenweise geradezu das lymiihatische Gewebe verdrängt; wo es fehlt, ist die normale Struktur erhalten. Mitosen nicht vermehrt, wenig Hyperchromatose und Karyo- rhexis, wenig Mastzellen, keinerlei Hämamöbenformen. In der Leber ist eine Ablagerung lymphatischer Elemente nicht aufzufinden, dagegen sind stellemveise kapilläre Blutungen vorhanden. In den Lungen sind kapilläre Blutungen häufiger, geringgradige Anhäufungen lymphocytärer Elemente sind auch im intakten Gew^ebe stellenweise zu finden. In der Niere sind kapilläre Blutungen in Mark und Rinde häufig zu finden; lymphatische Ablagerungen sind nicht vorhanden. Kaninchen IX. Am 22. L 98 Gew. 1450 g. Lc. = 7994. E. 30 "/o. M. 70 "/o wird ebenso behandelt wie Kaninchen VIII. Nachdem das Tier bereits 15 Minuten abgespannt und in seinen Käfig gesetzt war, geht es ganz plötzlich unter Krämpfen zu (Irunde. Bei der sofort vor- genommenen Sektion findet sich von der Injektionsstelle ausgehend reich- liche Thrombenbildung in den venösen Gefäßen des Halses und Kopfes, auch im rechten Herzen wurden große Blutgerinnsel gefunden. Die Milz des Tieres wird herausgeschnitten, in eine feuchte Kammer gelegt und bleibt 24 Stunden im Thermostaten bei 38,4° C. Bei der mikroskopischen Untersuchung der in Alkohol gehärteten Milz ist hoch- gradiger Kern- und Zellzerfall nachzuweisen, Hämamöbenformen wurden nicht gefunden. Kaninchen X. Ein kleines junges Tier, das am 27. 1. 98 ein Gewicht von 4(52 g, und im Ohrvenenblut Lc. = 9875. E. 22° o. M. 78 '^'o enthält; es werden 2 ccm Milzsaft vom Falle Delago injiziert; die Flüssigkeit war seit dem 17. 1. im Kühlen am Licht aufbewahrt worden. In den Abendstunden zeigte das Tier T. 40.1" C. und fraß nicht, den nächsten Morgen war es wieder munter. 28. 1. Gew. 440 g. Lc. = 7032. E. 68«/o. M. 32° o. Hämamöben sind sicher und reichlich nachweisbar. 30. 1. Gew. 465 g. Lc. 11113 E. 58 «0 Hämamöben reichlich vorhanden. Tier frißt gut. 31. 1. Gew. 500 g. Lc. = 7318. E. G2ö;o. M. 1. 2. Gew. 515 g. Lc. = 5548. E. 43o o. M. Hämamöben reichlich nachweisbar. Tier frißt gut. 2. 2. Gew. 490 g. Lc. = 11147. E. 72 »o. M. 4. 2. Gew. 495 g. Lc. = 11965. E. m'^U 7. 2. Gew. 512 g. Lc. = 12285. E vorhanden. Tier frißt gut. T. 38.7° 12. 2. Gew. 500 g. Lc. = 13865 nicht gesehen. Tier frißt gut. 17. 2. (iew. 535 g. Lc. = 9138, vorhanden. T. M. 42° 0. T. C. E. E. 54° „ 29°/o. 42°/.. . M M. 38°,;.. 57 °,ü. 28°... 32°/o. 46%. M. 71°/,. M. 58°/o. 39.4° 39.1° C. C. T. 38.9° C. T. 39.3° C. Hämamöben Hämamöben Hämamöben ^GÄciT — 154 25. 2. Gew. 545 g. Lc. = 7381. E. öSo/,,. M! 47 «/q. T. 39.1 o C. 26. 2. Gew. 550 g. Lc. = 9858. E. 42 »/q. M. 58 o'^. Hämamöben reichlich vorhanden. Tier frißt gut. 7. 3. Gew. 570 g. Lc. = 6463. E. 42o/„. 14. 3. Gew. 625 g. Lc. = 8743. E. 36 "o vorhanden. Tier frißt gut. 20. 3. Gew. 664 g. Lc. = 7885. E. 37 «/o- M. 63 »/'o 29. 3. Gew. 665 g. Lc. = 9320. E. 34 «/o- M. 66 Wo- vorhanden. Viele hypochromatische Leukocyten. 2. 4. Gew. 632 g. Lc. == 7418. E. 48 o/,. M. 58